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75_IV_169

BGE 75 IV 169

Bundesgericht (BGE) · 1949-01-01 · Deutsch CH
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Strafgesetzbuch. No 39.

mündlichen Abmachung dienen, bei der Pellizzola auf

Grund der erwähnten Machenschaften des Beschwerde-

führers bereits voraussetzte, dieser sei der mit einem

Fahrzeugausweis versehene Chef der e sich zur Tat berechtigt halten

dürfen. Er habe indes nicht zureichende Gründe für seine

irrige Auffassung. Auch eine weitverbreitete Ansicht

entbinde niemanden von der Pflicht zur selbständigen

Prüfung der Frage, ob eine bestimmte Tat erlaubt sei

oder nicht. Dass er mindesten etwas Verwerfliches, wenn

nicht sogar etwas Strafbares begehe, sei für den Ange-

schuldigten erkennbar gewesen. Im übrigen befürworte

in der Schweiz nur eine kleine Minderheit von Hunde-

haltern die Strafschussmethode. Es könne nicht argu-

mentiert werden, bei der Jagd sei das Schiessen auf jagd-

bare Tiere erlaubt, also müsse auch auf Jagdhunde ge-

schossen werden dürfen. Abgesehe davon, dass der Jäger,

der d,as Wild schiesse, 1tin ihm kraft seines Jagdpatentes

oder Revierpachtvertrages zustehendes gesetzliches Recht

ausübe, mache auch er sich der· Tierquälerei schuldig,

wenn er Jagdti~re unnötig quäle, statt sie möglichst

rasch zu töten. Strafschüsse seien zudem gar nicht nötig,

um Hunde zu unbedingtem Gehorsam zu erziehen.

0. -

Moser führt Nichtigkeitsbeschwerde mit den

Anträgen, das Urteil des Obergerichts sei aufzuheben

und die Vorinstanz anzuweisen, ihn freizusprechen.

Er bestreitet, dass der abgegebene Strafschuss auf eine

Misshandlung des Tieres, die Zufügung erheblicher Schmer-

zen, hinausgelaufen sei, und rügt, dass dem Antrage,

darüber das Gutachten eines Tierarztes einzuholen, keine

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Strafgesetzbuch. No 40.

Folge gegeben worden sei. Auch habe er den Willen nicht

gehabt, dem Hunde Schmerzen zuzufügen, habe also

nicht vorsätzlich gehandelt. Sodann verletze ·das Urteil

Art. 20 StGB; der Beschwerdeführer habe sich von Anfang

an auf Fachliteratur und auf Ansichten angesehener Jäger

und Züchter berufen, um darzutun, dass er sich als zum

Strafschuss berechtigt gehalten habe. Wenn seine Auffas-

sung irrig sei, müsse man ihm mindestens zugute halten,

dass er dafür zureichende Gründe gehabt habe.

Der Kassationshof zieht in Erwägung :

1. -

In welchem Masse dem Tier durch den Schuss

Schmerzen und Leiden zugefügt worden sind, ist entgegen

der Meinung des Beschwerdeführers Tat-, nicht Rechts-

frage. Ob der kantonale Richter sie von sich aus hat

beantworten dürfen oder gehalten war, sich von einem

Tierarzte beraten zu lassen, ist eine Frage des kantonalen

Prozessrechtes, dessen Anwendung der Kassationshof

nicht zu überprüfen hat (Art. 269 Abs. 1, Art. 273 Abs.

1 lit. b BStP). Bundesrecht ist durch die Nichtan-0rdnung

einer solchen Begutachtung nicht verletzt worden.

Dass Verletzungen und Begleiterscheinungen, wie sie

als Folge des Schusses festgestellt worden sind, die Tat

des Beschwerdeführers zur Misshandlung im Sinne von

Art. 264 Zifi. 1 Abs. l StGB stempeln und sie damit

objektiv zur Tierquälerei machen, sollte heutzutage im

Ernste nicht mehr in Abrede gestellt werden. Wie das

Obergericht mit zutreffender Begründung ausführt, ist

sie auch rechtswidrig.

