opencaselaw.ch

40_II_182

BGE 40 II 182

Bundesgericht (BGE) · 1914-05-18 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

182

Familienrecht. N° 34.

Dans ces conditions, la demande de mainlevee de l'in-

terdiction apparait comme mal fondee et le recours doit

etre ecarte.

Par ces motifs,

le Tribunal federal

prononce:

Le recours est ecarte et rarret attaque confirme dans

toutes ses parties.

34. Itreisschreiben des :Bundesgeriohts an die kantonalen Be-

gierangen betr. das Verfahren bei Entmündigungen (vom

18. Mai 1914).

Bei der Behandlung verschiedener zivilrechtlicher Be-

schwerden gemäss Art. 86 Ziff. 3 des Bundesgesetzes über

die Organisation der Bundesrechtspflege hat sich ergeben,

.dass das Entm ün digungsverfahren in einigen Kan-

tonen, namentlich da, wo es ein administratives ist, dem

in Art. 374 ZGB aufgestellten Grundsatz des rech t-

li ehe n Ge hör s nicht genügend Re~hnung trägt. Der

zu Entmündigende oder zu Verbeiständende wird aller-

dings in der Regel vorgeladen und einvernommen; je-

doch erhält er oft keine genaue Kenntnis VOll den einzelnen

Tatsachen, auf welche sich der Entmündigungsantrag

stützt und welche ihm zur Last gelegt werden, oder es

wird ihm keine Gelegenheit gegeben, gegenübEr den Be-

hauptungen des Antragstellers einen Gegenbeweis anzu-

treten, oder es wird sogar überhaupt von jeder Beweis-

erhebung Umgang genommen und ohne weiteres auf

Grund des Bevormundungsantrages entschieden. In an-

dern Fällen findet zwar eine Beweiserhebung oder eine

amtliche Untersuchung statt; deren Ergebnis wird jedoch

nur summarisch festgestellt, oder es wird auf die « N oto-

rietät)} der betreffenden Tatsachen verwiesen, sodass die

Familienrecht. N° 34.

183

eidgenössische Beschwerdeinstanz nicht in der Lage ist,

sich über die Begründetheit der ausgesprochenen Bevor-

mundung ein selbständiges Urteil zu bilden.

Um diesen Uebelständenmöglichst abzuhelfen, ersuchen

wir Sie, den in Betracht kommenden kantonalen Behör-

den und Amtsstellen f1llgende, teils aus Art. 374 ZGB,

teils aus Art. 63 und 94 OG sich ergebenden, von der II.

ZiviIabteilung anlässlich der Behandlung konkreter Fälle

ausgesprochenen Grundsätze in Erinnerung zu rufen,

damit das Bundesgericht nicht in die Lage versetzt wird,

deren Entscheidungen wegen Verletzung jener Grund-

sätze aufheben zu müssen.

1. Der unter Vormundschaft zu stellenden Person

ist nicht nur von dem Bevormundungsantrag und dessen

a 11 g e m ein er Begründung (Verschwendungssucht,

Trunksucht, lasterhafter Lebenswandel usw.), sondern

auch von aUen ihr zur Last gelegten Ein zel ta tsac hen

und den zu ihrer Erhärtung beigebrachten oder ange-

rufenen Beweismitteln, Kenntnis zu geben .

2. Sodann ist dem zu Bevormundenden Gelegenheit

zu geben, in einer mündlichen Verhandlung oder Einver-

nahme zu dem Bevormundungsantrag und zu den beige-

brachten oder angerufenen Beweismitteln Stellung zu

nehmen, seinen abweichenden Standpunkt zu begründen

und, entweder sofort oder innerhalb angemessener Frist,

einen allfällig von ihm angebotenen Gegenbeweis anzu-

treten.

