Dispositiv
- März 1939 wiederhergestellt. I I' Familienrecht. N0 26.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
25. Urteil der 11. Zbilabteilung vom 19. Oktober 1939
i. S. Sommer gegen merholzer.
Ehescheidung, GestaUung der Elternrechte (Art. 156 ZGB):
Sind beide Eltern zur Erziehung der Kinder geeignet, ist aber
nur der eine Teil in der 'Lage, die Erziehung zu übernehmen
oder zu überwachen, so sind die Kinder diesem zuzuweisen,
-- ungeachtet der Möglichkeit einer
spät~rn Änderung der
Verhältnisse. Für den Fall einer solchen Änderung bleibt die
Klage nach Art. 157 vorbehalten. Es ist nicht zuläs.sig, zum
vornherein so zu entscheiden, als ob die ungewisse Änderung
bereits eingetreten wäre, so dass, wenn sie in Wirklichkeit
nicht eintritt, auf Änderung des Urteils geklagt werden
müsste.
DivQ1"ce, exercice du droit des parents (art. 156 CC) :
Si les parents sont Fun et l'autre aptes a oouquer les enfants,
mais qu'un seul soit a meme d'assurer ou de surveiller cette
ooucation, c'est a ce dernier qu'il faudra confier les enfants,
AS 65 II -
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Familienrecht. No 2ä.
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sans tenir compte de l'eventualiM OU 1es circonstances viendraient achanger. Pour cette eventualiM, l'action prevue A
l'art. 157 demeure reservee. II n'est pas licite de trancher des
l'abord comm~ si le changement s'etait dejA produit, de teIle
sorte que, s'il ne se produisait pas en realite. une demande
en modification du jugement devrait intervenir.
Divorzio, esercizio dell'autorita dei genitori (art. 156 CC).
Se ambedue i genitori sono idonei ad educare i figIi, mll. soltanto
uno e in grado di assumere 0 sorvegliare l'educazione, i figli
vanno affidll.ti ad esso,
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senza tener conto di un possibile ulteriore cambiamento delle
circostanze. Ove un tale cambiamento avvenga, resta riservata
l'azione a'sensi delI'art. 157 CC. Non e lecito fin daU'inizio
decidere come se l'incerto cambiamento si fosse giA prodotto,
cosicche, se in realta esso non si produce, si dovrebbe promuovere azione per ottenere la modifica delgiudizio.
Die Parteien ehelichten sich am 20. Mai 1927. Sie
lebten in Basel, wo der Mann geblieben ist, während die
Frau im Herbst 1935 mit richterlicher Bewilligung den
ehelichen Wohnsitz verliess und sich nach Zürich begab,
wo sie sich als Serviertochter betätigt. Ihrer Ehe entstammt
das am 7. April 1929 geborene Kind Rosemarie Helen.
Dieses ist seit der Auflösung des ehelichen Haushaltes in
einer mit den Parteien befreundeten Familie in Basel
untergebracht.
Im Scheidungsprozess hat sowohl der Kläger wie die
Beklagte die Zuweisung des Kindes an sich beantragt.
Die Vormundschaftsbehörde von Basel empfahl die
Zuweisung an den Kläger, der das Kind bis auf weiteres
am ausgezeichneten Pflegeort belassen wolle, wo es sich
nun seit 1935 befindet, während die -
an sich ebenso
wie er zur Übernahme der Erziehung taugliche -
Mutter,
die in Zürich ihrem Verdienste nachgeht, es fremden
Leuten überlassen müsste, die nach den eingezogenen
Erkundigungen keine Gewähr zu bieten vermöchten.
Demgemäss sprach das Zivilgericht von Basel-Stadt, das
die Ehe der Parteien rechtskräftig geschieden hat, das
Kind dem Vater zu. Das Appellationsgericht dagegen
gab mit Urteil vom 7. Juli 1939 dem Antrage der Mutter
statt, mit der Massgabe, dass sie im Sinne der Erwägungen verpflichtet werde, das Kind an seinem jetzigen
,
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Familienrecbt. N° 25.
