opencaselaw.ch

72_IV_121

BGE 72 IV 121

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1946-01-01 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Erwägungen (2 Absätze)

E. 1 ~ Betrug setzt unter anderem voraus, dass der Täter

« jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von

Tatsachen arglistig irreführt oder den Irrtum eines andern

arglistig benutzt» (Art. 148 Abs. 1 StGB). Das Bundes-

gericht hat dieses Erfordernis dahin ausgelegt, dass falsche

Angaben,~ die de:r Gegner ohne besondere Mühe auf ihre

Richtigkeit hin überprüfen kann, nicht genügen (BGE 72

IV 13). Allein der Beschwerdeführer, der sich auf dies~

Rechtsprechung beruft, übe:rgeht, dass der gleiche Ent-

scheid eine Ausnahme vorbehält für den Fall, dass der

-Oberprüfung der falschen Angaben zwar objektiv. nichts

im Wege steht,. der Getäuschte jedoch durch den an.dem

arglistig. davon abgehalten wird, sie vorzunehmen. Ein

solcher Fall liegt hier vor .. Nach der Feststellung des Straf-

gerichts pflegen Kreditinstitute kleine Darle,hen auf· die

blossen Angaben des Gesuchstellers über seine Vermögens-

und Einkommensverhältnisse hin zu gewähren, um ihm

nicht durch Einholung anderer Auskönfte Kosten zu ver-

ursachen. Daher haben die Darlehens A.G. und die Basler

Kantonalbank·dem Beschwerdeführer auf Formularen be-

sti.mnlte ·Fragen zur .schriftlichen Beantwortung gestellt.

Im Formular der Darlehens A.G. wurde ihm deutlich zur

Kenntnis• gebracht, « dass falsqhe und irreführende Anga-

ben nach hiesigem Gesetz strafrechtlich verfolgbar » seien,

und in Ziff. 1 der auf dem gleichen Formular enthaltenen

Vert:ragsbestimmungen. verpflichtete sich die Darlehell$

A.G„.ausdrücklich, bei ordnungsgemässer Abwicklung des

Kreditverhältnisses über den Kreditnehmer ·keine Infor•

mationen einzuziehen. Der B~hwerdeführer wusste sonrlt,

dass die Darleiherin sich auf die Richtigkeit, seiner Angaben

124

Strafgesetzbuch. No 37.

verlassen, ihn dabei behaften wollte. Dass auch die Basler

Kantonalbank gleichen Willens war, sah er daraus, dass

sie von ihm eine « ehr0nwörtliche » Erklärung verla.ngte.

Indem er unter diesen Umständen. in beiden Fällen ver-

sicherte, wahrheitsgetreu Auskunft zu geben, hielt er die

Darleiherinnen arglistig davon ab, seine Angaben zu über-

prüfen. Übrigens hätten sie nicht alle seine Antworten

ohne besondere Mühe überprüfen können, so namentlich

nicht die Angabe über den· Wert seiner. Möbel und seine

Behauptung, er habe keine anderen Darlehensschulden.

In der unrichtigen Beantwortung der Fragen über den

Bestand von Betreibungen, Verlustscheinen, Schulden und

den Wert der Möbel lag eine Vorspiegelung von Tatsachen.

Der Beschwerdeführer hat die Darlehens A.G. und die

Basler Kantonalbank dadurch ·arglistig irregeführt. Dass

er dies vorsätzlich getan hat, ergibt sich aus der verbind~

liehen Feststellung der kantonalen Instanzen, wonach er

sich der Unwahrheit seiner Angaben bewusst war.

· 2. -

Wie das Strafgericht ausführt, wollten die ·Dar-

Ieiherinnen ·das Geld einem augenblicklich ·an Barmitteln

knappen, im übrigen aber ·aufrecht stehenden, zahlungs-

fähigen Schuldner zukommen lassen, welcher die nötige

Gewähr biete für die Einhaltung der ihm auferlegten Ver-

pflichtungen, namentlich für die möglichst reibungslose

Rückzahlung des Darlehens binnen der vereinbarten Frist.

