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73_I_358

BGE 73 I 358

Bundesgericht (BGE) · 1947-10-28 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Im Erbschaftsprozess der Margrith Vogt-Wolf und des Otto E. Wolf gegen Louis F. Wolf erging durch den Gerichtspräsidenten von Solothurn-Lebern an die Solothurner Handelsbank die mit Straf drohung für den Unterlassungsfall verbundene Anordnung, binnen einer Frist von 14 Tagen Ausweise über alle Konti sowie über den gesamten Bankverkehr bestimmter Familienmitglieder. vorzulegen. Eine Beschwerde der Bank wies das Ober.,. gericht des Kantons Solothurn am 24. April 1947 ab. In seinem Urteil stützte es die Editionsverfügung auf Art. 963 OR. B. - Die Solothurner Handelsbank erhob beim Bundes- gericht staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung von Art. 4 BV.Zur Begründung macht sie geltend, der ange- fochtene Erlass widerspreche Art. 47 lit. b des Banken- gesetzes und sei UIiv~reinbar mit Art. 963 OR.

Erwägungen (2 Absätze)

E. 1 Gemäss Art. 963 OR kann, wer zur Führung von

Geschäftsbüchern verpflichtet ist, zu deren Vorlegung

und zur Vorlegung der GeSchäftskorrespondenz angehalten

werden «im Falle von Streitigkeiten, die das Geschäft

betreffen)) (<< dans les contestations relatives a. des affaires

Reohtsgleiobheit (Reohtsverweigerung). N0 55.

369

qui concernent l'Elll~prise », «in caso di controversia che

concerna l'azienda »). Bereits in Art. 879 des alten OR

war eine Herausgabepflicht für Geschäftsbücher und

Korrespondenzen statuiert, und zwar «bei Streitigkeiten

über Rechtsverhältnisse, welche aus dem Betriebe eines

Geschäftes herrühren ». Diese Formulierung wurde im

Revisionsentwurf von 1919 beibehalten, dann aber von

der Expertenkommission als zu eng angesehen und durch

diejenige in Art. 963 OR ersetzt (vgl. Art. 947 des Ent-

wurfes von 1919 und den zugehörigep Bericht vom März

1920 S. 223; Protokoll der Expertenkommission 1924/25

S. 744). Die· bundesrätliche Botschaft vom 21. Februar

1928 (S. 108) erläuterte die Änderung wie folgt :

«Bei Ordnung der Editionsp:6icht ..• beschränkt sich das gel-

tende Recht auf Streitigkeiten über Reohtsverhältnisse, welche

aus dem Betriebe eines Geschäftes herrühren. Der Entwurf hat

diesen Rahmen etwas erweitert und anerkenrit eine solche Pflicht

allgemein bei Streitigkeiten, die das Geschäft betreffen. Solche

Streitigkeiten können nicht bloss zwischen dem Inhaber eines

Geschäftes und einem Dritten oder zwischen mehreren Anteil-

berechtigten an einem Geschäft entstehen, sondern auch zwischen

Aussenstehenden über das Geschäft, wie z. B. in Erbschaftspro-

zessen.»

Hieraus erhellt unmissverständlich, was schon aus dem

blossen Wortlaut des Art. 963 OR geschlossen werden

muss (vgl. auch den französischen und den italienischen

Text), nämlich dass als «Geschäft» die Unternehmung,

nicht das vom Inhaber abgeschlossene Rechtsgeschäft

verstanden war, und somit die Editionspflicht trotz

einer gewissen Ausdehnung beschränkt bleiben sollte auf

Streitigkeiten, welche mit oder ohne Beteiligung des

Inhabers der Unternehmung diese als solche zum Gegen-

stand haben. Ist dem aber so, dann lässt sich vorliegend

die Heranziehung des Art. 963 0& mit keinen ernsthaften

Gründen vertreten, kennt doch das in Frage stehende

Verfahren weder die Beschwerdeführerin als Partei noch

deren Geschäft als Objekt. Auf BGE 71 TI 244 kann sich

die Vorinstanz für ihre abweichende Ansicht nicht berufen.

