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54_I_216

BGE 54 I 216

Bundesgericht (BGE) · 1928-01-01 · Deutsch CH
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216

Staatsrecht.

par l'Italie, OU les opinions antifascistes de Pavan

risqueraient de constituer une circonstance aggravante~

mais par Ia France, dont les tribunatix offrent toutes

garanties d'impartialite et sauront tenir compte des

motifs politiques desinteresses auxqueis l'inculpe pretend

avoir obei.

Par ces moUls, le Tribunal lederal

ecarte I'opposition formee par Alvise Pavan et accorde

l'extradition demandee par Ia France.

IX. STAATSVERTRÄGE

TRAITES INTERNATIONAUX

30. Urteil voma9, Juni 19a5 i. S. Epp gegen St. Gallen.

1. Art. 87 Abs. 2 OG : Zivilrechtliche Beschwerde in Gerichts-

standsfragen (Erw. 1).

2. Art. 5 : Gerichtsstandsvertrag mit Frankreich : Zuständig-

keit der schweizerischen Heimatbehörden eines in Frank-

reich verstorbenen Erblassers zur Aufnahme des öffentlichen

Inventars (Erw. 2).

A. -

Am 16. Dezember 1927 verstarb in Paris Eugen

Heinrich Epp unter Hinterlassung einer Witwe (der

heutigen Rekurrentin), zweier Schwestern und von vier

Nachkommen eines vorverstorbenen Bruders. Der Erb-

I asser hatte ein Testament errichtet, in welchem er seine

leiblichen Erben auf den Pflichtteil herabsetzte. Dieses

Testament wurde am 10. Januar 1928 vom Waisenamt

St. Gallen eröffnet und den gesetzlichen Erben, mit

Einschluss der Rekurrentin, in Abschrift zugestellt.

Am 10. Januar 1928 verlangte eine der Schwestern des

Erblassers die Aufnahme eines öffentlichen Inventars

über dessen Nachlass. Das Bezirksamt St. Gallen ent-

sprach diesem Begehren nach Unterhandlung mit der

Staatsverträge. N° 30.

217

schweizerischen Gesandtschaft in Paris und veröffent-

lichte am 8. Februar 1928 im Amtsblatt und in den

st. gallischen Tagesblättern die öffentliche Inventar-

aufnahme und den Rechnungsruf.

Zugleich ersuchte

das Amt die schweizerische Gesandtschaft in Paris,

auch dort für die Durchführung des öffentlichen Inven-

tars besorgt zu sein.

Dagegen beschwerte sich die Rekurrentin am 23. Fe-

bruar 1928 beim Regierungsrat von St. Gallen mit dem

Begehren um Einstellung des Inventarverfahrens über

den Nachlass ihr es verstorbenen Ehemannes. Der Re-

gierungsrat wies aber am 3. April 1928 die Beschwerde

ab mit der Begründung: Die Beantwortung der Frage,

ob das Bezirksamt St. Gallen zur Anordnung des öffent-

lichen Inventars über den Nachlass des Epp zuständig

sei, entscheide sich in erster Linie nach den Bestim-

mungen des französisch-schweizerischen Gerichtsstands-

vertrages vom 15. Juni 1869. Nach dessen Art. 5 sei die

Erbschaft eines in Frankreich verstorbenen Schweizers

an seinem Heimatort zu eröffnen. Damit seien aber die

Heimatbehörden für die Vornahme aller den Gang des

Erbteilungsverfahrens beeinflussenden amtlichen Hand-

lungen zuständig. Die Erbschaft eines in Frankreich

verstorbenen Schweizers unterstehe in ihrer Gesamtheit

dem heimatlicheu Recht und der Zuständigkeit der

heimatlichen Behörden. Epp sei St. Galler Bürger ge-

wesen. Die Kompetenz des Bezirksamtes St. Gallen zum

Erlass des öffentlichen Inventars über dessen Nachlass

sei damit gegeben.

Nach Art. 28 Ziff. 2 NAG unterständen die im Ausland

wohnenden Schweizer, wenn sie nach Massgabe der

ausländischen Gesetzgebung dem ausländischen Recht

nicht unterworfen seien, dem Recht und der Gerichts-

barkeit des Heimatkantons.