Hätte der Beschwerdeführer diese Gewähr geboten, so

wären die Darleh~nsforderungen gegen ihn soviel wert

gewesen, als ihnen die Darleiherinnen bei der Hingabe des

Geldes beimassen. Von einer Schädigung könnte dann

nicht gesprochen werden. Allein der Beschwerdeführer hat

in den Darlehensgesuchen seine·· finanzielle Lage wesentr-

licli. günstiger dargestellt, als sie war; Er bot von Anfang

an weniger ·Gewähr für vertragsgemässe ·Rückzahlung, als

die Darleiherinnen glaubt.an und er ihnen zu bieten be-

hauptete. Die Forderungen der Darlehens A.G. und der

Basler Kantonalbank waren daher von .Anfang an weniger

~lt .. als ·im Vertrag vorausgesetzt wurde. Darin lag für

Strafgesetzbuch. No 37.

126

4.ie.·Getäuschten .ein Schaden. Es ist somit für den Tat-

bestand des Betruges bela.nglos, dass der Beschwerdeführer

schliesslich während des Strafverfahrens doch die eine

Schuld ganz, die andere teilweise getilgt hat.

E. 3 Der Beschwerdeführer verneint die Absicht un-

rechtmässiger Bereicherung, weil er von Anfang an im

Sinne gehabt habe, die beiden Darlehen zurückzubezahlen.

Dieses Vorhaben . schllesst. jedoch den)Jetrug dann nicht

aus, wenn der Täter im Augenblick der Tat weiss, dass es

ein blosser Wunsch bleiben wird, den er nicht rechtzeitig

wird erfüllen können. Indem er die Tat trotz dieses Wis-

sens begeht, billigt er die Bereicherung, die sie für ihn zur

Folge hat. Der sicheren Voraussicht und dem direkten

Wollen dieser Bereicherung gleichgestellt ist die bloss

eventuelle Bereicherungsabsicht (BGE 69 IV 80). Sie liegt

dann vor, wenn dem Täter die Möglichkeit der Bereicherung

bewusst ist und er sie für den Fall, dass sie eintrete, billigt.

Beim Betrug durch Aufnahme eines Darlehens muss also

dem Borger die Möglichkeit, dass er ·das Darlehen nicht

~chtzeitig werde zurückbezahlen können, bewusst gewesen

sein, und er muss diesen Erfolg für den Fall, dass er ein-

trete, gewollt haben. Das Wollen darf, wenn das Wissen

um die Möglichkeit des Erfolges das einzige Indiz ist,· nur

dann bejaht werden, wenn sich dem Täter'der Eintritt des

Erfolges als so wahrscheinlich.aufdrängte, dass sein Han-

deln vernünftigerweise nicht anders denn als Billigung des

Erfolges ausgelegt werden kann {BGE 69 IV 80). Diese

Voraussetzung ist im vorliegenden Falle erfüllt. Dem :Be-

schwerdeführer drängte sich angesichts seiner starken

'Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit, wenn nicht sogar

als sicher, so doch als höchst wahrscheinlich auf, dass er

die Darlehen nicht rechtzeitig werde zurückbezahlen kön-

nen. Irgend ein besonderer Grund, der die Hoffnung auf

rechtzeitige Rückzahlung gerechtfertigt hätte, ist nicht

ersichtlich und auch· nieht geltend gemacht. Indem der

Beschwerdeführer die Darlehen trotzdem aufnahm und

das Geld für seine persönlichen Bedürfnisse verbrauchte,

'

. .

: ·"'-''"."!.

126

Strafgesetzbuch; N° 38.

wollte er die Bereicherung für den Fall, dass sie eintrete.

Er ist zu Recht des Betrugs schuldig erklärt worden.

Demnach erke:n.nt der KasB:atioruikof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

37. Urteil des Kassationshofes vom 13. September 1948

i. S. Schmid gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt.

Art. 148 Abs. 1 StGB, Kreditbetrug.

Arglist der Täuschung (Erw. 1).

Schaden (Erw. 2).

·

Absicbt.unrecbtmässige,r Bereicherung; eventuelle Absicht genügt

(Erw. 3).

Art. 148 al. 1 OP. EBCroguerie au crM!it.

Astuce de Ia tromperie (consid. 1).

Dommage (consid. 2).