Denn in jenem Falle ging es (was allerdings aus der publi-

360

Staatsrecht.

zierten Urteilserwägung nicht ersichtlich ist) gerade um

Feststellung der Ergebnisse der Unternehmung bei der

Auseinandersetzung zwischen dem einen Geschäftsteilha-

ber und einem Dritten. Eine extensive Interpretation

oder analoge Anwendung des Art. ·963 OR ist, abgesehen

von den möglichen Konsequenzen, umso weniger zulässig,

als es sich dem Inhalte nach um eine prozessuale Norm

handelt, die ohnehin im materialIen Zivilrecht nur als

Ausnahme figurieren darf.

E. 2 Condizioni per ottenere la licenza speciale prevista dagliart.

10 LCA V e 34 e 35 dell'Ord. LCAV.

TI Dipartimento federale,digiustizia. non e competente per

emanare 0. questo proposito norme imperative. Non e tuttavia.

arbitrario che l'autoritil. ca.ntonale faccia dipendere il rilascio

della licenza speciale da.lla. condizione ehe la statura delcandi-

dato raggiunga un minimo.

.. tL -

Bernard Ritter exploite depuis 1927 au Lari.de-

ron une entreprise de transport dans laquelle il se sert

notamment d'un vehiculea. carrosserie interchangeable,

c'est-a.-dire qui peut etre utilise soit comme camion, soit

comme autocar pour le transport de personnes. Bernard

Ritter a un fils, Jean-Bernard, qui travaille dans l'entre-

prise de son pare en qualite de chauffeur. Jean-Bernard

Ritter etait au benefice d'uri. permis de conduire special

pour voitures automobiles lourdes servant au transport

de marchandises (art. 35 a1. 11ettre d du r6g1ement d'exe-

cution qe la 10i federale du 15 mars 1932 sur la circula-

tion des vehicules automobiles et des cycles), mais 'non

pas du permis prevu a. rart. 35 a1. 1 lettre c du mame

reglement (RA) pour le transport de personiles, de sorte

qu'il etait ou. non endroit de conduire ce vehiculeselon

que ce dernier etait carrosse d'une fac;on ou de l'autre.

Desireux d'aider son pare dans tOutes ses activites, il

asollicite du Bureau de contröle des automobiles l'auto-

risation da conduire le vehicule pour le transport de per-

sonnes,' Cette,autorisation lui fJ. et6 refusee pour le motif

que, d'apres les « instructions »'donnees en aOllt 1938 par

le Departement federal de justice et police au sujet de

l'examen medical, le conducteur d'une voiture automobile

10urde servant au transport de personnes devait avoir

une taille de 1 m. 65 au minimum et que cellede J.-B.

Ritter n'etait que de 1 m. 59 ..

J.-B. Ritter s'est adresse au Departement des travaux

publies qu canton de Neucha,tel en lui demandant de

l'autoriser a. passer l'examen special pour l'obtention du

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

358

Staatsrecht.

55. Urteil der L Zivil~bteilunß als staatsreehtHcher Kammer

vom. 28. Oktober 1947 i. S. Solothurner Handelsbank gegen

Obergerieht des Kantons Solothum.

Die Editionspfl,ir;htgtmä88 Art. 963 OR hat für den &In Rechts-

streite Dritter unbeteiligten Inhaber eines Geschäftes, das als

solches nicht Gegenstand der Auseinandersetzung ist, keine

Geltung.

L'obligation de produire livrea et oorre8pcmdance 8alon l'art: 963 00

n'existe pas pour le comme1V8Bt qui n'est pas impIique dans

un litige entre des tiers et dont l'entreprise n'est pas comme

teIle l'objet de Ia. contesta.tion.

L'obbligo di 'JWodurre libri e eorriBpondenza 8aneito dalJ,'art.963 00

non esiste pel commerciante ehe non e parte in una. Iite che

verte fra. terzi e non ha per oggetto la. di lui azienda. come

tale.

A. -

Im Erbschaftsprozess der Margrith Vogt-Wolf

und des Otto E. Wolf gegen Louis F. Wolf erging durch

den Gerichtspräsidenten von Solothurn-Lebern an die

Solothurner Handelsbank die mit Straf drohung für den

Unterlassungsfall verbundene Anordnung, binnen einer

Frist von 14 Tagen Ausweise über alle Konti sowie über

den gesamten Bankverkehr bestimmter Familienmitglieder.

vorzulegen. Eine Beschwerde der Bank wies das Ober.,.

gericht des Kantons Solothurn am 24. April 1947 ab.

In seinem Urteil stützte es die Editionsverfügung auf

Art. 963 OR.