Infolge des bestehenden

Staatsvertrages seien die Schweizer in Frankreich inbezug

auf ihre erbrechtlichen Verhältnisse nicht dem fran-

zösischen Rechte unterworfen. Es gelte demnach nach

218

Staatsrecht.

der allgemeinen Regel des zit. Art. 28 Ziff. 2 NAG für

sie das Recht und damit auch die administrative Gerichts-

barkeit der Heimat.

B. -

Gegen diesen Entscheid hat die Witwe Epp den

staatsrechtlichen Rekurs ergriffen mit dem Antrag auf

Aufhebung. Es wird ausgeführt: Der Entscheid ver-

stosse gegen den Gerichtsstandsvertrag mit Frankreich

und gegen Art. 4 BV. Nach französischem und nach

schweizerischem Recht unterstehe der Nachlass eines

in Frankreich verstorbenen Schweizers, was Sicherungs-

massnahmen und den Schuldenruf anlange, dem fran-

zösischen Recht (OG Art. 3; ZGB 580 II, 537, 551).

Es sei daher ein Verstoss gegen klares Recht, wenn der

Regierungsrat angenommen habe, die Zuständigkeit des

Bezirksamts ergebe sich aus Art. 28 2 NAG. An jener

Rechtslage habe auch der Gerichtsstandsvertrag nichts

geändert. Art. 5 desselben beziehe sich nicht auf Siche-

rungsmassnahmen inbezug auf den Nachlass, noch auf

das öffentliche Inventar mit Schuldenruf, sondern nur

auf Klagen betr. Liquidation und Teilung einer Erb-

schaft, also jedenfalls nicht auf das Verhältnis zu den

Gläubigern des Erblassers, das ja durch den Schuldenruf

vornehmlich berührt werde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1. -

Auf die Beschwerde, Art. 28 NAG sei verletzt,

kann nicht eingetreten werden, weil in dieser Beziehung

die zivilrechtliche Beschwerde nach Art. 87 2 OG das

zutreffende Rechtsmittel gewesen wäre.

Nach der

Praxis ist die zivilrechtliche Beschwerde auch zulässig

im Gebiete der freiwilligen Gerichtsbarkeit und auch

gegenüber Entscheiden von Verwaltungsbehörden, die

in der Hauptsache Fragen des Zivilrechts beschlagen

(BGE 41 II 762; 42 1392; 42 II 420, 529). Es handelt

sich hier allerdings um eine Gerichtsstandsfrage; aber

die spezielle Vorschrift von Art. 87 2 geht der allgemei-

nern von Art. 189 III OG vor (50 I 62). Die Rechts-

Staatsverträge. N° 30.

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schrift der Rekurrentin kann auch nicht etwa zugleich

als zivilrechtliche Beschwerde angesehen und behandelt

werden, schon deshalb nicht, weil die Frist von Art. 90

OG nicht gewahrt wäre.

