Sachverhalt
Am 18. März 1925 wurde der Kläger vom Beklagten gemäss Zahlungsbefehl Nr. 92 des Betreibungsamtes Erlenbach
für die Wechselforderungen von
3109 Fr. 15 Cts. und 2877 Fr. 45 Cts. je nebst 6% Zins
seit 8. Februar 1925 betrieben; der Kläger erhob Rechtsvorschlag, worauf dem Beklagten durch Verfügung des
Audienzrichters des Bezirksgerichtes Meilen ~om. 24.
April 1925 für die heiden erwähnten Beträge proVlSonsche
AS 51 II -
1925
38
564
Obligationenrecht. N0 86.
Rechtsöffnung erteilt wurde. Beide der genannten Betreibung zu Grunde liegenden Wechsel wurden am 8. Oktober 1924 von Oskar Heller in Kreuzlingen auf Dr. H.
Richter, Apotheker daselbst, trassiert und von letzterem
akzeptiert; die Abschnitte waren am 8. Februar 1925
zahlbar. Der eine lautet auf 2850 Fr. und weist folgende
Notadresse auf: « im Falle bei Thurgauische Kantonalbank Kreuzlingen »; auf der Rückseite figurieren zunächst Blanko-Indossamente des Oskar Heller und des
Klägers und dann dasjenige des Beklagten. Auf Ansuchen der thurgauischen Kantonalbank als letzter
Inhaberin des Wechsels wurde dieser am 11. Februar
1925 mangels Zahlung protestiert. Das zweite Akzept
lautet auf den Betrag von 3075 Fr. und war zahlbar bei
der Eidgenössischen Bank in Zürich; es weist auf der
Rückseite ebenfalls die Blankoindossamente Hellers
und des Klägers und heruach das an die Ordre der
Schweizerischen Genossenschaftsbank lautende Indossament des Beklagten auf. Die Schweizerische Nationalbank in Zürich als letzte Inhaberin des \Vechsels liess
denselben am 11. Februar 1925 mangels Zahlung protestieren.
Das Betreibungsbegehren des Beklagten vom 10. März
1925 war am 12. März beim Betreihungamt Erlenbach
eingegangen. Es lautet ausdrücklich auf Wechselbetreibung, doch lagen ihm die beiden Wechsel nicht
bei. Das Betreibungsamt machte .den Beklagten auf den
letzteren Mangel aufmerksam, worauf er, laut einer
bei den Akten liegenden Kopie, mit Datum vom 13.
März antwortete, da der Schuldner nicht im Handelsregister eingetragen sei, möge gewöhnliche Betreibung
eingeleitet werden.
Die Klage auf Aberkennung der beiden Wechselforderungen wurde in erster Linie damit begründet, dass
die Regressansprüche des Beklagten verjährt seien.
Hinsichtlich des Akzeptes von 2850 Fr. stellte sich der
Kläger feruer auf den Standpunkt, der Beklagte habe
Obligationenrecht. N° 86.
565
seinen Regressanspruch verloren, da der Inhaber dieses
Wechsels unterlassen habe, denselben spätestens am
zweiten Werktage nach dem Zahlungstage dem Notadressaten zur Zahlung vorzulegen und den Erfolg im
Protest mangels Zahlung oder in einem Anhange zu
demselben vormerken zu lassen (Art. 780 OR).