B. -

Die Solothurner Handelsbank erhob beim Bundes-

gericht staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung von

Art. 4 BV.Zur Begründung macht sie geltend, der ange-

fochtene Erlass widerspreche Art. 47 lit. b des Banken-

gesetzes und sei UIiv~reinbar mit Art. 963 OR.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

1. -

Gemäss Art. 963 OR kann, wer zur Führung von

Geschäftsbüchern verpflichtet ist, zu deren Vorlegung

und zur Vorlegung der GeSchäftskorrespondenz angehalten

werden «im Falle von Streitigkeiten, die das Geschäft

betreffen)) (<< dans les contestations relatives a. des affaires

Reohtsgleiobheit (Reohtsverweigerung). N0 55.

369

qui concernent l'Elll~prise », «in caso di controversia che

concerna l'azienda »). Bereits in Art. 879 des alten OR

war eine Herausgabepflicht für Geschäftsbücher und

Korrespondenzen statuiert, und zwar «bei Streitigkeiten

über Rechtsverhältnisse, welche aus dem Betriebe eines

Geschäftes herrühren ». Diese Formulierung wurde im

Revisionsentwurf von 1919 beibehalten, dann aber von

der Expertenkommission als zu eng angesehen und durch

diejenige in Art. 963 OR ersetzt (vgl. Art. 947 des Ent-

wurfes von 1919 und den zugehörigep Bericht vom März

1920 S. 223; Protokoll der Expertenkommission 1924/25

S. 744). Die· bundesrätliche Botschaft vom 21. Februar

1928 (S. 108) erläuterte die Änderung wie folgt :

«Bei Ordnung der Editionsp:6icht ..• beschränkt sich das gel-

tende Recht auf Streitigkeiten über Reohtsverhältnisse, welche

aus dem Betriebe eines Geschäftes herrühren. Der Entwurf hat

diesen Rahmen etwas erweitert und anerkenrit eine solche Pflicht

allgemein bei Streitigkeiten, die das Geschäft betreffen. Solche

Streitigkeiten können nicht bloss zwischen dem Inhaber eines

Geschäftes und einem Dritten oder zwischen mehreren Anteil-

berechtigten an einem Geschäft entstehen, sondern auch zwischen

Aussenstehenden über das Geschäft, wie z. B. in Erbschaftspro-

zessen.»

Hieraus erhellt unmissverständlich, was schon aus dem

blossen Wortlaut des Art. 963 OR geschlossen werden

muss (vgl. auch den französischen und den italienischen

Text), nämlich dass als «Geschäft» die Unternehmung,

nicht das vom Inhaber abgeschlossene Rechtsgeschäft

verstanden war, und somit die Editionspflicht trotz

einer gewissen Ausdehnung beschränkt bleiben sollte auf

Streitigkeiten, welche mit oder ohne Beteiligung des

Inhabers der Unternehmung diese als solche zum Gegen-

stand haben. Ist dem aber so, dann lässt sich vorliegend

die Heranziehung des Art. 963 0& mit keinen ernsthaften

Gründen vertreten, kennt doch das in Frage stehende

Verfahren weder die Beschwerdeführerin als Partei noch

deren Geschäft als Objekt. Auf BGE 71 TI 244 kann sich

die Vorinstanz für ihre abweichende Ansicht nicht berufen.

Denn in jenem Falle ging es (was allerdings aus der publi-

360

Staatsrecht.

zierten Urteilserwägung nicht ersichtlich ist) gerade um

Feststellung der Ergebnisse der Unternehmung bei der

Auseinandersetzung zwischen dem einen Geschäftsteilha-

ber und einem Dritten. Eine extensive Interpretation

oder analoge Anwendung des Art. ·963 OR ist, abgesehen

von den möglichen Konsequenzen, umso weniger zulässig,

als es sich dem Inhalte nach um eine prozessuale Norm

handelt, die ohnehin im materialIen Zivilrecht nur als

Ausnahme figurieren darf.

2. -

Erscheint die Auslegung des Art. 963 OR durch

die Vorinstanz an sich als willkürlich, so braucht nicht

mehr eigens untersucht zu werden, wie sich jene Bestim-

mung zu Art. 47 lit. b des Bankengesetzes verhalte.

])em'MCh erkennt das Bundesgericht :

Die Beschwerde wird gutgeheissen und das Urteil des

Obergerichts des Kantons Solothum vom 24. April 1947

aufgehoben.

