Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 In Bezug auf die Kompetenz des Bundesgerichts
ist vor allem festzustellen, dass der zwischen Miterben
entstehende Streit über die Frage, ob ein bestimmtes, zur
Erbschaft gehörendes Objekt einem einzelnen Erben zu-
gewiesen, oder 2.oer veräussert, oder in nalura geteilt,
oder endlich im Mite' 'lpntum sämtlicher oder eines Teils
der Erben belassen
_ .&vll solle, grundsätzlich eine
Zivil rech tsstreitigkeit darstellt.
Ein in einer
salchen Streitigkeit ergangenes kantonales Urteil kann
daher in der Tat den Gegenstand einer Berufung an das
Bundesgericht bilden, und die Möglichkeit der Weiter-
ziehung an die eidgenössische Instanz zessiert nur in den-
jenigen Kantonen, welche den in Art. 621 ZGB vorge-
sehenen Entscheid ausschliesslich den Administrativ-
behördenzugewiesen :haben. Dies ist jedoch im Kanton
Luzern nach §84 Abs. 2 Einf...-Ges. nicht der Fall.
Was den S t r e i t wer t betrifft, so kann hier dahin-
gestellt bleiben, ob es sich bei Differenzen über die Zu-
weisung eines Familiengutes an einen einzelnen Erben
nicht um einen sol ehe n Streit handelt, dessen Gegen-
stand im Sinne des Art. 61 OG« seiner Natur nach» über-
haupt keiner «vermögensrechtlichen Schätzung » unter-
liegt, und der daher unabhängig von jedem pekuniären
Interesse der Beteiligten an das Bundesgericht weiter-
gezogen werden könnte.
Denn im vor li e gen den
FaHe ist, wenn auch vielleicht nicht das Vermögensinter-
esse der Klägerin, so doch dasjenige der Beklagten auf
mindestens 4000 Fr. anzusetzen. Abgesehen davon näm-
lich, dass der Wert der streitigen Liegenschaft als solcher
4000 Fr. übersteigt, -
was vielleicht an sich schon
genügen würde. -
muss mit der Möglichkeit gerechnet
werden, dass sich im Falle der Versteigerung, selbst ohne
188
Erbrecht. N0 35.
künstliche Preistreibung seitens einzelner Erben ein den
Schätzung~wert e:heblich übersteigender Verkaufspreis
ergeben wurde; dIes umso mehr, als die Schätzung des
({ Anrechnungswertes » im Kanton Luzern bis zum Inkraft-
treten des ZGB gemäss einer ausdrücklichen Gesetzes-
vorschrift (§ 392 BGB) um volle 25% unter dem « wahren
Wert » zu bleiben hatte und diese Vorschrift offenbar in
der Praxis der Schätzungskommissionen ihre Nachwir-
kungen hat. Vergl. übrigens Art. 618 Abs 2 ZGB, wonach
u.nter Umständen kraft eid gen ö s s i s c h e n Rechts
eme Präsumtion dafür besteht, dass dei' ({ Ertragswert »
nur % des « Verkehrswertes» betrage.
..... 3. -: Mate.rielI ist unbestritten, dass die Liegen-
schaft, um dIe es SICh handelt, ein « landwirtschaftliches
Gewerbe» im Sinne des Art. 620 ZGB darstellt und (I für
den wirtschaftlichen Betrieb eine Einheit bildet ». Nach
der zitierten Gesetzesbestimmung hat nun wenn nur ein
Erbe sich zur Übernahme des Gutes berei~ erklärt und er
« hiefür geeignet erscheint», dieser eine Erbe ein abso-
lutes Rech t darauf, es «zum Ertragswerte auf Anrech-
nung ungeteilt zugewiesen » zu erhalten; und nur, wenn
me~rere, zu~ Bewirtschaftung des Gutes gleich oder
annahernd gleIch geeignete -Erben auf die Zuteilung
AnspruCh. erheben, kommt nach Art. 621 der « Ortsge-
brauch » m Betracht, d. h. sind diejenigen Verhältnisse
zu berücksichtigen, auf die der « Ortsgebrauch » abstellt
also namentlich Art und Grad der Verwandtschaft, sowi~
Alter und Geschlecht des die Zuteilung verlangenden
Erben.