B. -
Durch Urteil vom 8. Juni 1925 hat das Handelsgericht des Kantons Zürich die Aberkennungsklage
abgewiesen und dem Beklagten für die betriebenen
Beträge definitive Rechtsöffnung gewährt. In den Erwägungen wird festgestellt, dass sich die Verjährungseinrede, da es sich um den Regressanspruch des Indossanten handle, nach Art. 805 und zwar speziell Ziff. 1
beurteile. Darnach habe die Verjährungsfrist bezüglich
des Wechsels von 2850 Fr. mit dem 13. Februar und
bezüglich des Wechsels von 3075 Fr. mit dem 14. Februar 1925 begonnen, an welchen Tagen der Beklagte
die Wechsel retour erhalten habe. Das Betreibungsbegehren sei daher vor Ablauf der Verjährungsfrist beim
Betreibungsamt eingegangen (12. März). Dieses Begehren
sei auch rechtsgültig gewesen. \Venn ihm auch, da die
Wechsel nicht beilagen, nicht durch Wechselbetreibung
habe Folge gegeben werden können, so sei es doch als
Begehren um gewöhnliche Betreibung rechtswirksam
geblieben. Übrigens habe der Beklagte mit seiner Zuschrift vom 13. März, also noch vor Ablauf der Verjährungsfrist sein Begehren dahin präzisiert, dass er
die Einleitung der gewöhnlichen Betreibung verlange.
Der zweite Einwand des Klägers gegen die Forderung
des Beklagten wird mit der Bemerkung zurückgewiesen,
dass der Inhaber des Wechsels hier mit dem Notadressaten identisch gewesen und es da, wo der Notadressat
selber als Inhaber des Wechsels den Protest erheben
lasse, vernünftigerweise nicht verlangt werden könne,
dass er den Wechsel noch gegen sich selbst protestieren
lasse.
C. -
Gegen dieses Urteil hat der Kläger Bodmer die
566
Obligationenrecht. No 86.
Berufung ans Bundesgericht erklärt mit dem Antrag,
die Klage sei gutzuheissen, event. die Sache zu neuer
,Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Der Anspruch. dessen Aberkennung mit der Klage
verlangt wird, ist der Regressanspruch des Beklagten
als Indossanten gegen den Kläger als einen Vormann.
Da der Beklagte in der Schweiz wohnt, so trifft für
diesen Anspruch nach Art. 805, Ziff. 1 OR die einmonatliche Verjährungsfrist zu, und zwar von dem Zeitpunkt
an gerechnet, wo der Beklagte die Wechsel im Regressweg zurückerhalten hat, was für den einen Wechsel am
13. und für den andern am 14. Februar 1925 der Fall
war. Die Verjährungsfrist. ging daher am 13. bezw. 14.
März zu Ende (OR Art. 778, 132), sofern sie nicht rechtzeitig unterbrochen wurde.
Nach Art. 806 OR wird die Verjährung u. a. durch
CI Anhebung der Betreibung » unterbrochen. Unter « Anhebung der Betreibung» ist hier nach Doktrin und
feststehender Praxis die Einreichung des Betreibungsbegehrens und nicht erst der Erlass des Zahlungsbefehls
durch das Betreibungsamt zu verstehen (JAEGER, Kommentar zum SchKG Art. 67 .N. 1; BLuMENsTElN,
Handbuch, 236; FICK, OR Art. 806 N. 3; BGE 39 11
68). Ob es dabei auf das Eintreffen des Begehrens beim
Betreibungsamt oder auf die Aufgabe zur Post ankommt,
kann dahingestellt bleiben (s. BGE 49 II 42); denn das
Betreibungsbegehren des Klägers ist innerhalb der Verjährungsfrist nicht nur zur Post gegeben worden, sondern
auch dem Betreibungsamt Erlenbach zugekommen,
bei dem es am 12. März eingegangen ist. Von einer
Unterbrechung der Verjährung durch Anhebung der
Betreibung wird aber nur dann die Rede sein können,
wenn das rechtzeitig eingegangene Begehren den wesentlichen gesetzlichen Anforderungen genügt (SchKG Art.
67, 177), d. h. wenn es diejenigen Angaben enthält und
Obligationenrecht .. N° 86.