56. Ardt du 23 decembre 1947 dans Ja cause mtter contre

ConseU d'Etat dU canton de NeuchAteL

1. La. d6cision par laquelle l'autoriM cantonale refuse un permiB

de ootaduire (art. 15 al. 2 LA) est susceptible d'etre attaquee

par la voie du recours de droit public pour violation des droits

constitutionnels (art. 84 0.1. 1 lettre !l> OJ).

2. Conditions 8 rempllr pour l'obtention du permiB apkial pravu

par les art. 10 LA et 34 et 35 RA.

La Departement faderal de justice et police n'a pas compe-

tence P01.ll' Micter '8 ce sujet des dispositions imperatives.

TI n'est toutefois pas arbitraire de 10. part de l'autoriM ca.n.

tonale de subordonner l'octroi du permis special 8 1a condition

que la taille du candidat atteigne une longueur minimum.

I. Der kantonale Entscheid, durch den die Ausstellung des Fülw6f'-

auswei8138 verweigert wird (Art. 15 Abs. 2 l\:IFG), kann mit

staatsrechtlicher Beschwerde wegen Verletzung verfassungs-

mässiger Rechte angefochten werden (Art. 84 lit. 0. OG).

2. Voraussetzungen für die Erlangung des bl380nderen Fühf'firOlUB-

weisl38, den die Art. IOMFG, 34 und 35 l\:IFV vorsehen. Das

eidg. Justiz- und Polizeidepartement ist nicht befugt, hierüber

verbindliche VorSchriften zu erlassen. Die kantOIialen Behörden

können Personen, deren KörpergrösBe ein Mindestmass nicht

erreicht, den Ausweis ohne Willkiir verweigern.

Rechtagleiehheit (Rechtsverweigerung). N0 56.

361

l. Le. decisione, con cui l'autortta cantonale nega. una licenza di

condurr6 (art. 15, cp. 2 LCA) puo essere impugnata mediante

un ricorso di' diritto pubblico per violazione dei diritti costitu-

zionali (art. 84,cp. I, lett. 0. OGF).

2. Condizioni per ottenere la licenza speciale prevista dagliart.

10 LCA V e 34 e 35 dell'Ord. LCAV.

TI Dipartimento federale,digiustizia. non e competente per

emanare 0. questo proposito norme imperative. Non e tuttavia.

arbitrario che l'autoritil. ca.ntonale faccia dipendere il rilascio

della licenza speciale da.lla. condizione ehe la statura delcandi-

dato raggiunga un minimo.

.. tL -

Bernard Ritter exploite depuis 1927 au Lari.de-

ron une entreprise de transport dans laquelle il se sert

notamment d'un vehiculea. carrosserie interchangeable,

c'est-a.-dire qui peut etre utilise soit comme camion, soit

comme autocar pour le transport de personnes. Bernard

Ritter a un fils, Jean-Bernard, qui travaille dans l'entre-

prise de son pare en qualite de chauffeur. Jean-Bernard

Ritter etait au benefice d'uri. permis de conduire special

pour voitures automobiles lourdes servant au transport

de marchandises (art. 35 a1. 11ettre d du r6g1ement d'exe-

cution qe la 10i federale du 15 mars 1932 sur la circula-

tion des vehicules automobiles et des cycles), mais 'non

pas du permis prevu a. rart. 35 a1. 1 lettre c du mame

reglement (RA) pour le transport de personiles, de sorte

qu'il etait ou. non endroit de conduire ce vehiculeselon

que ce dernier etait carrosse d'une fac;on ou de l'autre.

Desireux d'aider son pare dans tOutes ses activites, il

asollicite du Bureau de contröle des automobiles l'auto-

risation da conduire le vehicule pour le transport de per-

sonnes,' Cette,autorisation lui fJ. et6 refusee pour le motif

que, d'apres les « instructions »'donnees en aOllt 1938 par

le Departement federal de justice et police au sujet de

l'examen medical, le conducteur d'une voiture automobile

10urde servant au transport de personnes devait avoir

une taille de 1 m. 65 au minimum et que cellede J.-B.

Ritter n'etait que de 1 m. 59 ..

J.-B. Ritter s'est adresse au Departement des travaux

publies qu canton de Neucha,tel en lui demandant de

l'autoriser a. passer l'examen special pour l'obtention du