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78_I_278

BGE 78 I 278

Bundesgericht (BGE) · 1952-01-01 · Deutsch CH
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Verwaltungs_ und Disziplinarrecht.

meinde beim Vertragsabschluss mit dem Käufer und bei

der Grundbuchanmeldung zu vertreten. Die Frage, wer bei

derartigen Geschäften zur Vertretung der politischen Ge-

meinde nach aussen ermächtigt sei, mit der sich die Grund-

buchbehörden bei Prüfung des Verfügungsrechts im Sinne

von Art. 965 ZGB in Fällen wie dem vorliegenden allein zu

befassen haben, steht mit der in Art. 43 BV geregelten

Frage des Stimmrechts der Niedergelassenen nicht in

unlösbarem Zusammenhang und kann daher von den

Kantonen nach freiem Belieben geordnet werden. Auch

wenn behauptet worden wäre, bei der Beschlussfassung

über den Verkauf des Hauses Nr. 470 sei Art. 43 BV ver~

letzt worden, könnte also das Bundesgericht als Verwal~

tungsgericht in Grundbuchsachen diese Rüge nicht etwa

vorfrageweise prüfen. Vielmehr hätte die Frage, ob bei

jener Beschlussfassung Art. 43 BV missachtet worden sei,

dem Bundesgericht höchstens mit einer staatsrechtlichen

Beschwerde im Sinne von Art. 85lit. a üG vorgelegt werden

können.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

42. Urteil der I. Zivilabteilung vom 16. September 1952 i. S.

NaamJooze Vennotschap Kunstzijdespinnerij Nyma gegen

Eidgen. Amt für geistiges Eigentum.

Markenrecht.

Sohutzverweigerung gegenüber international hinterlegter Marke

in der Sohweiz wegen Täusohungsgefahr. Pariser Verbands-

übereinkunft Art. 6 B Ziff. 3, MSehG 14 Abs. 1 Ziff. 2.

Marques de jabrique.

Refus d'enregistrer en Suisse une marque de fabrique ayant fait

l'objet d'un enregistrement international. Refus motive par 1e

fait que la marque risque de tromper le publio. Art. 6 B eh. 3

de la Convention d'union de Paris, 14 a1. 1 eh. 2 LMF.

Marche di fabbrioa.

Rifiuto di registrare in Isvizzera una marca di fabbriea ehe e

stata registrata internazionalmente. Rifiuto motivato dal fatto

Registersachen. N0 42.

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ehe la marea risehia d'ingannare i1 pubblieo. Art. 6 B, eifra 3.

del1a Convenzione d'unione di Parigi, art. 14, ep. 1, eifra 2 LMF,

A. -

Die Beschwerdeführerin, eine Kunstseidespin-

nerei in Nijmegen (Niederlande), liess auf Grund des

Madrider Abkommens von 1891/1934 betreffend die

internationale Eintragung der Fabrik~ oder Handelsmar-

ken am 15. Mai 1951 im internationalen Markenregister

unter den Nr. 153591/2 die Wortmarken « Nymcord» und

« Nycord» eintragen für die folgenden Erzeugnisse: « fils,

fibres et produits fabriques de ces fils et fibres, comme

cordes et tissus; rayonne et produits fabriques de rayonne ».

Am 28. April 1952 teilte das eidg. Amt für geistiges

Eigentum dem internationalen Amt mit, dass die beiden

Marken in der Schweiz nur beschränkt zum Schutz zuge-

lassen werden könnten, nämlich nur für aus Nylon her-

gestellte Waren; denn der in beiden Marken enthaltene

Bestandteil ({ Ny-» lasse an Nylon denken, so dass das

Publikum hinsichtlich der Natur der mit diesen Marken

versehenen Waren irregeführt würde, wenn sie nicht aus

Nylon bestünden; infolgedessen würden diese Marken

gegen die guten Sitten verstossen (Art. 6 B Ziff. 3 Pariser

Verbandsübereinkunft von 1883/1934 zum Schutze des

gewerblichen Eigentums; Art. 14 Abs. I Ziff. 2 MSchG).

B. -

Gegen diese teilweise Schutzverweigerung erhob

die Markeninhaberin verwaltungsgerichtliche Beschwerde,

mit der sie die vollumfängliche Zulassung der beiden Mar-

ken für das Gebiet der Schweiz beantragt.

O. -

Das eidg. Amt beantragt Abweisung der Be-

schwerde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1. -

Die Beschwerdeführerin hat mit Rücksicht dar-

auf, dass sich ihr Sitz in Nijmegen befindet, in ihren

Firmanamen als charakteristischen Bestandteil die Be-

zeichnung « Nyma» aufgenommen. Aus dem gleichen

Grunde, als Anspielung auf Firmanamen und Geschäfts-

sitz, hat sie für ihre Produkte die Marken « Nymcord» und

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Verwaltungs. und Disziplinarreoht.