567
Requisite erfüllt, gestützt auf welche der Betreibungsbeamte allein in der Lage und verpflichtet ist, den
Zahlungsbefehl zu erlassen (JAEGER, Art. 67 N. 6;
FICK, Art. 806 N. 6). Denn nur soweit das Betreibungsbegehren in diesem Sinn nach seinem Inhalt geeignet ist.
das Betreibungsverfahren in Bewegung zu setzen, wird
man es als Anhebung der Betreibung gelten lassen
können. Weist das Begehren Mängel der gedachten Art
auf, so ist die Betreibung erst als angehoben anzusehen,
wenn die Mängel durch den Gläubiger gehoben sind;
erst dann liegt ein rechtsgültiges, die Betreibung anhe-
bendes Betreibungsbegehren vor. Man kann dabei der
Hebung des Mangels nicht etwa rückwirkende Kraft
beilegen in dem Sinn, dass dann das Betreibungsbegehren
als von Anfang an rechtswirksam und die Verjährung
unterbrechend gilt. Das hätte zur Folge, dass unter
Umständen die Frage, ob die Verjährung unterbrochen
oder vollendet sei, sich in der Schwebe befinden würde
bis zu dem Tage, da der Gläubiger den Mangel hebt,
was er beliebig lange hinausschieben kann. Ein solcher
Schwebezustand würde den Anforderungen der Rechtsgewissheit nicht entsprechen, die verlangen, dass in
einem bestimmten Zeitpunkte feststehe, ob die Verjährung eingetreten ist oder nicht.
Der Beklagte hat in seinem Begehren ausdrücklich
Wechselbetreibung verlangt, und es ist nach den Akten
anzunehmen -
das handelsgerichtliche Urteil enthält
hierüber keine Feststellung -, dass der Kläger damals
der Wechselbetreibung auch unterlag. In der Zuschrift
ans Betreibungsamt vom 13. März hat der Beklagte zwar
bemerkt, der Kläger sei nicht im Handelsregister ei~getragen (wobei indessen die Möglichkeit bestehen bhe~,
dass seit der Bekanntmachung einer allfälligen Strelchung noch nicht 6 Monate verflossen seien, SchKG
Art. 40); die im Prozesse aufgestellte Behauptung des
Klägers jedoch, dass die Voraussetzungen der 'Vechselbetreibung vorhanden gewesen seien, hat der Beklagte
568
Obligationenreeht. N0 86.
unwidersprochen gelassen (tatsächlich ist der Kläger
laut Handelsamtsblatt erst am 31. Dezember 1924 im
Handelsregister gestrichen worden). Entgegen der Vor-
'Schrift von Art. 177 II SchKG hat es aber der Beklagte
unterlassen, die beiden Wechsel dem Betreibungsbegehren beizulegen. Das war ohne Frage ein Mangel im
angegebenen Sinn, da es sich hiebei um ein wesentliches
Requisit eines Wechselbetreibungsbegehrens handelt.
Solange die Wechsel nicht vorlagen, konnte der Betreibungsbeamte einen Zahlungsbefehl in der Wechselbetreibung nicht erlassen (SchKG Art. 178, 39; JAEGER,
~rt. 39 N. 2). Ebensowenig durfte er einen gewöhnlIchen Zahlungsbefehl erlassen, da ja Wechselbetreibung
v~rlangt war und der Schuldner dieser unterlag; denn
dIe Wechselbetreibung ist von der ordentlichen Betreibung nach Voraussetzungen und Wirkungen wesentlich verschieden. Ein 'Vechselbetreibungsbegehren, dem
~er Wechsel. nicht beiliegt, kann nur dann als gewöhnlIches Betreibungsbegehren rechtswirksam sein, wenn
der Schuldner der Wechselbetreibung nicht untersteht,
(was der Betreibungsbeamte von Amtes wegen zu prüfen
hat). Andernfalls hat der Betreibungsbeamte den Gläubiger auf den Mangel aufmerksam .zu machen, wie das
auch hier geschehen ist, wobei dieser die Wahl hat, entweder den Wechsel nachträglich einzusenden oder auf
die 'Vechselbetreibung zu verzichten und sich mit der
ordentlichen Betreibung zu begnügen. Ein wirksames
Betreibungsbegehren liegt dann aber erst vor, wenn deI'
'Yechsel oder .eine solche Erklärung beim Betreibungsamt
emgegangen .lst. Damit erst ist die Betreibung angehoben, d. h. 1st der Betreibungsbeamte in der Lage, den
~ahlungsbefehl, sei es in der Wechselbetreibung, sei es
m der gewöhnlichen Betreibung zu erlassen.
