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56_II_159

BGE 56 II 159

Bundesgericht (BGE) · 1930-03-26 · Deutsch CH
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1158

Familienrecht. N° 24.

der Lebensverhältnisse zu bewerkstelligen. Vorliegend

aber hat der Kläger ja bis gegen den Ablauf des Trennungs-

jahres hin überhaupt keinerlei Anstalten zur Aufhebung

des gemeinsamen Haushaltes getroffen.

Somit könnte der Klage nur stattgegeben werden,

wenn der Kläger für den gegenwärtigen Zeitpunkt einen

Scheidungsgrund nachzuweisen vermöchte.

24,. Arrit de la Ie SeetioD. eivile du G juin 1930

dans la oause Dame Jaquet contre Jaquet.

Art. 138 eh. 1 ce : Le juge, appe16 a se prononeer sur 1e bien-fonde

d'une demande en divoree, doit tenir compte meme des faits

qui n'ont pas eM formellement allegues par Jes parties en tant

qu'ils -resultent du dossier. Si la proOOdure eantona1e ne lui

permet pas d'etendre l'instruction a. ces faits, i1 doit apprecier

ceux-ci, tels qu'ils resultent du dossier, et rejeter la demande

en divorce si cet examen ne le convainc pas du bien-fonde

de cette derniere.

Besume des laUs.

Dame Jaquet a ouvert action contre" son mari an

concluant a ce que le divorce fut prononce aux torts da

celui-ci « pour les causes prevues au titre IV du CC lI.

Le defendeur a conclu au rejet de la demande.·

Par jugement du 26 mars 1930 le Tribunal civil du

distriet de Vevey a prononce le divorce aux torts du mari

et en application de l'art. i38 CC. 11 a admis que les

brutalites, les injures et les vexations de tous genres dont

le defendeur s'etait rendu coupable envers sa femme

justifiaient l'application de cette disposition tout en

declarant qu'etant donnees les maladies dont, d'apres les

declarations de trois medecins, le defendeur souffre, on

pourrait se demander si ces actes na sont pas la conse-

quence d'un etat maladif excluant l'application de l'a.rticle

138 CC. Toutefois, il a estime qu'il n'avait pas a trancher

cette question, le defendeur n'ayant pas fait etat de ces

maladies sous la forme d'un fait dftment allegue, ni etabli

Erbrecht. N0 25.

159

l'existence d'un rapport de causalite entre ces infirmites

et les actes qui lui sont reproohes.

En ce qui concerne ce dernier point, le Tribunal federni,

saisi par le defendeur d'un recours en reforme, s'est exprime

oomme suit:

Extrait des moti/s.

L'art. 158 eh. I CC prescrit que « le juge ne peut retenir

comme etablis les faits a l'appui d'une demande en divorce

ou en separation que s'il est convaincu de leur existence)}.

Le juge doit par consequent tenir compte meme des faits

qui n'ont pas et6 formellement allegues par les parties en

tant qu'ils resultent du dossier. Quant a la question de

savoir si, en ce qui concerne les faits, il doit ordonner d'of-

fice une procedure probatoire ou fournir aux parties 1'00-

casion de prendre de nouvelles conclusions, elle doit etre

resolue a la lumiere des dispositions de la procedure can-

tonale. Si le droit cantonal n'autorise le juge a prendre

ni l'une ni l'autre de ces mesures, celui-ci doit alors appre-

eier les faits tels qu'ils resultent du dossier et rejeter la

demande en divorce si cet examen ne le convainc pas du

bien-fonde da celle-ci.

II.ERBRECHT

DROIT DES SUCCESSIONS

25. Auszug a.us d.em Orteilder II. Zivila.bteilung

vom 21. Mä.rz 1930 i. S. Brindlen gegen lIa.llenbarter.

Let z t w i lJ i g e Ver füg u n g.

Art. 500 -

502 ZGB. Die unitas actU8 wird nicht gestört, wenn

zu den Formen des Art. 502 ZGB noch das Selbstlesen durch

den Testator oder zu den Formen nach Art. 500 uud 501

das Vorlesen durch die Ui-kundsperson tritt (Erw. I).

Art. 467 und 519 Ziff. 1 ZGB. Ein behördlicher Akt.

durch den die U r t eil s u n f ä h i g k e i t

einer Person

festgestellt worden ist, bewirkt im Rechtsstreit über die

160

~t'brecht. N" 25.

Gültigkeit eines von di~r Person errichteten Testamentes

keine Umkehrung der Beweislast (Erw. 2).

