Volltext (verifizierbarer Originaltext)
1158
Familienrecht. N° 24.
der Lebensverhältnisse zu bewerkstelligen. Vorliegend
aber hat der Kläger ja bis gegen den Ablauf des Trennungs-
jahres hin überhaupt keinerlei Anstalten zur Aufhebung
des gemeinsamen Haushaltes getroffen.
Somit könnte der Klage nur stattgegeben werden,
wenn der Kläger für den gegenwärtigen Zeitpunkt einen
Scheidungsgrund nachzuweisen vermöchte.
24,. Arrit de la Ie SeetioD. eivile du G juin 1930
dans la oause Dame Jaquet contre Jaquet.
Art. 138 eh. 1 ce : Le juge, appe16 a se prononeer sur 1e bien-fonde
d'une demande en divoree, doit tenir compte meme des faits
qui n'ont pas eM formellement allegues par Jes parties en tant
qu'ils -resultent du dossier. Si la proOOdure eantona1e ne lui
permet pas d'etendre l'instruction a. ces faits, i1 doit apprecier
ceux-ci, tels qu'ils resultent du dossier, et rejeter la demande
en divorce si cet examen ne le convainc pas du bien-fonde
de cette derniere.
Besume des laUs.
Dame Jaquet a ouvert action contre" son mari an
concluant a ce que le divorce fut prononce aux torts da
celui-ci « pour les causes prevues au titre IV du CC lI.
Le defendeur a conclu au rejet de la demande.·
Par jugement du 26 mars 1930 le Tribunal civil du
distriet de Vevey a prononce le divorce aux torts du mari
et en application de l'art. i38 CC. 11 a admis que les
brutalites, les injures et les vexations de tous genres dont
le defendeur s'etait rendu coupable envers sa femme
justifiaient l'application de cette disposition tout en
declarant qu'etant donnees les maladies dont, d'apres les
declarations de trois medecins, le defendeur souffre, on
pourrait se demander si ces actes na sont pas la conse-
quence d'un etat maladif excluant l'application de l'a.rticle
138 CC. Toutefois, il a estime qu'il n'avait pas a trancher
cette question, le defendeur n'ayant pas fait etat de ces
maladies sous la forme d'un fait dftment allegue, ni etabli
Erbrecht. N0 25.
159
l'existence d'un rapport de causalite entre ces infirmites
et les actes qui lui sont reproohes.
En ce qui concerne ce dernier point, le Tribunal federni,
saisi par le defendeur d'un recours en reforme, s'est exprime
oomme suit:
Extrait des moti/s.
L'art. 158 eh. I CC prescrit que « le juge ne peut retenir
comme etablis les faits a l'appui d'une demande en divorce
ou en separation que s'il est convaincu de leur existence)}.
Le juge doit par consequent tenir compte meme des faits
qui n'ont pas et6 formellement allegues par les parties en
tant qu'ils resultent du dossier. Quant a la question de
savoir si, en ce qui concerne les faits, il doit ordonner d'of-
fice une procedure probatoire ou fournir aux parties 1'00-
casion de prendre de nouvelles conclusions, elle doit etre
resolue a la lumiere des dispositions de la procedure can-
tonale. Si le droit cantonal n'autorise le juge a prendre
ni l'une ni l'autre de ces mesures, celui-ci doit alors appre-
eier les faits tels qu'ils resultent du dossier et rejeter la
demande en divorce si cet examen ne le convainc pas du
bien-fonde da celle-ci.
II.ERBRECHT
DROIT DES SUCCESSIONS
25. Auszug a.us d.em Orteilder II. Zivila.bteilung
vom 21. Mä.rz 1930 i. S. Brindlen gegen lIa.llenbarter.
Let z t w i lJ i g e Ver füg u n g.
Art. 500 -
502 ZGB. Die unitas actU8 wird nicht gestört, wenn
zu den Formen des Art. 502 ZGB noch das Selbstlesen durch
den Testator oder zu den Formen nach Art. 500 uud 501
das Vorlesen durch die Ui-kundsperson tritt (Erw. I).
Art. 467 und 519 Ziff. 1 ZGB. Ein behördlicher Akt.
durch den die U r t eil s u n f ä h i g k e i t
einer Person
festgestellt worden ist, bewirkt im Rechtsstreit über die
160
~t'brecht. N" 25.
Gültigkeit eines von di~r Person errichteten Testamentes
keine Umkehrung der Beweislast (Erw. 2).
A. -
Am 24. November 1927 starb in Brig Helene
, Brindlen. Sie hinterliess ein vom 23. August 1924 datiertes
öffentliches Testament, durch welches sie den grössten
Teil ihres Vermögens den Beklagten vermacht hatte.
