opencaselaw.ch

40_II_431

BGE 40 II 431

Bundesgericht (BGE) · 1914-01-01 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

430

Prozessrecht. N° 75.

3. -

Si la tendanee de la doctrine et des legislations

modernes est aujourd'hui de ne pas restreindre le pour-

voi en revision aux cas OU le requerant a trouve des

moyens de preuve qu'll n'avait pu presenter en cours de

procedure, mais de l'etendre a la decouverte de faits

nouveaux (voir JAEGER, Revision des Bundesgesetzes über

die Organisation der Bundesrechtspflege, Motive, p. 90 et

suiv.), il n'est pas moins eertain que la loi de procedure

civile federale de 1850, eomme du reste les Iegislations

allemande et fram;aise, ne prevoient la possibilite de la

revision que dans la premiere de ees alternatives; on ne

saurait done, par analogie, admettre l'application d'un

moyen exeeptionnel a un cas non prevu expressement

par la loi et que ceUe-ci n'avait eertainement pas voulu

introduire; la demande de revision doit, en consequence,

etre rejetee.

Par ces motüs,

Le Tribunal federal

prononce:

La demande de revision est rejetee.

VII. SCHULDBETREIBUNGS- UND

KONKURSRECHT

POURSUITES ET FAILLITES

Siehe 111. Teil N° 50--54. -

Voir Ille partie n

HS 50-54.

1. PERSONENRECHT

DROIT DES PERSONNES

76. t1rteil der 11. Zivilabteilung vom 24. September 1914 i. S.

Begierungsra.t des Xa.ntons Scha.ffha.usen gegen Ca.rpine.

Art. 29 und 43 ZGB. Klage auf Anerkennung des Rechts

auf Führung der Adelspartikel « von.». Abweisung der Klage,

weil sich ergibt, dass dem Kläger das beanspruchte Recht

als solches nicht streitig gemacht, sondern nur die Ein-

tragu n g der Partikel in das Zi viI s t an ds regi st er ver-

weigert wird, in letzterer Beziehung aber nicht das Bundes-

gericht, sondern der Bundesrat kompetent ist.

(UebeT den Tatbestand vergl. BGE 35 I N° 68.)

A. -

Durch Urteil vom 10. Juli 1914 hat das Ober-

gericht des Kantons Schaffhausen auf die von Carpine

als Kläger gegen den Regierungsrat des Kantons Schaff-

hausen als Beklagten gestellte Rechtsfrage: Kommt nicht

dem Kläger der Name « Graf Antou von Carpine I), even-

luell « Anton von. Carpine» zu ? folgendes, vom Beklag-

ten angefochtene, vom Kläger dagegen anerkannte

Urteil des Bezirksgerichts Reyat vom 7. März 1914

bestätigt: Der Kläger ist berechtigt, den Namen « Anton

von Carpine)} zu führen und es ist dieser Name im

Zivilstandsregister einzutragen, dagegen wird er mit

seinem Begehren um Zuerkennung des Namens: « Graf

von Carpine» abgewiesen.

B. -

Gegen das obergerichtliehe Urteil hat der Regie-

rungsrat des Kantons Schaflhausen rechtzeitig die Be-

rufung an das Bundesgericht ergriffen, mit dem Antrag

auf Abweisung der Klage.

C. -

Der Kläger hat Abweisung der Berufung und

Bestätigung des angefochtenen Urteils beantragt.

AS 40 Ir -

19f5

30

432

Personenreeht. N° 76.

Das Bundesgericht zieht

in Erwägung:

1. -

Da der Kläger das Recht beansprucht, sich

« _\nton von Carpine)} zu nennen, und er behauptet,

dieses Hecht,,'erde ihm vom Regierungsrat des Kan-

tons SchafThausen im Sinne des Art. 29 ZGB bestritten,

so ist der Zivilrichter, und als Berufungsinstanz speziell

auch das Bundesgericht, zur Behandlung der Streitsache

kompetent, und zwar, nach Art. 61 sO\vie in analoger

Anwendung des Art. 62 OG, ohne Rücksicht auf den

Streitwert. Dagegen muss die Klage ab g e wie sen

werden, wenn sich ergibt, dass eine Namenrechtsbestrei-

tung im Sinne der augeführlen Gesetzesbestimmung in

Wirklichkeit gar nicht -vorliegt, und es braucht in die-

sem Falle die andere Frage, ob dem Kläger das

Recht auf Führung des von ihm beanspruchten Na-

mens zustehe, nicht entschieden zu werden.

