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69_IV_163

BGE 69 IV 163

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1943-01-01 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

37. Auszug aus dem Urteil des Kassadonslloles

vom 6. November 19.t3

i. s. Bolstetter gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zfirleh.

Art. 140 Zif/. 2 StGB.

'

Begriff des berufsmässigen V ermögensv~ters.

Art. 140 eh. 2 OP.

Notion du geraut de fortunes.

Art. 140 cp. 2 OP.

.

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.

Nozione del gerente di patfünon10.

Hofstetter war Geschäftsführer einer Aktiengesellschaft,

welche Bankgeschäfte besorgt. In seiner Stellung veruntreute er wiederholt vom Gelde der Bank. Um sich vor

Entdeckung zu schützen, täuschte er durch fälsche Quittungen vor, Bankkunden hätten ab Einla~ehe~n Rückzüge gemacht. In drei Fällen, in welchen die E~agehefte

bei der Bank in offenem Depot lagen, trug er die angeblichen Rückzüge auch in die Hefte ein. Ferner eignete er

sieh äus Kundendepots Wertpapiere und Bargeld an. ~as

Obergericht des Kantons Zürich wandte a.uf alle diese

IM

Strafgesetzbuch No 37.

Veruntreuungen Art. 140 Ziff. 2 StGB an, weil Hofstetter

als <c berufsmässiger Vermögensverwalter» gehandelt habe.

DerVerurteilte erklärte die Nichtigkeitsbeschwerde, indem

er geftend machte, seine Taten fielen bloss unter Art. 140

Ziff. 1 St(}B. Der Kassationshof hiess diesen Standpunkt

gut.

Am den Erwägungen:

Unzutreffend ist die Auffassung der Vorinstanz, der

Beschwerdeführer habe die in seiner Stellung bei der Bank

verübten Veruntreuungen als berufsmässiger Vermögensverwalter begangen. Solcher ist nioht jede Person, die in

Ausübung ihres Berufes Vermögen anvertraut erhält.

Art. 140 Ziff. 2 StGB betrachtet nicht schlechthin die in

Verletzung einer Berufspflicht begangene Veruntreuung

als qualifiziert. Die Verletzung. der Berufspflicht ist erschwerendes Merkmal nur dann, wenn die Ausübung des

Berufes der Ermächtigung durch eine Behörde bedarf oder

der Beruf in der Verwaltung von Vermögen besteht. Solche

Verwaltung hat der Beschwerdeführer nicht ausgeübt.

Die veruntreuten Vermögenswerte wurden von den

Kunden nicht ihm persönlich anvertraut, sondern der

Bank. Die.aes Vertrauensverhältnis hätte nur die Bank

selbst verletzen können; der Beschwerdeführer konnte es

nicht tun. Darauf, ob man die Bank als Verwalterin der

ihr von den Kunden anvertrauten Vermögenswerte betrachte, kommt daher im vorliegenden Falle nichts an.

Bei einzelnen Tatbeständen spielt das Verhältnis der Bank

zu den Kunden aus einem weiteren Grunde keine Rolle :

in den Fällen, in welchen der Beschwerdeführer nicht Vermögen der Kunden, sondern solches der Bank veruntreut

hat. Das tat er dort, wo er von Einlageheften der Bank,

die bei ihr deponiert waren, Beträge « abhob >1, denn die

Einlagehefte sind blosse Beweisurkunden; der Beschwerdeführer fälschte sie durch Eintragung von Rückzügen, um

die Veruntreuung entsprechender Barbeträge aus dem

Bankvermögen zu verschleiern. Bankvermögen veruntreute er auch, als er am 3. Oktober 1942 Fr. 3000.- aus

Strafgeeet.booh No 38.

lOll

der Kasse nahm und zur Vertuschung seiner Tat eine

angeblich von einem Kunden ausgestellte fälsche Quittung

über einen Riickzug ab einem Einlageheft in die Kasse

legte.

Die weitere Frage ist ebenfalls zu verneinen: die Frage,

ob der Beschwerdeführer, wenn nicht im Verhältnis zum

Kunden so doch im Verhältnis zur Bank, welche ihm teils

eigene Vermögenswerte, teils solche der Kunden anvertraut hat, die Stellung eines berufsmässigen Vermögensverwalters gehabt habe. Der Beschwerdeführer war Geschäftsführer der Bank, nioht deren Vermögensverwalter,

wie Art. 140 Ziff. 2 StGB diesen Begriff versteht. Diese

Bestimmung will nicht die durch .A,ngestellte zum Nachteil

ihres Dienstherrn begangene Veruntreuung strenger bestrafen, sondern nur die Verletzung des auf Auftrag und

dergreiohen beruhenden besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen den ihren Beruf in selbständiger Stellung

ausübenden Vermögensverwaltern (Sachwalter, Bankier

usw.) und ihren Kunden.