Aktenbeizug; Durchsuchung.
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règles de l’EIMP et des conventions internationales ne trouvent pas à s’appliquer. La thèse contraire du plaignant tendrait à faire usage des règles de l’entraide internationale en matière pénale dès lors qu’une personne qui n’a pas la nationalité suisse est partie à une procédure pénale en Suisse, ce qui est absolument inconnu de la pratique. En l’espèce, le plaignant a proposé d’être entendu en Suisse par les autorités suisses et a proposé qu’un mandat de comparution lui soit adressé à l’adresse de son conseil. Il a ainsi volontairement renoncé à faire usage de l’entraide internationale entre la Suisse et la France et ne saurait à présent réclamer l’usage de ces règles pour la notification en Suisse du mandat de comparution.
Ainsi, par exemple, l’art. X ch. 2 de l’ Accord entre le Conseil fédéral suisse et le Gouvernement de la République française en vue de compléter la Convention européenne d’entraide judiciaire en matière pénale (CEEJ) (RS.0.351.934.92) qui prévoit que les actes de procédure (tels un mandat de comparution) peuvent être adressés directement par la voie postale aux personnes qui se trouvent sur le territoire de l’autre Etat, ne trouve pas à s’appliquer dès lors que l’acte de procédure a pu être notifié à un avocat établi en Suisse. De même, les art. 69 al. 2 EIMP et 12 ch. 2 CEEJ invoqués par le plaignant ne s’appliquent pas en l’espèce en tant que l’assistance judiciaire de la France n’a pas été requise.
Il s’ensuit que les conditions de l’audition du plaignant par le MPC à Lausanne étaient conformes aux dispositions la régissant. Le retard de cette audition ne peut ainsi être aucunement imputé au MPC.
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26. Auszug aus dem Entscheid der I. Beschwerdekammer in Sachen A., B. AG, C. AG und D. AG gegen Bundesanwaltschaft vom 14. Juli 2010 (BB.2009.88, BB.2009.89, BB.2009.90, BB.2009.91)
Aktenbeizug; Durchsuchung.
Art. 69 Abs. 3, 105bis Abs. 2 BStP (Art. 248, 194 StPO)
Der Beizug von im Rahmen eines Rechtshilfeverfahrens erhobenen Akten in ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren stellt eine Amtshandlung dar.
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Diesbezüglich beschwerdelegitimiert ist jedoch nur der vormalige Inhaber der Akten (E. 1.3.1.1).
Der Aktenbeizug stellt keine Zwangsmassnahme dar, weswegen die Kognition der I. Beschwerdekammer im hiergegen gerichteten Beschwerdeverfahren auf Rechtsverletzungen beschränkt ist. Das entsprechende Ermessen der verfahrensleitenden Behörde findet dort ein Ende, wo dem Aktenbeizug überwiegende Geheimhaltungsinteressen oder fehlende Relevanz entgegenstehen (E. 2.2 und 2.3).
Hat der Inhaber der Papiere im Rechtshilfeverfahren auf eine Einsprache gegen die Durchsuchung endgültig verzichtet, so kann er nach erfolgtem Beizug dieser Akten im Ermittlungsverfahren nicht erneut die Versiegelung der fraglichen Unterlagen verlangen (E. 3.3–3.5).
Edition de dossiers; perquisition.
Art. 69 al. 3, 105bis al. 2 PPF (art. 248, 194 CPP)
L’édition, dans une procédure d'enquête de police judiciaire, de dossiers obtenus dans le cadre d'une procédure d'entraide judiciaire constitue un acte de procédure. Ce n'est cependant que l'ancien détenteur du dossier qui possède la légitimation active pour recourir (consid. 1.3.1.1).
L’édition de dossier ne constitue pas une mesure de contrainte si bien que dans le recours dirigé contre cet acte, le pouvoir de cognition de la Ire Cour des plaintes est limité à la violation du droit. Le pouvoir d'appréciation correspondant de l'autorité en charge de la procédure s'arrête là où l’édition du dossier se heurte à des intérêts de maintien du secret prépondérants ou au manque de relevance (consid. 2.2 et 2.3).
