Volltext (verifizierbarer Originaltext)
21. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom ö. Mai 19ö0
i. S. F. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern.
Art.191Ziff.1 StGB. Wer sein Geschlechtsglied in den After oder
in den Mund des Kindes einführt, begeht eine dem Beischlaf
ähnliche Handlung.
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Strafgesetzbuch. N° 21.
Art. 191 eh. 1 OP. Celui qui introduit sa verge dans l'anus ou la
bouche d'un enfant commet un acte analogue a l'acte sexuel.
Art. 191 cifra 1 OP. Chi introduce il pene nell'ano o nella bocca.
di un fanciullo commette un atto analogo all'atto sessuale.
Nach der Rechtsprechung des Kassationshofes kann der
Mann dem Beischlaf ähnliche Handlungen, die Art. 191
Ziff. 1 Abs. 1 StGB wie den Beischlaf mit Zuchthaus be-
droht, nicht nur mit Mädchen, sondern auch mit Knaben
begehen (BGE 71 IV 191).
Solche Handlungen liegen z. B. in der Einführung des
Geschlechtsgliedes zwischen die Oberschenkel des Kindes,
gleichgültig ob sie von vorne oder von hinten erfolge
(BGE 71 IV 191; 75 IV 164). Offen gelassen wurde dage-
gen, ob auch die Einführung des Gliedes des Täters in den
After oder den Mund des Opfers beischlafsähnlich sei, wie
in der zweiten Expertenkommission gesagt wurde (Proto-
koll 4 41) und z. B. auch das Militärkassationsgericht
annimmt (MKGE 3 Nr. 70). Die Frage ist zu bejahen.
Hierüber kann kein Zweifel bestehen, soweit die Einführung
des Gliedes in den After des Kindes in Frage steht, denn sie
. gleicht dem natürlichen Beischlaf ebensosehr wie das von
hinten erfolgende Einstossen des Gliedes zwischen die Ober-
schenkel, ja übertrifft dieses noch an Innigkeit der Be-
rührung zwischen Täter und Opfer, und erweckt beim
Kinde die gleiche Vorstellung : dass der Täter nach Art
eines Beischläfers sich an ihm geil machen oder befriedigen
wolle. Dann aber ist trotz der Zurückhaltung, mit welcher
Art. 191 Ziff. 1 Abs. 1 wegen der hohen Mindeststrafe aus-
gelegt werden muss (BGE 70 IV 158), auch die Einführung
des Gliedes in den Mund des Kindes als beischlafsähnlich
zu würdigen. Auch diese Handlung ist dem Täter Ersatz
für den Beischlaf und gleicht diesem durch die Innigkeit
der Vereinigung und die Vorstellung, die beim Kinde
geweckt wird. Anders wäre das Gesetz nur dann auszu-
legen, wenn die Einführung des Gliedes in den Mund des
Kindes als wesentlich leichterer Angriff auf dessen sittliche
Unverdorbenheit anzusprechen wäre als der Beischlaf.
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Strafgesetzbuch. N° 22.
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Eher das Gegenteil ist der Fall, denn auf diese Weise lenkt
der Täter das geschlechtliche Empfinden des Kindes auf
Irrwege. Auch unter dem Gesicht~punkt der Hemmungs-
und Schamlosigkeit, die es braucht, um dieses Verbrechen
zu begehen, kommt die Einführung des Gliedes in den Mund
des Kindes dem Beischlaf näher als den mit milderer Strafe
bedrohten > im Sinne
von Art. 191 Ziff. 2 (unzüchtige Berührungen und dgl.).
Ob der Täter die Geschlechtslust bloss wecken oder sie
im Munde des Kindes auch befriedigen will, ist unerheb-
lich; zum Beischlaf gehört ebenfalls nicht notwendiger-
weise Befriedigung. Ebensowenig kommt etwas darauf an,
-0b der Täter das Glied im Munde des Kindes bewege; die
blosse Einführung kennzeichnet die Handlung als bei~
.schlafsähnlich.
Damit ist zugleich gesagt, dass der Beschwerdeführer
das Verbrechen des Art. 191 Ziff. 1 Abs. 1 vollendet, nicht
bloss versucht hat.