·

Dessein d'enrichissement iJlegitime; le dessein eventual suffit

(consid. 3).

Art. 148 cp. 1 OP. Truffa per ottenere un credito.

Astuzia dell'inga.nno (consid. 1).

Da.nno (consid. 2).

. .

.

Intenzione di arricchirsi illegittimamente; l'intenzione eventuale

basta (consid. '3).

.A. -

Schmid ist elfmal vorbestraft, hauptsächlich wegen

Betruges und Diebstahls. Als er in Zürich· wohnte, wurde

er in den Jahren 1941 bis 1944 für Beträge von zusammen

Fr. 7275.95 zweiundzwanzigmal betrieben und wurden

gegen ihn.neun Verlustscheine für zusammen Fr. 2674.20

ausgestellt. Im Jahre 1944 zog er nach Basel um. Dort

waren vom Juli bis im November 1944 gegen ihn mehrere

Betreibungen für zusammen Fr. 734.80 hängig. Aus einer

Pfändungsurkunde vom 29. November 1944 ergibt sich,

dass er gegenüber d~m Betreibungsamt verschiedene fl&=

pfändete GegenständEi als Eigentum Dritter ausgab, die

sie ihm unter ~iserlttlhiS-Vorbehalt verkauft und die noch

einen beträchtlfo1i~ii Kaufpreis zu fordern hatten.

Am 4. Oktober H144 ersuchte Schmid die Darlehens A.G.

um ein Darlehett v8n Fr. 300.-.Auf einem Formular, das

ihm für falsch@ lliid irreführende Angaben Strafverfolgung

androhte, verrieifite er unter Zusicherung wahrheitsge-

treuer Auskunft die Fragen, ob gegen ihn eine Betreibung

anhängig. sei, ob gegen ihn Verlustscheine bestünden und

ob er Schulden habe, und gab er den Wert seiner Möbel,

soweit :sie nicht Kompetenzstücke seien, wahrheitswidrig

122

Strafgesetzbuch. No 37.

mit Fr. 3200.- an. Die Darlehens A.G. verliess sich auf

seine Antworten und gewährte ihm daher am 6. Oktober

1944. ein bis am 1. April 1945 in Monatsraten rückz~bares

Darlehen von Fr. 200.-, was sie bei Kenntnis seiner Ver-

mögensverhältnisse nicht getan hätte. Schmid bezahlte

das Darlehen nicht vertragsgemäss zurück. Di~ Betreibung,

der er sich durch Rechtsvorschlag widersetzte, führte· zu

einem provisorischen Verlustschein. Nachdem die Dar-

lehens A.G. gegen Schmid Strafanzeige wegen Betruges

eingereicht hatte, leistete er am 6. Oktober 1945 Fr. 35.-.

Den Rest blieb er schuldig.

Am 3. November 1944 ging Schmid die Basler Kantonal-

bank um ein Darlehen von Fr .. 220.- an; indem er ein

Formular ausfüllte, auf dem er wahrheitsgetreue Ant-

worten zusicherte. Die Frage, ·ob er anderweitige Dar-

lehensschulden habe, verneinte er. Ferner gab er auf dem

Gesuch die « ehrenwörtliche » Erklärung ab, er sei nicht

betrieben und gegen ihn bestünden keine Verlustscheine.

Die Bank gewährte das Darlehen am 4. November 1944.

Wenn Schmid die Wahrheit gesagt hätte, würde sie ihm

das Geld nicht gegeben haben. Schmid· verpflichtete sich,

es bis Ende April 1945 in sechs Monatsraten z'urückzuzah-

len, befriedigte die Gläubigerin indessen erst im Verlaufe

des Strafverf~ns; das sie am 3. Mai 1945 gegen ihn ein-

leiten liess.

B. -

Durch Urteil vom 8. Januar.1946 würdigte das

Strafgericht des ·Kantons Basel-Stadt die Aufnahme der

beiden Darlehen als Betrug im _Sinne des Art. 148 Abs. 1

StGB und verurteilte Schmid zu drei Monaten Gefängnis.

Das Appellationsgericht, an welches Schmid die Sache

weiterzog, bestätigte dieses Urteil am 12. Juni 1946 unter

Verweisung auf die tatsä.Chlichen und rechtlichen Aus-

führungen: ·der ersten Instanz.