Dass der Beschwerdeführer den Schuss bewusst und

gewollt abgegeben und auch die eingetretenen Folgen

(Verletzungen und Schmerzen) gewollt hat, sind Tat-

sachen, die das Obergericht verbindlich festgestellt hat

und mit der Nichtigkeitsbeschwerde nicht angefochten

werden können (Art. 277bis Abs. 1, Art. 273 Abs. l lit. b

BStP). Damit steht der subjektive Tatbestand der Tier-

quälerei (Vorsatz) fest.

Strafgesetzbuch. N° 40.

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2. -

Die Gründe, auf die sich der Beschwerdeführer

beruft, um den behaupteten Rechtsirrtum zu rechtferti'-

gen, sind nicht zureichend im Sinne des Art. 20 StGB.

Auf ausländische Bücher über Hundedressur kann sich der

Beschwerdeführer zum vornherein nicht berufen, da er

sich sagen musste, dass im Auslande herrschende Auf-

fassungen nicht dafür massgebend sein können, was nach

schweizerischem Rechte zulässig ist. Und die von einer

kleinen Minderheit schweizerischer Hundehalter vertretene

Ansicht, dass Strafschüsse zulässig seien, hätte der Be-

schwerdeführer sich nur zu eigen machen dürfen, wenn er

einigermassen einleuchtende Gründe dafür anzuführen

vermöchte, warum gerade der Hundehalter oder ins-

besondere der Jäger sich gegenüber seinem Tiere Miss-

handlungen erlauben dürfe, die der klare Wortlaut des

Art. 264 StGB jedermann verbietet. Dass der Zweck, den

Hund zum Gehorsam zu erziehen, das vom Beschwerde-

führer angewandte Mittel nicht heiligen kann, hätte der

Beschwerdeführer bei seiner Intelligenz und Bildung er-

kennen können, ebenso, dass es nicht das gleiche ist, ob

ein Jäger gestützt auf seine von Gesetz und Behörden

anerkannte Jagdberechtigung auf das Wild schiesst, um

es rasch und mit einem Mindestmass von Schmerz zu

töten, oder ob er seinem Hunde Schrot in der Leib schickt,

um ihn zu züchtigen.

3. -

Nach de~ vernichtenden Bewertung, welche die

in Frage stehende > in den bei den Akten liegenden Meinungsäusse-

rungen eines Jagd.sachverständigen (des Sekretärs des

Schweizerischen Jagdschutzvereins, Vetterli) und eines

Hundezüchters (des Kursleiters im Kriegs- und Dienst-

hundewesen der Armee, Schmutz) gefunden hat, hätte

die Beschwerde unterbleiben dürfen. Dem ist bei der

Bemessung der Gerichtsgebühr Rechnung zu tragen.

Demnach erkennt der Kassationshof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.

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Strafgesetzbuch. N• 41.

4:1. Extralt de l'arret de la Cour de cassation penale du 11 no-

vembre 1949 dans la cause Hänsli contre Hlnistere puhlle

du eanton de Beme.

DetoumeJmeHl.t. de bitmB sequestrh. Relation entre les a.rt. 169 et

289 CP.

V erjügung über beschlagnahmte Sacken. Verhältnis zwischen

Art. 169 und 289 StGB.

Diatrozione di beni sequestrati. Relazione tra gli a.rt. 169 e 289 CP.

Extrait des considerants :

Les art. 169 et 289 CP ont un trait commun : tous deux

repriment des actes de disposition relatifs a, des objets

frappes d'une mainmise officielle. Tamlis que le second, qui

figure dans le titre des infractions contre l'autorite, tend a

proteger Ie prestige des organes de l'Etat, quels qu'ils

soient, Je premier ne v:ise que des mesures (saisie, sequestre,

inventaire) prises en vertu de la loi sur la poursuite pour

dettes et la faillite; en outre, range dans le titre des infrac-

tions contre le patrimoine, il suppose l'intention de porter

prejudice aux creanciers. Comme on l'a dit dans la deu-

xieme commission d'experts, le delit de l'art. 169 est « a

double face. Le delinquant, d'une part, lese ses creanciers

et, d'autre part, bafoue l'autorite)) (proces-verbal n p. 41 l;

cf. Bull. st. C.N„ tirage special, p. 361). Le detournement

d'objets mis sous main de justice (art. 169) est donc un

cas particulier de la soustraction d'objets mis sous main

de l'autorite (art. 289). Il y a concours improprement dit.

