Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Wer betrieben ist, kann entweder direkt an seinen
Gläubiger oder aber an das Betreibungsamt zahlen. Die
Zahlung an das Betreibungsamt bringt die Schuld gemäss
Art. 12 Abs. 2 SchKG zum- Erlöschen, und es ist nach
solcher Zahlung Sache des Betreibungsamtes oder allen-
falls der Aufsichtsbehörden, dafür zu sorgen, dass die Be-
treibung für den bezahlten Betrag nicht weitergeht (BGE
38 I 310 = Sep.ausg. 15 S. 129, 72 III 7 E. 2). Zahlt der
Schuldner dagegen direkt an den Gläubiger, so ist er darauf
angewiesen, gemäss Art. 85 SchKG beim Richter Auf-
hebung der Betreibung zu verlangen, wenn der Gläubiger
sie ungeachtet der Zahlung weiterführen will.
Wird eine Forderung gepfändet oder arrestiert und ihrem
Schuldner gemäss Art. 99 SchKG angezeigt, dass er rechts-
gültig nur noch an das Betreibungsamt zahlen könne
(Formular 9), so hat die Zahlung, die der betreffende
Schuldner hierauf an das pfändende bzw. arrestierende
Betreibungsamt leistet, für ihn nach Art. 12 Abs. 2 SchKG
ebenfalls befreiende Wirkung. Dies gilt auch dann, wenn
die gepfandete bzw. arrestierte Forderung im Zeitpunkte
der Pfändung bzw. Arrestierung bereits in Betreibung
gesetzt war, und zwar hat da!'! Betreibungsamt, das die
Betreibung gegen den zahlenden Schuldner führt, die Zah-
lung an das Betreibungsamt, das die Forderung pfandete
bzw. arrestierte, in gleicher Weise zu berücksichtigen wie
eine bei ihm selber geleistete Zahlung, sobald der Schuldner
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 16.
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die Zahlung an das andere Amt nachweist oder dieses Amt
ihm selber von der Zahlung Kenntnis gibt, wie es hier
geschehen ist. Der Schuldner, der infolge PIandung oder
Arrestierung der Forderung, für die er betrieben wird,
rechtsgültig nur noch an das Betreibungsamt zahlen kann,
das jene Verfügung getroffen hat, darf nicht schlechter
gestellt werden als der Schuldner, der die Möglichkeit hat,
an das Amt zu zahlen, bei dem die gegen ihn gerichtete
Betreibung hängig ist. Die Vorinstanz hat demnach mit
Recht erklärt, dass die Betreibung gegen Hartmann nach
Zahlung der noch ausstehenden Kosten als erloschen zu
betrachten sei, m.a.W. dass sie nur noch für den Betrag
dieser Kosten weitergeführt werden dürfe, und auch dies
nur solange, als der Schuldner diesen Betrag nicht zahlt.
E. 2 Zahlt der Betriebene an das Betreibungsamt, das die Betreibung gegen ihn führt, so hat dieses Anspruch auf die Inkassogebühr gemäss Art. 23 GebT. Diese gehört zu den Betreibungskosten, die er gemäss Art. 68 SchKG zu tragen hat. Wird indessen die in Betreibung gesetzte Forderung gepfandet oder arrestiert, und zahlt ihr Schuld- ner daraufhin an das Amt, das ihm die Anzeige gemäss Art. 99 SchKG zugestellt hat, so kann das Amt, bei dem die Betreibung gegen ihn hängig ist, die erwähnte Ge.bühr nicht verlangen, da es mit der Zahlung in diesem Falle nichts zu tun hat. Das Amt, das die Zahlung nach Art. 99 SchKG entgegennimmt, kann zulasten desjenigen, bei dem die Forderung gepfandet oder arrestiert worden ist, die (höhere) Gebühr gemäss Art. 36 GebT beziehen, da die Zahlung der Forderung durch den Drittschuldner ihre Verwertung bedeutet. Dem Gläubiger der gepfändeten bzw. arrestierten Forderung muss jedoch das Recht zu- stehen, für den Betrag der Inkassogebühr, die in einem solchen Falle nicht besonders erhoben wird, sondern in der Gebühr gemäss Art. 36 GebT enthalten ist, auf seinen Schuldner zurückzugreifen, nachdem dieser aus der an das Betreibungsamt geleisteten Zahlung den Nutzen ziehen will, das für ihn zuständige Amt zur Aufhebung der gegen
