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48_I_441

BGE 48 I 441

Bundesgericht (BGE) · 1922-01-01 · Deutsch CH
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Staatsrecht.

resultent. Le canton requerant. lui. n'a pas de choix,

il doit s'incliner devant la decision du canton requis;

on ne peut done pas dire qu'il eonfie a l'Etat requis le

soin de le remplacer pour l'exeeution de la peine. n

n'a donne aucune mission et n'a des lors pas a supporter

des frais qu'il ne Iui appartenait pas. d'eviter.

Le eanton de Geneve objecte a tort que, le cas eche-

ant, l'Etat requis devrait faire subir une peine. qui

n'est pas en harmonie avee sa loi. Rien ne l'oblige a

se charger de l'execution de la peine; il peut se sou~

traire a cette obligation en extradant le eondamne.

On pourrait se 4emander si la loi ne l'autorise pas aussi

a recommencer toute la procedure et a juger et punir

ä teneur de ses propres -lois le delinquant malgre la

condamnation dejä pro_noncee (RO 25 I p. 347). Mais

du moment que lecanton de Geneve n'a pas revendique

cette faculte, on peut laisser la question sans solution.

Le principe d'equite. invoque par le canton de Geneve.

n'exige nullement que le canton de Beme paie les frais

de la detention a Geneve. Si l'Etat requisestime qu'il

n'est pas equitable de lui faire supporter ces frais. il

n'a qu'ä accorder l'extradition pour echapper a cette

obligation.

L'argument tire de l'art. 15 ~hiff. 1 de la loi ne parle

pas non plus en faveur de la these du canton de Geneve.

Cette disposition ne vaut que pour le cas de l'extra-

dition, mais non pour le cäs exceptionnel OU l'extra-

dition est refusee. Au reste, le fait que le canton re-

querant, qui obtient l'extradition. doit indemniser

le canton requis montre que le canton qui se charge

de la repression en assume aussi les frais.

n va naturellement de soi que le canton . de la re-

pression peut faire valoir contre le condamne les droits

prevus par la loi cantonale quant au paiement des frais.

Le Tribunal jidiral prononce:

La demande est admise dans ce sens que les frais

Bundesstrafrecht. N° 50.

441

resultant de l'execution de la peine prononcee contre

Gavairon sero nt . supportes par le canton de Geneve,

sous reserve de ses droits contre le condamne.

IX. ORGANISATION

DER BUNDESRECHTSPFLEGE

ORGANISATION JUDICIAffiE FEDERALE

Vgl. Nr. 31, 35, 36, 42 und 47.

Voir nOS 31, 35, 36, 42 et 47.

B. STRAFRECHT -

DROIT PENAL

BUNDESSTRAFRECHT

CODE PENAL FEDERAL

50. Urteil des Xasaationshofes vom 99. September 1999

i. S. Schweiz. Bundesanwaltschaft gegen Arnold.

Bundesgesetz betreffend

Volks~stimmun~ über Bundes-

gesetze und Bundesbeschlüsse vom 17. JuUl 1874,Art. 5 und

10' Bundesstrafrecht Art; 49 litt. d: Wer, obwohl vom

Aktivbürgerrecht ausgeschlossen, ein Referendumsbegehren

unterzeichnet, macht sich dadurch nicht strafbar.

S

h

für

Bedeutung der Gesetzestexte verschiedener

prac en

das Strafrecht.

A. -

Am 26. Mai 1922 h~t das Appellationsgericht

des Kantons Basel-Stadt den Emil Amold freigesprochen,

welcher gestützt auf Art. 10 des Bundesgesetzes be-

treffend Volksabstimmung über. Bundesgesetze und

Bundesbeschlusse vom 17. Juni 1874 und Art. 49 litt. d

442

Strafrecht.

des Bundesstrafrechts angeklagt war, weil er, obwohl

durch Urteil des Territorialgerichtes 5 vom 8. September

1919 für drei Jahre im Aktivbürgerrecht eingestellt, im

März 1922 das Referendum gegen das Bundesgesetz

vom 31. Januar 1922 betreffend Abänderung des Bundes-

gesetzes über das Bundesstrafrecht der Schweizerischen

Eidgenossenschaft ·vom 4. Februar 1853 unterzeichnet

hatte.