.
Etwas anderes ergibt sich auch nicht etwa aus dem
U~stande, dass in Art. 621 überhaupt nur von den
« Söhnen» und den « Töchtern » die Rede ist. Diese Ge-
se~zesbestimmung bezieht sich lediglich auf den Fall, dass
Sohne oder Töchter vorhanden sind. Durch die
für diesen Spezialfall vorgesehene Regelung wird aber
?n dem allgemeinen Grundsatze des Art. 620, dass an sich
J e der zur Bewirtschaftung des Gutes geeignete Erbe
Erbrecht. N° 35.
189
des einen oder des andern Geschlechts, ohne Rücksicht
auf das Verwandtschaftsverhältnis, in welchem er zum
Erblasser stand, übernahmeberechtigt ist, nichts ge-
ändert. Vergl. « Erläuterungen »,Heft 2 S. 139, sowie
Escher, Anm. 1 und 2 zu Art. 621.
Im vorliegenden Falle hat nun feststehendermassen nur
ein Erbe, die Beklagte, die Zuteilung verlangt. Sofern
also die Beklagte (oder, bei analoger Anwendung des
Art. 621 Abs. 3, ihr Ehemann) für die Bewirtschaftung
des Gutes geeignet erscheint, ist ihrem Begehren um Zu-
teilung ohne weiteres zu entsprechen. Die Frage nun aber,
ob die Beklagte, bezw. ihr Ehemann, zur Bewirtschaftung
eines Bauernhofes von der Art und Grösse des « Vorder-
bodengadengutes » geeignet sei, ist in erster Linie eine
. Tatfrage. bei deren Beantwortung das Bundesgericht an
die Feststellungen des kantonalen Richters gebunden ist,
sofern diese nicht etwa aktenwidrig sind oder auf einer
unrichtigen Auffassung über das Mass der an den betref-
fenden Erben zu stellenden Anforderungen beruhen. Dies
ist hier nicht der Fall; vielmehr hat die Vorinstanz alle
in Betracht kommenden Faktoren gewürdigt und insbe-
sondere auch untersucht, ob die Beklagte und ihr Ehemann
nicht vielleicht zur Übernahme eines Gutes schon zu alt
seien. Wenn sie diese letztere Frage verneint, weil beide
Ehegatten noch rüstig seien und weil ihnen überdies ein,
mit der Bewirtschaftung des Gutes bereits vertrauter,
erwachsener Sohn zur Seite stehe, -
wenn sie ferner die
Eignung der Beklagten und ihres Ehemanns auch hinsicht-
lich ihrer Charaktereigenschaften bejaht, so liegt für das
Bundesgericht keine Veranlassung zu einem gegenteiligen
Entscheide vor.
E. 4 Aus dem Gesagten ergibt sich zugleich die Unbe- gründetheit des Standpunktes der Klägerin, dass die Vorinstanz zu Unrecht eidgenössisches statt kantonales Recht zur Anwendung gebracht habe. Denn die angeb- lich übersehene, das Übernahmerecht nur den « Söhnen,. zuerkennende Bestimmung des kantonalen Rechts (§ 83 190 Erbrecllt. 1'0/036. des Einführungsgesetzes zum ZGB) ist, wie sie selber besagt, nichts anderes als der « Ortsgebrauch im Sinne des Art. 621 ZGB »; dieser aber kommt, wie bereits konsta- tiert, in einem Falle wie dem vorliegenden, wo nur ein Erbe die Zuteilung verlangt, überhaupt nicht in Betracht. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Ober- gerichts des Kantons Luzern vom 11. November 1913 bestätigt.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
35. Urteil der II. Zivilabteilung vom 1. April 1914 i. S.
'Wiprächtiger gegen Bien.