Si, dans la procédure d'entraide judiciaire, le détenteur des documents a renoncé définitivement à s'opposer à la perquisition, il n'est pas recevable à demander à nouveau la mise sous scellés de ces documents après la jonction desdits documents à la procédure pénale (consid. 3.3–3.5).
Acquisizione di un altro fascicolo processuale; perquisizione.
Art. 69 cpv. 3, 105bis cpv. 2 PP (art. 248, 194 CPP)
L’acquisizione di atti, raccolti in una procedura di assistenza giudiziaria, nell’ambito di un’indagine di polizia giudiziaria rappresenta un atto impugnabile mediante reclamo soltanto dal precedente detentore degli atti (consid. 1.3.1.1).
Tale acquisizione non rappresenta un provvedimento coercitivo, ragione per cui il potere cognitivo della I Corte dei reclami penali nella relativa procedura
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di reclamo si limita a violazioni del diritto. Il potere d’apprezzamento dell’autorità che dirige il procedimento trova il suo limite in presenza di interessi preponderanti al mantenimento del segreto contrari all’acquisizione del fascicolo o in caso di assenza di rilevanza (consid. 2.2 e 2.3).
Se nella procedura di assistenza giudiziaria il detentore delle carte rinuncia definitivamente ad opporsi alla perquisizione, una volta acquisiti gli atti nella procedura di indagine egli non può esigere nuovamente il suggellamento di queste carte (consid. 3.3–3.5).
Zusammenfassung des Sachverhalts:
Die Bundesanwaltschaft (BA) führt gegen A. ein gerichtspolizeiliches Ermittlunsgverfahren wegen des Verdachts der Geldwäscherei. Dieses steht im Zusammenhang mit einem in den Niederlanden geführten Einziehungsverfahren gegen E. und andere Personen. Auf Grund eines Rechtshilfeersuchens der niederländischen Strafbehörden eröffnete die BA ein Rechtshilfeverfahren, in dessen Rahmen sie sowohl in der Privatwohnung als auch in den Büroräumlichkeiten von A. Hausdurchsuchungen vornahm. Hierbei wurden umfangreiche Akten und elektronische Daten sichergestellt. Die BA erkannte daraufhin einige dieser im Rechtshilfeverfahren sichergestellten Unterlagen zu den Akten des gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens gegen A. Gegen die entsprechende Verfügung erhoben A. sowie die von ihm als alleiniges Verwaltungsratsmitglied vertretenen B. AG, C. AG und D. AG Beschwerde bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragten nebst der Aufhebung der angefochtenen Verfügung eventualiter die Anweisung an die BA, über die entsprechenden Akten ein Siegelungsverfahren im Sinne von Art. 69 Abs. 3 und Art. 70 BStP durchzuführen.
Die I. Beschwerdekammer wies die Beschwerde ab, soweit sie darauf eintrat.
