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Unlauterer Wettbewerb. lfo 17.
Abs. .2 ebenda die kantonale Kompetenz noch besonders
vorbehält.
3. -
.•.
Demnach erkennt der Kaasation.8hof :
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen, soweit
darauf einzutreten ist.
II. UNLAUTERER WETTBEWERB
CONCURRENCE DELOYALE
!7. Urteil des Kassationshofes vom 9.,Juli 1948 i. S. Zimmerll
gegen Chrlstlieher Metallarbeiterverband der Schweiz.
Das Bundesgesetz über den unlau.tem Wettbewerb vom 30.
September 1943 ordnet die Konkurrenz im Geschäftsleben, in
der auf Erwerb gerfohteten Tätigkeit; Berufsverbände geniessen
seinen Schutz nicht.
La. loi federa.le sur la concurrence deloyale regle 1a concurrenoe
dans Ja vie des affaires, c'est-a-dire dans 1es activites lucra-
tives; el1e ne protege pas les associations professionnel1es.
La. legge federa.le sulla concorrenza. sleale disciplina 1a concorrenza.
nella vita degli a.ffari, ossia. nelle a.ttivita. lucra.tive; non pro-
tegge le a.ssocia.zioni professiona.Ii.
A. -
Hans Zimmerli ist Sekretär des Metall- und
Uhrenarb6iterverba.ndes in Luzern.· Am .26. Januar 194 7
bemerkte er an einer Gruppenversammlung seines Verban-
des in Egolzwil, das Sekretariat des Christlichen :Metall-
arbeiterverbandes der Schweiz sei von Zug nach Luzern
verlegt worden, weil « sie nömme heige chönne zeise ».
Auf Klage d~ Christlichen Metallarbeiterverbandes verur-
teilte das Amtsgericht Willisau Hans Zimmerli in Anwen-
dung von Art. 13 lit. a UWG wegen unlautern Wettbe-
werbes zu Fr. 20.- Busse.
B. -
Mit Nichtigkeitsbeschwerde ersucht Hans Zim-
merli um Aufhebung des Urteils des Amtsgerichtes. Er
Unlauterer Wett"bew«'b. N"• !7.
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macht geltend, das Bundesgesetz über den unlauteren
Wettbewerb sei nicht anwendbar. Es beziehe sich nur
auf den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf, nicht auf
den Wettbewerb zwischen Gewerkschaften. Eventuell sei
der Christliche :Metallarbeiterverband nicht zur Klage
legitimiert. Dieser und das Statthalteramt Willisau bean-
tragen die Abweisung der Beschwerde.
Der Kassationshof zieht in Erwägung :
l. -
Unlauterer Wettbewerb im Sinne des Bundesge-
setzes über den Unlautem Wettbewerb vom 30. September
1943 (UWG) ist « jeder Missbrauch des wirtschaftlichen
Wettbewerbes durch täuschende oder andere Mittel, die
gegen die Grundsätze von Treu und Glauben verstossen »
(Art. 1 UWG). Unter wirtschaftlichem Wettbewerb ist
1
hier grundsätzlich die Konkurrenz im Geschäftsleben,
in der auf Erwerb gerichteten Tätigkeit zu verstehen.
Dafür sprechen schon die in Art. 1 UWG aufgeführten
Beispiele, wo von Waren, Marken, Leistungen oder
Geschäftsverhältnissen, von Geschäftsbetrieben, Fabri-
kations- oder Geschäftsgeheimnissen die Rede ist. Ein-
deutig ist sodann der französische Wortlaut der Bestim-
mung, der den für den geschäftlichen Wettbewerb
gebräuchlichen Ausdruck« concurrence » (nicht etwa« oom-
petition ») verwendet. Die Entstehungsgeschichte des
Erlasses bestätigt, dass dieser auf Handel und Gewerbe
zugeschnitten ist (vergl. Botschaft des Bundesrates vom
3. November 194.2, BBI 1942 S. 668 ff.). Die hier vertretene
Auslegung herrscht auch in der Lehre vor (vergl. z. B.
GERMANN: Unlauterer Wettbewerb, S. 247, 256; VON
BÜREN : Komm. zum UWG, S. 57 ff.).
