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70_IV_107

BGE 70 IV 107

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1944-06-30 · Français CH
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Sachverhalt

Am 30. März 1944 hat das Obergericht des Kan-

tons Bern den bedingten Strafvollzug, welchen das

Amtsgericht von Bern Wilhelm Ga.mmenthaler am 27.

Mai 1942 für eine in Anwendung eidgenössischen Rechts

ausgesprochene Gelangnisstrafe von fünf~ddreissig Tagen

108

Strafg„setzbuch. No 29.

gewährt hatte, gestützt auf Art. 41 Ziff. 3 StGB wider-

rufen, weil Gammenthaler am 8. Dezember 1943 vom

Gerichtspräsidenten IV von Bern wegen einer während

der zweijährigen Probezeit begangenen Veruntreuung zu

vierzehn Tagen Gefängnis, wiederum bedingt vollziehbar,

verurteilt worden war.

B. -

Gammenthaler ficht den Entscheid des Ober-

gerichtes mit der Nichtigkeitsbeschwerde an. Er beantragt

dessen Aufhebung und die Rückweisung der Sache an

die Vorinstanz, damit sie die Strafe vom 27. Mai 1942

nicht vollziehen lasse. Der Beschwerdeführer macht gel-

tend, Art. 41 Ziff. 3 StGB sei nicht nach seinem Wortlaut

anzuwenden, denn das würde zu grossen Härten führen,

was kaum die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein

könne. Es wäre geradezu u.nlogisch, im vorliegenden

Falle, wo für die während der Probezeit begangene straf-

bare Handlung wiederum nur eine bedingt vollziehbare

Strafe ausgesprochen wurde, den Vollzug der ersten

Strafe anzuordnen.

0. -

Der Generalprokurator des Kantons Bern bean-

tragt die Abw~isung der Beschwerde.

Der Kassationshof zieht in Erwägung :

Gemäss Art. 41 Ziff. 3 StGB hat der Richter die Strafe,

welche als bedingt vollziehbar ausgefällt worden ist, unter

anderem dann vollziehen zu lassen, wenn der Verurteilte

während der Probezeit vorsätzlich ·ein Verbrechen oder

Vergehen begeht. Diese Bestimmung macht keine Aus-

nahme. Sie stellt es insbesondere nicht dem Ermessen des

Richters anheim, von der Anordnung des Vollzugs dann

abzusehen, wenn das während der Probezeit begangene

Verbrechen oder Vergehen geringfügig ist. Diese Abwei-

chung von der Ordnung, die vor dem Inkrafttreten des

Strafgesetzbuches in gewissen Kantonen (z.B. Basel und

Bern) galt und auch in der Literatur befürwortet wurde

(vgl. u. a. MANTEL, Die Ergebnisse des bedingten Straf-

erlasses in Deutschland, Belgien, · Frankreich und der

Strafgesetzbuch. N° 29.

109

Schweiz S. 104; PFENNINGER in Festgabe zum schweiz.

Juristentag 1928 S. 166), ist gewollt. Ein in der zweiten

Expertenkommission gestellter Antrag, welcher dem Rich-

ter die Anordnung des Strafvollzugs bei Nichtbewährung

des Verurteilten nicht zwingend vorschreiben, sondern

bloss erlauben wollte, wurde abgelehnt (Protokoll 1 418,

426, 431), ebenso ein im Nationalrat anlässlich der Berei-

nigung der Differenzen gestellter Antrag, wonach der

Richter ausnahmsweise befugt sein sollte, die Vollziehung

der erkannten Strafe nicht zu verfügen, wenn das letzte

beurteilte Verbrechen oder Vergehen geringfügiger Art

ist (AStenBull NatR, Sonderausgabe 635 ff.). Der klare

Wortlaut des Gesetzes deckt sich also mit dem aus den

Materialien ersichtlichen Willen des Gesetzgebers, dahin-

gehend, dass jedes während der Probezeit begangene

Verbrechen oder Vergehen den Vollzug der Strafe nach

sich ziehen soll (vgl. Votum GAUTIER, Protokolle der

zweiten Expertenkommission 1 420).

