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Strafrecht.
tionen treffen! welche ihrem Zwecke nach durch die Uni-
formierung zu schlagbereiten Einheiten würden und da-
durch zum ~indesten provokatorisch wirkten.
Diese
Gefahr besteht aber bei einer Organisation von Leuten bis
zu sechzehn Jahren, wie die Tatsachen selbst beweisen,
nicht, auch nicht für die paar gleichgekleideten Älteren,
die die Leitung besorgen; es trete denn der auch vom
Departement vorbehaltene Fall ein, dass diese Älteren
zahlenmässig schon für sich Einheiten zu bilden vermöch-
ten, wovon aber bisher bei den « Roten Falken» nie die
Rede war. Die Anwendung des BRB auf die Obleute der
« Roten Falken » würde also der ratio dieses Erlasses in der
Tat nicht entsprechen.
Demnach erkennt der Kassationshof :
Die Nichtigkeitsbes~hwerde wird gutgeheissen und der
Kassationskläger freigesprochen.
IV. ORGANISATION DER BUNDESREOHTSPFLEGE
ORGANISATION JUDIOIAIRE FEDERALE
30. arteil des Kassationshofs Tom 15. Kirz 1987
i. S. Joati gegen Zürich, Staatsanwaltschaft.
K ass a t ion s b e s c h wer d e: Nur zulässig nach Erschöp-
fung des k'l.nton'tlen In'ltanzen~ges. Um3chreibung dieses
Begriffs nach zürcherischem Strafprozessrecht.
A. -
Der Beschwerdeführer wurde am 17. November
1936 vom Obergericht Zü rich wegen fahrlässiger Körper-
verletzung zu 14 Tagen Gefängnis, bedingt erlassen auf
3 Jahre, verurteilt, weil er mit seinem Auto in eine Gruppe
von Fussgängern hineingefahren war und dabei 3 Personen
verletzt hatte.
Die Vorinstanz erblickte das Verschulden des Beschwer-
deführ.ers an diesem Unfall darin, dass er ungenügend
Organisatioq der Bundesrechtspflege. N° 30.
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'signalisiert und der Fahrbahn nicht die nötige Aufmerk-
samkeit geschenkt habe.
B. -
Gegen das Urteil des Obergerichtes hat Josti die
Kassationsbeschwerde an das Bundesgericht ergriffen, mit
der er den Antrag auf Freisprechung, eventuell Rück-
weisung an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung stellt.
Der Kassationshof zieht in Erwägung :
Nach Art. 268/269 BStrP ist die Kassationsbeschwerde
an das Bundesgericht zulässig gegen Endurteile, die nicht
durch ein kantonales Rechtsmittel wegen Verletzung eid-
genössischen Rechtes angefochten werden können.
Das Erfordernis, dass eine Verletzung materiellen eid-
genössischen Rechtes in Frage komme, ist hier gegeben;
denn nach der ständigen Rechtsprechung des Kassations-
hofes ist die bundesrechtliche Kassationsbeschwerde auch
dort zulässig, wo das eidgenössische Recht lediglich für die
Beantwortung einer Vorfrage in Betracht fällt (BGE 61 I
214). Dagegen ist das Urteil des Obergerichtes kein kan-
tonales Endurteil im Sinne von Art. 268. Wie der Kassa-
tionshof in BGE 61 I 224 entschieden hat, ist diese Bestim-
mung dahin zu verstehen, dass der kantonale Instanzenzug
erst dann erschöpft ist, wenn überhaupt kein Rechtsmittel
irgendwelcher Art, also auch keine kantonalrechtliche
Nichtigkeitsbeschwerde, mehr möglich ist, mit der die
Frage der Verletzung eidgenössischen Rechtes gerügt
werden könnte. Während nun bis anhin Zweifel bestanden,
ob und in welchem Umfang das zürcherische Kassations-
gericht auf die Rüge der Verletzung eidgenössischen Rech-
tes eintrete, ist diese Frage nunmehr eindeutig abgeklärt
durch die Urteile des erwähnten Gerichtes vom 1. Februar
1937 in Sachen Werner, sowie vom 23. Dezember 1936 in
Sachen Reichert (S. J. Z. 33 S. 314 No. 59). Dort hat das
Kassationsgericht nämlich entschieden, wenn die Möglich-
keit einer Kassationsbeschwerde an das Bundesgericht
bestehe, so sei zwar grundsätzlich die kantonale Kassations-
beschwerde nicht zulässig; dagegen werde eine Ausnahme
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8t r»frecht.
