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194 Strafgesetzbuch. No 44.
44. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 28. Sep- tember 1945 i. S. Kalt gegen Staatsanwaltsehaft des Kantons ' Aargau. Art. 217 Abs. 2 StGB.
1. Der Unterhaltsbeitrag des ausserehelichen Vaters bleibt auch geschuldet, wenn das Kind unentgeltlich bei einem Dritten untergebracht ist und da.her den Beitrag vorläufig nicht braucht.
2. Dass die rückständigen Unterhaltsbeiträge im 'Augenblick des Urteils ein Kapital ausmachen, steht der Anwendmig des Art. 217 StGB nicht im Wege, wenn desseµ Voraussetzungen im Augenblick der Fälligkeit des einzelnen Beitrages erfüllt waren. Art. 217 al. 2 CP.
1. Le pere nature! continue a devoir les aliments & son enfa.nt da.ns le cas ou celui-ci est entretenu gratuitement par un tiers et n'a donc momentanement pas besoin du subside.
2. Le fait qu'au moment du jugement les pensions arrierees repre- sentent un ca.pital ne s'oppose pas a l'application de l'a.rt. 217 CP pourvu que les conditions de cet artic]e fussent r6alis6es a l'echeance de chaque contribution. Are. 217, cp. 2 CP.
1. II padre naturale continua ad essere debitore degli alimenti verso suo figlio a.nche nel ca.so in cui quest 'ultimo e ma.nte- nuto gratuitamente da un terzo e non ha. quindi, pel momento, bisogno del contributo.
2. II fa.tto ehe, qua.ndo fu pronunciato il giudizio, i contributi in arretra.to rappreseritano un ca.pitale non e d'ostacolo all'appli- ca.zione dell'art. 217 CP, purche le condizioni di quest'a.rticolo fossero soddisfa.tte alla scadenza d'ogni contributo. Aus den Erwägungen : Der Pflegevater Paul Burkhard. bestätigte in seiner schriftlichen Erklärung vom 20. Januar 1944, dass er für ~ Kind kein Kostgeld verlange, und eine gleiche Be- scheinig'Ullg hatte er dem Beschwerdeführer schon am 16 .. · Oktober 1942 in einem Rechtsöffnungsverfahren aus- gestellt. Den Pflegeeltern steht jedoch gegenüber dem Beschwerdeführer ein Anspruch nicht zu. Anspruchsbe- ~chtigt ist das Kind, dessen gesetzlicher Vertreter der Vormund ist. Dieser allein wä,re daher legitimiert - ob und 'Ullter welchen Voraussetzungen auch sachlich befugt, kann da.hingestellt bleiben-, dem Beschwerdeführer die Unterhaltsbeiträge zu erlassen. Die Pflegeeltern konnten . . Strafgesetzbuch. N° 44. 195 lediglich gegenüber dem Kind oder seiner Mutt.er auf die Bezahlung von Kostgeld verzichten. Indem sie dies ta.ten, 'WUrde der Beschwerdeführer von seiner Schuld gegenüber dem Kinde nicht befreit. Unerheblich ist auch, dass infolge des Verzichtes der Pflegeeltern auf Kostgeld die Leistungen des Beschwerde- führers nicht mehr für den laufenden Unterhalt des Kindes benötigt werden. Der vom Richter gemäss Art. 319 ZGB festgesetzte Anspruch auf Unterhaltsbeiträge besteht un- abhängig da.von, ob das Kind nach seinen :finanziellen Verhältnissen oder denjenigen seiner Mutter tatsächlich ~uf die Beiträge angewiesen ist oder nicht, und demgemäss auch unabhängig da.von, ob die Mutter für den Unterhalt besondere Zuwend'Ullgen von dritter Seite erhält oder ob er sogar ganz von Dritten übernommen wird. Auf das Interesse am Unterhaltsbeitrag kommt es also nicht an. Der Beitrag ist geschuldet kraft der natürlichen Verwandt- schaft zwischen Vater und Kind, und ob das Geld für die Kosten von Unterhalt 'Ulld Erziehung tatsächlich gebraucht werden muss oder ob es als Spargut für das Kind beiseite- gelegt werden kann, geht den Pflichtigen nichts an. Aus dem gleichen Grunde können rückständige Beiträge auch nachgefordert werden. Dass ihre Vollstreckung dann, wenn sie zu einem eigentlichen Kapital angewachsen smd, an die Schranken des Art. 93 SchKG gebunden ist (BGE 58 III 78, 64 III 132), besagt hier nichts. Der Unterhalts- pflichtige wird bestraft, weil er den einzelnen Beitrag im Augenblick, wo er fällig wird, nicht bezahlt. Dass seine Schuld in jenem Augenblick den Charaktereinerfamilien- rechtlichen Unterhaltspflicht im Sinne des Art. 217 StGB hat, steht a.usser Frage. Ob dies auch in dem Zeitpunkt, wo die rückständigen Beiträge ein Kapital ausma.ch.en, nooh zutrifft, ist belanglos. Wie die Vorinstanz bemerkt,. besteht im vorliegenden Falle au,oh nicht etwa. Gewähr,. dass für das Kind ·bis zu 8emem achtzehnten Altersjahr von Dritten gesorgt werden wird. Diese Gewähr bestünde nioht einmal, wenn 4a.s 196 Strafgesetzbuch. N° 45. Kind vom Ehepaar Burkhard adoptiert würde, denn die Adoptiveltern können sterben oder selber bedürftig wer- deµ.. Dann müssten für den Unterhalt und die Ausbildung des Kindes die zurückgelegten Beiträge des Beschwerde- führers ·verwendet werden ; denn die Fr. 30.- bezw. Fr. 35.-, die er weiterhin laufend zu bezahlen hat, würden hiezu nicht ausreichen. Umso weniger kann man den vor- läufigen Verzicht der Pflegeeltern auf Kostgeld dem Be- schwerdeführer zugute kommen lassen. Jedenfalls aber kann, wie erwähnt, darüber nur der Vormund des Kindes befinden, nicht der Pflegevater. Die Unterhaltspflicht des Beschwerdeführers ist dtim- nach durch den Verzicht der Pflegeeltern auf Kostgeld nicht berührt worden. Damit ist auch gesagt, dass dieser Verzicht die Zahlungsverweigerung nicht rechtfertigt.
