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Nr. 54 102 54. Urteil im Sinne des Art. 187 MStGO ist aueh ein Entseheid, dureh den das Militargerieht wegen sachlieher Unzustandigkeit auf die An- klage nieht eintritt (Erw. l a). - Wird die saehliehe Unzustandig- keit aus einer der Bestimmungen über die persõnliehe oder sachliche Geltung des Militarstrafgesetzes (Art. 2-7) ahgeleitet, so kann der Entseheid gestützt auf den l(assationsgrund des Art. 188 Abs. l Ziff. l MStGO angefochten werden (Erw. l h).- Verhaltnis zu der vom Bundesgerieht zu entscheidenden l(ompetenzkonfliktsbeschwerde nach Art. 223 MStG (Erw. l e).- Der nicht schiesspflichtige Wehr- Inann, der ausserdienstlich freiwillig an den ohligatorischen Schiess- ühungen des Bundes teilnimmt, untersteht den für den Schiesshe- trieb aufgestellten militarischen V orschriften un d verletzt bei Wider· handlungen gegen solche, z. B. Standblattfalschungen, dienstliche Pflichten im Sinne des Art. 2 Ziff. 4 MStG ( Erw. 2) • La décision par laquelle un TD n'entre pas en matiere sur l'aeeu· sation, pour cause de défaut de compétenee matérielle, est un juge· ment au sens de l'art. 187 OJPPM (cons. l a).- Si le défaut de compétence matérielle résulte d'une des dispositions eoncernant les conditions personnelles et matérielles d'application du droit pénal ntilitaire ( art. 2-7 CP~I), la décision peut être attaquée sur la base de l'art. 188, al. l, eh. l OJPPM ( cons. l h). - Relation avec l'art. 223 CPM ( cas de eonflit de eompétence à trancher par le Tribunal fédéral) (eons. l e).- Celui qui est astreint au service personnel, 1nais non aux tirs obligatoires, et qui participe volontairement et hors service à de tels tirs organisés par la Confédération, est soumis aux prescriptions militaires établies pour les tirs; en cas d'infraction à ces prescriptions, par ex. par des falsifications de feuilles de stand, il viole des devoirs de serviee au sens de l 'art. 2, eh. 4 CPM ( cons. 2) . La deeisione con la quale un TD non dà seguito all'aceusa per man- canza di eompetenza in materia, e un giudizio ai sensi dell'art. 187 OGPPM ( eons. l a).- Se la maneanza di competenza risulta da una delle disposizioni coneernenti le eondizioni personali e materiali del· l'applicazione del diritto penale militare (art. 2-7 CPM), la deci· sione puo venir impugnata in base all'art. 188 al. l, eif. l OGPPM (cons. l b).- Relazione eon l'art. 223 CPM (eonflitto di eompe- tenza da decidere dai tribunal e federale) ( cons. l e) • - 11 milite eh e no11 sottostà all'obbligo del tiro obbligatorio, ma ebe parteeipa vo· Iontariamente e fuori servizio, ai tiri organizzati dalla Confedera· zione, e sottoposto alle preserizioni militari, stabilite per il tiro. In
103 Nr. 54 caso d'infrazione a queste prescrizioni, p. es. in caso di falsificazione di f o g li s tan d, il milite viola i doveri di servizio ai sensi dell 'art. 2 cif. 4 CPM (cons. 2).
