Sachverhalt
Die seit Jahren von ihrem Ehemann getrennt
lebende Italienerin Luigia Testori geb. Locatelli kam im
Jahre 1946 in die Schweiz und trat in Neuenburg eine
Stelle an. Sie lernte dort einen italienischen Arbeiter kennen, hatte mit ihm ein Liebesverhältnis und gebar am
21. Juli 1948 in Belfaux (Kt. Freiburg) ein Kind Pierrette,
21
AS 79 I -
1953
322
Staatsrecht.
das sie, als sie bald darauf nach Italien zurückkehrte, im
« Asile Les Bois» in Belfaux zurückliess. Dieses übergab
das Kind im Herbst 1948 den kinderlosen Ehegatten
Theodor und Margrit Thenen-Imsand, geb. 1898 und 1903,
in Münster (Kt. Wallis) zur Pflege, wo es sich seither
befindet. Nachdem die Ehegatten Testori-Locatelli am
28. August 1952 ihre Zustimmung zur Adoption ihres
Kindes Pierrette durch ein vom « Asile Les Bois» zu bezeichnendes schweizerisches Ehepaar erteilt hatten, nahmen es die Ehegatten Thenen-Imsand durch öffentliche
Urkunde vom 26. Juni 1953 als Kind an und kamen gleichen Tags um die behördliche Ermächtigung im Sinne von
Art. 267 ZGB ein.
Der dafür zuständige Staatsrat des Kantons Wallis zog
in Erwägung, dass die Adoption nach Art. 8 NAG dem
Rechte des Heimatortes des Annehmenden, hier also dem
schweizerischen Rechte, unterstellt sei. Dessen Voraussetzungen seien im vorliegenden Falle erfüllt. Da nun aber
die Adoption das Bürgerrecht des Kindes nicht ändere,
müssten auch die Voraussetzungen des heimatlichen Rechtes des Kindes erfüllt sein, damit die Adoption ihre Wirkungen auch im Heimatstaat entfalten könne, ansonst
dessen Behörden die Adoption nicht anerkennen und dem
Kind keine Ausweispapiere auf seinen neuen Namen ausstellen würden. Dazu komme, dass es nicht empfehlenswert
sei, das Kind einem « doppelten Rechtszustand » zu unterstellen, sondern vielmehr in seinem Interesse liege, dass die
Adoption überall, besonders in seinem Heimatstaat, anerkannt werde. Nach dem italienischen Recht sei die Adoption Personen unter dem 50. Altersjahr in der Regel untersagt (Art. 291 Codice civile) und dem Verfahren und der
Prüfung des Appellationsgerichtshofes unterstellt (Art.
311 ff. Codice civile). Auf Grund dieser Erwägungen beschloss der Staatsrat am 4. September 1953 :
« Die Eheleute Theodor Thenen und Margrit Imsand sind
ermächtigt, Pierrette Testori an Kindesstatt anzunehmen und die
von Herrn Anton Imsand, Notar, eingereichte Adoptionsurkunde
wird genehmigt.
I
1
u
"
I
Rechtsgleicbheit (Rechtsverweigerung). N° 56.
323
Die Genehmigung der Adoption. durch die italie~ch,: Gericht:s-
behörde bleibt vorbehalten und bIS und so lange Sle rocht erteilt
wird, entfaltet vorliegender Beschluss keine Wirkung.)}
B. -
Gegen diesen Entscheid führen die Ehegatten
Thenen-Imsand staatsrechtliche Beschwerde mit dem Antrag, ihn aufzuheben und den Staatsrat des Kantons Wallis
anzuweisen, die Ermächtigung zur Adoption ohne einschränkende Bedingung zu erteilen. Sie machen geltend,
im angefochtenen Beschluss liege eine klare Verletzung von
Art. 8 NAG und damit von Art. 4 BV, und bringen zur
Begründung dieser Rüge vor:
Art. 8 NAG erkläre, für die Adoption seien das materielle Recht und die Behörden der Heimat des Annehmenden massgebend und zuständig. Damit habe der Gesetzgeber die allfällige Unvereinbarkeit der beiden Heimatrechte der Adoptionsparteien und die Schaffung eines
« doppelten Rechtszustandes » bewusst in Kauf genommen,
weshalb darin kein Nachteil im Sinne von Art. 267 Abs. 2
ZGB liegen könne. Dass Art. 8 NAG in diesem Sinne strikte
anzuwenden sei, ergebe sich auch aus BGE 75 II 179 ff.