O. -.....:. Schmid führt gegen das Urteil des Appellations-

gerichts Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag auf Frei•

sprechung~ Er bestreitet die Vorspiegelung oder Unter-

drückung von Tatsachen, den Vorsatz der arglistigen Irre-

Strafgesetzbuch. No 37.

123

führung, die Schädigung und die Absicht unrechtmässiger

Bereicherung.

D. -

Die Staatsanwaltschaft ftes ·Kantons Basel-Stadt

beantragt,·· die Beschwerde. sei abzuweisen.

Der Kassatioruihof zieht in Erwägung:

1. ~ Betrug setzt unter anderem voraus, dass der Täter

« jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von

Tatsachen arglistig irreführt oder den Irrtum eines andern

arglistig benutzt» (Art. 148 Abs. 1 StGB). Das Bundes-

gericht hat dieses Erfordernis dahin ausgelegt, dass falsche

Angaben,~ die de:r Gegner ohne besondere Mühe auf ihre

Richtigkeit hin überprüfen kann, nicht genügen (BGE 72

IV 13). Allein der Beschwerdeführer, der sich auf dies~

Rechtsprechung beruft, übe:rgeht, dass der gleiche Ent-

scheid eine Ausnahme vorbehält für den Fall, dass der

-Oberprüfung der falschen Angaben zwar objektiv. nichts

im Wege steht,. der Getäuschte jedoch durch den an.dem

arglistig. davon abgehalten wird, sie vorzunehmen. Ein

solcher Fall liegt hier vor .. Nach der Feststellung des Straf-

gerichts pflegen Kreditinstitute kleine Darle,hen auf· die

blossen Angaben des Gesuchstellers über seine Vermögens-

und Einkommensverhältnisse hin zu gewähren, um ihm

nicht durch Einholung anderer Auskönfte Kosten zu ver-

ursachen. Daher haben die Darlehens A.G. und die Basler

Kantonalbank·dem Beschwerdeführer auf Formularen be-

sti.mnlte ·Fragen zur .schriftlichen Beantwortung gestellt.

Im Formular der Darlehens A.G. wurde ihm deutlich zur

Kenntnis• gebracht, « dass falsqhe und irreführende Anga-

ben nach hiesigem Gesetz strafrechtlich verfolgbar » seien,

und in Ziff. 1 der auf dem gleichen Formular enthaltenen

Vert:ragsbestimmungen. verpflichtete sich die Darlehell$

A.G„.ausdrücklich, bei ordnungsgemässer Abwicklung des

Kreditverhältnisses über den Kreditnehmer ·keine Infor•

mationen einzuziehen. Der B~hwerdeführer wusste sonrlt,

dass die Darleiherin sich auf die Richtigkeit, seiner Angaben

124

Strafgesetzbuch. No 37.

verlassen, ihn dabei behaften wollte. Dass auch die Basler

Kantonalbank gleichen Willens war, sah er daraus, dass

sie von ihm eine « ehr0nwörtliche » Erklärung verla.ngte.

Indem er unter diesen Umständen. in beiden Fällen ver-

sicherte, wahrheitsgetreu Auskunft zu geben, hielt er die

Darleiherinnen arglistig davon ab, seine Angaben zu über-

prüfen. Übrigens hätten sie nicht alle seine Antworten

ohne besondere Mühe überprüfen können, so namentlich

nicht die Angabe über den· Wert seiner. Möbel und seine

Behauptung, er habe keine anderen Darlehensschulden.

In der unrichtigen Beantwortung der Fragen über den

Bestand von Betreibungen, Verlustscheinen, Schulden und

den Wert der Möbel lag eine Vorspiegelung von Tatsachen.

Der Beschwerdeführer hat die Darlehens A.G. und die

Basler Kantonalbank dadurch ·arglistig irregeführt. Dass

er dies vorsätzlich getan hat, ergibt sich aus der verbind~

liehen Feststellung der kantonalen Instanzen, wonach er

sich der Unwahrheit seiner Angaben bewusst war.