l. Der Verteidiger bringt zur Begründung seines Antrages auf Nicht .. eintreten vor, der vom Auditor angefochtene Beschluss des Divisionsge- richts sei bloss ein Entscheid üller eine Vorfrage nach Art. 142 MStGO, nicht aher ein Urteil, das der l(assationsheschwerde unterliege. Aus der ahschliessenden Aufzahlung der l(assationsgründe in Art. 188 MStGO folge ferner, dass gegen einen die sachliche Zustandigkeit ahlehnenden Entscheid die l(assationsbeschwerde nicht zulassig sei. Zu diesem Schluss führe auch Art. 223 MStG, der bestimme, dass Anstande üher die Zustan .. cligkeit der militãrischen und der bürgerlichen Gerichtsbarkeit vom Buu .. desgericht zu entscheiden seien. a) Nach Art. 187 MStGO ist die l(assationsbeschwerde nur gegen Urteile zulassig. Ob ein solches vorliege, bestimmt sich nicht nach der ausseren Form, sonclern nach dem Inh_alt und der materiellen Wirkung der Entscheidung. Als Urteil gilt eine Entscheidung, wenn dadurch die Anklage endgültig erledigt und das Verfahren abgeschlossen wird (MI(GE l N r. 89, 4 Nr. 77, 5 N r. 53, 80, 105). Das ist nicht nur bei Sachurteilen der :Fali, sondern kann aucl1 bei Entscheidungen üher V orfragen gemass Art. 142 MStGO zutreffen, so z. B., wenn das Gesuch um Aufhebung des l(on- tumazialurteils un d Durchf ührung des orclentlichen V er f ahrens abgewie- sen oder wenn auf die Anklage wegen Verjahrung nicht eingetreten wird (MI(GE 5 N r. 53, 80). Urteil ist daher auch ein Entscheid, durch den das Gericht sich sacl1lich unzustandig erklart (MI(GE l N r. 89). Denn damit stellt es f est, das s e s das V erf ahren vor sein er lnstanz als abgeschlossen und die Anklage als endgültig erledigt hetrachtet. Diesen Sinn hat aucl1 der angefochtene Beschluss, sagt das Divisionsgericht doch selber, die Untersuchungsakten sei en d er bürgerlichen Strafjustiz zur weiteren Amts .. handlung zuzuleiten. Die V erteidigung hal t d em zu Unrecht entgegen, von einer endgültigen Erledigung konne nicht gesprochen werden, da das 'Terfahren von den hürgerlichen Behorden fortgesetzt werde und es nlog- lich sei, dass di e Sache na eh e in er allf alligen l( o m petenzkonfliktshe- schwerde (Art. 223 MStG) wiederum an das Divisionsgericht zurück- komme. Endgültig erledigt ist die Anklage für das Divisionsgericht, wenn es ni eh t mel1r von sicl1 aus auf sie zurückkomn1en kann ( vgl. BGE 72 IV 89, 80 IV 177), nicht erst daun, wenn es überhaupt ausgeschlossen ist, dass es si eh mit de r Sach.e nochmals llef assen 1nuss. E in Endurteil, wie es Art. 187 MStGO verlangt (Stooss, N 4 zu Art. 187 MStGO), lage andern- f alls au eh_ bei einem Sachentscheid nicht vor, solange er vom Militarkas- sationsgericht aufgehoben und die Sache an das Divisionsgericht zurück- gewiesen werclen kanu.
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b) Richtig ist, dass Art. 188 MStGO n ur den Fali, in dem di e sachliche Zustandigkeit zu Unrecht bejaht wird, ausdrücklich nennt (Ziff. 3), wah- rend der umgekehrte Fali, in dem sie verneint wird, nicht erwahnt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass gegen einen die sachliche Zustandigkeit ablehnenden Entscheid die l(assationsheschwerde ausgeschlossen sei. Sie kann in einem solchen Falle, wie das Militarkassationsgericht in früheren Entscheidungen festgestellt hat, zwar nicht auf Ziff. 3 des Art.l88 MStGO, wohl aher auf einen der anderen l(assationsgründe gestützt werden, so- fern die Voraussetzungen hiefür erfüllt sincl. So hat das Militarkassations- gericllt den Unzustandigkeitsbeschluss des Divisionsgerichts, der damit hegründet wurde, dass der Tatbestand der eingeklagten militarischen De· ]ikte nicht vorliege, in zwei Fallen gestützt auf Art. 188 Ziff. 5 MStGO aufgehoben (J\;li(GE l N r. 61 uncl 89). Seit dem lnkrafttreten des Militar- strafgesetzes