A. -

Am 24. November 1927 starb in Brig Helene

, Brindlen. Sie hinterliess ein vom 23. August 1924 datiertes

öffentliches Testament, durch welches sie den grössten

Teil ihres Vermögens den Beklagten vermacht hatte.

Die 1857 geborene Erblasserin war im Jahre 1886 wegen

Blödsinns unter Kuratel gestellt worden. Die Kuratel

wurde 1912 in eine Vormundschaft umgewandelt.

B. -

Der Kläger ist der Bruder und gesetzliche Erbe

der Testatorin. Die Beklagten anerkennen den ihm nach

Walliser Recht zustehenden Pflichtteilsanspruch.

Der

Kläger begnügt sich nicht damit, sondern ficht das Testa-

ment als ungültig an. Er macht im wesentlichen geltend,

es leide an einem Formmangel und die Testatorin sei

verfügungsunfähig gewesen.

Das Kantonsgericht des Kantons Wallis wies die

Klage ab.

O. -

Gegen dieses Urteil erklärte der Kläger die Be-

rufung an das Bundesgericht unter Wiederholung des

Antrages, das Testament sei als ungültig zu erklären.

Aus den Erwägungen:

1. -

Der Formfehler soll darin bestehen, dass das

Testament nicht, wie verurkundet, von· der Testatorin

selbst gelesen, sondern vom Notar vorgelesen, das Ver-

fahren aber trotzdem nach Art: 500 Abs. 2 und 3 und

Art. 501 statt nach Art. 502 ZGB fortgesetzt worden sei.

Der Kläger stützt diese Darstellung auf die AUBSagen des

einen Testamentszeugen.

Demgegenüber erklären der

Notar und der andere Testamentszeuge, die Testatorin

habe das Testament auch selbst gelesen. Die Vorinstanz

hält letztere Darstellung, die auch den Wortlaut der

Urkunde für sich hat, für die zutreffende. Ihre Beweis-

würdigung ist für das Bundesgericht verbindlich (Art. 81

OG). Wurde das Testament aber sowohl von der Ur-

kundsperson vorgelesen wie von der Testatorin selbst

Erbrecht. No 25.

l61

gelesen, so konnte im weitem wahlweise nach Art. 500

Aha. 2 und 3 und Art. 501 oder nach Art. 502 ZGB ver-

fahren werden. In beiden Fällen liegt gegenüber dem,

was an Formen gesetzlich vorgeschrieben ist, ein Mehr

vor, welches die Gültigkeit der Verfügung nicht berührt.

Das ist inbezug auf die Verbindung des Selbstlesens mit

den Formen des Art. 502 ZGB vom Bundesgericht bereits

mehrfach ausgesprochen worden (vgl. BGE 46 II 13

Erw. 2 und 50 II 116 Erw. 2 i. f.). Ein Grund, warum

es nicht auch gelten sollte, wenn zu den Formen nach

Art. 500 und 501 noch das Vorlesen durch die Urkunds-

person hinzutritt, ist nicht vorhanden.

Insbesondere

wird entgegen der Auffassung des Klägers in diesem Falle

ebensowenig wie in jenem die unita.s actus beeinträchtigt.

Die unitas actus erfordert, dass sich die nach dem Lesen

(Art. 500 Abs. 1), beziehungsweise nach dem Vorlesen

des Testamentes (Art. 502) vorzunehmenden Handlungen

unmittelbar daran anschliessen. Selbstlesen und Vorlesen

sind aber nur verschiedene Formen der für die Testa-

mentserrichtung notwendigen Kenntnisnahme des Urkun-

deninhaltes durch den Testator. Wenn deshalb die eine

Form zu der an:dern hinzukommt, so bedeutet das nichts

anderes als eine Verstärkung dieses Aktes, durch welche

der Ablauf der Handlungen nicht unterbrochen wird.

Vollends kann von einer solchen Unterbrechung dann

nicht die Rede sein, wenn beim Verfahren nach Art. 500

und 501 das Vorlesen dem Selbstlesen vorausgeht, wie es

hier der Fall war, oder beim Verfahren nach Art. 502

das Selbstlesen dem Vorlesen; den zwischen dem Auf-

setzen der Urkunde und der Kenntnisnahme ihres Inhaltes

durch den Testator braucht ein unmittelbarer zeitlicher

Zusammenhang überhaupt nicht zu bestehen.

2. -

Demjenigen, der Urteilsunfähigkeit und damit Ver-

fügungBunfähigkeit (Art. 467 und 519 Ziff. I ZGB) des

Testators behauptet und Rechte daraus ableitet, obliegt

gemäss Art. 8 ZGB, den Nachweis dafür zu erbringen. Das

anerkennt grundsätzlich auch die Vorinstanz. Sie nimmt

162

Erbrecht. N° %5.

aber an, die Beweislast sei umgekehrt, wenn der Zustand

der Urteilsunfähigkeit durch einen frühem behörd.lichen

Akt allgemein festgestellt worden sei, was hier zutreffe.