Dieser Strenge des Art. 41 Ziff. 3 StGB steht die Nach-

sicht gegenüber, welche Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 zu üben

gestattet. Diese Bestimmung schliesst den bedingten

Strafvollzug nicht schon aus, wenn der Täter innerhalb

der letzten fünf Jahre wegen eines vorsätzlichen Ver-

brechens oder Vergehens zu einer Freiheitsstrafe verurteilt

worden ist, sondern nur, wenn er innerhalb dieses Zeit-

raumes eine solche Strafe verbüsst hat. War die Strafe

bedingt vollziehbar, so hindert Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 den

Richter nicht, diese Massnahme auch für die zweite

Strafe zu gewähren. Tut er dies, so verträgt sich damit

schlecht, dass die selbst nur bedingt sühnbare Tat den

Vollzug der früheren Strafe nach sich ziehen soll. Man

kann sich fragen, ob diese Ordnung darauf zurückzuführen

ist, dass Art. 39 Ziff. l Abs. 2 des Entwurfes (Art. 41 Ziff.

1 Abs. 3 des Gesetzes) nach dem von den eidgenössischen

Räten unwidersprochen dll.,."b.gelassenen Wortlaut in der

Vorstrafe ein Hindernis des bedingten Strafvollzuges dann

erblickte, wenn der Verurteilte sie « erlitten ll, nicht wenn

llO

Strafgesetzbuch. N° 30.

er sie) brauchte nicht unbe-

dingt im Sinne von « erstanden » -

ein Ausdruck, ·den

der Entwurf in der Bestimmung über den Rückfall (Art.

64) kannte und der mit > gleichbedeutend ist

--

aufgefasst zu werden. Die Meinung konnte dahin

gehen, die Verurteilung zur Vorstrafe genüge, um den

bedingten Vollzug für die spätere Strafe auszuschliessen.

Die vom Beschwerdeführer als unlogisch gerügte Ordnung

wäre dann erst durch die im liedaktionsverfahren erfolgte

Ersetzung des Wortes > durch << verbüsst » her-

aufbeschworen worden. Allein es sind auch andere Erklä-

rungen möglich. Der Gesetzgeber kann sich z.B. vorge-

stellt haben, der Richter werde dem Verurteilten den

bedingten Strafvollzug bei der zweiten Verurteilung nicht

oder nur ganz ausnahmsweise gewähren, nämlich höch-

stens dann, wenn ernsthaft angenommen werden kann,

der Verurteilte werde die zweite Bewährungsprobe besser

bestehen als die erste.

Sei dem wie ihm wolle, der Kassationshof ist nicht

befugt, sich über den unmissverständlichen Text des

Art. 41Ziff.3, welcher den vom Gesetzgeber gewollten Sinn

hat, hinwegzusetzen, um eine Ord.riung, welche als zu

wenig durchdacht erscheinen mag, zu verbessern.

Demnach erkennt der Kassationshof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.

Erwägungen (2 Absätze)

E. 0 Der Generalprokurator des Kantons Bern bean-

tragt die Abw~isung der Beschwerde.

Der Kassationshof zieht in Erwägung :

Gemäss Art. 41 Ziff. 3 StGB hat der Richter die Strafe,

welche als bedingt vollziehbar ausgefällt worden ist, unter

anderem dann vollziehen zu lassen, wenn der Verurteilte

während der Probezeit vorsätzlich ·ein Verbrechen oder

Vergehen begeht. Diese Bestimmung macht keine Aus-

nahme. Sie stellt es insbesondere nicht dem Ermessen des

Richters anheim, von der Anordnung des Vollzugs dann

abzusehen, wenn das während der Probezeit begangene

Verbrechen oder Vergehen geringfügig ist. Diese Abwei-

chung von der Ordnung, die vor dem Inkrafttreten des

Strafgesetzbuches in gewissen Kantonen (z.B. Basel und

Bern) galt und auch in der Literatur befürwortet wurde

(vgl. u. a. MANTEL, Die Ergebnisse des bedingten Straf-

erlasses in Deutschland, Belgien, · Frankreich und der

Strafgesetzbuch. N° 29.

