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73_I_347

BGE 73 I 347

Bundesgericht (BGE) · 1947-01-01 · Français CH
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Verwaltungs- und Dillzip~.

une grande pmdence s'impose. Chargoo d'appliquer les

lois, l'administration n'a pas, en principe, le pouvoir

d'ßriger, par Ba pratique, des normes venant prendre place

a cöte de celles que le 16gislateur etablit selon une ~rocedure

determinoo. Des derogations ne sauraient etre admises

qu'a titre exceptionnel, pour satisfaire, en presence d'une

lacune de la 10i, a une imperie1ise exigence de l'equite.

Ainsi, les autorites administratives ordonnant le rembour-

sement de la taxe militaire que des hommes, recmtes tar-

divement, avaient acquittee avant d'etre declares aptes

au service militaire, le Tribunal federal a reconnu en 1930

que cette pratique, issue d'une circulaire de 1897, avait

la valeur d'une regle de droit coutumier (RO 56 I 42).

Las motifs de cettesolution ne se retrouvent pas en 1'0c-

currence. Outre que l'usage 'invoque n'a pas dur~ aussi

longtemps, aucun principe d'equite ne commande a la

Confederation d'octroyer une allocation speciale a ceux

de ses agents qui, n'habitant point le lieu de 1eur travail,

ont de ce fait des depenses supplementaires. Pareille allo-

cation ne s'accompagne pas, actuellement, de l'opinio

necesBitatia. D'autre part -

et c'est le point dOOisif -, il

n'y a pas de 1acune a combler quand l'administration,

comme ici (cf. cons. 2), a toute latitude d'adapter le trai-

tement aux circonstances. Enfin, en depit des precedents

signales par Bauer, il ne s'agitvraisemblablement pas

d'un usage uniforme et constant. La defenderesse declare

n'avoir consenti que «dans certains cas» a verser une

indemnite destinoo a couvrir le surcroit de frais du a l'exis-

tence d'un menage separe. Quoi qu'il en soit, il ne saurait

etre question d'une coutume.

c) Ademut de regIes legales ou coutumieres, le droit a.

une indemnite de menage separe peut seulement decouler

d'une decision administrative. TI n'appartient en conse-

quence qu'a l'employe a. qui une teIle decision le comere

et n'existe que dans les limites qu'elle lui assigne.

4. -

Bauer n'a, donc pas d'autres droits, s'agissant de

l'indemnite pour menage separe, que ceux que lui donne

Bohweizerbürgerrecht. N° 53.

347

la decision du '29 juillet 1946. Comme elle porte effet des

le 1 er janvier 1946, il demande en vain a etre indemnise

pour 1es annees precedentes, d'autant plusque c'est un

salaire global qui lui a ete alloue et qu'll a accepte en mai

1941. L'indemnite de menage separe n'a du raste jamais

ete accordoo qu'a. la diligence de l'interesse. Saisie d'une

requete qui aurait pu 'lui etre soumise auparavant, la

Confederation avait evidemment le droit de ne pas faire

retroagir sa decision dans une mesure incompatible avec

les 1,'egles concernant l'etablissement du budget et des

comptes.

Par ces motifa, le Tribunal federol

Rejette la demande.

V. SCHWEIZERBÜRGERRECHT

NATIONALITE SmSSE

63. UrteH vom 19. September 1947 i. S. ZollJnger gegen

eldg. Justlz- und Pollzeidepartement.

SckweizerbÜf'g81'1'6Oht : Die Nachkommen e~~ im 17. J~hund~rt

auSgewanderten Bürgers der zürchel'lSchen Gememde Stäfa

sind von Geburt nicht Schweizerbürger, wenn ihre Vorfahren

ihr angestammtes Bürgerrecht nicht durch Erstattung der

nach früherem kantonalem Recht erforderlichen Meldungen

« unterhalten» haben.

Droit de ciU suisse. Las descendants d'un bourgeois de la commune

zurichoise de Stäfa qui a emigre au 17me siecle ne sont J?88

citoyens suisses de naissance, si leurs ancetres n'ont p88 er ~m­

tenu » leur droit de cittS d'origine en procedant aux declaratlons

exig6es psr l'ancien droit cantonal.