B. -

Gegen dieses Urteil hat die. Bundesanwalt-

schaft Kassationsbeschwerde eingelegt, mit dem Antrag

auf Aufhebung desselben und Rückweisung zu neuer

Beurteilung.

Der Kassationshof ziehl in Erwägung:

. 1. -

Gemäss Art. 1Q des Bundesgesetzes betreffend

Volksabstimmung· über Bundesgesetze und Bundes-

beschlüsse von 1874 ist derjenige nicht stimmberechtigt,

welcher vom Aktivbürgerrecht ausgeschlossen ist. und

daher nicht befugt, die Volksabstimmung über Bundes-

gesetze usw. zu verlangen (Art. 1 leg. eil.). Schliesst er

sich einem Verlangen nach der Volksabstimmung den-

noch an, so macht er sich nach Auffassung der Kassations-

klägerin strafbar gemäss Art. 49 litt. d des Bundes-

strafrechts, der denjenigen mit Strafe bedroht, welcher

« unbefugter Weise an einer solchen (d. h.

« gemäss

der Bundesgesetzgebung stattfindenden») Wahl oder

an deren (richtig: anderen)' Verhandlung teilnimmt ».

Diesem Standpunkt kann nicht beigetreten werden. Der

Umstand freilich, dass das Institut der Volksabstimmung

über Bundesgesetze und Bundesbeschlüsse erst nach Er-

lass jenes Strafgesetzes in das öffentliche Recht des Bun-

des eingeführt worden ist, würde dessen Anwendung auf

das Verlangen der Volksabstimmung über ein Bundes-

gesetz oder einen Bundesbeschluss an sich nicht ent-

gegenstehen. zumal sich die Unterzeichnung eines solchen

Begehrens in keiner für die vorliegende Frage wesent-

lichen Beziehung von der Unterzeichnung eines Volks-

Bundesstrafrecht. N° 50.

H3

begehrens um Revision der Bundesverfassung unter-

scheidet, das schon in der Verfassung von 1848 vor-

gesehen war. Allein die Unterzeichnung des Verlangens

einer Volksabstimmung kann schlechterdings nicht unter

den Begriff der

({ Verhandlung» subsumiert werden.

Zwar muss diesem Ausdruck eine über den Wortsinn

hinausgehende Auslegung gegeben werden, die z. B.

die Urnenabstimmung mitumfasst, nachdem auch die

speziell hervorgehobene Art der Verhandlung, die (eid-

genössische) Wahl, zur Hauptsache nicht mehr in eigent-

lichen Wahlverhandlungen, sondern in der Form der

Urnenwahl stattfindet. Doch setzt eine Verhandlung-

auch in diesem weiteren Sinn -

das Zusammellhandeln

Mehrerer miteinander voraus, wie es bei der von der

Behörde auf einen bestimmten Zeitpunkt angeordneten

Wahl zwischen den Wählern einerseits und dem Wahl-

bureau anderseits stattfindet. Etwas anderes ergibt

sich auch nicht aus Art. 46 und 47 leg. eil., welche die

Kassationsklägerin zur Auslegung des Art. 49 heran-

ziehen will, spricht doch insbesondere Art. 47 geradezu

VOll der durch die Bundesgesetze vorgeschriebenen

Verhandlung. Bei der Unterzeichnung eines Begehrens

um Volksabstimmung aber handelt jeder, der die Eingabe

an den Bundesrat unterzeichnet, für sich allein, und

es hängt nur die Wirkung seines Handeins davon ab,

dass ausser ihm eine bestimmte Anzahl anderer, wiederum

jeder für sich, ebenso gehandelt haben. Zuzugeben ist

freilich, dass die Unterzeichnung eines Begehrens um

Volksabstimmung von den in den romanischen Gesetzes-

texten verwendeten Ausdrücken operation, operazione

umfasst wird. Allein unter dem Gesichtspunkt des

deutschen Textes betrachtet, auf den sich jedenfalls

die Angeklagten deutscher Muttersprache zu ihrer

Verteidigung berufen können, würde die Bestrafung

der unbefugten Teilnahme an einer anderen Handlung

(als der Verhandlung im erwähnten Sinn), welche in

Ausübung des Stimmrechts vorgenommen wird, auf

A~18 I -

1\):22

444

Strafrecht.

einem Analogieschluss ~ dem Zurückgehen auf ein der

Vorschrift des Art. 49 litt, d zu Grunde liegendes all-

gemeineres Prinzip -

beruhen, der bei der Auslegung

der Strafgesetze nicht zulässig ist (AS 44 I S. 213).