109

Schweiz S. 104; PFENNINGER in Festgabe zum schweiz.

Juristentag 1928 S. 166), ist gewollt. Ein in der zweiten

Expertenkommission gestellter Antrag, welcher dem Rich-

ter die Anordnung des Strafvollzugs bei Nichtbewährung

des Verurteilten nicht zwingend vorschreiben, sondern

bloss erlauben wollte, wurde abgelehnt (Protokoll 1 418,

426, 431), ebenso ein im Nationalrat anlässlich der Berei-

nigung der Differenzen gestellter Antrag, wonach der

Richter ausnahmsweise befugt sein sollte, die Vollziehung

der erkannten Strafe nicht zu verfügen, wenn das letzte

beurteilte Verbrechen oder Vergehen geringfügiger Art

ist (AStenBull NatR, Sonderausgabe 635 ff.). Der klare

Wortlaut des Gesetzes deckt sich also mit dem aus den

Materialien ersichtlichen Willen des Gesetzgebers, dahin-

gehend, dass jedes während der Probezeit begangene

Verbrechen oder Vergehen den Vollzug der Strafe nach

sich ziehen soll (vgl. Votum GAUTIER, Protokolle der

zweiten Expertenkommission 1 420).

Dieser Strenge des Art. 41 Ziff. 3 StGB steht die Nach-

sicht gegenüber, welche Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 zu üben

gestattet. Diese Bestimmung schliesst den bedingten

Strafvollzug nicht schon aus, wenn der Täter innerhalb

der letzten fünf Jahre wegen eines vorsätzlichen Ver-

brechens oder Vergehens zu einer Freiheitsstrafe verurteilt

worden ist, sondern nur, wenn er innerhalb dieses Zeit-

raumes eine solche Strafe verbüsst hat. War die Strafe

bedingt vollziehbar, so hindert Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 den

Richter nicht, diese Massnahme auch für die zweite

Strafe zu gewähren. Tut er dies, so verträgt sich damit

schlecht, dass die selbst nur bedingt sühnbare Tat den

Vollzug der früheren Strafe nach sich ziehen soll. Man

kann sich fragen, ob diese Ordnung darauf zurückzuführen

ist, dass Art. 39 Ziff. l Abs. 2 des Entwurfes (Art. 41 Ziff.

E. 1 Abs. 3 des Gesetzes) nach dem von den eidgenössischen

Räten unwidersprochen dll.,."b.gelassenen Wortlaut in der

Vorstrafe ein Hindernis des bedingten Strafvollzuges dann

erblickte, wenn der Verurteilte sie « erlitten ll, nicht wenn

llO

Strafgesetzbuch. N° 30.

er sie) brauchte nicht unbe-

dingt im Sinne von « erstanden » -

ein Ausdruck, ·den

der Entwurf in der Bestimmung über den Rückfall (Art.

64) kannte und der mit > gleichbedeutend ist

--

aufgefasst zu werden. Die Meinung konnte dahin

gehen, die Verurteilung zur Vorstrafe genüge, um den

bedingten Vollzug für die spätere Strafe auszuschliessen.

Die vom Beschwerdeführer als unlogisch gerügte Ordnung

wäre dann erst durch die im liedaktionsverfahren erfolgte

Ersetzung des Wortes > durch << verbüsst » her-

aufbeschworen worden. Allein es sind auch andere Erklä-

rungen möglich. Der Gesetzgeber kann sich z.B. vorge-

stellt haben, der Richter werde dem Verurteilten den

bedingten Strafvollzug bei der zweiten Verurteilung nicht

oder nur ganz ausnahmsweise gewähren, nämlich höch-

stens dann, wenn ernsthaft angenommen werden kann,

der Verurteilte werde die zweite Bewährungsprobe besser

bestehen als die erste.

Sei dem wie ihm wolle, der Kassationshof ist nicht

befugt, sich über den unmissverständlichen Text des

Art. 41Ziff.3, welcher den vom Gesetzgeber gewollten Sinn

hat, hinwegzusetzen, um eine Ord.riung, welche als zu

wenig durchdacht erscheinen mag, zu verbessern.