Aus den Erwägungen:
1.3.1 1.3.1.1 Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet die Übernahme bestimmter Akten aus dem die Beschwerdeführer (…) betreffenden Rechtshilfeverfahren in das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren gegen
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A. Der Beizug von Akten aus einem anderen Verfahren stellt eine Amtshandlung gemäss Art. 214 Abs. 1 BStP dar (vgl. Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2008.73 vom 21. November 2008, E. 1.2). Die fraglichen Dokumente, welche in der angefochtenen Verfügung mit den Asservaten-Nummern 9.30, 13.29, 13.31, 1.2, 1.3 und 1.5 umschrieben werden, lauten auf die G. AG (Asservaten-Nr. 13.29) sowie die B. AG, die C. AG und die D. AG. (Asservaten-Nrn. 9.30, 13.31, 1.2, 1.3 und 1.5). Letztere sind bezüglich der auf sie lautenden Akten zur Beschwerde legitimiert, wobei sie vom Beschwerdeführer 1 in seiner Funktion als deren einziges Verwaltungsratsmitglied vertreten werden. Die Rüge der Beschwerdeführer hinsichtlich des Beizugs von Akten der G. AG kann hingegen nicht gehört werden. Soweit sodann A. in seinem eigenen Namen gegen den Aktenbeizug Beschwerde führt, ist dieser entgegen seiner Ansicht nicht zur Beschwerdeführung berechtigt, da er im Rahmen des Beizugs von Dokumenten, welche nicht ihm, sondern den besagten Gesellschaften gehören, als deren Organ nur indirekt betroffen ist, selbst wenn er Beschuldigter im Verfahren ist (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts BB.2009.33 vom 30. September 2009, E. 1.5.1, m.w.H.; BK_B 071/04 vom 12. Oktober 2004, E. 1 i.f.; BK_B 064/04a vom
30. Juli 2004, E. 1.3). Ein darüber hinaus gehender Nachteil im Sinne der vorgenannten Rechtsprechung ist seitens des A. nicht ersichtlich, zumal es sich bei den beigezogenen Akten um Kopien handelt und die Originaldokumente diesem als Vertreter der betroffenen Gesellschaften sowie der Revisionsstelle bereits wieder ausgehändigt wurden. (…) Auf die im Übrigen formgerecht erhobene Beschwerde gegen den Aktenbeizug ist demnach einzutreten, jedoch einzig hinsichtlich der B. AG, der C. AG und der D. AG sowie der Asservaten-Nrn. 9.30, 13.31, 1.2, 1.3 und 1.5.
2.2 Soweit sich die vorliegende Beschwerde gegen den Beizug von Akten aus dem Rechtshilfeverfahren in das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren gegen A richtet, betrifft diese keine Zwangsmassnahme (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts BB.2009.64 vom 17. November 2009, E. 2.2; BB.2009.16 vom 24. April 2009, E. 2.2). Die Kognition der I. Beschwerdekammer ist dementsprechend auf Rechtsverletzungen und damit im Bereich des Ermessens auf qualifizierte Ermessensfehler wie Ermessensüberschreitung, -unterschreitung und - missbrauch beschränkt (TPF 2007 38 E. 2 S. 40 f.).
2.3 Im Rahmen des gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens nehmen die Bundesanwaltschaft und die gerichtliche Polizei die zur Feststellung der
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Täterschaft und des wesentlichen Sachverhalts sowie die zur Sicherung der Tatspuren und Beweise erforderlichen Ermittlungshandlungen vor und treffen die unaufschiebbaren weiteren Massnahmen (Art. 101 Abs. 2 BStP). Das diesbezügliche Ermessen liegt dabei bei der Bundesanwaltschaft, welche die Ermittlungen sowie die gerichtliche Polizei leitet (Art. 15 und Art. 17 Abs. 1 BStP). Entschliesst sich die Bundesanwaltschaft für einen Beizug von Akten aus einem anderen Verfahren, steht ihr ein Ermessen beim Entscheid zu, welche Akten sie zum Verfahren beiziehen will. Dieses findet jedoch dort seine Grenzen, wo einerseits überwiegende Geheimhaltungsinteressen oder andererseits die fehlende Relevanz der fraglichen Akten für das betreffende Verfahren einem Aktenbeizug entgegenstehen (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts BB.2009.16 vom
24. April 2009, E. 4.3; BB.2009.64 vom 17. November 2009, E. 3.4).
3.3 An der rechtshilfeweise durchgeführten Hausdurchsuchung vom
21. Mai 2008 war A. anwesend und wurde als Vertreter der B. AG, der C. AG und der D. AG gestützt auf Art. 9 IRSG auf die anzuwendende, für das nationale Verfahren geltende Bestimmung von Art. 69 Abs. 3 BStP und damit auf die Siegelungsmöglichkeit aufmerksam gemacht, welche er denn auch sogleich wahrnahm. Am 4. Juni 2008 erteilte A. als Organ der berechtigten Gesellschaften jedoch die Zustimmung zur Entsiegelung, worauf die Beschwerdegegnerin zusammen mit demselben die Durchsuchung der Dokumente (darunter auch die Asservaten-Nrn. 9.30, 13.29 und 13.31) vornahm.