von 1927, durch das die früheren Art. l ff. MStGO aufgeho- hen und die Bestimmungen üher den Geltungshereich des Militarstraf- rechts i1n MStG (Art. 2 ff.) verankert worden sind, geht die Rechtspre- chung des Militarkassationsgerichts dahin, dass die Frage der sachlichen Zustandigkeit, wenn diese aus Art. 2-7 MStG ahgeleitet 'vird, eine solche des materiellen Strafrechts, nicht des Prozessrechts ist und dass daher hei unrichtiger Auslegung oder Anwendung dieser Bestimmungen eine Ver- letzung des Strafgesetzes im Sinne des Art. 188 Ziff. l MStGO vorliegt (MI(GE 4 Nr. 50, 64, 66, 110). An dieser Rechtsprechung, die sachlich begründet ist und d er V erwirklichung des materiellen Strafrechts dient, ist festzuhalten. Der l(assationsgrund des Art. 188 Ziff. 3 MStGO wird ührigens dadurch ni eh t gegenstandslos; denn die sachliche Zustandigkeit ergiht sich nicht im1ner aus dem materiellen Recht, sonclern es kann, wie cler in MI(GE 5 Nr. 113 heurteilte Fali zeigt, auch das Prozessrecht hie- für massgehend sein, so class Art. 188 Ziff. l MStGO dann nicht angeru- fen werden kann. Das Divisionsgericht verneint sein e Zustancligkeit mit d er Begründung, dass der Angeklagte mit der Standblattfalschung vom 3. Juni 1962 keine ausserdienstliche Pflicht im Sinne des Art. 2 Ziff. 4 MStG verletzt habe. Der Auditor, d er diese Auslegung beanstandet un d di e V erletzung des Strafgesetzes geltencl macht, stützt seine Beschwerde auf clen l(assations- grund des Art. 188 Ziff. l MStGO. Es ist deshalb auf sie einzutreten.
e) Die l(ompetenzkonfliktsheschwercle na eh Art. 223 MStG ist ein hesonderes, vom Strafverfahren unabhangiges und zeitlich an sich an keine Frist gebundenes Rechtsmittel. Sie hindert den Fortgang des vor der einen oder vor heiden Gerichtsharkeiten hangigen Strafverfahrens so lange nicht, als der l(ompetenzkonflikt nicht durch Urteil des Bundes- gerichts entschieden ist (vgl. den tatsachlichen 1,eil in BGE 66 I 61). Um- soweniger kõnnte im vorliegenden Fali, wo ein aktueller (positiver oder negativer) l(ompetenzkonflikt zwischen militarischer un d hürgerlicher
105 Nr. 54 Gerichtsbarkeit noch nicht entstanden und ein virtueller l(onflikt erst im Falle der Gutheissung der l(assationsbeschwerde des Auditors mõglich ist., das Eintreten mit dem Hin,veis auf Art. 223 MStG abgelehnt werden. E s versteht si eh von selbst., dass das Rechtsmittel d er l(assationsbeschwerde auch nicht deswegen verweigert werden darf., weil bei einer spateren l(ompetenzkonfliktsbeschwerde nach dem Militarkassationsgericht auch noch das Bundesgericht die Zustandigkeitsfrage zu entscheiden hatte. Diese <<Doppelspurigkeit» wird vom Gesetz bewusst in l(auf genommen. Davon., dass ein Entscheid des Militarkassationsgerichts einem <<Leer- lauf» gleichkame.,kann übrigens hier schon deshalb keineRede sein., weil der Angeklagte., was der Verteidiger übersieht., nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur l(ompetenzkonfliktsbeschwerde nicht mehr be- fugt ist., nachdem er es unterlassen hat., sie vor der Hauptverhandlung des Divisionsgerichts zu erheben (BGE 80 I 257 Erw. l).
2. Das ausserdienstliche Schiesswesen ist Bestandteil der Ausbildung des Heeres (s. überschrift zum dritten Teil der Militarorganisation). Es bezweckt die Erhaltung und Fõrderung der Schiessfertigkeit des W ehr- mannes im Interesse der Landesverteidigung und dient der Entlastung der Arbeitsprogramme der militarischen Schulen und l(urse (Art. l der Verordnung des Bundesrates vom 29. November 1935/17. Aprill953 j 4. Juni 1956 über das Schiesswesen ausser Dienst., Art. l und 24 der Verfü- gung des EMD vom 29. Dezember 1956/ 31. Dezember ~957 /20. Dezem- ber 1958 / l. Dezemher 1959 J 26. Ji--,ebruar 1962 J 27. Marz 1962 j 29. De- zember 1962 über das Schiesswesen ausser Dienst).