Die 1857 geborene Erblasserin war im Jahre 1886 wegen
Blödsinns unter Kuratel gestellt worden. Die Kuratel
wurde 1912 in eine Vormundschaft umgewandelt.
B. -
Der Kläger ist der Bruder und gesetzliche Erbe
der Testatorin. Die Beklagten anerkennen den ihm nach
Walliser Recht zustehenden Pflichtteilsanspruch.
Der
Kläger begnügt sich nicht damit, sondern ficht das Testa-
ment als ungültig an. Er macht im wesentlichen geltend,
es leide an einem Formmangel und die Testatorin sei
verfügungsunfähig gewesen.
Das Kantonsgericht des Kantons Wallis wies die
Klage ab.
O. -
Gegen dieses Urteil erklärte der Kläger die Be-
rufung an das Bundesgericht unter Wiederholung des
Antrages, das Testament sei als ungültig zu erklären.
Aus den Erwägungen:
1. -
Der Formfehler soll darin bestehen, dass das
Testament nicht, wie verurkundet, von· der Testatorin
selbst gelesen, sondern vom Notar vorgelesen, das Ver-
fahren aber trotzdem nach Art: 500 Abs. 2 und 3 und
Art. 501 statt nach Art. 502 ZGB fortgesetzt worden sei.
Der Kläger stützt diese Darstellung auf die AUBSagen des
einen Testamentszeugen.
Demgegenüber erklären der
Notar und der andere Testamentszeuge, die Testatorin
habe das Testament auch selbst gelesen. Die Vorinstanz
hält letztere Darstellung, die auch den Wortlaut der
Urkunde für sich hat, für die zutreffende. Ihre Beweis-
würdigung ist für das Bundesgericht verbindlich (Art. 81
OG). Wurde das Testament aber sowohl von der Ur-
kundsperson vorgelesen wie von der Testatorin selbst
Erbrecht. No 25.
l61
gelesen, so konnte im weitem wahlweise nach Art. 500
Aha. 2 und 3 und Art. 501 oder nach Art. 502 ZGB ver-
fahren werden. In beiden Fällen liegt gegenüber dem,
was an Formen gesetzlich vorgeschrieben ist, ein Mehr
vor, welches die Gültigkeit der Verfügung nicht berührt.
Das ist inbezug auf die Verbindung des Selbstlesens mit
den Formen des Art. 502 ZGB vom Bundesgericht bereits
mehrfach ausgesprochen worden (vgl. BGE 46 II 13
Erw. 2 und 50 II 116 Erw. 2 i. f.). Ein Grund, warum
es nicht auch gelten sollte, wenn zu den Formen nach
Art. 500 und 501 noch das Vorlesen durch die Urkunds-
person hinzutritt, ist nicht vorhanden.
Insbesondere
wird entgegen der Auffassung des Klägers in diesem Falle
ebensowenig wie in jenem die unita.s actus beeinträchtigt.
Die unitas actus erfordert, dass sich die nach dem Lesen
(Art. 500 Abs. 1), beziehungsweise nach dem Vorlesen
des Testamentes (Art. 502) vorzunehmenden Handlungen
unmittelbar daran anschliessen. Selbstlesen und Vorlesen
sind aber nur verschiedene Formen der für die Testa-
mentserrichtung notwendigen Kenntnisnahme des Urkun-
deninhaltes durch den Testator. Wenn deshalb die eine
Form zu der an:dern hinzukommt, so bedeutet das nichts
anderes als eine Verstärkung dieses Aktes, durch welche
der Ablauf der Handlungen nicht unterbrochen wird.
Vollends kann von einer solchen Unterbrechung dann
nicht die Rede sein, wenn beim Verfahren nach Art. 500
und 501 das Vorlesen dem Selbstlesen vorausgeht, wie es
hier der Fall war, oder beim Verfahren nach Art. 502
das Selbstlesen dem Vorlesen; den zwischen dem Auf-
setzen der Urkunde und der Kenntnisnahme ihres Inhaltes
durch den Testator braucht ein unmittelbarer zeitlicher
Zusammenhang überhaupt nicht zu bestehen.
2. -
Demjenigen, der Urteilsunfähigkeit und damit Ver-
fügungBunfähigkeit (Art. 467 und 519 Ziff. I ZGB) des
Testators behauptet und Rechte daraus ableitet, obliegt
gemäss Art. 8 ZGB, den Nachweis dafür zu erbringen. Das
anerkennt grundsätzlich auch die Vorinstanz. Sie nimmt
162
Erbrecht. N° %5.
aber an, die Beweislast sei umgekehrt, wenn der Zustand
der Urteilsunfähigkeit durch einen frühem behörd.lichen
Akt allgemein festgestellt worden sei, was hier zutreffe.
