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70_IV_139

BGE 70 IV 139

Bundesgericht (BGE) · 1944-01-01 · Deutsch CH
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Strafgesetzbuch. N° 37.

Der Kassationshof zieht in Erwägung:

1. -

Nach Art. 16l·StGB ist auf Antrag strafbar, wer

jemB.ndem die Kundschaft durch unehrliche Mittel, na-

mentlich durch arglistige Kniffe, schwindelhafte Angaben,

böswillige Verdächtigungen, abspenstig macht oder fern-

hält. Als diese Bestimmung in den eidgenössischen Räten

angenommen wurde, war das Bundesgesetz über den

unlauteren Wettbewerb in Vorbereitung. Bereits dessen

erster Entwurf (BBl 1934 II 553 ff. Art. 16) regelte den

Straftatbestand des unlauteren Wettbewerbes eingehender

als Art. 161 StGB. Diese Bestimmung wurde nur deshalb

nicht gestrichen, weil man voraussah, dass das Straf-

gesetz buch vor dem Wettbewerbsgesetz in Kraft treten

werde, und man auf einen vorläufigen bundesrechtlichen

Schutz nicht verzichten wollte. Es war jedoch schon

damals vorgesehen, dass Art. 161 StGB durch das Bundes-

gesetz über den unlauteren Wettbewerb wieder aufgehoben

werde (vgl. AStenBull Sonderausgabe NatR 360 f„ 694 f.,

StR 173, 323). Das wird denn auch der Fall sein, falls

dieses Gesetz in der bevorstehenden Volksabstimmung

, angenommen wird (Art. 21). Dessen Art. 13 regelt den

unlauteren Wettbewerb eingehender als Art. 161 StGB, er-

klärt z.B. in lit. b strafbar, wer vorsätzlich i.

Es kann nicht der Wille des Bundesgesetzgebers gewesen

seini die provisorische Regelung des Art. 161 StGB als

abschliessend zu betrachten und den Kantonen nicht zu

gestatten, im Rahmen der ihnen durch Art. 335 Ziff. 1

Abs. 1 StGB vorbehaltenen Befugnis ergänzende Tatbe-

stände handels- oder gewerbepolizeilicher Natur aufzu-

stelleh. Sogar noch das Bundesgesetz über den unlauteren

Wettbewerb behait in Art. 22 die gewerbe- und handels-

polizeilichen Vorsahriften der Kantone ausdrücklich vor,

insbesondere diejenigen gegen unlauteres Geschäftsge-

baren.

Strafgesetzbuch. N° 38.

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2. -

Eine Vorschrift, die neben Art. 161 StGB Platz

hat, ist § 1 des luzernischen Handelspolizeigesetzes. Im

Gegensatz zu Art. 161 StGB bezweckt sie nicht den

Schutz der Mitbewerber, sondern den der Kunden. Sie

regelt nicht einen Tatbestand des unlauteren Wettbe-

werbes, sondern einen solchen des unlauteren Geschäfts-

gebarens. Wohl kann solches indirekt auch den Mit-

bewerber schädigen, da es ihm unter Umständen Kund-

schaft entzieht. § 1 des luzernischen Ilandelspolizeige-

setzes ist jedoch nicht unter diesem Gesichtspunkt erlassen

worden, sondern zum Schutze der Kunden vor Irreführung

durch die Geschäftsleute, ein Gesichtspunkt, den Art; 161

StGB nicht berücksichtigt. So verhält es sich selbst dann,

wenn -

was heute nicht entschieden zu werden braucht -

Art. 161 nicht den Nachweis erfordert, dass einem bestimm-

ten Mitbewerber die Kundschaft abspenstig gemacht oder

ferngehalten worden ist, sondern auch dann gilt, wenn

ganz allgemein anzunehmen ist, die Handlung habe "

irgend einem Mitbewerber Kunden entzogen.

3. -

Die Strafe ist in Anwendung kantonalen Rechts

ausgefällt worden. Soweit der Beschwerdeführer das

Strafmass anficht, ist daher auf die Beschwerde nicht

einzutreten (Art. 269 Abs. 1 BStrP).

Demnach erkennt der Kassationshof:

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen, soweit

darauf eingetreten werden kann.

38. Extrait de l'arr6t de la Cour penale fMerale

du 16 juin 1944 dans la cause

Ministere public de Ja ConfMeratiou contre X et coaccuses.

1. Atteinte a l'independance de la Conjederation (art. 266 CP).

Notion de l'independance.

Notion de la mise en >. Celui qui favorise une

propagande etrangere tendant a modifier les :histitutions

politiques de la SuiSse n'est punissable que s'il entreprend

par Ia de renverser ou de compromettre d'une maniere

illicite l'ordre constitutionnel. Cela s~ppose qu'il procede

avec une certaine methode, de sorte que son action de

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Verfahren.

propagande apparaisse comme un travail propre a atteindre

l'un ou l'autre resultat prevu par la loi.