72 Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 17. ihn gerichteten Betreibung zu veranlassen. Wer sich die Vorteile verschaffen will, die mit der Zahlung an das bzw. ein Betreibungsamt 'verbunden sind, soll auch die ent- sprechenden Kosten tragen. Die Schuld Hartmanns ist daher erst erloschen, wenn er neben dem Forderungsbe- trage samt Zins auch den Betrag der Inkassogebühr gemäss Art. 23 GebT bezahlt hat. Solange das nicht geschehen ist, kann die Betreibung für diesen Betrag gegen ihn weiter- geführt werden, gleichwie auch für die SUIDme der allfällig unbezahlt gebliebenen Kosten des Zahlungsbefehls, der Pfändung und der Mitteilung des Verwertungsbegehrens. Letzteres war der Rekurrent am 15. April 1947 zu stellen berechtigt, obwohl nur noch Kosten ausstanden.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
16. Auszug aus dem Eutscheide vom 6. Juni 1947 i. S. Kaiser. Bei Pfändung oder Arrestierung einer in Betreibung gesetzten Forderung kann sich der Schuldner dieser Fordertmg durch Zahlung an da. .. pfändende bezw. arrestierende Betreibungsamt befreien (Art. 12 Abs. 2 SchKG). Das Betreibungsamt, das die Betreibung gegen den zahlenden Schuldner führt, hat eine solche Zahlung in gleicher Weise wie eine bei ihm selber geleistete zu berücksichtigen, sobald sie ihm vom Schuldner nachgewiesen oder vom andern Amte angezeigt wird. Gebühren bei solchen Zahlungen (Art. 36,23 GebT, Art. 68 SchKG). I..orsqu'une creance qUt fait l'objet d'une poursuite vient a etre saisie ou sequestree, le debiteur de la. creanco peut s'acquitter valablement en mains de l'office saisissant ou sequestrant (art. 12 a1. 2 LP). L'office des poursuites qui dirige la poursuite contre le debiteur de la creance doit considerer ce payement comme s'iI avait eM fait en ses propres mains, sitöt que la. preuve Iui en est fournie par le debiteur ou qu'il en a eM informe par l'a.utre office. Emoluments dus en pareiI cas (art. 36, 23 du tarif, art. 68 LP). Quando un credito . in escussione e pignorato 0 sequestrato, iI debitore di esso puo Iiberarsi pagando presso l'ufficio che ha effettuato i1 pignoramento 0 il sequestro (art. 12 cp. 2· LEF). L'ufficio d'esecuzione ehe dirige l'esecuzione contro il debitore deI credito deve considerara qucsto pagamento come sa fosse stato fatto in sue propria mani, tosto che gliene e stata fornita la prova dal debitore 0 na e sta.to avvisato dall'a1tro ufficio. Tasse dovute in un siffatto caso (art. 36, 23 della tariffa; art. 68 LEF). Am 8. A pril194 7 arrestierte das Betreibungsamt Dorneok beim Rekurrenten eine Forderung an Johann Hartmann im Betrage von ca. Fr. 700.-, für die der Rekurrent bereits Betreibung eingeleitet und die Pfändung erwirkt hatte (Betreibung Nr. 6464 des Betreibungsamtes Waldenburg). Nach Erhalt der Arrestierungsanzeige (Formular Nr. 9) zahlte Hartmann die Summe, für die er betrieben war, nebst Zins an das Betreibungsamt Dorneck. Am 12. April 1947 schrieb dieses hierauf dem Betreibungsamte Walden- burg, infolge der Zahlung Hartmanns könne die Betreibung gegen ihn mit Ausnahme der noch unbezahlten Kosten als erledigt abgeschrieben werden. Da der Rekurrent einige Tage später die Verwertung verlangte und das Betreibungsamt Waldenburg die Mit- teilung des Verwertungsbegehrens erliess, führte Hartmann
70 Schuldbetrcibungs- und Konkursrccht. N° 16. am 25. April 1947 Beschwerde mit dem Antrag, die gegen ihn gerichtete Betreibung sei wegen Zahlung aufzuheben. Die Vorinstanz hat das Betreibungsamt Waldenburg mit Entscheid vom 1. Mai 1947 angewiesen, « die Betreibung Nr. 6464 als erloschen zu betrachten. sobald der Schuldner die Betreibungskosten bezahlt hat I). Diesen Entscheid hat der Relr.urrent an das Bundes- gericht weitergezogen. Der Rekurs wird abgewiesen im Sinne folgender Erwägungen:
