opencaselaw.ch

47_II_301

BGE 47 II 301

Bundesgericht (BGE) ·II · 1921-01-01 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

51. Auszug AUS dem Urteil der I. Zivila.btenung

vom a1. Juni 1921

i. S. :reuke gegen 1...(1. Chocola.t 'l'obler.

301

Schadenersatzklage aus Kursdifferenz und interner Geld-

entwertung.

Es fragt sich, ob dem Kläger

neben dem Be-

trag von 275,000 Kronen ein Ersatz für die seit der

Fälligkeit zu seinen Ungunsten eingetretene Kursdiffe-

repz, also für einen über die Verzugszinsen hinaus

zu vergütenden Verzögerungsschaden im Sinne von

Art. 106 OR, gebühre.

Für den von der Rechtspre-

chung aufgestellten Grundsatz, dass, wo eine Schuld-

summe in einer Währung ausgedrückt wird, die am

Erfüllungsort keinen gesetzlichen Kurs hat, der Wert

der geschuldeten Leistung sich nach dem Werte jener

Währung am Erfüllungsort zur Verfallzeit bemisst,

und der Schuldner diesen Wert zu bezahlen hat, ist

hier kein Raum. Da die Beklagte vielmehr vertraglich

verpflichtet war, die Provision in der gesetzlichen Wäh-

rung des Erfüllungsortes zu bezahlen, und sich durch

die Zahlung in dieser Währung befreit hätte, hätte

det Kläger, um trotzdem auf die Vergrösserung der

Kursdifferenz zwischen Krone und Schweizerfranken

abstellen zu können, dartun müssen, dass er bei recht-

zeitiger Auszahlung der Provision den gesamten Betrag

sofort in Schweizerfranken hätte anlegen können.

Er

hat aber nicht glaubhaft gemacht, und nichts spricht

dafür, dass er bei den damaligen Verhältnissen eine

solche Operation hätte durchführen können; auch sein

vorübergehender Aufenthalt in der Schweiz bildet hie-

für kein hinreichendes Indiz.

Ebensowenig Hesse sich eine Schadenersatzforderung

mit der -

allerdings notorischen -

Verminderung der

Kaufkraft der Krone in Oesterreich selbst begründen.

302

ObUgatlonenrecht. N- 52.

Abgesehen davon, dass das Bund~cricht schon in

seinem Urteil vom 1. Dezember 1920 1. S. Hauff gegen

Stritzky & oe (AS 46 II Nr. 68) angedeutet hat, ~e

Frage, ob eine derartige interne GeJdent~ertung ~e

Grundlage eines Ersatzanspruches aus,:erzogerter ~­

stung sein könne, müsse offenbar vern~mt werden, ~t

hier wiederum die Erwägung ent&cheIdend, dass die

Parteien in vollem Bewusstsein die Kronenwährung

ausgewählt, und damit beiderseit~ das Ri~o allfälli-

ger, durch- die Verhältnisse beWlrkter Veranderungen

in der Kaufkraft der Kronen übernommen haben.