Der angefochtene Entscheid wäre übrigens selbst dann,
wenn der Nachteil des « doppelten Rechtszustandes » berücksichtigt werden dürfte, willkürlich, da im vorliegenden
Falle das Kind offensichtlich ein grosses Interesse an der
Adoption habe und der Vorteil derselben jenen Nachteil
bei weitem überwiege. Der angefochtene Entscheid erscheine umso willkürlicher, als er sich nicht einmal auf
einen sichern, sondern bloss auf einen möglichen Nachteil
stütze, denn die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen eine in der Schweiz vorgenommene Adoption in
Italien anerkannt werde, sei nach der italienischen Rechtsprechung und Rechtslehre nicht eindeutig zu beantworten
(wird näher ausgeführt).
G. -
Der Staatsrat des Kantons Wallis beantragt die
Abweisung der Beschwerde. Die schweizerischen Behörden
hätten stets anerkannt, dass die strikte Anwendung von
Art. 8 NAG mit erheblichen Unzukömmlichkeiten ver-
324
Staatsrecht.
bunden sei und dass es daher im Interesse der Beteiligten
liege, soweit möglich auch das Heimatrecht des Angenommenen zu berücksichtigen. Dieser habe ein grosses Interesse
daran, dass sein neuer Name überall und besonders im
Heimatstaat, der ihm seine Ausweispapiere auszustellen
habe, anerkannt werde. In Italien werde aber eine Adoption nur anerkannt, wenn sie vom zuständigen Appellationsgerichtshof genehmigt sei, weshalb diese Genehmigung
im vorliegenden Falle vorbehalten worden sei. Zur Zeit
genüge der Adoptionsvertrag dem Erfordernis von Art. 267
ZGB Abs. 2 in fine nicht.
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Das Bundesgesetz vom 25. Juni 1891 über die zivilrechtlichen Verhältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter (NAG), dessen Vorschriften auf die in der Schweiz
wohnhaften Ausländer entsprechend anwendbar sind
(Art. 32), bestimmt in Art. 8 u.a., dass die Frage der
Adoption dem Recht und der Gerichtsbarkeit der Heimat
unterliegt (Abs. 1) und dass als Heimat in diesem Falle
der Heimatkanton der adoptierenden Person gilt (Abs. 2).
Danach kann es nicht zweifelhaft sein, dass die Adoption
eines Ausländers durch einen in der Schweiz wohnhaften
Schweizer an dessen Wohnsitz in der Schweiz in der hier
geltenden Form (Art. 267 Abs. 1 ZGB) zu erfolgen hat und
zulässig (und gültig) ist, wenn die Voraussetzungen des
schweizerischen Rechtes (Art. 264-266, 267 Abs. 2 ZGB)
erfüllt sind. Das kann, da die Kindesannahme dem Angenommenen nicht die Staatsangehörigkeit des Annehmenden
verleiht, freilich zur Folge haben, dass der Heimatstaat des
Angenommenen die Adoption nicht anerkennt. Hieraus
können dem Angenommenen Schwierigkeiten erwachsen,
wenn er sich in die Heimat begibt oder von dort Ausweisschriften benötigt. Im Hinblick hierauf wird die Auffassung vertreten, dass bei der Adoption auch noch das Heimatrecht des Anzunehmenden berücksichtigt werden sollte
(BBl 1928 II 307/8; STAUFFER, N. 4 zu Art. 8 NAG;
I
U
Rechtsgleichheit (Rechtsverweigerung). N° 56.
