Sachverhalt
Am 3. Januar 1931 pfändete das Betreibungsamt
Zürich in der Betreibung der Firma Rühle & Co gegen
den Rekurrenten einen Schuldbrief per 3200 Fr. im
Schätzungswert von 3000 Fr. Als dieser Titel von ewem
Huber zu Eigentum angesprochen wurde, bestritten
sowohl Gläubigerin als Schuldner diesen Anspruch;
die erstere Hass indessen in der Folge ihre Bestreitung
210
Schuldbetreibung". und Konkursrecht. No 53.
fallen, und gegen den letztern leitete Huber die Vindika-
tionsklage ein. Diese Klage wurde aber in erster und zwei-
ter Instanz als gegenstandslos erklärt, da das Pfändungs-
objekt infolge der Anerkennung der Ansprache durch·
dEm Gläubiger aus der Pfändung gefallen sei und der
Streit zwischen dem Schuldner und dem Dritten kein
Incident der Betreibung bilde, sondern in ein besonderes
Verfahren gehöre.
Auf
eine
Nichtigkeitsbeschwerde
des Rekurrenten hin wurde jedoch vom Kassationsgericht
die Durchführung des beschleunigten Prozesses zwischen
dem Rekurrenten und Huber angeordnet.
.
c, B. -
Unterdessen hatte die Gläubigerin nach Rückzug
ihrer Bestreitung des Drittanspl'uches eine Nachpfändung
verlangt, welche am 9. Mai 193_1 vom Betreibungsamt
unter No. 5350 vollzogen wurde. Hiegegen führte der
Rekurrent Beschwerde - mit dem Antrag, diese Nach-
pfändung aufzuheben. Von beiden kantonalen Instanzen
abgewieSen, gelangte der Rekurrent an das Bundesgericht
mit dem Antrag, die Nachpfändung aufzuheben, eventuell
zu verfügen, dass die nachgepfändeten Objekte nicht
vor Erledigung des Widerspruchsprozesses, hezw. bei
Obsiegen des Rekurrenten in diesem Prozess überhaupt
nicht verwertet werden dürfen. Er führt aus, gemäss
Art. 107 Aha. 2 SchKG sei nach -Einleitung einer Wider-
spruchsklage die Betreibung ohne weiteres eingestellt
und damit die Vornahme einer Nachpfändung verboten.
Auch habe das Kassationsgericht in auch für die Auf-
liichtsbehörden verbindlicher Weise erklärt, dass es nicht
angehe, die Pfändung vom 3. Januar als ungenügend
zu betrachten, solange der Widerspruchsprozess nicht zu
Ungunsten des· Rekurrenten entschieden sei. Mit einem
!'olchen Ausgang des Prozesses sei jedoch nicht zu rechnen,
da bei den Akten zwei Urkunden lägen, aus denen her-
vorgehe, dass der Drittansprecher selbst dem Rekurrenten
jenen Schuldbrief zum Zweck der Sicherung der betrei-
benden Gläubigerin ((wie eigen)) überlassen habe.
,
I
Schufdbetreibung.~- unrl Konkul'>l"".,ht. x<> .3:;'
Die Sclt/lddbet1'eibungs-und Konkurskmmner
zieht in Erwägung,'
211
Ob eine Nachpfändung statthaft sei, wenn das einzige
gepfändete Objekt Gegenstand eines Widerspruchspro-
zesses bildet, ist eine Frage des Betreibungsrechtes, die
von den Aufsichtsbehörden selbständig, ohne jede Bindung
an die Auffassung von Gerichtsinstanzen zu beantworten
ist. Es kann daher' auch dahingestellt bleiben, ob dem
Urteil des Kassationsgericht~s wirklich die vom Rekur-
renten angegebene Bedeutung zukommt oder nicht,
Mit Recht hat sodann die Vorinstallz ausgeführt, dass
Art. 107 Abs. 2 SchKG einer Nachpfändung nicht entge-
genstehe; nach dieser Vorschrift bewirkt die Hängigke~t
eines Widerspruchsprozesses eine Einstellung der BetreI-
bung nur hinsichtlich des
Prozessobjektes, verbietet
daher lediglich die Verwertung des Prozessgegenstandes,
nicht aber die Nachpfändung weiterer Gegenstände,
sofern im übrigen die VoraussetzUngen einer Nachpfändung
gegeben sind.