Diese Auffassung wird, teilweise in Anlehnung an die
Erläuterungen zum Vorentwurf des WB II S. 64, auch
in Kommentaren zum ZGB vertreten (RossEL und
MENTHA 2. Auf I. N. 95; HAFTER 2. Auf I. Art. 16 N. 16;
EscHER, Art. 467 Anm. 2 a; TuoR, Art. 466 N. 6 und 12;
ähnlich EGGER, 2. Auf}. Art. 16 N. 16). Es bnn ihr jedoch
nicht beigepflichtet werden. Nach Art. 8 WB gilt der
dort aufgestellte Grundsatz, dass derjenige das Vorhanden-
sein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, der aus
ihr Rechte ableitet, überall da, wo .das Gesetz nichts
anderes bestimmt. Eine Ausnahme ist hier aber weder
ausdrücklich vorgesehen,- noch ergibt sie sich notwendig
aus andern Vorschriften des Gesetzes.
Deswegen ist
natürlich ein behördlicher Akt, durch den die Urteils-
unfähigkeit festgestellt wurde, im Rechtsstreit über die
Gültigkeit eines Testamentes der betreffenden Person
nicht bedeutungslos. Die Partei, welche die Urteilsun-
fähigkeit behauptet, wird ihn als Beweismittel verwenden
und der Richter wird ihn mit dem übrigen Beweismaterial
würdigen. Damit schafft diese frühere Feststellung der
Urteilsunfähigkeit indessen höchstens eine tatsächliche
Vermutung, hat also bloss Bedeutung ais Beweisgrund,
nicht als Rechtsvermutung, m; a. W. Bedeutung nur für
die Beweiswfudigung, nicht für die Beweislastverteilung.
Die gegenteilige Auffassung würde in vielen Fällen die
prozessuale Stellung des Ungültigkeitsklägers in unge-
rechtfertigter Weise verbessern und den frühem Fest-
stellungen einen Wert beimessen, den sie oft gar nicht
haben. Denn bekanntermassen wird im Entmündigungs-
verfahren bisweilen leichthin Geisteskrankheit oder Gei-
stesschwäche angenommen; zudem brauchen sich die
Anforderungen an die geistige Gesundheit als Voraus-
setzung der allgemeinen Handlungsfähigkeit einerseits
und der Testierfähigkeit anderseits nicht zu decken.
Sachenrecht. N° 26.
III. SACHENRECHT
DROITS REELS
26. met de la IIe Seetion civlle du 27 mars 1930
dans la cause Sociew immobiliere Fundus C.
contre Beltra.mi et da.me Bianchini.
163
Art. 837 eh. 3 Ce. -
L'entrepreneur ou le sous-traitant qui travaille
pour le compte d'un locataire, ce dernier fUt-il meme autorise
par le proprietaire, n'a pas droit a l'hypotheque legale si le
proprietaire n'est pas responsable du cout des travaux.
A. -
La societ6 immobiliere « Fundus C. » est proprie-
taire d'un immeuble sis a l'angle de l'avenue deMail et
de la rue des Savoises a Geneve. Suivant contrat du 9 avril
1925, elle a loue la totalite de cet immeuble a dame Bian-
chini, pour une duree de 18 ans, soit du l er octobre 1926
au 30 septembre 1944, et pour le prix de 22000 francs par
an. Il etait entendu que l'immeuble serait utilise comme
« bar-dancing ». L'art. 5 du baU disposait a cet egard ce qui
suit : (l La prenense pourra installer et transformer l'immeu-
ble loue pour l'adapter a ses besoins commerciaux, toute-
fois, elle devra a cet effet presenter les plans a l'approbation
de la bailleresse, laquelle pourra surveiller les travaux,
sans toutefois y mettre opposition, pour autant que les
autorites competentes auront donne leur approbation.
Ces amenagements et transformations seront faits exclu-
sivement a la charge de la preneuse, meme ceux de ma-
90nnerie et de poutraison, de plancher et toiture, en un
mot tous les travaux meme ceux necessites pour de grosses
reparations en cas de vetuste. A la fin du bail, toutes les
ameliorations et amenagements qui aura,ient pu etre
executes par la preneuse resteront la propriete exclusive
de la baÜleresse. »
Dame Bianchini
fit proceder aux transformations
prevues. Un sieur Beitrami notamment fut charge par