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79_III_6

BGE 79 III 6

Bundesgericht (BGE) · 1953-03-18 · Deutsch CH
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6 Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 3. wäre die angefochtene Verfügung des Betreibungsamtes von Amtes wegen aufzuheben, wenn sie nichtig wäre. Das träfe zu, wenn sie gegen eine Vorschrift verstiesse, die (wie z.B. die Vorschriften über die sachliche Zuständigkeit, vgl. BGE 30 I 183 = Sep.ausg. 7 S. 39, 52 III 11 oben, 76 III 50) schlechthin zWingend ist oder durch deren Missachtung im konkreten Fall öffentliche Interessen oder Interessen dritter, am Verfahren nicht beteiligter Personen verletzt werden (vgl. BGE 68 III 33). Mit einem solchen Falle hat man es hier nicht zu tun. Die angefochtene Ver- fügung verstösst, wenn sie auch diskutabel sein mag, doch nicht gegen eine zwingende Vorschrift. Dass die Interessen des Drittschuldners dadurch nicht verletzt werden, wurde bereits dargetan. Inwiefern Interessen anderer Dritter oder gar öffentliche Interessen verletzt sein könnten, ist nicht ersichtlich. Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer: Der Rekurs wird abgewiesen.

3. Entscheid vom 18. März 1953 i.S. Konkursmasse Bumax• Werke A.-G. Nichtige Verfügungen. Unter welchen Voraussetzungen sind die kantonalen Aufsichtsbehörden und das Bundesgericht befugt. fehlerhafte Verfügungen von Amtes wegen aufzuheben! {Art. 13, 15 SchKG). Abttretung von Rechtsansprüchen der Konkursm,asse (Art. 260SchKG ). Beschwerde- und Rekurslegitimation des Dritten, gegen den der abgetretene Anspruch sich richtet. Nichtigkeit einer Ab- tretung, die ausgestellt wurde, ohne dass zuvor die Mehrheit der Gläubiger auf die Geltendmachung des Anspruchs für die Masse verzichtet hätte und allen Gläubigern Gelegenheit zur Stellung von Abtretungsbegehren gegeben worden wäre. Deci8ions nulles. A quelles conditions les autorites de surveillance cantonales et le Tribunal fäderal sont-ils autorises a annuler d'office des decisions irregulieres ? (art. 13, 15 LP). Oession des pretentions de la masse (art. 260 LP). Le tiers contre lequel est dirigee la pretention cedee a-t-il qualite pour porter plainte et pour recourir? Nullite d'une cession intervenue sans Schuldbetreibunga- und Konkursrecht. No 3. 7 que la majorite des creanciers ait renonce au prealable a faire valoir la pretention pour le compte de la masse et sans que l'occasion ait ete donnee a tous les creanciers de presenter une demande de cession. · Decisioni infirmate da nullita. A quali condizioni le autoritä. cantonali di vigilanza e il Tribunale federale possono annullare d'~cio_le decisioni infirmate da irregolarita ? (art. 13, 15 LEF). Oesswne di pretese della massa (art. 260 LEF). Il terzo, contro il quale e diretta la pretesa ceduta, ha veste per interporre reclamo e ricorso ? Nullita di una cessione intervenuta senza ehe la maggioranza dei creditori avesse previamente rinunciato a far valere la pretesa pel conto della massa e senza ehe fosse stata data a tutti i creditori la possibilita di chiedere la cessione. A. -Am 11. Juni 1949 erhob die Hoch- und TiefbauA.G. in Erstfeld beim Bezirksgerichte Kulm gegen die Konkurs- masse der Bumax-Werke A.G. Klage auf Anerkennung und Kollozierung einer Forderung von Fr. 70,592.45. Am

8. November 1949 eröffnete das Landgericht Uri über die Hoch- und Tiefbau A.G. den Konkurs. Daraufhin sistierte das Bezirksgericht Kulm am 15. November 1949 den Kollo- kationsprozess, «bis die Gläubigerversammlung, eventuell die Konkursverwaltung im Konkurs über die Klägerin (Hoch- und Tiefbau A.G.) darüber Beschluss gefasst hat, ob sie den Prozess fortführen wolle oder nicht ». Am 26. No- vember 1949 ordnete das Landgericht Uri die Durchfüh- rung des summarischen Verfahrens an. B. - Am 10. September 1951 trat das Konkursamt Uri die streitige Forderung gegen die Konkursmasse der Bumax-Werke A.G. « gemäss Art. 260 SchKG ii an Edwin Scotoni, den einzigen Verwaltungsrat und Alleinaktionär der Hoch- und Tiefbau A.G. ab, der im Konkurs über diese laut Abtretungsurkunde mit einer Forderung von Fr. 750.- in 5. Klasse zugelassen ist. Scotoni hatte für diese Abtre- tung Fr.· 650.- zu bezahlen.