325
SILBERNAGEL, N. 11 der Vorbem. zu Art. 264 ff. ZGB;
EGGER, N. 1 zu Art. 265 ZGB; SCITh--:rTZER, Handbuch des
internat. Privatrechts Bd. I S. 417). Diese Berücksichtigung
wird indessen lediglich in dem Sinne gefordert, dass die
Adoption nur vorzunehmen und behördlich zu bewilligen
sei, wenn sie auch nach dem Heimatrecht des Anzunehmenden zulässig ist, d.h. wenn auch die von diesem Recht
aufgestellten Voraussetzungen erfüllt sind. Dagegen wird
nirgends der Standpunkt vertreten, dass die nach Art. 267
Abs. 1 ZGB erforderliche, von der Behörde am Wohnsitz
des Annehmenden zu erteilende Ermächtigung oder deren
'Virkung davon abhängig zu machen sei, dass vor oder
nach der Durchführung des Adoptionsverfahrens in der
Schweiz ein solches im Heimatstaat des Anzunehmenden
durchgeführt oder die Adoption durch eine Behörde dieses
Staates genehmigt werde. Das liefe darauf hinaus, dass für
die Adoption eines Ausländers durch einen in der Schweiz
wohnhaften Schweizer inbezug auf Verfahren und Zulässigkeitsvoraussetzungen nicht schweizerisches, sondern ausländisches Recht massgebend wäre, was sich mit Wortlaut
und Sinn von Art. 8 NAG nicht vereinbaren lässt.
E. 2 Die Beschwerdeführer, in der Schweiz wohnhafte
Schweizer, wollen ein italienisches Kind adoptieren. Der
Staatsrat des Kantons Wallis hat die nach Art. 267 Abs. 1
ZGB erforderliche Ermächtigung erteilt, jedoch angeordnet, dass diese bis zur Genehmigung der Adoption durch
die italienische Gerichtsbehörde keine Wirkung entfalte.
Ob diesem Vorbehalt die Auffassung zu Grunde liegt, die
Genehmigung durch die italienische Gerichtsbehörde sei
Gültigkeitserfordernis der Adoption, oder ob der Staatsrat
davon ausging, dass die Adoption ohne diese Genehmigung
für das Kind nachteilig und daher nur bei Vorliegen derselben zu bewilligen sei, geht aus dem angefochtenen Entscheid und der Beschwerdeantwort nicht klar hervor, kann
aber dahingestellt bleiben. Die Adoption eines ausländischen Kindes durch in der Schweiz wohnhafte Schweizer
bedarf nach Art. 267 Abs. 1 ZGB und Art. 8 NAG nur der
326
Staatsrecht.
Genehmigung (Ermächtigung) durch die Behörde am
Wohnsitz des Annehmenden; die Auffassung, dass überdies die Genehmigung einer Behörde des Heimatstaates
des Anzunehmenden notwendig sei, ist, wie bereits in
Erw. I ausgeführt wurde, mit diesen Bestimmungen unvereinbar. Der Umstand, dass das Heimatrecht des Anzunehmenden die Adoption andern Voraussetzungen unterwirft als das schweizerische Recht, steht der Vornahme und
Genehmigung der Adoption in der Schweiz an sich nicht
entgegen, sondern kann nur unter dem Gesichtspunkt des
Nachteils im Sinne von Art. 267 Abs. 2 ZGB in Betracht
fallen. Als solcher darf jedenfalls ohne Willkür gegebenenfalls auch ein Rechtsnachteil, wie es die Nichtanerkennung
der Adoption im Heimatstaat des Angenommenen ist,
betrachtet werden. Das bedeutet aber nicht, dass die
schweizerische Behörde dann, wenn diese Anerkennung als
zweifelhaft erscheint, den Beteiligten im Ermächtigungsentscheid einfach die Auflage machen darf, die Genehmigung oder Anerkennung der Adoption durch eine Behörde
des Heimatstaates zu erwirken, zumal wenn gar nicht feststeht, ob eine solche Ergänzung des schweizerischen Adoptionsverfahrens im Ausland überhaupt möglich ist. Die
schweizerische Behörde hat vielmehr selbst zu prüfen, ob
die Anerkennung der Adoption im Heimatstaat zu erwarten
ist. Bejaht sie diese Frage, so hat sie die Ermächtigung
ohne weiteres zu erteilen, und zwar auch dann, wenn die
Anerkennung im Heimatstaat die Genehmigung durch eine
dortige Behörde voraussetzt; die Erwirkung dieser Genehmigung ist den Beteiligten zu überlassen. Erscheint die
Anerkennung im Heimatstaat dagegen als ausgeschlossen
oder doch zweifelhaft, so fragt sich weiter, ob der hierin
liegende sichere oder mögliche Nachteil nicht durch die dem
Anzunehmenden aus der Adoption erwachsenden Vorteile
überwogen wird, in welchem Falle die Adoption für ihn im
Ganzen doch vorteilhaft und daher zu genehmigen ist.