Demnach erkennt der Kassationshof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

29. Urteil des Kassationshofes vom 30. Juni 1944 i. S. Gam-

menthaler gegen GeneraJprokurator des Kantons Bern.

Art. 41 Ziff. 3 StGB. Die Strafe ist auch dann vollziehen ~u. Iassen,

wenn dem Verurteilten für das während der Probezeit began-

gene neue Verbrechen oder Vergehen wiederum der bedingte

Strafvollzug zugebilligt worden ist.

Art. 41 eh. 3 OP. Le juge doit ordonner l'exoou.tion c!e !a peine

:meme lorsqu.e le condamne q~ encourt d~t le de~a1 d epreuve

une nouvelle peine pou.r u.n crrme ou. un delit est m1s a nou,veau

au. benefi.ce du. su,rsis.

Art. 41, cifra 3 OP. Il giudi<ili deve _ofdinar~ l'esecu,zione della

pena anche se il condannato ehe. n;i.corrt; m ~

nu.pv;a pena.

per u,n crimine o u,n delitto du.rante il p~riodo di :pz:ova e messo

nu.ovamente al beneficio della sospens1one condiz1onale.

A. -Am 30. März 1944 hat das Obergericht des Kan-

tons Bern den bedingten Strafvollzug, welchen das

Amtsgericht von Bern Wilhelm Ga.mmenthaler am 27.

Mai 1942 für eine in Anwendung eidgenössischen Rechts

ausgesprochene Gelangnisstrafe von fünf~ddreissig Tagen

108

Strafg„setzbuch. No 29.

gewährt hatte, gestützt auf Art. 41 Ziff. 3 StGB wider-

rufen, weil Gammenthaler am 8. Dezember 1943 vom

Gerichtspräsidenten IV von Bern wegen einer während

der zweijährigen Probezeit begangenen Veruntreuung zu

vierzehn Tagen Gefängnis, wiederum bedingt vollziehbar,

verurteilt worden war.

B. -

Gammenthaler ficht den Entscheid des Ober-

gerichtes mit der Nichtigkeitsbeschwerde an. Er beantragt

dessen Aufhebung und die Rückweisung der Sache an

die Vorinstanz, damit sie die Strafe vom 27. Mai 1942

nicht vollziehen lasse. Der Beschwerdeführer macht gel-

tend, Art. 41 Ziff. 3 StGB sei nicht nach seinem Wortlaut

anzuwenden, denn das würde zu grossen Härten führen,

was kaum die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein

könne. Es wäre geradezu u.nlogisch, im vorliegenden

Falle, wo für die während der Probezeit begangene straf-

bare Handlung wiederum nur eine bedingt vollziehbare

Strafe ausgesprochen wurde, den Vollzug der ersten

Strafe anzuordnen.

0. -

Der Generalprokurator des Kantons Bern bean-

tragt die Abw~isung der Beschwerde.

Der Kassationshof zieht in Erwägung :

Gemäss Art. 41 Ziff. 3 StGB hat der Richter die Strafe,

welche als bedingt vollziehbar ausgefällt worden ist, unter

anderem dann vollziehen zu lassen, wenn der Verurteilte

während der Probezeit vorsätzlich ·ein Verbrechen oder

Vergehen begeht. Diese Bestimmung macht keine Aus-

nahme. Sie stellt es insbesondere nicht dem Ermessen des

Richters anheim, von der Anordnung des Vollzugs dann

abzusehen, wenn das während der Probezeit begangene

Verbrechen oder Vergehen geringfügig ist. Diese Abwei-

chung von der Ordnung, die vor dem Inkrafttreten des

Strafgesetzbuches in gewissen Kantonen (z.B. Basel und

Bern) galt und auch in der Literatur befürwortet wurde

(vgl. u. a. MANTEL, Die Ergebnisse des bedingten Straf-

erlasses in Deutschland, Belgien, · Frankreich und der

Strafgesetzbuch. N° 29.

109

Schweiz S. 104; PFENNINGER in Festgabe zum schweiz.