0. - Mit Eingabe vo~ 17. Oktober 1952 stellte Rechts- anwalt Dr. Kurt Spitz namens der Konkursmasse der Bumax-Werke A.G. bei der Aufsichtsbehörde in Schuld- betreibungs- und Konkurssachen des Kantons Uri das Begehren, es sei von Amtes wegen festzustellen, dass die Abtretung vom 10. September 1951 nichtig sei. Er ~achte

8 Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 3. geltend, im Konkurs über die Hoch- und Tiefbau A.G. bestehe noch kein Inventar ; die Abtretung sei nicht an einen Gläubiger erfolgt, da Scotoni keine Forderung ange- meldet habe und nicht im Gläubigerregister figuriere ; ein Kollokationsplan sei bis zur Stunde noch gar nicht erstellt, geschweige denn aufgelegt worden; ausserdem habe das Konkursamt die Abtretung vorgenommen, ohne vorher die 18 angemeldeten Gläubiger anzufragen, ob sie die Fortsetzung des Prozesses in Kulm durch die Masse selbst wünschen, und ohne ihnen, wie es im Falle des Verzichts hierauf erforderlich gewesen wäre, die Abtretung anzu- bieten. Die kantonale Aufsichtsbehörde hat mit Entscheid vom

22. Januar 1952 «die Beschwerde Dr. K. Spitz namens der Konkursmasse Bumax-vVerke A.G .... im Sinne der Erwägungen aus formellen Gründen abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte J). In den Erwägungen wird ausgeführt, das Gesetz kenne keine Nichtigerklärun- gen von Amtes wegen ; das Recht zur Beschwerde sei ver- wirkt, weil das Konkursamt Kulm schon am 13. September 1951 von der Abtretung Kenntnis erhalten habe und es sich weder um Rechtsverweigerung noch um Rechtsverzögerung handle; zudem sei die Konkursmasse der Bumax-Werke A.G. zur Beschwerde nicht legitimiert, weil ihr Vertreter keine Vollmacht zur vorliegenden Beschwerde vorgelegt habe und auch nicht dargetan sei, dass ihre i. Streitige Rechtsansprüche dürfen nach Art. 79 und 96 b KV auch im summarischen Verfahren nicht versteigert oder freihändig verkauft werden, bevor die Mehrheit der Gläubiger auf ihre Geltendmachung für die Masse verzichtet hat und die für die Stellung von Abtretungsbegehren angesetzte Frist unbenützt verstrichen ist. Vorkehren, die gegen Art. 79 KV verstossen, sind nichtig (BGE 58 III l12}.

4. - Das Prozessgericht ist durch das Bundesrecht nicht daran gehindert, den hängigen Prozess zunächst einfach einzustellen und abzuwarten, zu welchem Ergebnis das vom Konkursamt nachzuholende Verfahren gemässArt. 260 SchKG führt. Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 4. 13 Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer: Der Rekurs wird gutgeheissen und der angefochtene Entscheid sowie die Abtretung vom 10. September 1951 werden aufgehoben.

4. Entsebeid vom 30. l\lärz 1953 i.S. Casto A.-G. Betreibung einer im Ausland domizilierten Aktiengesellschaft am angeblichen Sitz einer schweizerischen Zweigniederlassung (Art. 50 Abs. 1 SchKG).

1. Betreibungsort : Verwirkung des Beschwerderechtes mangels Anfechtung des Zahlungsbefehls.

2. Betreibungsart : Pflicht des Betreibungsamtes, nach einem (allenfalls gelöschten, aber nach Art. 40 SchKG noch beacht- lichen) Eintrag im Handelsregister zu forschen. Art. 15 Abs. 4 und Art. 38 SchKG. Nichtigkeit der Konkursandrohung beim Fehlen eines solchen Eintrages.

3. Wird eine bisher fehlende Eintragung nachgeholt, so muss eine neue Konkursandrohung erfolgen. Poursuite contre une societe anonyme domiciliee a l'etranger, intentee au siege d'une pretendue succursale en Suisse (art. 50 al. 1 LP).

1. For de la poursuite. Decheance du droit de plainte, faute de plainte dirigee contre le commandement de payer.

2. Mode de poursuite. Devoir de l'office de rechercher s'il existe une inscription dans le registre du commerce (inscription even- tuellement radiee mais dont il y aurait lieu de tenir compte selon l'art. 40 LP). Art. 15 al. 4 et 38 LP. Nullite de la commi- nation de faillite en cas de defaut d'une telle inscription.

3. Lorsqu'une inscription n'a ete faite qu'apres le moment ou elle aurait du regulierement etre effectuee, il y a lieu de notifier une nouvelle commination de faillite. Esecuzione contro una societa anonima domiciliata all'estero, promossa alla sede d'una pretesa succursale in Isvizzera (art. 50 cp. 1 LEF).

1. Fora dell'esecuzione. Decadenza dal diritto di interporre reclamo per non aver impugnato il precetto esecu:tivo. .

2. Specie d'esecuzione. Obbligo dell'ufficio di accertare se esISte un'iscrizione nel registro di commercio (iscrizione eventual- mente radiata, ma di cui si dovrebbe teuer conto a norma dell'art. 40 LEF). Art. 15 cp. 4 e 38 LEF. Nullita della commi- natoria del fällimento in mancanza di una siffatta iscrizione.

3. Se l'iscrizione e stata fatta soltanto dopo il momento in cui normalmente avrebbe dovuto aver luogo, si procedera ad una nuova comminatoria del fallimento.