3. Nach Abnahme der von der einen oder andern

Seite angebotenen erheblichen Beweise ist das,Ergebnis

der Beweisführung festzustellen und zwar so, dass daraus

ersichUich ist, auf welche Weise jede einzelne Tatsache

k9nstatiert wurde. Erst gestützt h i e rau f ist über das

Bevormundungsbegehren zu entscheiden.

4. Ueber alle den erstinstanzlichen Behörden gemäss

Ziff. 1-6 hievor obliegenden Amtshandlungen, sowie

184

Familienrecht. N0 34.

über die sämtlichen erheblichen Erklärungen und Beweis-

führungen der Parteien, ist ein genaues Protokoll zu

führen. Dieses hat entweder die Unterschrift des zu Be-

vormundenden zu tragen, oder es ist darin von der zu-

ständigen Behörde oder Amtsstelle zu bescheinigen, dass

es ihm vorgelegt oder vorgelesen wurde, und dass er sich

mit seinem Inhalt einverstanden erklärt hat.

5. Der Entscheid ist, auch wenn er noch nicht rechts-

kräftig geworden ist, und daher die in Art. 375 ZGB

vorgesehene Veröffentlichung noch nicht stattfinden

kann, dem Bevormundeten sofort schriftlich mitzuteilen.

Ist noch ein kantonales Rechtsmittel gegen den Entscheid

gegeben, so ist in der Mitteilung darauf aufmerksam zu

machen.

In Bezug auf allfällig von einer obern kantonalen In-

stanz zugelassene neu e tatsächliche Behauptungen oder

Beweismittel ist nach den in Ziff. 1-3 hievor aufgestell-

ten Grundsätzen zu verfahren. Immerhin kann in der

obern Instanz eine nochmalige mündliche Verhandlung

oder Abhörung durch eine schriftliche Vernehmlassung

ersetzt werden.

6. Im übrigen finden die allgemeinen Grundsätze

des Prozessrechts, soweit sie sich auf die Gewährung des

rechtlichen Gehörs beziehen, entsprechende Anwendung.

Erbrecht. N° 35.

185

IH.ERBRECHT

DROIT DES SUCCESSIONS

35. Orten der II. Zivilabteilung vom 1. A-pril 1914 i. S.

Wiprächtiger gegen Bien.

Bäuerliches Erbrecht (Art. 620 und 621 ZGB). Kom-

petenz des Bundesgerichts zur Beurteilung von Streitig,..

keiten betr. Uebernahme eines landwirtschaft-

li c h enG ewe r b es im Sinne der zitierten Gesetzesbestim-

mungen. Streitwert berechnung in solchen Fällen. -

V.er-

hältnis zwischen Art. 620 einerseits und Art. 621 anderseIts.

-

Uebernahmerecht der weiblichen Erben.

..1 .• -

Am 27. April 1912 verstarb auf dem Hof« Vorder-

bodengaden », einem Bergheimwesen bei Hasle (Luzern),

der Eigentümer dieses Hofes, Robert Kuster. Als: Erbe~

hinterliess er seine Mutter (die Beklagte), SOWIe dreI

Schwestern (worunter die Klägerin). Die Beklagte ist in

zweiter Ehe mit dem bisherigen Pächter des Gutes,

Anton Bieri, verheiratet . . .

Am 27. September 1912 entschied die in § 841uz. Einf.-

Ges. z. ZGB vorgesehene « Schätzungskommission »dahin,

dass die Liegenschaft einen «Anrechnungswert » von

20,000 Fr. habe und der Beklagten « im Sinne des Art. 621

ZGB » zugewiesen werde.

B. -

Durch Urteil vom 11. November 1913 hat das

Obergericht des Kantons Luzern über die Rechtsfragen

a) der Klägerin:

.

~ Ist die Liegenschaft des Robert Kuster seI. 1m Vor-

» derbodengaden, Hasle, öffentlich zu versteigern und der

» daherige Entscheid der Schätzungskommission dement-

»sprechend umzuändern ? »

b) der Beklagten:

'

..

« Ist die Klage abzuweisen und der EntscheId der Schat-