a) Um dieses Ziel zu erreichen., verpflichtet das Gesetz clie clienstlich mit clem l(arabiner ocler Gewehr ausgerüsteten Wehrmanner., jahrlich in einem gesetzlich anerkannten Schiessverein die vom Bund obligatorisch erklarten Schiessübungen zu erfüllen (Art. 124 MO., Art. 3 der erwahnten VO., Art.l7 der V erfügung des EMD). W er d er ausserdienstlichen Schiess- pflicht nicht nachkommt., verletzt daher eine Dienstpflicht (Art. 9 MO)., 'vird in einen besonderen Nachschiesskurs aufgeboten (Art. 3 cler VO., Art. 23 der Verfügung) uncl macht sich., wenn er clem Aufgebot nicht ge- horcht., cler Dienstversaumnis ocler Dienstverweigerung (Art. 82/81 MStG) schulclig. Organisation und Durchführung der vorgeschriehenen Bundesübun- gen unterstehen militarrechtlichen Vorschriften des Buncles (Art. 125 Abs. l MO). Dieser setzt u. a. di e Schiessprogramme fest, regelt de n Schiessbetrieb (Verwendung., l(ontrolle und Hanclhabung der W affen, Scheibenordnung, Zeigerdienst., Führung uncl l(ontrolle cler Standblatter usw.), verpflichtet die Schiessvereine zur Erstattung von Schiessberichten und übt durch die Gruppe für Aushildung des EMD., die eidgenossischen Schiessoffiziere und die kantonalen Schiesskommissionen die Aufsicht über die Schiessvereine und die Einhaltung der von den Militarhehõrden
Nr. 54 106 erlassenen Vorschriften und Reglemente aus. Dem õffentlich-rechtlichen Pflicbtverhaltnis der Schiessvereine entspricht auf der andern Seite, dass ihnen der Bund für die obligatorischen übungen die Munition und die für den Schiessbetrieb henõtigten Formulare (z. B. Standblatter) gratis zur V erfügung stellt, an die l(osten des Schiessbetriehes Barbeitrage lei- stet, für den dienstlichen Verkehr Portofreiheit gewahrt und die Wehr- pflichtigen, die an den ühungen teilnehmen, gegen Unfalle militarversi- chert (Art. 14 ff., 21, 22 ff., 28 ff. der Verordnung, Art. 2, 13, 25 ff., 55 ff., 87, 105, 133 f., 148 f., 153, 158, 161 der Verfügung, Art. l ff. der Verfü- gung des EMD vom l. Mai 1958/22. Oktober 1959 l I l. J anuar 1963 iiher die Verwaltung des Schiesswesens ausser Dienst). Die ausserdienstliche Schiesspflicht umfasst auch die Pflicht zur Befolgung der erwahnten Scl1iessvorschriften, so dass cler Schiesspflichtige, cler gegen solche ver- stõsst, dienstliche Pflichten im Sinne des Art. 2 Ziff. 41VIStG verletzt.
b) Die obligatorischenSchiessühungen desBundes sind zwar in erster Linie, aber nicht ausschliesslich für die der ausserdienstlichen Schiess- pflicht unterstellten W ehrmanner hestimmt. Di e Armee hat ein Inter- esse daran, dass auch nichtschiesspflichtige Wehrmanner, ja sogar Webr- fahige, die noch nicht dienstpflichtig sind, am l(arabiner oder Gewehr ausgebildet und in ihrer Schiessfertigkeit gefõrdert werden. Zur Teil- nallme an den obligatorischen Bundesübungen berechtigt sind denn auch ausser d en nicht schiesspflichtigen W ehrpflichtigen au eh Schweizerbür- ger, die vor clem l. J anuar des betreffenden J ahres das 18. Altersjahr an- getreten l1aben, sowie Besucher des J ungschiitzenkurses, di e si eh über eine hestimtnte Leistung ausweisen (Art. 7 der Verfügung des EMD über das Schiesswesen ausser Dienst). W enn uncl soweit Nichtschiesspflichtige von ihrem Recht, an clen obli- gatorischen Bundesübungen teilzunehmen, Gehrauch ma eh en, unterstehen sie den für die Durchführung dieser übungen aufgestellten militarischen V orschriften, gleichgültig, ob die Nichtschiesspflichtigen dienstpflichtig sind oder nicht. Das ist schon deshalb der