Darin, dass der Staatsrat die Beschwerdeführer an eine
ausländische Behörde verwiesen und seinen Entscheid von
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r
Roohtsgleicheit (Roohtsverweigerung). N° 57.
327
deren Stellungnahme abhängig gemacht hat, liegt nach
dem Gesagten eine Rechtsverweigerung. Der angefochtene
Entscheid ist daher wegen Verletzung von Art. 4 BV aufzuheben. Kommt der Staatsrat bei neuer Prüfung zum
Schluss, die vorliegende Adoption werde in Italien voraussichtlich anerkannt, so hat er die nachgesuchte Ermächtigung zu erteilen. Kommt er zum gegenteiligen Ergebnis
oder ist die Frage zweifelhaft, so hat er die dem Kind aus
der Adoption erwachsenden Vorteile und die aus der allfälligen Nichtanerkennung der Adoption in Italien sich
möglicherweise ergebenden Nachteile gegeneinander abzuwägen und danach seinen Entscheid zu treffen.
Dispositiv
- Arrtlt du 30 septembre 1953 dans Ia cause Office suisse de compensation contre Cour des ponrsuites ct faillites dn Tribunal cantonal vaudois et Compensator S.A. L'Office suisse de compensation a qualite pour intenter une poursuite tendant au payement des fonds qui doivent etre verses a la Banque nationale en vertu des accords de clearing et de compensation. Cette qualite lui confere celle d'interjeter un recours de droit public contre le jugement qui refuse de prononcer la mainlevee de l'opposition a une teIle poursuite fondee sur une decision definitive. Die Schweizerische Verrechnungsstelle ist befugt, Betreibung einzuleiten zur Eintreibung der Beträge, die auf Grund der Clearing- und Verrechnungsabkommen an die Schweizerische Nationalbank einzubezahlen sind. Auf Grund dieser Befugnis ist die Schweizerische Verrechnungsstelle auch legitimiert, staatsrechtliche Beschwerde zu erheben gegen ein Urteil, durch das in einer solchen gestützt auf eine endgültige Verfügung eingeleiteten Betreibung die definitive Rechtsöffnung verweigert wird. L'Ufficio svizzero di compensazione ha veste per promuovere un'esecuzione volta ad ottenere il pagamento degli ammontari che debbono essere versati alla Banca nazionale in virtit degli accordi di clearing e di compensazione.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
56. Urteil vom 22. Dezember 1953 i. S. Thenen
gegen Staatsrat des Kantons WaIlis.
321
Die Adoption eine8 Ausländers dW'ch einen in der Schweiz wohnhaften Schweizer untersteht inhezug auf Verfahren und Zulässigkeitsvoraussetzungen dem schweizerischen Recht. Wie hat die
Behörde, der die Erteilung der nach Art. 267 erforderlichen
Ermächtigung ohliegt, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass
der Heimatstaat des Angenommenen die Adoption nicht anerkennen könnte? Art. 8 NAG, 264 ff. ZGB, 4 BV.
Touchant les conditions de forme et de fond, l'adoption d'un
etranger par un Suisse domicilw en Suisse est soumise au droit
suisse. Comment l'autorire dont depend I'autorisation visee par
l'art. 267 CC doit-elle tenir compte du fait que l'Etat d'origine
de l'adopre ne peut reconnaitre l'adoption? Art. 8 LRDC,
264 ss. CC, 4 Cst.