3.4 Die Beschwerdeführer bringen vor, dass das Einverständnis zur Entsiegelung lediglich auf die Rechtshilfe beschränkt gewesen sei; A. als Beschuldigtem und der B. AG, der C. AG und der D. AG sei im Ermittlungsverfahren die Möglichkeit einer Einsprache verwehrt und somit nie Gelegenheit gegeben worden, sich im Sinne von Art. 69 Abs. 3 BStP vor der Durchsuchung der Akten über ihren Inhalt auszusprechen bzw. die Siegelung zu verlangen.
3.5 Der Ansicht der B. AG, der C. AG und der D. AG ist entgegen zu halten, dass sich hinsichtlich der konkreten Rechtslage des A. im Rechtshilfeverfahren sowie im nationalen, gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren keinerlei Unterschiede ergeben: Dieser ist auch anlässlich der rechtshilfeweise durchgeführten Einvernahmen als Beschuldigter hinsichtlich des Tatbestandes der Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) einvernommen und belehrt worden, haben doch die
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Ermittlungshandlungen im Rechtshilfeverfahren, vorliegend die Einvernahmen, nach dem in Strafsachen massgebenden Verfahrensrecht und damit gleich wie im nationalen Strafverfahren zu erfolgen (Art. 12 Abs. 1 und Art. 80a Abs. 2 IRSG). Zum Zeitpunkt der Einwilligung in die Entsiegelung und der anschliessenden Durchsicht der Unterlagen bestand hinsichtlich des Deliktsvorwurfs, der Stellung des A. als Beschuldigter, seiner Rechtsbelehrung bzw. seiner daraus resultierenden Rechte, insbesondere des Aussageverweigerungsrechts, bereits eine mit der im gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren identische Rechtslage. A. hat sich folglich seine Zustimmung zur Entsiegelung während des Rechtshilfeverfahrens auch im gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren zurechnen zu lassen. Auch wurden allfällige Geheimnisse im Zeitpunkt der Entsiegelung bzw. der anschliessenden Durchsuchung der Papiere bereits offenbart. Die Siegelung bezweckt den Schutz eines Berufsgeheimnisses oder anderweitiger, schützenswerter Geheimhaltungsinteressen wie beispielsweise Privatgeheimnisse oder Geschäftsgeheimnisse (TPF 2007 96 E. 2 und 4.2 S. 97 f.; Entscheid des Bundesstrafgerichts BE.2009.11 vom
2. September 2009). Erst nach geduldeter Durchsuchung die Siegelung zu verlangen, widerspricht dem Zweck dieses Instituts bzw. vermag diesen gar nicht mehr zu erfüllen (Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2005.9 vom
16. November 2009, E. 4.1; BGE 114 Ib 357 E. 4). Darüber hinaus machten die B. AG, die C. AG und die D. AG bzw. A. als ihr Vertreter weder im Rahmen des Rechtshilfeverfahrens noch in den Eingaben des vorliegenden Beschwerdeverfahrens irgendein schützenswertes Geheimhaltungsinteresse geltend.
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27. Extrait de l’arrêt de la IIe Cour des plaintes dans la cause A. contre Office fédéral de la justice, Unité extraditions du 5 août 2010 (RR.2010.146)
Refus de l’OFJ de délivrer une assurance écrite de non arrestation en vue d’extradition; examen de l’OFJ limité à l’irrecevabilité manifeste de la demande de coopération; requête tendant à l’administration de moyens de preuve.
Art. 17 al. 2, 21 al. 3, 25 al. 1, 43 EIMP, art. 33 al. 1 PA