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71_IV_217

BGE 71 IV 217

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1945-11-16 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

49. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 16. No-

vember 1945 i. S. Brfigger gegen Staatsanwaltsehaft des Kantons

Basel-Stadt.

Art. 273 StGB. Unter diese Bestimmung fällt auch die Erstattung

bewusst falscher Meldungen, welche ihrer Natur nach ein

Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnis betreffen.

Art. 273 OP. Cette disposition reprime aussi l'acte de celui qui

fournit des renseignements qu'il sait faux; il suffit que, ?e l~ur

nature, ces renseignements concernent un secret de fabncation

ou d'affaires.

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Strafgesetzbuch. No 49.

Art. 273 OP. Queste. disposizione punisce anche l'atto di chi

fornisoe informa.zioni ohe sa essere false; haste. ehe, per loro

natura, queste informa~ioni conoernino un segreto di fabbri-

ca.zione o d'affari.

Am den Erwägungen :

Sämtliche Meldungen, welche der Beschwerdeführer

machte, waren bewusst falsch. Mit Recht haben die kan-

tonalen Instanzen in der Erstattung dieser Meldungen

dennoch wirtschaftlichen Nachrichtendienst erblickt. Art.

273 Abs. 2 StGB will nicht bloss den Verrat bestehender

geheimer Tatsachen unterdrücken, sondern den Nachrich-

tendienst als solchen bekämpfen. Die Vermittlung jeder

Nachricht, die ihrer Natur nach ein Fabrikations- oder

Geschäftsgeheimnis betrifft, stellt solchen Nachrichten-

dienst dar, mag das Gemeldete auch falsch sein. Art. 273

ist nicht zum Schutze der privaten Interessen aufgestellt;

diese werden durch Art. 162 StGB geschützt. Erstere Be-

stimmung regelt gleich wie jene über politischen oder

militärischen Nachrichtendienst (Art. 272 und 274 StGB)

ein Vergehen gegen den Staat (vgl. "Oberschrift zum drei-

zehnten Titel). Schon der Bundesbeschluss vom 21. Juni

1935 betreffend den Schutz der Sicherheit der Eidgenos-

senschaft erblickte in diesen Vergehen,· die er im wesentli-

chen gleich umschrieb wie das Strafgesetzbuch, Angriffe

auf die Gebietshoheit der Schweiz (Botschaft des Bundes-

rates, BBI 1935 I 743). Einen solchen Angriff übt auch

aus, wer einer fremden amtlichen Stelle oder ausländischen

Nachrichtenorganisation falsche Meldungen erstattet. Fa.I-

sche Meldungen kömien denn auch gleich wie richtige den

fremden Staat zu unerwünschten Massnahmen veran-

lassen. Solchen soll durch Bekämpfung des aul schweize-

risches Gebiet übergreifenden oder gegen schweizerische

Interessen verstossenden Nachrichtendienstes vorgebeugt

werden. Schon Art. 4 des Bundesbeschlusses betreffend den

Schutz der Sicherheit der Eidgenossenschaft wurde vom

Bundesgericht dahin ausgelegt, dass er auch die im Texte

Strafgesetzbuch. No 50.

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nicht erwähnte Erstattung falscher wirtschaftlicher Nach-

richten verbiete {BGE 65 I 334).

Gehört die Richtigkeit der Meldung nicht zum objek-

tiven Tatbestand des wirtschaftlichen Nachrichtendien-

stes, so schliesst das Bewusstsein der Unrichtigkeit den

Vorsatz nicht aus; der Täter braucht nur zu wissen, dass

die Meldung, wenn sie wahr wäre, ein Fabrikations- oder

Geschäftsgeheimnis verletzen würde. Das hat der Be-

schwerdeführer bei Erstattung seiner falschen Meldungen

gewusst.