Fali, weil die für den Schiess- betrieb massgebenden Vorschriften keinen Unterschied zwischen Schiess- pflichtigen und Nichtschiesspflichtigen oder Dienstpflichtigen un d Nicht- dienstpflichtigen machen, sondern für alle Teilnehmer in gleicher W eise gelten. Die Unterstellung cler bloss Teilnahmeberechtigten unter clie mili- tarischen Durchführungsvorschriften ergibt sich auch daraus, class die Statuten d er Schiessvereine gemass Art. 6 d er Verorclnung über das Schiess- lvesen ausser Dienst den Vorschriften des Bundes entsprechen müssen, das einzelne Mitglied clurch clen Beitritt zu1n Schiessverein sich also frei- willig diesen V orschriften unterwirft. Der nichtschiesspflichtige Dienstpflichtige wird dadurch mit Bezug auf die Schiesspflicht nicht dem gesetzlich Schiesspflichtigen gleichge· stellt, so wenig die an den Bezug einer Leihwaffe geknüpfte Bedingung,
107 Nr. 54, 55 dass der Bezüger regelmassig an den Bundesübungen teilnehme, eine Schiesspflicht begründet, da die Nichterfüllung dieser Auflage hloss die Rückgahe der Leihwaffe an das Zeughaus zur Folge hat (vgl. Art. 19 und 21 der V erfügung des EMD üher die Verwaltung des Schiesswesens ausse1· Dienst). Dagegen hat der nichtschiesspflichtige Wehrmann, wenn er an den obligatorischen übungen teilnimmt, die Schiessvorschriften - im Gegensatz zum nichtdienstpflichtigen Teilnehmer - als ausserdienstli- che Dienstvorschriften zu hefolgen. Der objektiv dienstliche Charakter dieser V orschriften hangt ni eh t davon ab, sondern bleibt derselbe, o b d er ihnen unterstellte W ehrmann schiesspflichtig ist oder ob er freiwillig am Schiessen teilnimmt. Nach Art. 9 der Militarorganisation ist der Wehr- mann allgemein zur Befolgung der für das Verhalten ausser Dienst gel- tenden Vorschriften dienstlich verpflichtet. Dieser Grundsatz gilt nicht n ur, wenn der W ehrmann gez,vungenermassen, sondern auch, 'venn er aus freiem Willen in eine Lage kommt, in der die ausse1·dienstlichen Vor- schriften Anwendung finden. Der Dienstpflichtige, der den bei den obli- gatorischen Schiessübungen geltenden n1ilitarischen Vorschriften zuwi- derhandelt, verletzt daher auch dann, wenn er nicht schiesspflichtig ist, ihm olJliegende Dienstpflichten im Sinne des Art. 2 Ziff. 4 MStG (MI(GE 2 Nr. 14).
e) Gemass Art. 73 ff. der Verfügung des EMD über das Schiesswesen ausser Dienst müssen di e amtlichen Standblatter von zuverlassigen S tan d· blattführern ausgefüllt und unterzeichnet werden, und es müssen die Eintragungen wahr sein. Der Angeklagte hat als nicht schiesspflichtiger W ehrmann diese Dienstvorschriften verletzt, in d em er anlãsslich d er obli- gatorischen Bundesübungen Schiessresultate und Unterschriften von Standhlattführern falschte. Er hat somit die Standblattfãlschungen in V erletzung dienstlicher Pflichten hegangen, so dass er gemass Art. 2 Ziff. 4 MStG dem Militarstrafrecht untersteht und nach Art. 213 MStG au eh d er Militãrgerichtsharkeit unterworf en ist. (28. Januar 1964, Auditor e. D. G. 11 i. S. B.) 55. Art. 128 1\'IStGO. Zulassigkeit des Beizuges ausserordentlicher Ersatzrichter (Erw. 3). - Wird durch die Befehlsanmassung zu· gleich der Tathestand der Notigung erfüllt, so ist neben Art. 69 MStG auch Art. 150 MStG anwendhar (Erw. 4). Art. 128 OJPPM. Quand le grand juge peut-il désigner des sup· pléants extraordinaires? ( cons. 3). - Lorsque, par l'usurpation de pouvoir, les éléments du délit de contrainte sont aussi réunis, l'art. 150 CPM est applicahle à côté de l'art. 69 CPM (cons. 4).