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'Pflegeort in Basel jedenfalls während des laufenden und
allenfalls eines weiteren Schuljahres zu belassen. Die
Erwägungen gehen davon aus, ein schulpflichtiges Mädchen sei in der Regel der Mutter zuzuweisen. Das könne
auch hier geschehen. Allerdings sei die Mutter nicht in
der Lage, es zur Zeit zu sich zu nehmen. Auch gebiete
das Wohl des Kindes, es wenigstens bis zum Ablauf des
Schuljahres und damit der Primarschulzeit in Basel zu
lassen. Doch müsse der Mutter Gelegenheit gegeben
werden,
sich bis
dahin entsprechend einzurichten.
((Längstens jnnerhalb eines weitem Schuljahres steht der
Beklagten offen, der hiesigen Vormundschaftsbehörde
nachzuweisen, dass sie sich sicheres Fortkommen und
die Möglichkeit persönlicher Wartung und Erziehung des
Kindes geschaffen hat, worauf der Übersiedlung des
Kindes nichts mehr im Wege stände. Sollte der Beklagten
im laufenden und spätestens einem weitem Schuljahre
dieser Nachweis nicht gelingen, so wäre anderseits der
Kläger berechtigt, auf Änderung des Urteils und Zusprechung des Kindes an sich zu klagen. »
Der Kläger beantragt mit dem Hauptbegehren seiner
Berufung neuerdings, das Kind sei ihm zuzuweisen.
Die Beklagte beantragt Bestätigung des kantonalen.
Urteils.
Da8 Bunde8gerickt zieht in Erwägung :
Der Entscheid des Appellationsgerichts ist widerspruchsvoll. Er weist das Kind der Mutter zu, obwohl es
bis auf weiteres in Basel zu bleiben hat, wo es gut aufgehoben ist und der Vater und die Basler Vormundschaftsbehörde, der gewisse Befugnisse eingeräumt werden, zu
ihm sehen können, nicht aber die entfernt wohnende
Mutter. Die Vorinstanz hat übersehen, dass mit der
Zuweisung des Kindes an die Mutter auch für es der
Wohnsitz Zürich gegeben sein würde (Art. 25 Abs. 1
ZGB), weshalb die Vormundschaftsbehörde Basel gar
nicht zuständig wäre, sich des Kindes anzunehmen.
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Familienrecht. N° 25.
Auch abgesehen:,davon geht es nicht an, die Elternrechte
anders als gemi+ss den jet7;t und auf absehbare Zukunft
gegebenen Verhältnissen zu gestalten, lediglich weil sich
die Dinge früher oder später so entwickeln können, dass
dann die Zuweisung der Elterngewalt an die Mutter
gerechtfertigt sein mag. Vielmehr ist auf die gegenwärtigen
Verhältnisse abzustellen, was zur Zuweisung des Kindes
an den Vater führen muss. Sollte später eine Änderung
eintreten, wie die Mutter sie in Aussicht stellen zu können
glaubt, so steht ihr die Änderungsklage nach Art. 157
ZGB offen. In diesem Sinne ist der heutige Entscheid
ohnehin ein vorläufiger, der die Zuweisung des Kindes
nicht ein- für allemal bis zur MÜllrugkeit festlegt. Daher
liegt keine Veranlassung vor, zum vornherein auf eine
Zukunftserwartung abzustellen, über deren Verwirklichung
Ungewissheit herrscht. Freilich hat die Vorinstanz dem
Kläger das Recht vorbehalten, seinerseits auf Änderung,
im Sinne der Zuweisung an ihn, zu klagen, wenn die
Mutter während des laufenden und eines folgenden Schuljahres jene Bedingungen nicht zu erfüllen vermöchte.
Allein es kann nicht gebilligt werden, einen Änderungsprozess gerade für den Fall vorzusehen, dass die Verhältnisse gleich bleiben, statt die Elterngewalt der heutigen
Sachlage entsprechend zu ordnen, wobei es dann bleiben
kann, sofern und solange keine oder keine so wesentliche
Änderung eintritt, dass sich eine Neugestaltung der
Elternrechte im Interesse des Kindes wirlclich empfiehlt.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird gntgeheissen, das Urteil des A ppel-
lationsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 7. Juli
1939 aufgehoben und das Urteil des Zivilgerichts vom
7. März 1939 wiederhergestellt.
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Familienrecht. N0 26.