L'adozione di uno straniero da parte d'uno Svizzero domiciliato in
Isvizzera e sottoposta, per quanto attiene alle condizioni di
forma e di merito, al diritto svizzero. Come l'autoritä. da cui
dipende l'autorizzazione contemplata dalI'art. 267 CC deve
tenere conto deI fatto che 10 Stato d'origine dell'adottato non
puo riconoscere l'adozione ? Art. 8 LR, 264 e seg. CC, 4 CF.
A. -
Die seit Jahren von ihrem Ehemann getrennt
lebende Italienerin Luigia Testori geb. Locatelli kam im
Jahre 1946 in die Schweiz und trat in Neuenburg eine
Stelle an. Sie lernte dort einen italienischen Arbeiter kennen, hatte mit ihm ein Liebesverhältnis und gebar am
21. Juli 1948 in Belfaux (Kt. Freiburg) ein Kind Pierrette,
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AS 79 I -
1953
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Staatsrecht.
das sie, als sie bald darauf nach Italien zurückkehrte, im
« Asile Les Bois» in Belfaux zurückliess. Dieses übergab
das Kind im Herbst 1948 den kinderlosen Ehegatten
Theodor und Margrit Thenen-Imsand, geb. 1898 und 1903,
in Münster (Kt. Wallis) zur Pflege, wo es sich seither
befindet. Nachdem die Ehegatten Testori-Locatelli am
28. August 1952 ihre Zustimmung zur Adoption ihres
Kindes Pierrette durch ein vom « Asile Les Bois» zu bezeichnendes schweizerisches Ehepaar erteilt hatten, nahmen es die Ehegatten Thenen-Imsand durch öffentliche
Urkunde vom 26. Juni 1953 als Kind an und kamen gleichen Tags um die behördliche Ermächtigung im Sinne von
Art. 267 ZGB ein.
Der dafür zuständige Staatsrat des Kantons Wallis zog
in Erwägung, dass die Adoption nach Art. 8 NAG dem
Rechte des Heimatortes des Annehmenden, hier also dem
schweizerischen Rechte, unterstellt sei. Dessen Voraussetzungen seien im vorliegenden Falle erfüllt. Da nun aber
die Adoption das Bürgerrecht des Kindes nicht ändere,
müssten auch die Voraussetzungen des heimatlichen Rechtes des Kindes erfüllt sein, damit die Adoption ihre Wirkungen auch im Heimatstaat entfalten könne, ansonst
dessen Behörden die Adoption nicht anerkennen und dem
Kind keine Ausweispapiere auf seinen neuen Namen ausstellen würden. Dazu komme, dass es nicht empfehlenswert
sei, das Kind einem « doppelten Rechtszustand » zu unterstellen, sondern vielmehr in seinem Interesse liege, dass die
Adoption überall, besonders in seinem Heimatstaat, anerkannt werde. Nach dem italienischen Recht sei die Adoption Personen unter dem 50. Altersjahr in der Regel untersagt (Art. 291 Codice civile) und dem Verfahren und der
Prüfung des Appellationsgerichtshofes unterstellt (Art.
311 ff. Codice civile). Auf Grund dieser Erwägungen beschloss der Staatsrat am 4. September 1953 :
« Die Eheleute Theodor Thenen und Margrit Imsand sind
ermächtigt, Pierrette Testori an Kindesstatt anzunehmen und die
von Herrn Anton Imsand, Notar, eingereichte Adoptionsurkunde
wird genehmigt.
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Rechtsgleicbheit (Rechtsverweigerung). N° 56.