Im vorliegenden Fall hat der Beklagte durch die Zuschrift mit Datum vom 13. März ans Betreibungsamt
Erlenbach sein ursprüngliches für die 'Wechselbetreibung unwirksames Begehren dahin modifiziert, dass er
Obligationenrecht. N° 86.
·569
nunmehr die ordentliche Betreibung verlangte. Bis
dahin lag nach dem Gesagten kein genügendes Betreibungsbegehren vor, wodurch die Betreibung angehoben
worden wäre. Die Verjährung wurde nur unterbrochen,
wenn diese Zuschrift spätestens am 13., bezw. 14. März
einging. Hierüber enthält das handelsgerichtliche Urteil
keine Feststellung. Wenn es sagt, der Beklagte habe
« mit Schreiben vom 13. März, also noch vor Ablauf der
Verjährungsfrist, sein Begehren dahin präzisiert ...... I),
so wird dabei übersehen, dass massgebend für die Verjährungsunterbrechung nicht das Datum des Schreibens,
sondern der Zeitpunkt seines Eingangs ist, und eine
Feststellung, dass dieser am 13. März erfolgt sei, wofür
die Akten auch keinerlei Anhaltspunkte bieten, kann
darin nicht gefunden werden. Da jenes Eingangsdatum
eine Tatsache ist, die zum Fundament der der Verjährungseinrede entgegengehaltenen Replik der Unterbrechung gehört, so trifft die Behauptungs- und Beweislast dafür den Beklagten. Nach den Akten hat dieser
aber sich nicht darüber ausgesprochen, wann der fragliche Brief bei der Post oder dem Betreibungsamt eingegangen und speziell nicht behauptet, dass dies spätestens
am 13. bezw. 14. März geschehen sei. Der Umstand, dass
das Schreiben nach der bei den Akten liegenden Kopie
das Datum des 13. März trägt, bildet natürlich keinen
Beweis für die Spedition und Ankunft. Da der Zahlungsbefehl das Datum des 18. März trägt und da er nach
Gesetz (SchKG Art. 71) spätestens am Tage nach dem
Eingang des Betreibungsbegehrens zu erlassen war,
so spricht die Vermutung dafür, dass jener Brief nicht
vor dem 17. März beim Betreibungsamt Erlenbach einging und nicht vor dem 16. zur Post gegeben wurde.
Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass das
Schreiben nicht vor Ablauf der Verjährungsfrist beim
Betreibungsamt eingelangt und dass daher der Regressanspruch mangels einer rechtzeitigen Unterbrechung
verj ährt ist.
570
Obligationenrecht. No 87.
E. 2 Dies führt zur Gutheissung der Berufung und der Klage, ohne dass es notwendig wäre zu dem vom Kläger . in Bezug auf den Wechsel von 2850 Fr. weiterhin erhobenen Einwand Stellung zu nehmen.
Dispositiv
- Die Berufung wird begründet erklärt, das Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 8. Juni 1925 aufgehoben und die .A.herkennungsklage gutgeheissen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
86. Urteil der I. Zivila.bteilung vom 15. Dezember 1995
i. S. :Bodmer gegen Hillebrand.