Massgebend hierur ist Art. 95 Abs. 3 SchKG, wonach
in letzter Linie Vermögensstücke zu pfänden sind, welche
von dritten Personen beansprucht werden. Das Gesetz
will damit dem Gläubiger einen Anspruch darauf ver-
schaffen
dass vom Moment des Pfändungsvollzuges
an die Bezahlung seiner Forderung gesichert sei, soweit
dies überhaupt möglich ist; durch die Pfändung von
Objekten, die von-Dritten vindiziert werden, erhält er
jedoch nicht die gleiche Sicherheit wie durch die Pfändung
von unbestritten dem Schuldner gehörigen Objekten.
Aus dieSEm Gründen hat das Bundesgericht in ständiger
Rechtsprechung eine Nachpfändung immer dann als
z~ässig erklärt, wenn der Schätzungswert der gepfän~eten
Objekte zwar den Betrag der Betreibungsforderung ~ber
steigt, die gepfändeten Gegenstände dagegen von drItter
Seite zu Eigentum angesprochen wurden und feststeht,
dass andere pfändbare Objekte vorhanden sind (BGE
212
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht,. N° 53.
37 J 182 = Sep. Ausg. 14 Seite 62; 51 IlJ 78). Gilt
dies schon dann, wenn der Gläubiger den Drittanspruch
bestreitet, so noch vielmehr, wenn er ihn anerkannt hat.
Nicht anders kann entschieden werden, wenn der
Drittanspruch vom Schuldner selbst bestritten wird.
Auch in diesem Fall kann die Betreibung hinsichtlich
des vindizierten Gegenstandes während der Dauer des
Prozesses gemäss Art. 107 Abs. 2 nicht fortgesetzt werden.
Das Gesetz will aber dem Gläubiger nicht zumuten, vorerst
den Ausgang jenes Prozesses abzuwarten, obwohl seine
Sicherung infolge der Vindikation in Frage gestellt wurde
-
ob die Eigentumsansprache begründet sei oder nicht,
darüber haben die Aufsichtsbehärden sich kein Urteil
zu bilden -, und dabei die Gefahr zu laufen, dass unter-
dessen die sonstigen pfändbaren Aktiven des Schuldners
von andern Gläubigern mit Beschlag belegt werden.
Vielmehr muss ihm auch in einem solchen Fall das Recht
zugestanden werden, sofort die Nachpfändung von Gegen-
ständen zu verlangen, die unbestritten dem Schuldner
gehören.
Ob der Gläubiger dann die Verwertung der nachge-
pfändeten Objekte schon vor Erledigung des hängigen
Widerspruchsprozesses verlangen kann oder sich beim
Obsiegen des Schuldners mit der Verwertung des ursprüng-
lich gepfändeten Schuldbriefs begnügen muss, ist in
diesem Verfahren nicht zu entscheiden.
Der diesbe-
zügliche Eventualantrag ist. zudem vom Rekurrenten
erst vor Bundesgericht gestellt worden und könnte daher
auch gemäss Art. 80 OG nicht berücksichtigt werden.
Demnackt erkenn die Schuldbetr.-
u. KQnkurskammer:
Der Rekurs wird abgewiesen.
Schuldbetreibungs. une I Konkursrecht. No 54.
213
Erwägungen (1 Absätze)
E. 37 J 182 = Sep. Ausg. 14 Seite 62; 51 IlJ 78). Gilt
dies schon dann, wenn der Gläubiger den Drittanspruch
bestreitet, so noch vielmehr, wenn er ihn anerkannt hat.
Nicht anders kann entschieden werden, wenn der
Drittanspruch vom Schuldner selbst bestritten wird.
Auch in diesem Fall kann die Betreibung hinsichtlich
des vindizierten Gegenstandes während der Dauer des
Prozesses gemäss Art. 107 Abs. 2 nicht fortgesetzt werden.
Das Gesetz will aber dem Gläubiger nicht zumuten, vorerst
den Ausgang jenes Prozesses abzuwarten, obwohl seine
Sicherung infolge der Vindikation in Frage gestellt wurde
-
ob die Eigentumsansprache begründet sei oder nicht,
darüber haben die Aufsichtsbehärden sich kein Urteil
zu bilden -, und dabei die Gefahr zu laufen, dass unter-
dessen die sonstigen pfändbaren Aktiven des Schuldners
von andern Gläubigern mit Beschlag belegt werden.
Vielmehr muss ihm auch in einem solchen Fall das Recht
zugestanden werden, sofort die Nachpfändung von Gegen-
ständen zu verlangen, die unbestritten dem Schuldner
gehören.