Par consequent l'art. 169, plus severe, s'applique chaque

fois que des objets saisis, sequestres ou inventories dans

une procedure d'execution forcee ont ete detournes au

detriment des creanciers. Si, en revanche, ce dernier ele-

ment n'est pas realise ou que les objets aient ete sequestres

ou confisques pour des raisons etrangeres a la LP -

par

exemple par le juge civil a titre de mesure provisionnelle,

par Je juge d'instruction, un agent de police ou une auto-

rite administrative (ZÜRCHER, Expose des motifs p. 372)

-

l'auteur tombe SOUS le COUp de l'art. 289. Le sequestre

Strafgesetzbuch. No 42.

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regi par les art. 271 ss LP est certes destine a garantir des.

interets prives. Cela n'empeche pas le prestige de l'auto-

rite qui l'ordonne d'etre engage. C'est pourquoi l'applica-

tion de l'art. 289 CP s'impose quand les creanciers ne

subissent aucun donimage ou que l'inculpe n'a pas voulu

les desavantager.

4:2. Urteil des Kassationshofes vom 31. Dezember UMS i. S.

Odermatt und Ambom gegen Staatsanwaltsehaft des Kantons

Zflrich.

1. Art. 21, 148 StGB. Versuch des Versicherungsbetruges, begon-

nen durch Brandlegung an eigener Sache.

2. Art. 304 Ziff.1 Abs.1 StGB. Begriff des Anzeigen.s. Wann zeigt

jemand an, es sei «.eine strafbare Handlung begangen worden » 'l

Irreführung der Rechtspflege macht auch strafbar, wenn der

Täter die Tat begeht, um als Beschuldigter sich in einem Straf-

verfahren herauszulügen.

3. Art. 25, 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Gehülfenschaft zu Irreführung

der Rechtspflege, begangen durch Brandlegung an der Sache

des Täters.

4:. Art. 269 Abs. 1 BStP. Ein Fehler in der Begründung -

zu der

auch die in den Urteilsspruch aufgenommene Schuldigerklärung

zu. rechnen ist -

kann mit der Nichtigkeitsbeschwerde nicht

gerügt ·werd,en, wenn er sich auf die ausgesprochenen Rechts-

folgen nicht ausgewirkt hat.

1. Art. 21 et 148 OP. Escroquerie 8. l'assurance, tentee par l'incendie

de sa propre chose.

·

2. Art. 304 Ch. 1 al. 1 OP. Notion de la deno;nciation. Quand y

a-t-il denonciation d'une infraction 'l Induit au.ssi la justice en

erreur celui qui oommet l'acte pou.r se tirer d'une poursuite

3. ~15 et 304 Ch. 1 al. 1 OP. La compliciM au fait d'indu.ire Ia

justice en erreur peut consister 8. mettre le feu 8. Ia chose d'autrui.

4. Art. 269 al. 1 PPJJ'. Une erreu.r dans !es motifs (dont fait partie

la doolaration de oulpabilite da.ns le dispositif) ne saurait ~re

attaquee pa.r un pourvoi en nullite, si eile n'a pas influ.e sur 1e

resu.Itat ..

1. Art. 21, 148 OP. Truffa mediante l'incendio della propria oosa

assicu.rata.

2. Art. 304, cijra 1, cp. 1 OP. Concetto della denuncia. Quando

esiste denuncia d'un reato 'l Induce in errore la giustizia anche

colui ehe commette l'atto per liberarsi da un procedimento

penale.

-

3. Art. 26 e 304, cifra 1, cp. 1 OP. La complicitä. nell'indurre in

errore la giustizia puo consistere nell'appicca.re il fuooo alla

oosa altrui.

4. Art. 269 cp. 1 PPJJ'. Un errore nel1a motivazione (della qu.ale

fa. parte la dichiarazione di oolpabilitä. nel dispositivo) puo essere