Juristentag 1928 S. 166), ist gewollt. Ein in der zweiten

Expertenkommission gestellter Antrag, welcher dem Rich-

ter die Anordnung des Strafvollzugs bei Nichtbewährung

des Verurteilten nicht zwingend vorschreiben, sondern

bloss erlauben wollte, wurde abgelehnt (Protokoll 1 418,

426, 431), ebenso ein im Nationalrat anlässlich der Berei-

nigung der Differenzen gestellter Antrag, wonach der

Richter ausnahmsweise befugt sein sollte, die Vollziehung

der erkannten Strafe nicht zu verfügen, wenn das letzte

beurteilte Verbrechen oder Vergehen geringfügiger Art

ist (AStenBull NatR, Sonderausgabe 635 ff.). Der klare

Wortlaut des Gesetzes deckt sich also mit dem aus den

Materialien ersichtlichen Willen des Gesetzgebers, dahin-

gehend, dass jedes während der Probezeit begangene

Verbrechen oder Vergehen den Vollzug der Strafe nach

sich ziehen soll (vgl. Votum GAUTIER, Protokolle der

zweiten Expertenkommission 1 420).

Dieser Strenge des Art. 41 Ziff. 3 StGB steht die Nach-

sicht gegenüber, welche Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 zu üben

gestattet. Diese Bestimmung schliesst den bedingten

Strafvollzug nicht schon aus, wenn der Täter innerhalb

der letzten fünf Jahre wegen eines vorsätzlichen Ver-

brechens oder Vergehens zu einer Freiheitsstrafe verurteilt

worden ist, sondern nur, wenn er innerhalb dieses Zeit-

raumes eine solche Strafe verbüsst hat. War die Strafe

bedingt vollziehbar, so hindert Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 den

Richter nicht, diese Massnahme auch für die zweite

Strafe zu gewähren. Tut er dies, so verträgt sich damit

schlecht, dass die selbst nur bedingt sühnbare Tat den

Vollzug der früheren Strafe nach sich ziehen soll. Man

kann sich fragen, ob diese Ordnung darauf zurückzuführen

ist, dass Art. 39 Ziff. l Abs. 2 des Entwurfes (Art. 41 Ziff.

1 Abs. 3 des Gesetzes) nach dem von den eidgenössischen

Räten unwidersprochen dll.,."b.gelassenen Wortlaut in der

Vorstrafe ein Hindernis des bedingten Strafvollzuges dann

erblickte, wenn der Verurteilte sie « erlitten ll, nicht wenn

llO

Strafgesetzbuch. N° 30.

er sie) brauchte nicht unbe-

dingt im Sinne von « erstanden » -

ein Ausdruck, ·den

der Entwurf in der Bestimmung über den Rückfall (Art.

64) kannte und der mit > gleichbedeutend ist

--

aufgefasst zu werden. Die Meinung konnte dahin

gehen, die Verurteilung zur Vorstrafe genüge, um den

bedingten Vollzug für die spätere Strafe auszuschliessen.

Die vom Beschwerdeführer als unlogisch gerügte Ordnung

wäre dann erst durch die im liedaktionsverfahren erfolgte

Ersetzung des Wortes > durch << verbüsst » her-

aufbeschworen worden. Allein es sind auch andere Erklä-

rungen möglich. Der Gesetzgeber kann sich z.B. vorge-

stellt haben, der Richter werde dem Verurteilten den

bedingten Strafvollzug bei der zweiten Verurteilung nicht

oder nur ganz ausnahmsweise gewähren, nämlich höch-

stens dann, wenn ernsthaft angenommen werden kann,

der Verurteilte werde die zweite Bewährungsprobe besser

bestehen als die erste.

Sei dem wie ihm wolle, der Kassationshof ist nicht

befugt, sich über den unmissverständlichen Text des

Art. 41Ziff.3, welcher den vom Gesetzgeber gewollten Sinn

hat, hinwegzusetzen, um eine Ord.riung, welche als zu

wenig durchdacht erscheinen mag, zu verbessern.

Demnach erkennt der Kassationshof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.