Ob der Gläubiger dann die Verwertung der nachge-
pfändeten Objekte schon vor Erledigung des hängigen
Widerspruchsprozesses verlangen kann oder sich beim
Obsiegen des Schuldners mit der Verwertung des ursprüng-
lich gepfändeten Schuldbriefs begnügen muss, ist in
diesem Verfahren nicht zu entscheiden.
Der diesbe-
zügliche Eventualantrag ist. zudem vom Rekurrenten
erst vor Bundesgericht gestellt worden und könnte daher
auch gemäss Art. 80 OG nicht berücksichtigt werden.
Demnackt erkenn die Schuldbetr.-
u. KQnkurskammer:
Der Rekurs wird abgewiesen.
Schuldbetreibungs. une I Konkursrecht. No 54.
213
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
53. Entscheid vom 10. Deztmber 1981 i. S. Dr, X.
Zulässigkeit einer N ach p f ä n dun g. wenn der einzige gepfän.
dete Gegenstand von einem Dritten zu Eigentum ange·
sprochen und diese Ansprache vom betreibenden Gläubiger
anerkannt, vom Schuldner dagegen bestritten wird.
Art. 95 Abs. 3 und 107 Abs. 2 SchKG.
Une saisie compl6mentaire peut avoir lieu lorsque la. proprieM
de l'unique objet saisi est revendiquee par un tiers et que
cette revendication est reconnue par le creancier poursuivant,
mais contestee par le d6biteur.
Art. 95, a.1. 3, et 107, al. 2 LP.
Un pignoramento eomplementa4'e e leoito quantunque la proprietA
dell'unioo oggetto pignorato, rivendicata da. un terzo e
riconosciuta dal creditore istante, sis. stata contestata da.l
debitore.
A. -
Am 3. Januar 1931 pfändete das Betreibungsamt
Zürich in der Betreibung der Firma Rühle & Co gegen
den Rekurrenten einen Schuldbrief per 3200 Fr. im
Schätzungswert von 3000 Fr. Als dieser Titel von ewem
Huber zu Eigentum angesprochen wurde, bestritten
sowohl Gläubigerin als Schuldner diesen Anspruch;
die erstere Hass indessen in der Folge ihre Bestreitung
210
Schuldbetreibung". und Konkursrecht. No 53.
fallen, und gegen den letztern leitete Huber die Vindika-
tionsklage ein. Diese Klage wurde aber in erster und zwei-
ter Instanz als gegenstandslos erklärt, da das Pfändungs-
objekt infolge der Anerkennung der Ansprache durch·
dEm Gläubiger aus der Pfändung gefallen sei und der
Streit zwischen dem Schuldner und dem Dritten kein
Incident der Betreibung bilde, sondern in ein besonderes
Verfahren gehöre.
Auf
eine
Nichtigkeitsbeschwerde
des Rekurrenten hin wurde jedoch vom Kassationsgericht
die Durchführung des beschleunigten Prozesses zwischen
dem Rekurrenten und Huber angeordnet.
.
c, B. -
Unterdessen hatte die Gläubigerin nach Rückzug
ihrer Bestreitung des Drittanspl'uches eine Nachpfändung
verlangt, welche am 9. Mai 193_1 vom Betreibungsamt
unter No. 5350 vollzogen wurde. Hiegegen führte der
Rekurrent Beschwerde - mit dem Antrag, diese Nach-
pfändung aufzuheben. Von beiden kantonalen Instanzen
abgewieSen, gelangte der Rekurrent an das Bundesgericht
mit dem Antrag, die Nachpfändung aufzuheben, eventuell
zu verfügen, dass die nachgepfändeten Objekte nicht
vor Erledigung des Widerspruchsprozesses, hezw. bei
Obsiegen des Rekurrenten in diesem Prozess überhaupt
nicht verwertet werden dürfen. Er führt aus, gemäss
Art. 107 Aha. 2 SchKG sei nach -Einleitung einer Wider-
spruchsklage die Betreibung ohne weiteres eingestellt
und damit die Vornahme einer Nachpfändung verboten.
Auch habe das Kassationsgericht in auch für die Auf-
liichtsbehörden verbindlicher Weise erklärt, dass es nicht
angehe, die Pfändung vom 3. Januar als ungenügend
zu betrachten, solange der Widerspruchsprozess nicht zu
Ungunsten des· Rekurrenten entschieden sei. Mit einem
!'olchen Ausgang des Prozesses sei jedoch nicht zu rechnen,
da bei den Akten zwei Urkunden lägen, aus denen her-
vorgehe, dass der Drittansprecher selbst dem Rekurrenten
jenen Schuldbrief zum Zweck der Sicherung der betrei-
benden Gläubigerin ((wie eigen)) überlassen habe.