W e c h seI ver jäh run g: Art. 806 OR. Unterbrechung
durch Anhebung der Betreibung. Nur ein rechtswirksames
Betreibungsbegehren ist geeignet, die Verjährun.g zu un~erbrechen. Ein solches liegt in der Wechselbetrelbnng rucht
vor, solange der "Vechsel dem Betreibungsamt nicht vorge~
legt ist (Art. 177, Abs. 2 SchKG).
A. -
Am 18. März 1925 wurde der Kläger vom Beklagten gemäss Zahlungsbefehl Nr. 92 des Betreibungsamtes Erlenbach
für die Wechselforderungen von
3109 Fr. 15 Cts. und 2877 Fr. 45 Cts. je nebst 6% Zins
seit 8. Februar 1925 betrieben; der Kläger erhob Rechtsvorschlag, worauf dem Beklagten durch Verfügung des
Audienzrichters des Bezirksgerichtes Meilen ~om. 24.
April 1925 für die heiden erwähnten Beträge proVlSonsche
AS 51 II -
1925
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Obligationenrecht. N0 86.
Rechtsöffnung erteilt wurde. Beide der genannten Betreibung zu Grunde liegenden Wechsel wurden am 8. Oktober 1924 von Oskar Heller in Kreuzlingen auf Dr. H.
Richter, Apotheker daselbst, trassiert und von letzterem
akzeptiert; die Abschnitte waren am 8. Februar 1925
zahlbar. Der eine lautet auf 2850 Fr. und weist folgende
Notadresse auf: « im Falle bei Thurgauische Kantonalbank Kreuzlingen »; auf der Rückseite figurieren zunächst Blanko-Indossamente des Oskar Heller und des
Klägers und dann dasjenige des Beklagten. Auf Ansuchen der thurgauischen Kantonalbank als letzter
Inhaberin des Wechsels wurde dieser am 11. Februar
1925 mangels Zahlung protestiert. Das zweite Akzept
lautet auf den Betrag von 3075 Fr. und war zahlbar bei
der Eidgenössischen Bank in Zürich; es weist auf der
Rückseite ebenfalls die Blankoindossamente Hellers
und des Klägers und heruach das an die Ordre der
Schweizerischen Genossenschaftsbank lautende Indossament des Beklagten auf. Die Schweizerische Nationalbank in Zürich als letzte Inhaberin des \Vechsels liess
denselben am 11. Februar 1925 mangels Zahlung protestieren.
Das Betreibungsbegehren des Beklagten vom 10. März
1925 war am 12. März beim Betreihungamt Erlenbach
eingegangen. Es lautet ausdrücklich auf Wechselbetreibung, doch lagen ihm die beiden Wechsel nicht
bei. Das Betreibungsamt machte .den Beklagten auf den
letzteren Mangel aufmerksam, worauf er, laut einer
bei den Akten liegenden Kopie, mit Datum vom 13.
März antwortete, da der Schuldner nicht im Handelsregister eingetragen sei, möge gewöhnliche Betreibung
eingeleitet werden.
Die Klage auf Aberkennung der beiden Wechselforderungen wurde in erster Linie damit begründet, dass
die Regressansprüche des Beklagten verjährt seien.
Hinsichtlich des Akzeptes von 2850 Fr. stellte sich der
Kläger feruer auf den Standpunkt, der Beklagte habe
Obligationenrecht. N° 86.
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seinen Regressanspruch verloren, da der Inhaber dieses
Wechsels unterlassen habe, denselben spätestens am
zweiten Werktage nach dem Zahlungstage dem Notadressaten zur Zahlung vorzulegen und den Erfolg im
Protest mangels Zahlung oder in einem Anhange zu
demselben vormerken zu lassen (Art. 780 OR).