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Die Genehmigung der Adoption. durch die italie~ch,: Gericht:s-
behörde bleibt vorbehalten und bIS und so lange Sle rocht erteilt
wird, entfaltet vorliegender Beschluss keine Wirkung.)}
B. -
Gegen diesen Entscheid führen die Ehegatten
Thenen-Imsand staatsrechtliche Beschwerde mit dem Antrag, ihn aufzuheben und den Staatsrat des Kantons Wallis
anzuweisen, die Ermächtigung zur Adoption ohne einschränkende Bedingung zu erteilen. Sie machen geltend,
im angefochtenen Beschluss liege eine klare Verletzung von
Art. 8 NAG und damit von Art. 4 BV, und bringen zur
Begründung dieser Rüge vor:
Art. 8 NAG erkläre, für die Adoption seien das materielle Recht und die Behörden der Heimat des Annehmenden massgebend und zuständig. Damit habe der Gesetzgeber die allfällige Unvereinbarkeit der beiden Heimatrechte der Adoptionsparteien und die Schaffung eines
« doppelten Rechtszustandes » bewusst in Kauf genommen,
weshalb darin kein Nachteil im Sinne von Art. 267 Abs. 2
ZGB liegen könne. Dass Art. 8 NAG in diesem Sinne strikte
anzuwenden sei, ergebe sich auch aus BGE 75 II 179 ff.
Der angefochtene Entscheid wäre übrigens selbst dann,
wenn der Nachteil des « doppelten Rechtszustandes » berücksichtigt werden dürfte, willkürlich, da im vorliegenden
Falle das Kind offensichtlich ein grosses Interesse an der
Adoption habe und der Vorteil derselben jenen Nachteil
bei weitem überwiege. Der angefochtene Entscheid erscheine umso willkürlicher, als er sich nicht einmal auf
einen sichern, sondern bloss auf einen möglichen Nachteil
stütze, denn die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen eine in der Schweiz vorgenommene Adoption in
Italien anerkannt werde, sei nach der italienischen Rechtsprechung und Rechtslehre nicht eindeutig zu beantworten
(wird näher ausgeführt).
G. -
Der Staatsrat des Kantons Wallis beantragt die
Abweisung der Beschwerde. Die schweizerischen Behörden
hätten stets anerkannt, dass die strikte Anwendung von
Art. 8 NAG mit erheblichen Unzukömmlichkeiten ver-
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Staatsrecht.
bunden sei und dass es daher im Interesse der Beteiligten
liege, soweit möglich auch das Heimatrecht des Angenommenen zu berücksichtigen. Dieser habe ein grosses Interesse
daran, dass sein neuer Name überall und besonders im
Heimatstaat, der ihm seine Ausweispapiere auszustellen
habe, anerkannt werde. In Italien werde aber eine Adoption nur anerkannt, wenn sie vom zuständigen Appellationsgerichtshof genehmigt sei, weshalb diese Genehmigung
im vorliegenden Falle vorbehalten worden sei. Zur Zeit
genüge der Adoptionsvertrag dem Erfordernis von Art. 267
ZGB Abs. 2 in fine nicht.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1. -
Das Bundesgesetz vom 25. Juni 1891 über die zivilrechtlichen Verhältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter (NAG), dessen Vorschriften auf die in der Schweiz
wohnhaften Ausländer entsprechend anwendbar sind
(Art. 32), bestimmt in Art. 8 u.a., dass die Frage der
Adoption dem Recht und der Gerichtsbarkeit der Heimat
unterliegt (Abs. 1) und dass als Heimat in diesem Falle
der Heimatkanton der adoptierenden Person gilt (Abs. 2).
Danach kann es nicht zweifelhaft sein, dass die Adoption
eines Ausländers durch einen in der Schweiz wohnhaften
Schweizer an dessen Wohnsitz in der Schweiz in der hier
geltenden Form (Art. 267 Abs. 1 ZGB) zu erfolgen hat und
zulässig (und gültig) ist, wenn die Voraussetzungen des
schweizerischen Rechtes (Art. 264-266, 267 Abs. 2 ZGB)
erfüllt sind. Das kann, da die Kindesannahme dem Angenommenen nicht die Staatsangehörigkeit des Annehmenden
verleiht, freilich zur Folge haben, dass der Heimatstaat des
Angenommenen die Adoption nicht anerkennt. Hieraus
können dem Angenommenen Schwierigkeiten erwachsen,
wenn er sich in die Heimat begibt oder von dort Ausweisschriften benötigt. Im Hinblick hierauf wird die Auffassung vertreten, dass bei der Adoption auch noch das Heimatrecht des Anzunehmenden berücksichtigt werden sollte
(BBl 1928 II 307/8; STAUFFER, N. 4 zu Art. 8 NAG;
I
U
Rechtsgleichheit (Rechtsverweigerung). N° 56.