gemacht, wenn auf ein- und dieselbe Rechtsfrage gleich-
zeitig das Recht des Bundes und des Kantons zur Anwen-
dung komme; so z. B., wenn bei Handhabwlg des kanto-
nalen Rechtes vorfrageweise über materielles Recht des
Bundes zu entscheiden sei und eine Verletzung des letzteren
behauptet werde. Um einen derartigen Fall handelt es sich
hier, da der Beschwerdeführer nicht wegen Übertretung
des MFG bestraft worden ist, sondern diese Frage nur
vorfrageweise bei der Entscheidung über das Verschulden
bei dem kantonalrechtlichen Delikt der fahrlässigen Körper-
verletzung geprüft worden ist. Das zürcherische Kassa-
tionsgericht wäre somit auf eine Nichtigkeitsbeschwerde
gegen das obergerichtliche Urteil eingetreten, weshalb
der Kassationshof des Bundesgerichtes auf die vorliegende
Beschwerde nicht eintreten kann.
Demnach erkennt der Kassationshof:
Auf die Kassationsbeschwerde wird nicht eingetreten.
31. Arret de 1& Cour da ca.ssation penale du 24 mal. 1937
dans la cause Ministere public da la Confederation
contre Lebet et consorts.
Reeevabilite d'un reoou,rs en ca8sation contre un iugement jonde sur
un verdict. Jugement n'ayant pas fait l'objet d'un recours de
droit cantonal. Portee plus etendue du recours de droit fMeral
(art. 268 PPF).
Attitude du TF a l'egard de iugements rendus sur la base d'un ver-
dict. InapplicabiliM de l'art. 277 PPF. Le TF doit examiner si
les reponses du jury impliquent une violation du droit federal
(art. 269). La decision d'un jury qui resout en meme temps le
fait et le droit, notamment quant a la culpabilite, echappe
pratiquement a l'examen de la Cour de cassation.
A. -
Par jugement du 11 janvier 1937, le Tribunal cor-
rectionnel de NeuchateI a libere Andre Lebet, Charles
Tissot et Charles Grivaz du chef d 'infraction a l'arrete
fooeral du 21 juin 1935 tendant a garantir la su.rete de la
Organisation der Bundesrechtspflege. So 31.
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Confederation. Le Tribunal etait assiste d'un jury qui re-
pondit de la maniere suivante aux questions posees :
Ire question : Lebet a-t-il, sur territoire suisse, durant
l'annee 1936, pratique dans I'interet de la France et au
prejudice de l'Allemagne, un service de renseignements
militaires, en engageant Charles-Andre Tissot comme
pilote d'avion dans ce service, en survolant avec lui plu-
sieurs fois le territoire allemand OU il prenait des vues
photographiques de caractere militaire qui lui etaient com-
mandees par les services militaires franc;ais et dont il
remettait ensuite les films aux services franc;ais, sur terri-
toire franc;ais, ces vols etant chaque fois effectues au depart
de Lausanne 1
Rlponse : oui.
2e question : Lebet est-il coupable 1
Rlponse: 3 oui, 3 non.
3e question : Tissot a-t-il sur territoire suisse, durant
l'annee 1936, pratique dans l'interet de la France et au
prejudice de l'Allemagne un service de renseignements
militaires en acceptant de piloter et en pilotant Lebet
depuis Lausanne pour survoler le territoire allemand et
lui permettre la prise de photographies destinees au ser-
vice d'espionnage franc;ais 1
Riponse: oui.
4e question : Tissot est-il coupable 1
Riponse: non.
5e question : Grivaz a-t-il, sur territoire suisse, dans les
premiers mois de l'annee 1936, favorise un service de ren-
seignements militaires dans l'int&et de la France et au
prejudice de l'Allemagne en mettant en relations Lebet
avec Serod dit Girard, officier au service de renseignements
franc;ais qui s'etait adresse a lui pour Iui demander s'il
connaissait quelqu'un, sachant bien l'allemand, de natio-
nalite suisse et qui se chargerait de renseigner l'Etat-major
franc;ais sur ce qui se passait de l'autre cote du Rhin 1
Riponse : oui.