J)ans tous les cas, l'auteur doit avoir avoir agi c >. II en sera ainsi en particulier lorsqu'il

aura cherche a modifier la constitution par d'autres voies

que celles prevues dans la constitution elle-meme et

notamment par la violence. Ce sera le cas encore lorsqu'il

aura agi de concert avec l'etranger ou selon les visees

de l'etranger, puisque l'alinea 2 reprime le fait de favoriser

une propagande etrangere visant a modifier les institutions

politiques de la S.uisse.

L'infraction a l'art. ler de l'arrete n'est punissable que

si eile est intentionnelle (art. 3 al. 1 arrete, art. 334, 18

al. 1 CPS). L'intention doit se refärer soit au renversement,

soit a la mise en danger de l'ordre fonde sur la constitu-

tion. Dans ce dernier cas, il n'est pas necessaire que la

volonte de l'auteur ait porte, meme a titre eventuel, sur

la realisation du danger cree. En revanche, celui qui ne

fait encore qu'entreprendre une action subversive de la

nature definie par la loi doit avoir en vue et accepter

le resultat vise par la loi : le renversement ou la mise

en danger des institutions {cf. ci-dessus consid. 1).

II. DEMOKRATIESPHUTZ

PROTECTION DE LA DEMOCRATIE

Vgl. Nr. 38. -

Voir n° 38.

III. VERFAHREN

PROCEDURE

Vgl. Nr. 31, 32, 35. -

Voir n08 31, 32, 35.

I. STRAFGESETZBUCH

CODE PENAL

39. Urteil des Kassationshofes vom 22. Se-ptember 19«

i. S. Frey gegen Pfändler.

l. Art. 29, 27 Ziff. 3 StGB. Die Frist zur StellQ.ng des Strafantrages

gegen den Redaktor einer Zeitung oder Zeitschrift beginnt nicht

zu laufen, bevor der Antragsberechtigte weiss, dass der Ver-

fasser nicht ermittelt oder in der Schweiz nicht vor Gericht

gestellt werden kann oder dass die Verö:ffentlichtmg ohne deSsen.

Wissen oder gegen dessen Willen stattgefunden hat. Dies gilt

jedenfalls dann, wenn der Antragsberechtigte binnen drei

Monaten seit Kenntnis des Artikels Schritte unternimmt, um

den Verfasser zu ermitteln (Erw. 1).

2. Art. 173 Ziff. 2 Ab8. 1 StGB, Art. 269 Abs. 1, 275 Abs. 1 BStrP.

Mit der Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof kann nicht

geltend ge~ht werden, zu,m Beweis der Wahrheit der ehren-

rührigen .Äusserung hätten andere Beweismittel zugelassen

werden müssen oder dieser Beweis sei unrichtig gewürdigt

worden (Erw. 2).

3. Art. 173 StGB, Art. 65 BV. Die Leichtfertigkeit der Beschuldi-

gung ist selbst dann nicht Tatbestandsmerkmal der üblen

Nachrede, wenn diese durch das Mittel der Druckerpres8e

begangen wird (Erw. 3).

.

1. Art. 29, 27 eh. 3 OP. Le delai pour porter plainte contre le redac-

teur d'un joqrnal ou d'un periodique ne commence pas 8. courir

avant que le lese sache que l'auteur ne peut etre decouvert ou

ne peut etre traduit en Suisse devant un tribunal ou que la

pu,blication a ete faite 8. son insu ou contre sa volonte. TI en est

ainsi en tout cas lorsque, dans les trois mois des qu'il a eu con-

naissance de l'article, l'ayant droit fait des demarches pour

decouvrir l'auteur (consid. 1).

2. Art. 173 eh. 2 al. 1 OP, art. 269 al. 1, 275 al. 1 PPF. On ne peut

soutenir dans un pou.rvoi en nullite a la Cour de cassation que,

s'agissant d'etablir la verite de propos di:ffamatoires, le tribunal

cantonal aurait du accueillir d'autres preu.ves ou, qu'il a mal

apprecie les preu.ves administrees (consid. 2).

3. Art. 173 OP, 55 OF. Meme dans le cas ou la diffamation est

commise par la voie de la presse, elle ne su,ppose pas qu,e les

accusations aient ete portees a Ia• Iegere. (consid. 3).

1. Art. 29, 27 cifra 3 OP. 11 termine per sporgere querela contro

il redattore d'u,n giornale o d'u,n periodico non comincia prima

ehe il leso sappia ehe l'autore non puo es.<1ere scoperto ci non

puo essere tradotto in Isvizzera davanti ad u,n tribunale o ehe

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AS 70 IV -

1944