2. -

Dagegen ist der Staatsgerichtshof zuständig,

soweit eine Verletzung des Gerichtsstandsvertrages mit

Frankreich gerügt wird. Doch erweist sich in dieser

Beziehung der Rekurs als unbegründet. Die volle Trag-

weite von Art. 5 des Vertrages ist ausserordentlich

dunkel und daher auch 'sehr kontrovers. Dafür, dass

darnach die heimatliche schweizerische Behörde über

den Nachlass eines in Frankreich verstorbenen Franzosen

die öffentlichen Inventare anordnen kann, und umge-

kehrt, spricht der Umstand, dass nach feststehender

Auslegung des Art. 5 des Gerichtsstandsvertrages der

Nachlass materiell dem heimatlichen Recht untersteht

(CURTI, Gerichtsstandsvertrag, 90) und dass nach der

ausdrücklichen Bestimmung in Art. 5 die Erbschaft

eines in Frankreich verstorbenen Schweizers als an

seinem Heimatort in der Schweiz eröffnet gilt, was doch

von vornherein darauf hinweist, dass die dortige Behörde

auch in Hinsicht auf das öffentliche Inventar zuständig

ist. Wenn man angesichts der unklaren Regelung des

Vertrages nicht so weit gehen will, diese Zuständigkeit

aus dem Vertrage positiv herzuleiten -

wogegen viel-

leicht der Umstand angeführt werden mag, dass das

öffentliche Inventar u. a. auch für das Verhältnis zu

den Erbschaftsgläribigern bedeutsam ist, welches Ver-

hältnis nicht dem heimatlichen Recht und Gerichts-

stand unterworfen ist, -

so wird man doch aus dem

Vertrag anderseits auch nicht folgern können, dass er

jener Kompetenz entgegenstehe. Da der Staatsvertrag

"ausdrücklich den Ort der Eröffnung der in Frankreich

verstorbenen Schweizer an den schweizerischen Heimat-

ort verlegt, kann er doch unmöglich stillschweigend die

Kompetenz der dortigen Behörden für das öffentliche

Inventar verneinen. Es ist freilich möglich, dass die

220

Strafrecht.

Wirkung des Inventars und Schuldenrufs, was den in

Frankreich liegenden Teil des Nachlasses anlangt, auf

Schwierigkeiten stösst. Allein aus dieser Möglichkeit

folgt nicht, dass der Staatsvertrag verletzt sei.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf ein-

getreten werden kann.

X. ORGANISATION DER BUNDESRECHTS-

PFLEGE

ORGANISATION JUDICIAIRE FEDERALE

Vgl. Nr. 24, 25 und 29. -

Voir nOS 24, 25 et 29.

B. STRAFRECHT -

DROIT PENAL

-

LOTTERIEGESETZ

LOI SUR LES LOTERIES

31. Arr6t de la Cour de oassation penale

du 11 juin 1928 dans la cause Sohmitt et Peyer.

Prohibition des loteries. Elements constitutifs de la loterie.

Willy Schmitt et Pierre Peyer ont lance, en novembre

1927, un journal intituIe : « Le Guide de l'acheteur el du

consommateur, organe fribourgeois d'informations com-

merciales et de pubIicite, distribue gratuitement dans

les menages du canton. Le journal paratt a Romont

Lotteriegesetz. N0 31.

221

tom; les quinze jours. Pas d'abonnement. En payant

1 fr. vous recevrez le journal a votre adresse personnelle. »

Le premier numero contenait l'avis suivant: « Nous

» offrons gratuitement a nos lecteurs a chaque parution

»du journal, trois bons-primes, soit d'une valeur de

» 30, 15 ou 5 fr., de la fa~n suivante: II est procede

» a un double tirage au sort entre les lecteurs et les

» commerc;ants ayant fait inserer une annonce':"reclame.

» Exemple: chaque exemplaire du journal porte un

»numero different. La personne possedant le numero

» du journal sorti au sort, soit, par exemple, le N~ 1196,

» peut retirer a l'administration, en presentant le Journal

» portant ce numero, un bon-prime d'une valeur de

.» 30, 15 ou 5 fr., a echanger en marchandises chez le

» commerc;ant dont l'annonce est egalement sortie au

» sort, soit, par exemple, l'annonce ~o 7~. Un .deIai

» de huit jours est accorde pour rehrer Ices pnmes.

» Vattribution des bons-primes se fait en presence d'une

» personne officielle. » -

Le Guide de l'acheteur annon-

c;ait un tirage de 8000 exemplaires. Le prix de ses annonces

etait fixe a 50 ct. la ligne.

La Chambre de commerce de Fribourg a signale

cette annonce a la Direction cantonale de la Police.

Sur rapport de Ia gendarmerie, Willy Schmitt et Pierre

Peyer, editeurs responsables du journal, ont, des l~rs,

ete traduits devant la justice penale, pour contravenbon

a la loi federale du 8 juin 1923 sur les loteries et les paris

professionnels. Par' jugement du 16 avril 1928,,le Tri-

bunal correctionnel de la Glane les a condamnes ä la

peine de 10 fr. d'amende chacun, et aux frais. Le Tribunal

considere, en resume, ce qui suit :

Les elements constitutifs de la loterie, teIle que la

definit l'article 1 er de la loi federale, sont: la mise

(versement ou contrat), la chance d',u~ gain et.le ~irage

au hasard du sort. Le premier de ces elements falt defaut,

en ce qui concerne l'une des categories de personnes

sollicitees, soit les lecteurs. Il n'y a, en effet, de la part

de ceux-ci, ni versement ni conclusion d'un contrat.