Bäuerliches Erbrecht (Art. 620 und 621 ZGB). Kom-
petenz des Bundesgerichts zur Beurteilung von Streitig,.
keiten betr. Uebernahme eines landwirtschaft-
li ehe n Ge wer be s im Sinne der zitierten Gesetzesbestim-
mungen. Streitwertberechnung in solchen Fällen. -
V.er-
hältnis zwischen Art. 620 einerseits und Art. 621 anderseIts.
_ Uebernahmerecht der weiblichen Erben.
~4. - Am 27. April 1912 verstarb auf dem Hof «Vorder-
bodengaden~, einem Bergheimwesen bei Hasle (Luzern),
der Eigentümer dieses Hofes, Robert Kuster. Als Erben
hinterliess er seine Mutter (die Beklagte), sowie drei
Schwestern (worunter die Klägerin). Die Beklagte ist in
zweiter Ehe mit dem bisherigen Pächter des Gutes,
Anton Bieri, verheiratet ...
Am 27. September 1912 entschied die in § 84 luz. Einf.-
Ges. z. ZGB vorgesehene ({ Schätzungskommission ~ dahin.
dass die Liegenschaft einen «Anrechnungswert ~ von
20,000 Fr. habe und der Beklagten « im Sinne des Art. 621
ZGB) zugewiesen werde.
R. -- Durch Urteil vom 11. November 1913 hat das
Obergericht des Kantons Luzern über die Rechtsfragen
a) der Klägerin:
« Ist die Liegenschaft des Robert Kuster seI. im Vor-
» derbodengaden, Hasle, öffentlich zu versteigern und der
» daherige Entscheid der Schätzungskommission dement-
»sprechend umzuändern ?)
b) der Beklagten:
'"
« Ist die Klage abzuweisen und der EntscheId der Schat-
186
Erbrecht. N° 35.
»zungskommission vom 27. September 1912, zugestellt
» den 7. Oktober 1912, gerichtlich zu beschützen? »
erkannt:
« Die Klage sei abgewiesen und der Entscheid der
» ~chätzungskommission vom 27. September 1912 gericht-
» hch beschützt. »
Dieses Urteil beruht auf folgenden Feststellungen und
Erwägungen :
Auf Grund der Akten könne nicht gesagt werden, dass
die Beklagte oder ihr Ehemann sich mit der Versteigerung
der Liegenschaft einverstanden erklärt habe..... (wird
näher ausgeführt). Die Voraussetzungen des Art. 620
ZGB seien erfüllt. Denn das Gut Vorderbodengaden stelle
in. seiner ganzen Anlage und nach seiner bisherigen Be-
wIrtschaftung unbestrittenermassen eine Einheit für den
wirtschaftlichen Betrieb dar, und in subjektiver Hinsicht
erweise sich die Beklagte zur Übernahme des Gutes als
geeignet. Ihr Ehemann Bieri-Kuster habe dieses schon seit
dem Jahre 1891 vom Erblasser in Pacht gehabt. Er habe
es i~ ?ieser ~eit, wie bezeugt werde, nach jeder Richtung
gehong beWIrtschaftet und keineswegs, wie die Klägerin
~~haupte: vernachlässigt..... (wird im, Einzelnen ausge-
fuhrt). DIe Beklagte stehe nun freilich bereits in einem
Alter von über sechzig Jahren, werde jedoch von Zeugen
noch als rüstig und arbeitskräftig geschildert, und auch
d.er ~~emann B!eri sei nac~ bezüglichen Zeugenaussagen
em tatIger, arbeItsamer Mann. Ausserdem sei ein erwach-
sener Sohn vorhanden, der schon bisher den Eltern bei
der Bewirtschaftung des Gutes geholfen habe. Die Be-
klagte biete also alle erforderlichen Garantien für eine
richtige Bewirtschaftung des Gutes, und es sei daher ihrem
Begehren um Zuweisung zum Ertragswerte (20,000 Fr.)
zu entsprechen.
C. -
Gegen dieses Urteil richtet sich die vorliegende
Be.rufung an das Bundesgericht, mit dem Antrag auf Gut-
heIssung der Klage. Die Klägerin bemisst den Streitwert
auf über 4000 Fr., hat aber vorsorglich eine Berufungs-
Erbrecht. N° 35.