325
SILBERNAGEL, N. 11 der Vorbem. zu Art. 264 ff. ZGB;
EGGER, N. 1 zu Art. 265 ZGB; SCITh--:rTZER, Handbuch des
internat. Privatrechts Bd. I S. 417). Diese Berücksichtigung
wird indessen lediglich in dem Sinne gefordert, dass die
Adoption nur vorzunehmen und behördlich zu bewilligen
sei, wenn sie auch nach dem Heimatrecht des Anzunehmenden zulässig ist, d.h. wenn auch die von diesem Recht
aufgestellten Voraussetzungen erfüllt sind. Dagegen wird
nirgends der Standpunkt vertreten, dass die nach Art. 267
Abs. 1 ZGB erforderliche, von der Behörde am Wohnsitz
des Annehmenden zu erteilende Ermächtigung oder deren
'Virkung davon abhängig zu machen sei, dass vor oder
nach der Durchführung des Adoptionsverfahrens in der
Schweiz ein solches im Heimatstaat des Anzunehmenden
durchgeführt oder die Adoption durch eine Behörde dieses
Staates genehmigt werde. Das liefe darauf hinaus, dass für
die Adoption eines Ausländers durch einen in der Schweiz
wohnhaften Schweizer inbezug auf Verfahren und Zulässigkeitsvoraussetzungen nicht schweizerisches, sondern ausländisches Recht massgebend wäre, was sich mit Wortlaut
und Sinn von Art. 8 NAG nicht vereinbaren lässt.
2. -
Die Beschwerdeführer, in der Schweiz wohnhafte
Schweizer, wollen ein italienisches Kind adoptieren. Der
Staatsrat des Kantons Wallis hat die nach Art. 267 Abs. 1
ZGB erforderliche Ermächtigung erteilt, jedoch angeordnet, dass diese bis zur Genehmigung der Adoption durch
die italienische Gerichtsbehörde keine Wirkung entfalte.
Ob diesem Vorbehalt die Auffassung zu Grunde liegt, die
Genehmigung durch die italienische Gerichtsbehörde sei
Gültigkeitserfordernis der Adoption, oder ob der Staatsrat
davon ausging, dass die Adoption ohne diese Genehmigung
für das Kind nachteilig und daher nur bei Vorliegen derselben zu bewilligen sei, geht aus dem angefochtenen Entscheid und der Beschwerdeantwort nicht klar hervor, kann
aber dahingestellt bleiben. Die Adoption eines ausländischen Kindes durch in der Schweiz wohnhafte Schweizer
bedarf nach Art. 267 Abs. 1 ZGB und Art. 8 NAG nur der
326
Staatsrecht.
