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70_IV_179

BGE 70 IV 179

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1944-10-27 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

48. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 27. Oktober

1944 i. S. Frey gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Luzem.

Der Schuldner, welcher einem Dritten gehörende Vermögens-

gegenstände bei der Pfändung oder dem Vollzug eines Arrestes

nicht angibt, ist nicht nach Art. 323 Zifi. 2 StGB strafbar;

der Au,fiorderung des Beamten an den Schuldner, solche Gegen-

stände vorzu.weisen oder zu. sagen, wo sie sich befinden, lmnn

du.roh Art. 292 StGB N achachtllll.g verschafft werden.

Le debiteur qu.i, lors d'une saisie ou. de l'exooution d'llll sequ.estre,

n'indique pas les objets qu.i appartiennent a llll tiers n'est pas

pllll.issable en vertu. de l'art. 323 eh. 2 CP; c'est par la voie de

l'art. 292 qu'il est possible d'assurer le respect de la sommation

fa.ite au. debiteur d'avoir a produire ces objets ou de dire ou

ils se trou.vent.

II debitore ehe, all'atto d'llll pignoramento o d'un sequestro, non

indica gli oggetti appartenenti ad un terzo non e pu,nibile in

virtu dell'art. 323 cifra 2 CP; il rispetto della diffida fatta al

debitore di produ,rre questi oggetti o di dire ov'essi si trovano

puo essere ottenuto mediante l'applicazione dell'art. 292 CP.

Aus den Erwägungen :

Art. 323 Ziff. 2 StGB bedroht mit Strafe den Schuldner,

der seine Vermögensgegenstände ..., sowie seine Forderun-

gen und Rechte gegeniiber Dritten nicht soweit. angibt,

als es zu einer geniigenden Pfändung oder zum Vollzug

eines Arrestes nötig ist. Der Wortlaut ist unmissverständ-

lich, er ergreift nur Vermögen, das dem Schuldner gehört

(« Ies biens qui lui appartiennent »).Das bestätigt noch der

Hinweis auf Art. 91 (und 275) SchKG, der den Schuldner

nur anweist, seine Vermögensgegenstände, Forderungen

und Rechte gegenüber Dritten dem Pfändungsbeamten

anzugeben, worunter im dortigen Zusammenhang etwas

anderes als schuldnerisches Vermögen nicht verstanden

werden kann. Der Grund für die~e Beschränkung ist ein-

leuchtend; der Gläubiger hat kein Interesse, dass der

Schuldner auch fremde Vermögensgegenstände angebe,

deren Beschlag ja doch nicht wird aufrechterhalten werden

können; und der Betreibungsbeamte hat es erst recht

nicht. Es ist auch nicht zutreffend, wenn die Vorinstanz

sagt, dass im Pfändungsverfahren als Gegenstände des

Schuldners vorläufig alle die gelten, welche sich in seinem

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Strafgesetzbuch. Nu 48.

Gewahrsam befinden. Richtig ist nur, dass alle in seinem

Gewahrsam befindlichen Gegenstände, ja sogar ohne Rück-

sic~t auf den Gewahrsam auch die vom Gläubiger als dem

Schuldner gehörend bezeichneten Gegenstände (BGE 59

III 91), der Pfändung unterliegen, wie wenn sie ihm

gehörten, wobei die Abklärung, ob es wirklich der Fall ist,

dem Widerspruchsverfahren überlassen bleibt. Aber die

Pfandbarkeit besagt nichts über das Eigentum; sie beruht

nicht einmal auf der zivilrechtlichen Vermutung des Eigen-

tums, die ja Besitz, nicht bloss Gewahrsam voraussetzt,

der übrigens im zweitgenannten Falle ebenfalls fehlen kann.

Darum kann unter seinen Vermögensgegenständen nicht

alles Pfändbare verstanden werden.

Eine Lücke im Gesetz entsteht bei solch wortgemässer

Anwendung der Bestimmung nicht. In Betracht kommen

nur Fälle der vorliegenden Art, wo der Betreibungsbeamte

dem Schuldner einen bestimmten Gegenstand für die

Pfändung bezeichnet. Der erwähnten von der Rechtspre-

chung anerkannten Aufgabe des Betreibungsbeamten, nöti-

genfalls die Gegenstände zu pfänden, von denen er ver-

mutet, sie gehörten dem Schuldner, oder die der Gläubiger

als dem Schuldner gehörend bezeichnet, entspricht die

Verpflichtung des letztern, sie auf die Aufforderung hin

vorzuweisen. Tut er das nicht, so darf ihn der Betreibungs-

beamte unter Hinweis auf die Strafen des Art. 292 StGB

zur wahrheitsgemässen Angabe üboc den Verbleib der

Gegenstände auffordern. Es ist gerade der Zweck dieser

Bestimmung, amtliche Verfügungen, deren Befolgung

mangels Bestehens einer besonderen Strafdrohung vom

guten Willen des Betroffenen abhängen würde, durch die

ergänzende Strafdrohung wirksam zu gestalten. Es besteht

kein stichhaltiger Grund, sie aus dem Gebiet des Betrei-

bungsverfahrens auszuschalten, wenn dessen besondere

Strafbestimmungen den Ungehorsam nicht lückenlos

erfassen.

Vgl. auch Nr. 49. -

Voir anssi no 49.

Kommunistische Tätigkeit. ~0 49.

II. KOMMUNISTISCHE TÄTIGKEIT

ACTIVITE COMMUNISTE

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