2. -

Zuzugeben ist, dass unter der in Art. 29 ZGB

vorgesehenen Namenrechtsbestreitung unter Umständen

auch die von einer Behörde als solcher ausgehende Be-

streitung des Rechts auf Führung eines Namens ver-

standen,verden kann, also nicht nur die Bestreitung

seitens einer Person, die den betreffenden Namen für

sich selber beansprucht; denn sonst wäre die spezielle

Behandlung dieses letztem ~ Falls in Art. 29 A b s. 2

nicht wohl verständlich. Ob sodann im Kanton Schaff-

hausen der Regierungsrat als solcher (d. h. nicht als

blosser Vertreter des Fiskus) überhaupt vor den Zivil-

gerichten ins Recht gefasst werden könne. ist eine

Frage des k a n ton ale n Rechts, die das Bundes-

gericht nicht zu überprüfen hat. Ebenso verhält es

sich mit der Frage nach der ö r t li ehe n Z u s t ä n-

d i g k e i t für derartige, gegen den Regierungsrat ge-

richtete Zivilklagen, wenn auch freilich die dabei im

vorliegenden Falle von den Schaffhauser Gerichten

aufgeworfene Vor frage nach der rechtlichen Natur

Personenrecht. N° 70.

der Namensklage an sich eine Frage des eidgenössi-

schen Rechts war; denn die Kompetenz zur Entschei-

dung der Hauptfrage schliesst diejenige zur Beurtei-

lung der Vorfrage als solcher in sich. Dagegen ist es

Sache des Bundesgerichts, festzustellen, ob überhaupt

eine Namenrechtsbestreitung im Sinne des Art. 29 ZGB

vorliegt. Diese Voraussetzung trifft nun aber hier nicht

zu. Der beklagte Regierungsrat hat in diesem Prozesse,

wie schon im Jahre 1909 anlässlich des von Carpine

ugriffenen staatsrechtlichen Rekurses, stets erklärt,

dass er dem heutigen Kläger das Recht, sich Anton

von' Carpine zu nennen, nicht bestreite, sondern dass

er nur, entsprechend einer 'Weisung des Bundesrates.

die Ein t rag u n g jenes Namens oder, genauer. die

Eintragung der Partikel « von)} in das Zivilstands-

register verweigern müsse. Streitig ist somit heute,

ebenso wie im Jahre 1909, einzig die Frage, ob die

Adelspartikel « von t) in das Zivilstandsregister einge-

tragen werden müsse oder dürfe. Diese letztere Frage

aber kann das Bundesgericht als Berufungsinstanz

ehensowenig entscheiden, als es sie damals in seiner

Eigenschaft als Staatsgerichtshof entscheiden konnte.

Denn, gleichwie dies schon unter der Herrschaft des

Zivilstandsgesetzes von 1874 der Fall war, so ist auch

seit dem Inkrafttreten des ZGB zur letztinstanzlichen

Entscheidung der Frage, welche Art von Tatsachen in

die Zivilstandsregister eingetragen werden sollen oder

dürfen, bezw. welche Art von Eintragungen als der

«Bestimmung

der

Zivilstandsregister fremd}) er-

scheinen (vgl. Art. 7 des Gesetzes von 1874), aus-

schliesslich der B und e s rat berufen. Diesem steht

noch Art. 43 ZGB, . wie früher nach Art. 12 ZEG ~

die Oberaufsicht über die Führung der Zivilstands-

register zu, und seine Kompetenz ist durch das ZGB

sogar noch

insof~rn erweitert worden, als nunmehr

eine Anzahl von Vorschriften über die Führung der

Register (z. B. gerade diejenige, die in Art. 7 ZEG ent-

434

Personenrecht. Nu 76.