B. -
Durch Urteil vom 8. Juni 1925 hat das Handelsgericht des Kantons Zürich die Aberkennungsklage
abgewiesen und dem Beklagten für die betriebenen
Beträge definitive Rechtsöffnung gewährt. In den Erwägungen wird festgestellt, dass sich die Verjährungseinrede, da es sich um den Regressanspruch des Indossanten handle, nach Art. 805 und zwar speziell Ziff. 1
beurteile. Darnach habe die Verjährungsfrist bezüglich
des Wechsels von 2850 Fr. mit dem 13. Februar und
bezüglich des Wechsels von 3075 Fr. mit dem 14. Februar 1925 begonnen, an welchen Tagen der Beklagte
die Wechsel retour erhalten habe. Das Betreibungsbegehren sei daher vor Ablauf der Verjährungsfrist beim
Betreibungsamt eingegangen (12. März). Dieses Begehren
sei auch rechtsgültig gewesen. \Venn ihm auch, da die
Wechsel nicht beilagen, nicht durch Wechselbetreibung
habe Folge gegeben werden können, so sei es doch als
Begehren um gewöhnliche Betreibung rechtswirksam
geblieben. Übrigens habe der Beklagte mit seiner Zuschrift vom 13. März, also noch vor Ablauf der Verjährungsfrist sein Begehren dahin präzisiert, dass er
die Einleitung der gewöhnlichen Betreibung verlange.
Der zweite Einwand des Klägers gegen die Forderung
des Beklagten wird mit der Bemerkung zurückgewiesen,
dass der Inhaber des Wechsels hier mit dem Notadressaten identisch gewesen und es da, wo der Notadressat
selber als Inhaber des Wechsels den Protest erheben
lasse, vernünftigerweise nicht verlangt werden könne,
dass er den Wechsel noch gegen sich selbst protestieren
lasse.
C. -
Gegen dieses Urteil hat der Kläger Bodmer die
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Obligationenrecht. No 86.
Berufung ans Bundesgericht erklärt mit dem Antrag,
die Klage sei gutzuheissen, event. die Sache zu neuer
,Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1. -
Der Anspruch. dessen Aberkennung mit der Klage
verlangt wird, ist der Regressanspruch des Beklagten
als Indossanten gegen den Kläger als einen Vormann.
Da der Beklagte in der Schweiz wohnt, so trifft für
diesen Anspruch nach Art. 805, Ziff. 1 OR die einmonatliche Verjährungsfrist zu, und zwar von dem Zeitpunkt
an gerechnet, wo der Beklagte die Wechsel im Regressweg zurückerhalten hat, was für den einen Wechsel am
13. und für den andern am 14. Februar 1925 der Fall
war. Die Verjährungsfrist. ging daher am 13. bezw. 14.
März zu Ende (OR Art. 778, 132), sofern sie nicht rechtzeitig unterbrochen wurde.
Nach Art. 806 OR wird die Verjährung u. a. durch
CI Anhebung der Betreibung » unterbrochen. Unter « Anhebung der Betreibung» ist hier nach Doktrin und
feststehender Praxis die Einreichung des Betreibungsbegehrens und nicht erst der Erlass des Zahlungsbefehls
durch das Betreibungsamt zu verstehen (JAEGER, Kommentar zum SchKG Art. 67 .N. 1; BLuMENsTElN,
Handbuch, 236; FICK, OR Art. 806 N. 3; BGE 39 11
68). Ob es dabei auf das Eintreffen des Begehrens beim
Betreibungsamt oder auf die Aufgabe zur Post ankommt,
kann dahingestellt bleiben (s. BGE 49 II 42); denn das
Betreibungsbegehren des Klägers ist innerhalb der Verjährungsfrist nicht nur zur Post gegeben worden, sondern
auch dem Betreibungsamt Erlenbach zugekommen,
bei dem es am 12. März eingegangen ist. Von einer
Unterbrechung der Verjährung durch Anhebung der
Betreibung wird aber nur dann die Rede sein können,
wenn das rechtzeitig eingegangene Begehren den wesentlichen gesetzlichen Anforderungen genügt (SchKG Art.