45. Extrait de l'arrM de la Cour de cassation penale du 9 novembre 1945 dans la cause Detienne c. Procureur general du canton de Geneve.
1. Relation entre le premier et le second alinea de l'a.rt. 217 CP (consid. 1).
2. Celui qui assume des obligations pecuniaires envers un enfant nature!, alors qu'il est ou pourra.it etre en butte a une a.ction en paternite, est repute etre le pere !fe l'enfant, sa.ns pouvoir etre a.dmis a faire la preuve du contraire. TI a toutefois le droit, cas echea.nt, de faire eta.t du cara.ctere non obliga.toire que son enga.gement peut avoir, par ex. en vertu d'tm vice du consente- ment (consid. 1).
3. TI appartient a la procedure ca.ntonale de dire si le juge pena.J peut statuer lui-meme a titre prejudiciel sur le moyen tire de la nullite de l'enga.gement, ou s'il doit suspendre son prononoo jusqu'a ce que le juge civil se soit prononce (consid. 2).
1. Verhältnis zwischen dem ersten und dem zweiten Absatz des Art. 217 StGB (Erw. 1).
2. Wenn ein Va.terscha.ftsbeklagter oder einer, dem eine Vater- schaftsklage droht, ·gegenüber dem a.usserehelichen Kinde Vermögensleistungen auf sich nimmt, gilt er als dessen Vater, ohne zum Gegenbeweis zugelassen zu werden. Immerhin hat er gegebenenfalls das Recht, darzutun, dass sein Versprechen, z.B. wegen eines Willensmangels, unverbindlich ist (Erw. l). Strafgesetzbuch. No 45. 197
3. Es ist Sache des kantonalen Prozes8rechts, zu sagen, ob der Strafrichter vorfrageweise selber über den Einwand der Nich- tigkeit der Verpflichtung entscheiden kann oder ob er sein Urteil aussetzen muss, bis der Zivilrichter sich ausgesprochen hat (Erw. 2). L Relazione tl'.a il primo ed il secondo capoverso dell'art. 217 CP (consid. 1 ).
2. Chi assume obblighi pecuniari verso un infante naturale, allorche e minacciato da un'azione di paternita, e reputato essere il padre dell'infante, senza possibilita di fornire la prova del contrario. Egli ha tuttavia eventualmente il diritto di prevalersi del carattere non obbligatorio Qhe puo .avere il suo obbligo, per es. a motivo di un vizio del consenso (consid. 1).
3. Spetta alla procedura. cantonale di dire se il giudice penale possa. sta.tuire lui stesso a titolo pregiudiziale sull'eccezione della nullita dell'obbligo o se debba. sospeildere il suo giudizio fino a. ta.nto ehe il giudice civile si sia pronunciato (consid. 2). A. -Le 5 aout 1942, est nee a Geneve Jacqueline-Dolly Chauvet, fille des epoux Julien Chauvet et Edmee Chauvet- Debugnon, tous deux de nationalite franc;aise. Par jugement du 5 fevrier 1944, le Tribunal civil de St-Julien (Haute-Savoie)' a admis une action en desaveu introduite par Julien Chauvet, lequel etait prisonnier de guerre en Allemagne depuis juin 1940. Le recourant Maurice Detienne, Valaisan, lui-mellie marle, avait ete depuiS fin 1939 l'amant d'Edmee Chauvet- Debugnon, qui est decedee a Geneve le 19 juin 1944. Le Tuteur general de Geneve, designe comme curateur de l'enfant, se mit en rapport avec Detienne, qui signa le 22 septembre 1944 la declaration suivante: «Je declare formellement que Jacqueline-Dolly Chauvet, nee le 5 aout 1942, est issue de mes reuvres. » Le jugement · franc;ais de desaveu une fois passe en force, Detienne signa, le 7 novem- bre 1944, une nouvelle declaration par laquelle il recon- naissait etre le pere de la petite Jacqueline - qui porte maintenant .le nom de sa mere Debugnon - et s'engageait a pa.yer pour son enfant une pension mensuelle de 40 fr. jusqu'a l'ä.ge de trois ans, 60 fr. de trois a dix ans, et 80 fr. de dix 8. dix-huit ans. Par la. suite, Detienne refusa. de payer sa contribution mensuelle de 40 fr., alleguant que Jacqueline-Dolly Debu-