halten war) nicht mehr im Gesetze selber zu finden

sind, sondern (nach Art. 39 Abs. 2 ZGB) in die Ver-

ordnungskompetenz des Bundesrates fallen. Ist aber

zur Bestimmung dessen, was überhaupt in die Zivil-

standsregister eingetragen werden darf, letztinstanzlieh

der Bundesrat kompetent, so ergibt sich daraus zwin-

gend, dass der Weg einer Zivilklage über dieselbe Frage

ausgeschlossen sein muss, und dass die Weigerung der

zuständigen Verwaltungsbehörde, eine Adelspartikel in

das Zivilstandsregister eintragen zu lassen, nicht als

Namenrechtsbestreitung im Sinne des Art. 29 ZGB

gelten kann. Es verhält sich damit ähnlich wie init

andern registerrechtlichen Entscheidungen, z. B. denje-

nigen über den Eintrag einer Firma im Handelsregister

oder einer beim Abschluss eines Liegenschaftskaufs

getroffenen Nebenabr~de im Grundbuch: wenn die Re-

gisterbehörde den betreffenden Eintrag aus regi.ster-

rechtlichen Gründen verweigert hat, so ist eine Über-

prüfung ihres Entscheides durch den Zivilrichter, dessen

gegenteiliger Entscheid übrigens schwerlich vollstreck-

bar wäre, ausgeschlossen. Diese Auffassung von der

Unzulässigkeit der Zivilklage gegenüber Verfügungen

der Registerbehörden steht auch im Einklang mit der

konstanten Praxis der deutschen Gerichte auf Grund

des dem Art. 29 ZGB entsprechenden § 12 BGB; vgl.

darüber z. B. GRÜCROTS Beiträge 49 S. 828, Entsch. d.

Reichsger. in Zivils. 39 S. 302, STAUDINGER, Anm. 5 b

zu § 12 cit.; v. TURR, Bürgerl. Recht I S. 445.

Demnach hat das Bundesgericht

erkannt:

Die Berufung wird gutgeheissen, das Urteil des Ober-

gerichts des Kantons SchafIhausen vom 10. Juli 1914

aufgehoben und die Klage abgewiesen.

Famllienrecht. N° 77.

11. FAMILIENRECHT

DROIT DE FAMILLE

77. A'l'ret da la. IIe seotion oivile du 16 saptambre 1914

dans la cause :Borel,

contre Lydiard et consorts.

435

ce art. 392 al. 2 et 368. -

Loi rapp. dr. civ. art. 4, 9 et 10.

-

Nomination par les autorites suisses d'un curator ad litem

a un mineur residant en Suisse mais dont le pere est domi-

cilie a l'etranger. -

Droit applicable en ce qui concerne la

puissance patern elle et la tutelle.

A. -

Arthur-Gordon Lydiard, colonel allglais en re-

traite,s'etait marie en 1896 a Wiesbaden avec demoi-

selle Marie Chappuis; Hs avaient auparavant passe Ull

contrat de mariage etablissant entre eux le regime de

la separation de biens avec communaute d'acquets et

accordant au conjoint survivant l'usufruit de la moitie

des biens laisses par le defunt aussi longtemps qu'il ne

se remarierait point. Un fiIs, Arthur Lydiard, est ne de

cette union. Dame Lydiard est decedee le 11 avril 1901,

laissant a son mari la jouissance des interets de la moi-

tie de sa fortune, cette jouissance devant prendre fin le

jour Olt celui-ci s'engagerait dans les liens d'un nouveau

mariage.

Le colonel Lydiard a habite Geneve dt: 1903 a 1908.

Presse d'argent, il s'est fait ouvrir en janvier 1907 Ull

credit de 7000 fr. porte ensuite a 13000 fr. par Ia Ban-

que populaire genevoise, contre cession des Ioyers echus

ou a echoir d'un immeuble - sis rue du Mole, a Geneve -

appartenant a son fiIs et dont il avait annonce avoir la

jouissance integrale; les sieurs de Westerweller, Rigot et

Dumont furent charges par les deux parties de la regie

de eet immeuble. Le 20 novembre 1907, le colonel Ly-