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78_III_131

BGE 78 III 131

Bundesgericht (BGE) ·III · 1952-05-23 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

29. Auszug aus dem Entscheid vom 23. Mai 1952 i.S. Zbinden.

Liegenschaftsverwertung, Bdastung des ErBteigerers mit den Ver-

wertungskosten (Art. 49 lit. a VZG): Von dieser Belastung sind

ausgenommen die nicht tarifierten Kosten, wie z.B. diejenigen

der (allenfalls wiederholten) Vorzeigung der Liegenschaft an

Interessenten.

Realisation des immeubles, frais de realisation incombant d l'adju-

dicataire (art. 49 lettre a ORI) : L'adjudicataire n'a pas a sup-

porter les frais non tarifäs, tels que les frais occasionnes par les

demandes de visites de l'immeuble.

Realizzazione di immobili, spese di realizzazione incombenti all'ag-

giudicatario (art. 49 lett. a RRF). L'aggiudicatario non deve

sopportare le spese non tariffate, p. es. quelle occasionate <lalle

domande di visitare !'immobile.

Aus dem Tatbestand :

Im Liquidationsverfahren zufolge Nachlassvertrages mit

Vermögensabtretung der Gehr. Brack A.-G., Textilfabrik

in Stansstad, ersteigerte der Rekurrent die Fabrikliegen-

schaft zum Preise von Fr. 130 000.- und übernahm die

Zugehör für den dafür verlangten Pauschalpreis. Nach den

Steigerungsbedingungen (laut Formular VZG Nr. 13 K)

hatte er die Verwertungskosten ohne Abrechnung am

Erwerbspreis bar zu bezahlen (entsprechend Art. 49 lit. a

VZG). Der Liquidator stellte ihm für diese Kosten Rech-

nung im Betrage von Fr. 3 652.25. Darüber beschwerte er

sich beim Gläubigerausschuss und bei der kantonalen Auf-

sichtsbehörde erfolglos. Er zog deren Entscheid an das

Bundesgericht weiter.

Die Schu"ldbetreibungs- und Konkurskammer

erklärt die Art. 10 und 36 Abs. 4 des Gebührentarifs auch

im Liquidationsverfahren zufolge Nachlassvertrages mit

Vermögensabtretung als anwendbar (vgl. die Art. 56 und

66 Abs. 3 des Tarifs). Es ist genau abzuklären, welche

Rechnungsposten auf Verwaltungs- und welche auf Ver-

wertungskosten (und zwar solche der Liegenschaft als des

einzigen Steigerungsobjektes) entfallen ...

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Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 29.

4. -

Aber auch was zu den Kosten der Liegenschafts-

verwertung gehört, fällt nicht alles zu Lasten des Erstei-

gerers. Die Sondervorschrift des Art. 49 lit a VZG ist nicht

ausdehnend auszulegen. Gewiss hat sie nicht nur die bei

jeder Liegenschaftsverwertung vorkommenden Massnah-

men und damit verbundenen Kosten im Auge, sondern be-

zieht sich auch auf« aussergewöhnliche Kosten, wie sie ins-

besondere durch Einstellung und wiederholte Bekannt-

machung der Steigerung infolge Bestreitung des Lastenver-

zeichnisses, Beschwerden, denen aufschiebende Wirkung

beigelegt wird, Aufhebung des Zuschlages wegen Zahlungs-

verzuges verursacht werden)) (BGE 61 III 148). Allein es

wäre unangebracht, zu Lasten des Ersteigerers auch solche

Verwertungskosten zu legen, die, wie die Kosten der (allen-

falls wiederholten) Vorzeigung der Liegenschaft an Inte-

ressenten, in ihrem je nach dem Umfange der betreffenden

Bemühungen sehr verschieden hohen Betrage an der Stei-

gerungsverhandlung noch gar nicht feststehen, weil sie eben

als nicht tarifierte Kosten erst noch von der Aufsichts-

behörde zu bestimmen sein werden. Es ist auch kein Grund

dafür ersichtlich, weshalb der Ersteigerer um so mehr Ver-

wertungskosten zu tragen haben sollte, je mehr und mit je

grösserem Erfolg sich das Steigerungsamt oder der Liqui-

dator um die Erzielung eines hohen Erlöses durch Anspor-

nung des Wettstreites der Interessenten bemüht hat. Dieser

Erfolg kommt ja der Liquidationsmasse, allenfalls Pfand-

gläubigern, zugute, weshalb es füglich bei der Belastung

der Masse oder gegebenenfalls von Pfandgläubigern (vgl.

Art. 262 Abs. 2 SchKG} zu bleiben hat. Gerade die nicht

tarifierten Verrichtungen bergen die Gefahr überraschend

hoher nachträglicher Kostenrechnungen in sich, womit

nach dem Gesagten der Ersteigerer nicht belastet zu wer-

den verdient (auch wenn der Rechnungsbetrag als solcher

nach Massgabe von Art. 36 Abs. 4 des Tarifs, aber eben zu

Lasten der Liquidationsmasse, als begründet erscheint}.

Dagegen darf Art. 49 lit. a VZG sehr wohl auf « durch die

Umstände gebotene ii schriftliche Auskünfte oder Ein-

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 30.

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ladungen zur Teilnahme an der Steigerung sowie auf gross

aufgezogene Bekanntmachungen angewendet werden, was

eben tarifierte Verrichtungen sind.