Diritto di cittadinanza 8'lJizzera. I discendenti d'un cittadino deI

oomune zurigano di Stäfa che e emigrato nel. XVII s.oool0

non sono cittadini svizzeri di na.scita se i loro discendentl. ~on

hanno «mantenuto» il loro diritto di cittadinanza d'orIgme

procedendo alle dichiarazioni richieste dal vecchio diritto

cantonale.

348

Verwaltungs. und Disziplinarrecht.

Ä. -

Der Beschwerdeführer Friedrich Georg Zollinger

wurde am 12. Februl:tr 1914 in Berlin geboren als Sohn

des. Diplomingenieurs und Architekten Friedrich Rein-

hard Zollinger. Er leitet seine Herkunft ab von dem am

11. November 1671 in Ülikon-Stäfa als Bürger dieser

Gemeinde geborenen Andreas Zollinger.Dieser wanderte

nach Wiesbaden (Deutschland) aus und erwarb daselbst

in der Zeit zwischen 1712 und 1721 das Bürgerrecht

(Gutachten des Herrn Diethelm Fretz vom 7. April 1947,

S. 44). Seine Nachkommen blieben in Deutschland. Es

bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass einer von

ihnen Schritte zum Verzicht auf das angestammte Bürger-

recht oder zu dessen Erhaltung unternommen hätte.

B. -

Der Beschwerdeführer ist in seiner Jugend von

seinem Grossvater auf die Herkunft der Familie aufmerk-

sam gemacht worden. Er versucht seit 1936 die Aner-

kennung als Schweizerbürger zu erreichen. Er' hat im

Dezember 1945 und seither dem schweizerischen Konsulat

in Frankfurt ajM. und der Polizeiabteilung des eidg.

Justiz -und Polizeidepartementes verschiedene kirchliche

und standesamtliche Akten, sowie ein Gutachten des

Zürcher Historikers Diethelm Fretz eingereicht, um nach-

zuweisen, dass das Gemeindebürgerrecht von Stäfa und

das Zürcher Landrecht vor 1848 unverlierbar waren,

dass er diese Bürgerrechte durch Abstammung erworben

habe und damit Schweizerbürger sei.

Das eidg. Justiz- und Polizeidepartement hat am I.

Mai 1947 entschieden, dass der Beschwerdeführer das

Schweizerbürgerrecht nicht besitzt.

O. -

Hiegegen richtet sich die' Verwaltungsgerichts-

beschwerde mit dem Antrag, den angefochtenen Entscheid

aufzuheben und festzustellen, dass der Beschwerdeführer

Schweizerbürger sei. Zur Begründung wird im wesentlienen

ausgeführt, der angefochtene Entscheid verletze deh in

Art. 43 der BV von 1848 und in Art. 44 der BV von 1874

enthaltenen Grundsatz der Unverlierbarkeit des Schweizer-

bürgerrechts. Er lehne die Anerkennung des Schweizer-

Schweizerbürgerrecht. N° 53.

349

bürgerrechts ab, weil die Weggezogenen nach altem

Zürcher Recht das Bürgerrecht verloren hätten, sofern

sie sich nicht innerhalb bestimmten Zeitabständen regel-

mässig bei der Heimatbehörde gemeldet hätten. Der

erste hiefür angerufene Erlass, vom 18. November 1723,

erneuert 1759, beziehe sich aber nur auf Stadtbürger

und habe für die Landschaft nicht gegolten. Eine spätere

Ausdehnung des Geltungsbereichs, die subsidiäre An-

wendung auf die Landschaft, sei nicht nachgewiesen.

Die Verordnung vom 15. Oktober 1812, Art. 5, wonach

eine sechsjährige Versäumnis von Anzeigen von Verehe-

lichungen, Geburten und Todesfällen an die Heimatbe-

hörde den Verlust des Land- und Bürgerrechts bewirke,

sei eine Ausnahmebestimmung für einen speziellen Fall.