2. -
Die Aeusserung des Beschwerdeführers hatte nicht
den Wettbewerb im eben geschilderten Sinne zum Gegen-
stand. Der Christliche Metallarbeiterverband als solcher
verfolgt keine auf Gewinn gerichtete Tätigkeit. Er erstrebt
zwar u~ a. auch die wirtscha:Rliche Hebung semer Mit-
glieder, betreibt aber als Berufsverband kein Geschäft
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AB 74 IV -
1948
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Unla.~terer Wettbewerb. N° 27.
und zählt demnach zu den ideellen, nichtwirtschaftlichen
Personenverbindungen (vergl. BGE 62 II 33 :II.). In dieser
Eigenschaft, die hier allein in Frage steht, geniesst er
den Schutz des Bundesgesetzes über den unlaut~rn Wettbe-
werb nicht, so dass der Beschwerdeführer nicht wegen
Verletzung des Art. 13 lit. a UWG bestraft werden kann.
3. -
Eine Kreditschädigung im Sinne des Art. 160
StGB ist vom Chrlstlichen Metallarbeiterverband mit
Recht nicht geltend gemacht worden. Da Art. 173 :II.
StGB nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes die
persönliche Ehre, nicht auch den geschäftlichen Ruf
schützt, kann der Beschwerdeführer auch nicht wegen
Ehrverletzung strafrechtlich verfolgt werden (BGE 71
IV 230; 72 IV 172; Urteil des Kassationshofes vom 23.
Januar 1948 i.· S. Frei S. 2 f.). Ebensowenig kommt ein
anderer Straftatbestand in Frage. Gegen Beeinträchti-
gungen in den persönlichen Verhältnissen, die nicht in
einem Angriff auf die Ehre im eben umschriebenen Sinne
bestehen, bietet, soweit dafür wirklich ein Bedürfnis
besteht, das Zivilrecht (Art. 28 ZGB, Art. 49 OR) Schutz.
Die Sache ist daher zur Freisprechung des Beschwerde-
führers an die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter diesen
Umständen erübrigt es sich zu untersuchen, ob der Christ-
liche Metallarbeiterverband im Sinne von Art. 13 ~etzter
Absatz UWG legitimiert war, Klage zu erheben.
Demnach erkennt der Kassationshof;·
Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Amts-
gerichtes von Willisau vom 5. Mai 1948 aufgehoben und
die Sache zur Freisprechung des Beschwerdeführers an
die Vorinstanz zurückgewiesen.
Unlauterer Wettbewerb. No 28.
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28. Extrait de l'arret de la Cour de cassation penale du 3 septembre
1948 dans la cause Cnrty contre Ministere publle du eanton de
Frlbonrg.
lnjracti<>ns d la loi BUr la coneurrence yale.
Peut aussi constituer un acte de concurrence d6loyale au sens
de l'art. 13 litt. a LCD le fait de denigrer UI). concurrent a.upres
de ses fournisseurs.
Denigrement par des allegations inexactes, fallacieuses ou inutile-
ment blessantes.
Unlauterer Wettbewerb.
Unlauterer Wettbewerb im Sinne von Art. 13 lit. a. UWG kann
auch in der Herabsetzung eines Mitbewerbers bei seinen Liefe-
ranten bestehen.
Herabsetzung durch unrichtige, irreführende oder unnötig ver-
letzende Äusserungen.
.
Ooncorrenza sle<ile.
Puo costituire atto di concorrenza sleale a' sensi dell'art. 13
lett. a LOS anche il fatto di denigrare un concorrente presso
i suoi fornitori.
Denigra.mento con affermazioni inesat~. fallaci o inutilmente
offensive.
Resume d~ faits :
Louis Curty et Paul Delpech etaient tous deux en rela-
tions, par l'intermed:iaire de l'importateur Guggenheim,
a.vec une maison espagnole, la. Corporation internationale
a Barcelone, qui les avait charges d'eoouler en Suisse un
important stock de doublures pour vetements. Curty a
denigre Delpech aupres de leurs fotlrnisseurs comm.uns,
en declarant en particulier que son concurrent « n'avait
pas le SOU)).
Sur plainte de Delpech, Curty a ete condamne par les
juridictions fribou.rgeoises en vertu de l'a.rt. 13 litt. a
LCD.
Dans so!l pourvoi en nullite, Curty conteste s'etre rendu
coupable de concurrence deloyale, parce qu'il n'a jamais
tenu de propos desobligeants sur le oompte de Delpech
aupres des clients de ce dernier.
La Cour de cassation pen!tle a rejete ce moyen.