· 2. -

Wie das Strafgericht ausführt, wollten die ·Dar-

Ieiherinnen ·das Geld einem augenblicklich ·an Barmitteln

knappen, im übrigen aber ·aufrecht stehenden, zahlungs-

fähigen Schuldner zukommen lassen, welcher die nötige

Gewähr biete für die Einhaltung der ihm auferlegten Ver-

pflichtungen, namentlich für die möglichst reibungslose

Rückzahlung des Darlehens binnen der vereinbarten Frist.

Hätte der Beschwerdeführer diese Gewähr geboten, so

wären die Darleh~nsforderungen gegen ihn soviel wert

gewesen, als ihnen die Darleiherinnen bei der Hingabe des

Geldes beimassen. Von einer Schädigung könnte dann

nicht gesprochen werden. Allein der Beschwerdeführer hat

in den Darlehensgesuchen seine·· finanzielle Lage wesentr-

licli. günstiger dargestellt, als sie war; Er bot von Anfang

an weniger ·Gewähr für vertragsgemässe ·Rückzahlung, als

die Darleiherinnen glaubt.an und er ihnen zu bieten be-

hauptete. Die Forderungen der Darlehens A.G. und der

Basler Kantonalbank waren daher von .Anfang an weniger

~lt .. als ·im Vertrag vorausgesetzt wurde. Darin lag für

Strafgesetzbuch. No 37.

126

4.ie.·Getäuschten .ein Schaden. Es ist somit für den Tat-

bestand des Betruges bela.nglos, dass der Beschwerdeführer

schliesslich während des Strafverfahrens doch die eine

Schuld ganz, die andere teilweise getilgt hat.

3. -

Der Beschwerdeführer verneint die Absicht un-

rechtmässiger Bereicherung, weil er von Anfang an im

Sinne gehabt habe, die beiden Darlehen zurückzubezahlen.

Dieses Vorhaben . schllesst. jedoch den)Jetrug dann nicht

aus, wenn der Täter im Augenblick der Tat weiss, dass es

ein blosser Wunsch bleiben wird, den er nicht rechtzeitig

wird erfüllen können. Indem er die Tat trotz dieses Wis-

sens begeht, billigt er die Bereicherung, die sie für ihn zur

Folge hat. Der sicheren Voraussicht und dem direkten

Wollen dieser Bereicherung gleichgestellt ist die bloss

eventuelle Bereicherungsabsicht (BGE 69 IV 80). Sie liegt

dann vor, wenn dem Täter die Möglichkeit der Bereicherung

bewusst ist und er sie für den Fall, dass sie eintrete, billigt.

Beim Betrug durch Aufnahme eines Darlehens muss also

dem Borger die Möglichkeit, dass er ·das Darlehen nicht

~chtzeitig werde zurückbezahlen können, bewusst gewesen

sein, und er muss diesen Erfolg für den Fall, dass er ein-

trete, gewollt haben. Das Wollen darf, wenn das Wissen

um die Möglichkeit des Erfolges das einzige Indiz ist,· nur

dann bejaht werden, wenn sich dem Täter'der Eintritt des

Erfolges als so wahrscheinlich.aufdrängte, dass sein Han-

deln vernünftigerweise nicht anders denn als Billigung des

Erfolges ausgelegt werden kann {BGE 69 IV 80). Diese

Voraussetzung ist im vorliegenden Falle erfüllt. Dem :Be-

schwerdeführer drängte sich angesichts seiner starken

'Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit, wenn nicht sogar

als sicher, so doch als höchst wahrscheinlich auf, dass er

die Darlehen nicht rechtzeitig werde zurückbezahlen kön-

nen. Irgend ein besonderer Grund, der die Hoffnung auf

rechtzeitige Rückzahlung gerechtfertigt hätte, ist nicht

ersichtlich und auch· nieht geltend gemacht. Indem der

Beschwerdeführer die Darlehen trotzdem aufnahm und

das Geld für seine persönlichen Bedürfnisse verbrauchte,

'

. .

: ·"'-''"."!.

126

Strafgesetzbuch; N° 38.

wollte er die Bereicherung für den Fall, dass sie eintrete.

Er ist zu Recht des Betrugs schuldig erklärt worden.

Demnach erke:n.nt der KasB:atioruikof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.