67, 177), d. h. wenn es diejenigen Angaben enthält und
Obligationenrecht .. N° 86.
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Requisite erfüllt, gestützt auf welche der Betreibungsbeamte allein in der Lage und verpflichtet ist, den
Zahlungsbefehl zu erlassen (JAEGER, Art. 67 N. 6;
FICK, Art. 806 N. 6). Denn nur soweit das Betreibungsbegehren in diesem Sinn nach seinem Inhalt geeignet ist.
das Betreibungsverfahren in Bewegung zu setzen, wird
man es als Anhebung der Betreibung gelten lassen
können. Weist das Begehren Mängel der gedachten Art
auf, so ist die Betreibung erst als angehoben anzusehen,
wenn die Mängel durch den Gläubiger gehoben sind;
erst dann liegt ein rechtsgültiges, die Betreibung anhe-
bendes Betreibungsbegehren vor. Man kann dabei der
Hebung des Mangels nicht etwa rückwirkende Kraft
beilegen in dem Sinn, dass dann das Betreibungsbegehren
als von Anfang an rechtswirksam und die Verjährung
unterbrechend gilt. Das hätte zur Folge, dass unter
Umständen die Frage, ob die Verjährung unterbrochen
oder vollendet sei, sich in der Schwebe befinden würde
bis zu dem Tage, da der Gläubiger den Mangel hebt,
was er beliebig lange hinausschieben kann. Ein solcher
Schwebezustand würde den Anforderungen der Rechtsgewissheit nicht entsprechen, die verlangen, dass in
einem bestimmten Zeitpunkte feststehe, ob die Verjährung eingetreten ist oder nicht.
Der Beklagte hat in seinem Begehren ausdrücklich
Wechselbetreibung verlangt, und es ist nach den Akten
anzunehmen -
das handelsgerichtliche Urteil enthält
hierüber keine Feststellung -, dass der Kläger damals
der Wechselbetreibung auch unterlag. In der Zuschrift
ans Betreibungsamt vom 13. März hat der Beklagte zwar
bemerkt, der Kläger sei nicht im Handelsregister ei~getragen (wobei indessen die Möglichkeit bestehen bhe~,
dass seit der Bekanntmachung einer allfälligen Strelchung noch nicht 6 Monate verflossen seien, SchKG
Art. 40); die im Prozesse aufgestellte Behauptung des
Klägers jedoch, dass die Voraussetzungen der 'Vechselbetreibung vorhanden gewesen seien, hat der Beklagte
568
Obligationenreeht. N0 86.
unwidersprochen gelassen (tatsächlich ist der Kläger
laut Handelsamtsblatt erst am 31. Dezember 1924 im
Handelsregister gestrichen worden). Entgegen der Vor-
'Schrift von Art. 177 II SchKG hat es aber der Beklagte
unterlassen, die beiden Wechsel dem Betreibungsbegehren beizulegen. Das war ohne Frage ein Mangel im
angegebenen Sinn, da es sich hiebei um ein wesentliches
Requisit eines Wechselbetreibungsbegehrens handelt.