187
schrift eingelegt. Die Instruktion hat im mündlichen
Verfahren stattgefunden.
Das Bundesgericht zieht
in Erwägung:
1. -
In Bezug auf die Kompetenz des Bundesgerichts
ist vor allem festzustellen, dass der zwischen Miterben
entstehende Streit über die Frage, ob ein bestimmtes, zur
Erbschaft gehörendes Objekt einem einzelnen Erben zu-
gewiesen, oder 2.oer veräussert, oder in nalura geteilt,
oder endlich im Mite' 'lpntum sämtlicher oder eines Teils
der Erben belassen
_ .&vll solle, grundsätzlich eine
Zivil rech tsstreitigkeit darstellt.
Ein in einer
salchen Streitigkeit ergangenes kantonales Urteil kann
daher in der Tat den Gegenstand einer Berufung an das
Bundesgericht bilden, und die Möglichkeit der Weiter-
ziehung an die eidgenössische Instanz zessiert nur in den-
jenigen Kantonen, welche den in Art. 621 ZGB vorge-
sehenen Entscheid ausschliesslich den Administrativ-
behördenzugewiesen :haben. Dies ist jedoch im Kanton
Luzern nach §84 Abs. 2 Einf...-Ges. nicht der Fall.
Was den S t r e i t wer t betrifft, so kann hier dahin-
gestellt bleiben, ob es sich bei Differenzen über die Zu-
weisung eines Familiengutes an einen einzelnen Erben
nicht um einen sol ehe n Streit handelt, dessen Gegen-
stand im Sinne des Art. 61 OG« seiner Natur nach» über-
haupt keiner «vermögensrechtlichen Schätzung » unter-
liegt, und der daher unabhängig von jedem pekuniären
Interesse der Beteiligten an das Bundesgericht weiter-
gezogen werden könnte.
Denn im vor li e gen den
FaHe ist, wenn auch vielleicht nicht das Vermögensinter-
esse der Klägerin, so doch dasjenige der Beklagten auf
mindestens 4000 Fr. anzusetzen. Abgesehen davon näm-
lich, dass der Wert der streitigen Liegenschaft als solcher
4000 Fr. übersteigt, -
was vielleicht an sich schon
genügen würde. -
muss mit der Möglichkeit gerechnet
werden, dass sich im Falle der Versteigerung, selbst ohne
188
Erbrecht. N0 35.
künstliche Preistreibung seitens einzelner Erben ein den
Schätzung~wert e:heblich übersteigender Verkaufspreis
ergeben wurde; dIes umso mehr, als die Schätzung des
({ Anrechnungswertes » im Kanton Luzern bis zum Inkraft-
treten des ZGB gemäss einer ausdrücklichen Gesetzes-
vorschrift (§ 392 BGB) um volle 25% unter dem « wahren
Wert » zu bleiben hatte und diese Vorschrift offenbar in
der Praxis der Schätzungskommissionen ihre Nachwir-
kungen hat. Vergl. übrigens Art. 618 Abs 2 ZGB, wonach
u.nter Umständen kraft eid gen ö s s i s c h e n Rechts
eme Präsumtion dafür besteht, dass dei' ({ Ertragswert »
nur % des « Verkehrswertes» betrage.
..... 3. -: Mate.rielI ist unbestritten, dass die Liegen-
schaft, um dIe es SICh handelt, ein « landwirtschaftliches
Gewerbe» im Sinne des Art. 620 ZGB darstellt und (I für
den wirtschaftlichen Betrieb eine Einheit bildet ». Nach
der zitierten Gesetzesbestimmung hat nun wenn nur ein
Erbe sich zur Übernahme des Gutes berei~ erklärt und er
« hiefür geeignet erscheint», dieser eine Erbe ein abso-
lutes Rech t darauf, es «zum Ertragswerte auf Anrech-
nung ungeteilt zugewiesen » zu erhalten; und nur, wenn
me~rere, zu~ Bewirtschaftung des Gutes gleich oder
annahernd gleIch geeignete -Erben auf die Zuteilung
AnspruCh. erheben, kommt nach Art. 621 der « Ortsge-
brauch » m Betracht, d. h. sind diejenigen Verhältnisse
zu berücksichtigen, auf die der « Ortsgebrauch » abstellt
also namentlich Art und Grad der Verwandtschaft, sowi~
Alter und Geschlecht des die Zuteilung verlangenden
Erben.