Es scheine ganz unglaubhaft, dass der Gesetzgeber an

eine einfache Nachlässigkeit der Nichtmeldung eine. so

schwerwiegende Folge wie den Totalverlust des Bürger-

rechtes habe knüpfen wollen; wenn er es aber in bestimm-

ten Fällen tatsächlich gewollt habe, sei dies sicher wegen

ganz speziellen Verhältnissen für bestimmte Personen-

kategorien und Auswanderungsgebiete geschehen. Bei

dem fraglichen Erlass handle es sich, modern gesprochen,

um Notgesetzgebung. Er habe sich nur auf bestimmte

Personenkategorien, so auf Gewerbetreibende und nament-

lich auf Arbeiter bezogen, habe demgemäss einen personell

beschränkten Geltungskreis besessen. Auf die Landbewoh-

ner von Stäfa habe sie gar nie angewendet werden können,

auch wenn sie eine Zeitlang für Stadtzürcher Geltung

besessen hätte. Ein Überblick über Literatur und Recht-

sprechung zeige, dass das Prinzip der' Unverlierbarkeit

des Bürgerrechtes allgemein als Regel auch vor 1848 an-

erkannt wurde, dasjenige des Verlustes jnfolge Weg-

zuges nur bei besondern Voraussetzungen in den Städten

hie Und da zur Anwendung gelangt sei. Im vorliegenden

Fall habe in keiner Weise dargetan werden können, dass

böttiminte Verordnungen der Stadt und des Kantons

Zürich für die aus der Heimatgemeinde Stäfa ausgewan-

350

Verwaltungs. und Disziplinarrecht.

derten Vorfahren des Gesuchstellers den Verlust des

Bürgerrechtes zur Folge gehabt hätten. Der Beschwerde-

führer sei des Schweizerbürgerrechtes würdig.

Das Bundesgericht hat die Beschwerde abgewiesen

in Erwägung:

Der Beschwerdeführer kann nur dann als Schweizer-

bürger anerkannt werden, wenn seine Vorfahren das

angestammte Bürgerrecht in der Gemeinde Stäfa und im

Lande Zürich beibehalten haben. Da das Zürcher Land-

recht seit 1833 die Unverlierbarkeit der staatsrechtlichen

Zugehörigkeit anordnete (Gesetz vom 20. Oktober 1833

über die Erwerbung, die Wirkung und den· Verlust des

Bürgerrechts § 30, offizielle Gesetzsammlung Bd.!II (1833)

S. 168) und dieser Grundsatz in der Bundesverfassung von

1848 aufgenommen wurde und seither ununterbrochen

gegolten hat, kommt es auf die Rechtsstellung der Aus-

wanderer in der Zeit vor 1833· an.

Wie es sich im 17. und 18. Jahrhundert verhielt, kann

dahingestellt bleiben. Fest steht jedenfalls, dass zur Zeit

der Mediationsverfassung der Ausgewanderte seine an-

gestammte Zugehörigkeit zu einer zürcherischen Gemeinde

nur dann behielt, wenn er die Verbindung mit der Heimat

pflegte, die in seiner Familie vorkommenden Vereheli-

~hungen, Geburten und Todeslalle regelmässig der Hei-

matgemeinde meldete. Wer es nicht tat, verlor das Land-

und Bürgerrecht. Und zwar waren jährliche Meldungen

vorgeschrieben mit der Milderung, dass der VerluSt

der staatsrechtlichen Zugehörigkeit nur eintreten sollte

bei Bürgern, die ihre Meldepflicht während 6 Jahren

versäumten (Ziff. 5 der Verordnung des Kleinen Rates

des Kantons Zürich vom 15. Oktober 1812 wegen der

Auswanderung hiesiger Kantonsbürger in fremde Staaten,

Officielle Sammlung der vom Grossen Rathe des Cantons

Zürich gegebenen Gesetze etc., (cit. Med. Akt. Slg.) Bd.

V S. 333).

Schweizerbürgerrecht N° 53.

35l

Der Beschwerdef'1ihrer macht geltend, die Verordnung

sei eine Notverordnung gewesen und habe sich nur auf

bestimmte Gruppen von Gewerbetreibenden und Arbei-

tern bezogen, also nur einen beschränkten Geltungs-

bereich gehabt, sie habe vor allem für die Landleute der

Gemeinde Stäfa nie gegolten. Die"'Einwendung ist aber

unbegründet. Allerdings war unmittelbarer Anlass für den

Erlass der Verordnung Krise und Arbeitslosigkeit im

Kanton Zürich. Die Verordnung enthielt inhaltlich aber

nichts ausserordentliches, sondern sie bestätigte lediglich,

soweit sie hier in Betracht lallt, die Pflicht zur «Unter-

haltung des Gemeindebürgerrechts », einen Grundsatz,

der allgemeinen Auffassungen der Zeit entsprach, wie sie

auch in andern Erlassen zum Ausdruck kommen (vgl.