Solange die Wechsel nicht vorlagen, konnte der Betreibungsbeamte einen Zahlungsbefehl in der Wechselbetreibung nicht erlassen (SchKG Art. 178, 39; JAEGER,
~rt. 39 N. 2). Ebensowenig durfte er einen gewöhnlIchen Zahlungsbefehl erlassen, da ja Wechselbetreibung
v~rlangt war und der Schuldner dieser unterlag; denn
dIe Wechselbetreibung ist von der ordentlichen Betreibung nach Voraussetzungen und Wirkungen wesentlich verschieden. Ein 'Vechselbetreibungsbegehren, dem
~er Wechsel. nicht beiliegt, kann nur dann als gewöhnlIches Betreibungsbegehren rechtswirksam sein, wenn
der Schuldner der Wechselbetreibung nicht untersteht,
(was der Betreibungsbeamte von Amtes wegen zu prüfen
hat). Andernfalls hat der Betreibungsbeamte den Gläubiger auf den Mangel aufmerksam .zu machen, wie das
auch hier geschehen ist, wobei dieser die Wahl hat, entweder den Wechsel nachträglich einzusenden oder auf
die 'Vechselbetreibung zu verzichten und sich mit der
ordentlichen Betreibung zu begnügen. Ein wirksames
Betreibungsbegehren liegt dann aber erst vor, wenn deI'
'Yechsel oder .eine solche Erklärung beim Betreibungsamt
emgegangen .lst. Damit erst ist die Betreibung angehoben, d. h. 1st der Betreibungsbeamte in der Lage, den
~ahlungsbefehl, sei es in der Wechselbetreibung, sei es
m der gewöhnlichen Betreibung zu erlassen.
Im vorliegenden Fall hat der Beklagte durch die Zuschrift mit Datum vom 13. März ans Betreibungsamt
Erlenbach sein ursprüngliches für die 'Wechselbetreibung unwirksames Begehren dahin modifiziert, dass er
Obligationenrecht. N° 86.
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nunmehr die ordentliche Betreibung verlangte. Bis
dahin lag nach dem Gesagten kein genügendes Betreibungsbegehren vor, wodurch die Betreibung angehoben
worden wäre. Die Verjährung wurde nur unterbrochen,
wenn diese Zuschrift spätestens am 13., bezw. 14. März
einging. Hierüber enthält das handelsgerichtliche Urteil
keine Feststellung. Wenn es sagt, der Beklagte habe
« mit Schreiben vom 13. März, also noch vor Ablauf der
Verjährungsfrist, sein Begehren dahin präzisiert ...... I),
so wird dabei übersehen, dass massgebend für die Verjährungsunterbrechung nicht das Datum des Schreibens,
sondern der Zeitpunkt seines Eingangs ist, und eine
Feststellung, dass dieser am 13. März erfolgt sei, wofür
die Akten auch keinerlei Anhaltspunkte bieten, kann
darin nicht gefunden werden. Da jenes Eingangsdatum
eine Tatsache ist, die zum Fundament der der Verjährungseinrede entgegengehaltenen Replik der Unterbrechung gehört, so trifft die Behauptungs- und Beweislast dafür den Beklagten. Nach den Akten hat dieser
aber sich nicht darüber ausgesprochen, wann der fragliche Brief bei der Post oder dem Betreibungsamt eingegangen und speziell nicht behauptet, dass dies spätestens
am 13. bezw. 14. März geschehen sei. Der Umstand, dass
das Schreiben nach der bei den Akten liegenden Kopie
das Datum des 13. März trägt, bildet natürlich keinen
Beweis für die Spedition und Ankunft. Da der Zahlungsbefehl das Datum des 18. März trägt und da er nach
Gesetz (SchKG Art. 71) spätestens am Tage nach dem
Eingang des Betreibungsbegehrens zu erlassen war,
so spricht die Vermutung dafür, dass jener Brief nicht
vor dem 17. März beim Betreibungsamt Erlenbach einging und nicht vor dem 16. zur Post gegeben wurde.
Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass das
Schreiben nicht vor Ablauf der Verjährungsfrist beim
Betreibungsamt eingelangt und dass daher der Regressanspruch mangels einer rechtzeitigen Unterbrechung
verj ährt ist.
570
Obligationenrecht. No 87.
2. -
Dies führt zur Gutheissung der Berufung und der
Klage, ohne dass es notwendig wäre zu dem vom Kläger
. in Bezug auf den Wechsel von 2850 Fr. weiterhin erhobenen Einwand Stellung zu nehmen.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Die Berufung wird begründet erklärt, das Urteil des
Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 8. Juni 1925
aufgehoben und die .A.herkennungsklage gutgeheissen.