1. - Wer betrieben ist, kann entweder direkt an seinen Gläubiger oder aber an das Betreibungsamt zahlen. Die Zahlung an das Betreibungsamt bringt die Schuld gemäss Art. 12 Abs. 2 SchKG zum- Erlöschen, und es ist nach solcher Zahlung Sache des Betreibungsamtes oder allen- falls der Aufsichtsbehörden, dafür zu sorgen, dass die Be- treibung für den bezahlten Betrag nicht weitergeht (BGE 38 I 310 = Sep.ausg. 15 S. 129, 72 III 7 E. 2). Zahlt der Schuldner dagegen direkt an den Gläubiger, so ist er darauf angewiesen, gemäss Art. 85 SchKG beim Richter Auf- hebung der Betreibung zu verlangen, wenn der Gläubiger sie ungeachtet der Zahlung weiterführen will. Wird eine Forderung gepfändet oder arrestiert und ihrem Schuldner gemäss Art. 99 SchKG angezeigt, dass er rechts- gültig nur noch an das Betreibungsamt zahlen könne (Formular 9), so hat die Zahlung, die der betreffende Schuldner hierauf an das pfändende bzw. arrestierende Betreibungsamt leistet, für ihn nach Art. 12 Abs. 2 SchKG ebenfalls befreiende Wirkung. Dies gilt auch dann, wenn die gepfandete bzw. arrestierte Forderung im Zeitpunkte der Pfändung bzw. Arrestierung bereits in Betreibung gesetzt war, und zwar hat da!'! Betreibungsamt, das die Betreibung gegen den zahlenden Schuldner führt, die Zah- lung an das Betreibungsamt, das die Forderung pfandete bzw. arrestierte, in gleicher Weise zu berücksichtigen wie eine bei ihm selber geleistete Zahlung, sobald der Schuldner Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 16. 71 die Zahlung an das andere Amt nachweist oder dieses Amt ihm selber von der Zahlung Kenntnis gibt, wie es hier geschehen ist. Der Schuldner, der infolge PIandung oder Arrestierung der Forderung, für die er betrieben wird, rechtsgültig nur noch an das Betreibungsamt zahlen kann, das jene Verfügung getroffen hat, darf nicht schlechter gestellt werden als der Schuldner, der die Möglichkeit hat, an das Amt zu zahlen, bei dem die gegen ihn gerichtete Betreibung hängig ist. Die Vorinstanz hat demnach mit Recht erklärt, dass die Betreibung gegen Hartmann nach Zahlung der noch ausstehenden Kosten als erloschen zu betrachten sei, m.a.W. dass sie nur noch für den Betrag dieser Kosten weitergeführt werden dürfe, und auch dies nur solange, als der Schuldner diesen Betrag nicht zahlt.
2. - Zahlt der Betriebene an das Betreibungsamt, das die Betreibung gegen ihn führt, so hat dieses Anspruch auf die Inkassogebühr gemäss Art. 23 GebT. Diese gehört zu den Betreibungskosten, die er gemäss Art. 68 SchKG zu tragen hat. Wird indessen die in Betreibung gesetzte Forderung gepfandet oder arrestiert, und zahlt ihr Schuld- ner daraufhin an das Amt, das ihm die Anzeige gemäss Art. 99 SchKG zugestellt hat, so kann das Amt, bei dem die Betreibung gegen ihn hängig ist, die erwähnte Ge.bühr nicht verlangen, da es mit der Zahlung in diesem Falle nichts zu tun hat. Das Amt, das die Zahlung nach Art. 99 SchKG entgegennimmt, kann zulasten desjenigen, bei dem die Forderung gepfandet oder arrestiert worden ist, die (höhere) Gebühr gemäss Art. 36 GebT beziehen, da die Zahlung der Forderung durch den Drittschuldner ihre Verwertung bedeutet. Dem Gläubiger der gepfändeten bzw. arrestierten Forderung muss jedoch das Recht zu- stehen, für den Betrag der Inkassogebühr, die in einem solchen Falle nicht besonders erhoben wird, sondern in der Gebühr gemäss Art. 36 GebT enthalten ist, auf seinen Schuldner zurückzugreifen, nachdem dieser aus der an das Betreibungsamt geleisteten Zahlung den Nutzen ziehen will, das für ihn zuständige Amt zur Aufhebung der gegen
72 Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 17. ihn gerichteten Betreibung zu veranlassen. Wer sich die Vorteile verschaffen will, die mit der Zahlung an das bzw. ein Betreibungsamt 'verbunden sind, soll auch die ent- sprechenden Kosten tragen. Die Schuld Hartmanns ist daher erst erloschen, wenn er neben dem Forderungsbe- trage samt Zins auch den Betrag der Inkassogebühr gemäss Art. 23 GebT bezahlt hat. Solange das nicht geschehen ist, kann die Betreibung für diesen Betrag gegen ihn weiter- geführt werden, gleichwie auch für die SUIDme der allfällig unbezahlt gebliebenen Kosten des Zahlungsbefehls, der Pfändung und der Mitteilung des Verwertungsbegehrens. Letzteres war der Rekurrent am 15. April 1947 zu stellen berechtigt, obwohl nur noch Kosten ausstanden.