Genehmigung (Ermächtigung) durch die Behörde am
Wohnsitz des Annehmenden; die Auffassung, dass überdies die Genehmigung einer Behörde des Heimatstaates
des Anzunehmenden notwendig sei, ist, wie bereits in
Erw. I ausgeführt wurde, mit diesen Bestimmungen unvereinbar. Der Umstand, dass das Heimatrecht des Anzunehmenden die Adoption andern Voraussetzungen unterwirft als das schweizerische Recht, steht der Vornahme und
Genehmigung der Adoption in der Schweiz an sich nicht
entgegen, sondern kann nur unter dem Gesichtspunkt des
Nachteils im Sinne von Art. 267 Abs. 2 ZGB in Betracht
fallen. Als solcher darf jedenfalls ohne Willkür gegebenenfalls auch ein Rechtsnachteil, wie es die Nichtanerkennung
der Adoption im Heimatstaat des Angenommenen ist,
betrachtet werden. Das bedeutet aber nicht, dass die
schweizerische Behörde dann, wenn diese Anerkennung als
zweifelhaft erscheint, den Beteiligten im Ermächtigungsentscheid einfach die Auflage machen darf, die Genehmigung oder Anerkennung der Adoption durch eine Behörde
des Heimatstaates zu erwirken, zumal wenn gar nicht feststeht, ob eine solche Ergänzung des schweizerischen Adoptionsverfahrens im Ausland überhaupt möglich ist. Die
schweizerische Behörde hat vielmehr selbst zu prüfen, ob
die Anerkennung der Adoption im Heimatstaat zu erwarten
ist. Bejaht sie diese Frage, so hat sie die Ermächtigung
ohne weiteres zu erteilen, und zwar auch dann, wenn die
Anerkennung im Heimatstaat die Genehmigung durch eine
dortige Behörde voraussetzt; die Erwirkung dieser Genehmigung ist den Beteiligten zu überlassen. Erscheint die
Anerkennung im Heimatstaat dagegen als ausgeschlossen
oder doch zweifelhaft, so fragt sich weiter, ob der hierin
liegende sichere oder mögliche Nachteil nicht durch die dem
Anzunehmenden aus der Adoption erwachsenden Vorteile
überwogen wird, in welchem Falle die Adoption für ihn im
Ganzen doch vorteilhaft und daher zu genehmigen ist.
Darin, dass der Staatsrat die Beschwerdeführer an eine
ausländische Behörde verwiesen und seinen Entscheid von
I
t
r
Roohtsgleicheit (Roohtsverweigerung). N° 57.
327
deren Stellungnahme abhängig gemacht hat, liegt nach
dem Gesagten eine Rechtsverweigerung. Der angefochtene
Entscheid ist daher wegen Verletzung von Art. 4 BV aufzuheben. Kommt der Staatsrat bei neuer Prüfung zum
Schluss, die vorliegende Adoption werde in Italien voraussichtlich anerkannt, so hat er die nachgesuchte Ermächtigung zu erteilen. Kommt er zum gegenteiligen Ergebnis
oder ist die Frage zweifelhaft, so hat er die dem Kind aus
der Adoption erwachsenden Vorteile und die aus der allfälligen Nichtanerkennung der Adoption in Italien sich
möglicherweise ergebenden Nachteile gegeneinander abzuwägen und danach seinen Entscheid zu treffen.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Die Beschwerde wird dahin gutgeheissen, dass der Entscheid des Staatsrates des Kantons Wallis vom 4. September 1953 aufgehoben wird.
57. Arrtlt du 30 septembre 1953 dans Ia cause Office suisse
de compensation contre Cour des ponrsuites ct faillites dn
Tribunal cantonal vaudois et Compensator S.A.
L'Office suisse de compensation a qualite pour intenter une poursuite tendant au payement des fonds qui doivent etre verses
a la Banque nationale en vertu des accords de clearing et de
compensation.
Cette qualite lui confere celle d'interjeter un recours de droit
public contre le jugement qui refuse de prononcer la mainlevee
de l'opposition a une teIle poursuite fondee sur une decision
definitive.
Die Schweizerische Verrechnungsstelle ist befugt, Betreibung
einzuleiten zur Eintreibung der Beträge, die auf Grund der
Clearing- und Verrechnungsabkommen an die Schweizerische
Nationalbank einzubezahlen sind.
Auf Grund dieser Befugnis ist die Schweizerische Verrechnungsstelle auch legitimiert, staatsrechtliche Beschwerde zu erheben
gegen ein Urteil, durch das in einer solchen gestützt auf eine
endgültige Verfügung eingeleiteten Betreibung die definitive
Rechtsöffnung verweigert wird.
L'Ufficio svizzero di compensazione ha veste per promuovere
un'esecuzione volta ad ottenere il pagamento degli ammontari che debbono essere versati alla Banca nazionale in virtit
degli accordi di clearing e di compensazione.