2. -

Zu Gunsten der Auffassung der Kassationsklä-

gerin kann auch nichts aus der Verweisung des Art. 5

des Bundesgesetzes betreffend Volksabstimmung über

Bundesgesetze und Bundesbeschlüsse hergeleitet werden,

wonach derjenige, welcher unter ein Begehren um

Volksabstimmung über ein Bundesgesetz oder einen

Bundesbeschluss eine andere Unterschrift als die sei-

nige setzt, de{ Anwendung der Bestimmungen der

Strafgesetze unterliegt. Abgesehen davon, dass es zweifel-

haft erscheint, ob damit überhaupt auf Art. 49 des

Bundesstrafrechts und. nicht vielmehr auf kantonale

Strafgesetze verwiesen werden wollte (vgl. Botschaft

des Bundesrates, BBI 1874 I S. 1005 unten), lässt die

Nichtübernahme der allgemeinen Klausel des Bundes-

gesetzes betreffend die eidgenössischen Wahlen und

Abstimmungen von 1872 (Art. 44), wonach Über-

tretungen der Vorschriften dieses Gesetzes nach den

Bestimmungen des Bundesgesetzes über das Bundes-

strafrecht bestraft werden, und die Beschränkung der

Verweisung auf eine ganz bestimmte Verletzung des

Gesetzes den Schluss zu, dass man das Verbot der Teil-

nahme njcht stimmberechtigter Personen an einem

Volksbegehren nicht unter Strafe stellen wollte, von der

Überlegung ausgehend, dass das Erfordernis der amt-

lichen Bescheinigung der Stimmberechtigung der Unter-

zeichner einen genügenden Schutz gegen Missbräuche

vorliegender Art darstelle.

Demnach erkennt der Kassationshof:

Die Kassationsbeschwerde wird abgewiesen.

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A. STAATSRECHT -

DROIT PUBLIC

'I. GLEICHHEIT VOR DEM GESETZ

(RECHTSVERWEIGERUNG)

EGALITE DEVANT LA LOI

(DENI DE JUSTICE)

51. Urteil vom 27. Oktober 1922 i. S. Bel'llische ltraftwerke

gegen Bern Verwaltungsgericht.

.

Kantonales Wasserbaupolizeirecht. Behandlung der Leitung

eines Elektrizitätswerkes als schwellenpflichtiges « Grund-

eigentum •• Keine Willkür.

A. -

§ 12 des bernischen Gesetzes betreffend de~

Unterhalt und die Korrektion der Gewässer vom 3. April

1857 (Wasserbaupolizeigesetz) bestimmt:

({ Die Pflicht zur Uferversicherung und zum Schutze

gegen Überschwemmung (Schwellen- und Dammpflicht)

lastet auf dem beteiligten Eigentum.

.

Als beteiligt ist dasjenige Eigentum anzusehen, welches.

durch die Bauten unmittelbar oder mittelbar geschützt

wird. Je direkter und grösser die von einem Grundstück

abgewendete Gefahr, desto grösser ist das Beteiligungs-

verhältnis und die zu tragende Last des betreffenden

Grundstücks. »

Zur Durchführung des Uferunterhalts und der nötigen

Schutzbauten ist der Kanton in Schwellenbezirke ein-

geteilt, die in der Regel mit den Gemeindegre~zen ~Ui;:' ..

sammenfallen (§ 18). Für jeden SchwellenbeZIrk WIrd

ein ({ Reglement» erlassen, welches namen~lich bezeichnen

soll: die Gewässerstrecke, welche der BeZIrk zu, unterhal-

AS 48 I -

1922

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