« Nycord» gewählt. Es ist daher glaubhaft, dass ihr in

subjektiver Beziehung die Absicht fehlte, die Käuferschaft

durch Erweckung einer Ideenverbindung mit dem Begriff

« Nylon» über die Beschaffenheit ihrer Erzeugnisse zu

täuschen. Allein das Fehlen solcher Täuschungsabsicht

schliesst die Unzulässigkeit der Marke nicht aus. Es darf

vielmehr auch objektiv betrachtet nicht die Gefahr bestehen

dass der Durchschnittskäufer auf die genannte Ideenver~

bindung verfallen könnte (BGE 771 79 Erw. 1).

2. -

Diese Gefahr lässt sich aber hinsichtlich der Marke

« N ycord» in der Tat nicht von der Hand weisen. Die

Beschwerdeführerin erzeugt Textilien; dieser Umstand im

Verein mit dem Markenbestandteil « cord » ist dazu ange-

tan, der Vorstellung des Begriffs « Gewebe» zu rufen. Denn

das englische Wort « cord », zu deutsch « Faden, Schnur»,

ist in gewissen Zusammensetzungen, wie z.B. « Whipcord»

als Bezeichnung einer bestimmten Stoffart, auch im deut~

sehen und französischen Sprachbereich bekannt. Ist aber

durch diesen Teil der Marke einmal die Vorstellung

« Gewebe» erweckt, so liegt es nahe, den weiteren Marken-

bestandteil « Ny» als Abkürzung von Nylon anzusehen,

zumal dieser Stoff heute in immer vermehrtem Masse für

zahlreiche Zwecke Verwendung findet und häufig mit gross

aufgemachter Reklame angepriesen wird. Die Beschwerde-

führerin meint, dass es für eine solche Schlussfolgerung

_ mindestens der Beifügung der Silbe « Nyl» bedürfte. Dem-

gegenüber ist jedoch darauf hinzuweisen, dass nach der

Vernehmlassung des Amtes tatsächlich auch Marken be-

stehen, in denen die Silbe « Ny» als Hinweis auf Nylon

Verwendung findet, wie z.B. bei « Nysilk », « Ny-visa » und

« Ny-Iastic ». Es besteht daher eine gewisse Wahrschein-

lichkeit dafür, dass auch in der Verbindung « Nycord» ein

Hinweis auf Nylon erblickt würde.

Die Beschwerdeführerin wendet weiter ein, es gehe nicht

an, die Marken in ihre Bestandteile zu zergliedern und diese

gesondert zu betrachten, sondern massgebend sei der Ge-

samteindruck einer Marke. Dieser Einwand geht fehl. Auf

Registersa{lhen. N0 42.

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den Gesamteindruck ist in erster Linie wohl abzustellen

bei der Vergleichung zweier Marken zur Beurteilung der

Frage nach dem Vorliegen einer Verwechslungsgefahr im

Sinne von Art. 6 MSchG. Für die Unzulässigkeit einer

Marke wegen Täuschungsgefahr und darin liegenden Ver-

stosses gegen die guten Sitten im Sinne von Art. 3 Abs. 4

und Art. 14 Abs. 1 Ziff. 2 MSchG genügt dagegen schon,

dass ein Bestandteil einer Marke, und wäre es selbst ein

nebensächlicher, täuschende Wirkung hat (BGE 33 Ir 642

Erw. 6). Dies gilt in ganz besonderem Masse für Wortmar-

ken deren einzelne Bestandteile oder Silben für sich allein

bet;achtet einen bestimmten Sinn haben;· denn gerade

deshalb wird jeder, der sie hört, die Zerlegung zwangs-

läufig vornehmen.

Soweit die Beschwerde sich gegen die teilweise Schutz-

verweigerung gegenüber der Marke « Nycord » richtet, ist

sie daher unbegründet.

3. -

Anders verhält es sich mit der Marke « Nym-

cord ». Bei dieser besteht wegen der Beifügung des Buch-

stabens « m » entgegen der Ansicht des Amtes keine ernst-

liche Gefahr, dass beim Publikum die Vorstellung des

Begriffs « Nylon» erweckt werden könnte ...

In Bezug auf die Marke « Nymcord» ist die Beschwerde

daher zu schützen.

-

Demnach erkennt das Bundesgericht :

Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und es wird

verfügt, dass die Marke « Nymcord» (Nr. 153591) ohne

die durch das beschwerdebeklagte Amt angeordnete Be-

schränkung zugelassen ist.

Im übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.