.
Etwas anderes ergibt sich auch nicht etwa aus dem
U~stande, dass in Art. 621 überhaupt nur von den
« Söhnen» und den « Töchtern » die Rede ist. Diese Ge-
se~zesbestimmung bezieht sich lediglich auf den Fall, dass
Sohne oder Töchter vorhanden sind. Durch die
für diesen Spezialfall vorgesehene Regelung wird aber
?n dem allgemeinen Grundsatze des Art. 620, dass an sich
J e der zur Bewirtschaftung des Gutes geeignete Erbe
Erbrecht. N° 35.
189
des einen oder des andern Geschlechts, ohne Rücksicht
auf das Verwandtschaftsverhältnis, in welchem er zum
Erblasser stand, übernahmeberechtigt ist, nichts ge-
ändert. Vergl. « Erläuterungen »,Heft 2 S. 139, sowie
Escher, Anm. 1 und 2 zu Art. 621.
Im vorliegenden Falle hat nun feststehendermassen nur
ein Erbe, die Beklagte, die Zuteilung verlangt. Sofern
also die Beklagte (oder, bei analoger Anwendung des
Art. 621 Abs. 3, ihr Ehemann) für die Bewirtschaftung
des Gutes geeignet erscheint, ist ihrem Begehren um Zu-
teilung ohne weiteres zu entsprechen. Die Frage nun aber,
ob die Beklagte, bezw. ihr Ehemann, zur Bewirtschaftung
eines Bauernhofes von der Art und Grösse des « Vorder-
bodengadengutes » geeignet sei, ist in erster Linie eine
. Tatfrage. bei deren Beantwortung das Bundesgericht an
die Feststellungen des kantonalen Richters gebunden ist,
sofern diese nicht etwa aktenwidrig sind oder auf einer
unrichtigen Auffassung über das Mass der an den betref-
fenden Erben zu stellenden Anforderungen beruhen. Dies
ist hier nicht der Fall; vielmehr hat die Vorinstanz alle
in Betracht kommenden Faktoren gewürdigt und insbe-
sondere auch untersucht, ob die Beklagte und ihr Ehemann
nicht vielleicht zur Übernahme eines Gutes schon zu alt
seien. Wenn sie diese letztere Frage verneint, weil beide
Ehegatten noch rüstig seien und weil ihnen überdies ein,
mit der Bewirtschaftung des Gutes bereits vertrauter,
erwachsener Sohn zur Seite stehe, -
wenn sie ferner die
Eignung der Beklagten und ihres Ehemanns auch hinsicht-
lich ihrer Charaktereigenschaften bejaht, so liegt für das
Bundesgericht keine Veranlassung zu einem gegenteiligen
Entscheide vor.
4. -
Aus dem Gesagten ergibt sich zugleich die Unbe-
gründetheit des Standpunktes der Klägerin, dass die
Vorinstanz zu Unrecht eidgenössisches statt kantonales
Recht zur Anwendung gebracht habe. Denn die angeb-
lich übersehene, das Übernahmerecht nur den « Söhnen,.
zuerkennende Bestimmung des kantonalen Rechts (§ 83
190
Erbrecllt. 1'0/036.
des Einführungsgesetzes zum ZGB) ist, wie sie selber
besagt, nichts anderes als der « Ortsgebrauch im Sinne des
Art. 621 ZGB »; dieser aber kommt, wie bereits konsta-
tiert, in einem Falle wie dem vorliegenden, wo nur ein
Erbe die Zuteilung verlangt, überhaupt nicht in Betracht.
Demnach hat das Bundesgericht
erkannt:
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Ober-
gerichts des Kantons Luzern vom 11. November 1913
bestätigt.