,
I
Schufdbetreibung.~- unrl Konkul'>l"".,ht. x<> .3:;'
Die Sclt/lddbet1'eibungs-und Konkurskmmner
zieht in Erwägung,'
211
Ob eine Nachpfändung statthaft sei, wenn das einzige
gepfändete Objekt Gegenstand eines Widerspruchspro-
zesses bildet, ist eine Frage des Betreibungsrechtes, die
von den Aufsichtsbehörden selbständig, ohne jede Bindung
an die Auffassung von Gerichtsinstanzen zu beantworten
ist. Es kann daher' auch dahingestellt bleiben, ob dem
Urteil des Kassationsgericht~s wirklich die vom Rekur-
renten angegebene Bedeutung zukommt oder nicht,
Mit Recht hat sodann die Vorinstallz ausgeführt, dass
Art. 107 Abs. 2 SchKG einer Nachpfändung nicht entge-
genstehe; nach dieser Vorschrift bewirkt die Hängigke~t
eines Widerspruchsprozesses eine Einstellung der BetreI-
bung nur hinsichtlich des
Prozessobjektes, verbietet
daher lediglich die Verwertung des Prozessgegenstandes,
nicht aber die Nachpfändung weiterer Gegenstände,
sofern im übrigen die VoraussetzUngen einer Nachpfändung
gegeben sind.
Massgebend hierur ist Art. 95 Abs. 3 SchKG, wonach
in letzter Linie Vermögensstücke zu pfänden sind, welche
von dritten Personen beansprucht werden. Das Gesetz
will damit dem Gläubiger einen Anspruch darauf ver-
schaffen
dass vom Moment des Pfändungsvollzuges
an die Bezahlung seiner Forderung gesichert sei, soweit
dies überhaupt möglich ist; durch die Pfändung von
Objekten, die von-Dritten vindiziert werden, erhält er
jedoch nicht die gleiche Sicherheit wie durch die Pfändung
von unbestritten dem Schuldner gehörigen Objekten.
Aus dieSEm Gründen hat das Bundesgericht in ständiger
Rechtsprechung eine Nachpfändung immer dann als
z~ässig erklärt, wenn der Schätzungswert der gepfän~eten
Objekte zwar den Betrag der Betreibungsforderung ~ber
steigt, die gepfändeten Gegenstände dagegen von drItter
Seite zu Eigentum angesprochen wurden und feststeht,
dass andere pfändbare Objekte vorhanden sind (BGE
212
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht,. N° 53.
37 J 182 = Sep. Ausg. 14 Seite 62; 51 IlJ 78). Gilt
dies schon dann, wenn der Gläubiger den Drittanspruch
bestreitet, so noch vielmehr, wenn er ihn anerkannt hat.
Nicht anders kann entschieden werden, wenn der
Drittanspruch vom Schuldner selbst bestritten wird.
Auch in diesem Fall kann die Betreibung hinsichtlich
des vindizierten Gegenstandes während der Dauer des
Prozesses gemäss Art. 107 Abs. 2 nicht fortgesetzt werden.
Das Gesetz will aber dem Gläubiger nicht zumuten, vorerst
den Ausgang jenes Prozesses abzuwarten, obwohl seine
Sicherung infolge der Vindikation in Frage gestellt wurde
-
ob die Eigentumsansprache begründet sei oder nicht,
darüber haben die Aufsichtsbehärden sich kein Urteil
zu bilden -, und dabei die Gefahr zu laufen, dass unter-
dessen die sonstigen pfändbaren Aktiven des Schuldners
von andern Gläubigern mit Beschlag belegt werden.
Vielmehr muss ihm auch in einem solchen Fall das Recht
zugestanden werden, sofort die Nachpfändung von Gegen-
ständen zu verlangen, die unbestritten dem Schuldner
gehören.
Ob der Gläubiger dann die Verwertung der nachge-
pfändeten Objekte schon vor Erledigung des hängigen
Widerspruchsprozesses verlangen kann oder sich beim
Obsiegen des Schuldners mit der Verwertung des ursprüng-
lich gepfändeten Schuldbriefs begnügen muss, ist in
diesem Verfahren nicht zu entscheiden.
Der diesbe-
zügliche Eventualantrag ist. zudem vom Rekurrenten
erst vor Bundesgericht gestellt worden und könnte daher
auch gemäss Art. 80 OG nicht berücksichtigt werden.
Demnackt erkenn die Schuldbetr.-
u. KQnkurskammer:
Der Rekurs wird abgewiesen.
Schuldbetreibungs. une I Konkursrecht. No 54.
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