Diese Auffassung wird, teilweise in Anlehnung an die

Erläuterungen zum Vorentwurf des WB II S. 64, auch

in Kommentaren zum ZGB vertreten (RossEL und

MENTHA 2. Auf I. N. 95; HAFTER 2. Auf I. Art. 16 N. 16;

EscHER, Art. 467 Anm. 2 a; TuoR, Art. 466 N. 6 und 12;

ähnlich EGGER, 2. Auf}. Art. 16 N. 16). Es bnn ihr jedoch

nicht beigepflichtet werden. Nach Art. 8 WB gilt der

dort aufgestellte Grundsatz, dass derjenige das Vorhanden-

sein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, der aus

ihr Rechte ableitet, überall da, wo .das Gesetz nichts

anderes bestimmt. Eine Ausnahme ist hier aber weder

ausdrücklich vorgesehen,- noch ergibt sie sich notwendig

aus andern Vorschriften des Gesetzes.

Deswegen ist

natürlich ein behördlicher Akt, durch den die Urteils-

unfähigkeit festgestellt wurde, im Rechtsstreit über die

Gültigkeit eines Testamentes der betreffenden Person

nicht bedeutungslos. Die Partei, welche die Urteilsun-

fähigkeit behauptet, wird ihn als Beweismittel verwenden

und der Richter wird ihn mit dem übrigen Beweismaterial

würdigen. Damit schafft diese frühere Feststellung der

Urteilsunfähigkeit indessen höchstens eine tatsächliche

Vermutung, hat also bloss Bedeutung ais Beweisgrund,

nicht als Rechtsvermutung, m; a. W. Bedeutung nur für

die Beweiswfudigung, nicht für die Beweislastverteilung.

Die gegenteilige Auffassung würde in vielen Fällen die

prozessuale Stellung des Ungültigkeitsklägers in unge-

rechtfertigter Weise verbessern und den frühem Fest-

stellungen einen Wert beimessen, den sie oft gar nicht

haben. Denn bekanntermassen wird im Entmündigungs-

verfahren bisweilen leichthin Geisteskrankheit oder Gei-

stesschwäche angenommen; zudem brauchen sich die

Anforderungen an die geistige Gesundheit als Voraus-

setzung der allgemeinen Handlungsfähigkeit einerseits

und der Testierfähigkeit anderseits nicht zu decken.

Sachenrecht. N° 26.

III. SACHENRECHT

DROITS REELS

26. met de la IIe Seetion civlle du 27 mars 1930

dans la cause Sociew immobiliere Fundus C.

contre Beltra.mi et da.me Bianchini.

163

Art. 837 eh. 3 Ce. -

L'entrepreneur ou le sous-traitant qui travaille

pour le compte d'un locataire, ce dernier fUt-il meme autorise

par le proprietaire, n'a pas droit a l'hypotheque legale si le

proprietaire n'est pas responsable du cout des travaux.

A. -

La societ6 immobiliere « Fundus C. » est proprie-

taire d'un immeuble sis a l'angle de l'avenue deMail et

de la rue des Savoises a Geneve. Suivant contrat du 9 avril

1925, elle a loue la totalite de cet immeuble a dame Bian-

chini, pour une duree de 18 ans, soit du l er octobre 1926

au 30 septembre 1944, et pour le prix de 22000 francs par

an. Il etait entendu que l'immeuble serait utilise comme

« bar-dancing ». L'art. 5 du baU disposait a cet egard ce qui

suit : (l La prenense pourra installer et transformer l'immeu-

ble loue pour l'adapter a ses besoins commerciaux, toute-

fois, elle devra a cet effet presenter les plans a l'approbation

de la bailleresse, laquelle pourra surveiller les travaux,

sans toutefois y mettre opposition, pour autant que les

autorites competentes auront donne leur approbation.

Ces amenagements et transformations seront faits exclu-

sivement a la charge de la preneuse, meme ceux de ma-

90nnerie et de poutraison, de plancher et toiture, en un

mot tous les travaux meme ceux necessites pour de grosses

reparations en cas de vetuste. A la fin du bail, toutes les

ameliorations et amenagements qui aura,ient pu etre

executes par la preneuse resteront la propriete exclusive

de la baÜleresse. »

Dame Bianchini

fit proceder aux transformations

prevues. Un sieur Beitrami notamment fut charge par