besonders die Gesetze über die Landrechtserteilungen vom

18. Dezember 1804, § 12, und vom 22. Mai 1812, § 14,

Med. Akt. Slg. Bd. II S. 176, und Bd. V S. 234). Sie ist

als allgemeine Verordnung bezeichnet und in die offizielle

Gesetzsammlung aufgenommen. In einem· Beschluss des

Kleinen Rathes vom 3. Mai 1817 betreffend die Pass-

erteilung für Auswanderer oder Reisende nach Russland

oder Russisch-Polen ist auf sie Bezug genommen mit

der ausdrücklichen Feststellung, dass sie unverändert in

Kraft besteht. (Neue officielle Sammlung der Gesetze

und Verordnungen des Standes Zürich, Bd. II, S. HO).

Es ist auch kein Zweifel darüber möglich, dass sie gel-

tendes Recht war und dass eine Versäumnis der Melde-

pflicht im Kanton Zürich wenigstens vom Jahre 1812

an de!! Verlust der Staatsangehörigkeit nach sich zog.

Sollten daher die Nachkommen des nach Wiesbaden

ausgewanderten Stäfners Andreas Zollinger das ange-

stammte Bürgerrecht in Stäfa nicht schon im Verlaufe

des 17. oder des 18. Jahrhunderts verloren haben, so ist

der Verlust auf jeden Fall nach Massgabe der Verordnung

vom 15. Oktober 1812 eingetreten, da auch damals nichts

zu der Unterhaltung der Zugehörigkeit zu Stäfa getan

worden ist. Im Jahre 1833, als die Gesetzgebung des

3,52

Verwaltungs- und Disziplinarrecht.

Kantons Zürich die· Unverlierbarkeit anordnete, stand

den Vorfahren des Beschwerdeführers das Bürgerrecht im

Kanton Zürich nicht mehr zu, weshalb sich der Beschwer-

deführer, was die Staatsangehörigkeit anbelangt, nicht auf

zürcherische Abstammung berufen kann. Das Departe-

ment hat unter dies'en Umständen die Anerkennung des

Beschwerdeführers als Schweizerbürger mit Recht ab-

gelehnt.

A. STA,ATSRECHT -

DROIT PUBLIC

I. RECHTSGLEICHHEIT

(REOHTSVImWEIGERUNG)

EGALITE DEV ArotYrf LA LOI

(DtNI DE JUSTICE)

353

~4. Urteil der 11. Ziv.ilabteilung a1s staatsrechtlicher Kammer

vom 16. Oktober 1947 i. S. SpItz gegen BODgni und Rekurs-

richter Mr Schuldbetreibung und Konkurs des Kantonsgerichts

St. Gallen.

KortJr,ur86f'Öffrvung :

In der Niclitberücksichtigung der Einrede, die Konkursandrohung

sei wegen hängiger AberkennungskIage nichtig, liegt formelle

Reehtsverweigerung. Art. 4 BV, 172 und i'fa SchKG.

Ot.W61'ture de la faülite.

Commet un d6ni da justice formelle juge qui ptbnonce 1& faillite

alois que le d6biteur exeiPß.de l'ouverture de i'action enlib6-

ration de dette pour cOlwlhre a. la. nullite de la. eommination

defe.illite. Art. 4 Ost., 172 et 173 LP.

Dichiarcizione deZ laUimen.w.

Incorre in un diniego di giu$iiizia quanto aJla. forma il giudice

ehe dichiara il fallimento Denche il debitore faccia valere 1&

nullitA della eomminatoria di falliment<> pel fatto ehe e stata

promossB azione d'ineSistenzfi. di debito_ Art. 4 CF, 172 e 173

LEF.

A. -

In der &tteibung Nr. 3827 des Betreibungsamtes

St. Gallen mhob der Schuldner Spitz Rechtsvorschlag

und, da der Gläubiger Bongni provisorische Rechtsö:ffnung

erhielt, rechtzeitig Aberkennungsklage. Trotzdem wurde

dem Schuldner der Konkurs angedroht auf Grund einer

unrichtigen Bescheinigung des Vermittleramtes, wonach

eine Aberkennungs~ge unterblieben wäre. Der Anwalt

23

AB 73 I -

1947