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66_II_265

BGE 66 II 265

Bundesgericht (BGE) ·II · 1940-12-10 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Der Beklagte !ten wollte im August 1938 Schweine

kaufen und wandte sich deshalb an den Schweinehändler

Theiler in Kriens. Dessen Vertreter Gabriel führte den

Beklagten zweimal zum Kläger Stofer. Dort besichtigte der

Beklagte jeweils Schweine und es kam beidemal ein Kauf

zustande, worauf Theiler die Tiere dem Beklagten zu-

führte. Nach dem zweiten Kaufe stellte Theiler dem

Beklagten Rechnung und wurde durch Verrechnung

bezahlt, während der Kläger von Theiler Anweisungen

auf die Schweizerische Volksbank in Höhe des Kauf-

preises erhielt. Diese wurden indessen nicht eingelöst, da

Theiler in Konkurs geriet.

B. -

In der Folge belangte der Kläger den Beklagten

auf Bezahlung von Fr. 7650.- als Kaufpreis für die

Schweine.

Der Beklagte stellte sich auf den Standpunkt, er habe

die Tiere von Theiler gekauft und nicht vom Kläger.

Das Kantonsgericht und das Obergericht des Kantons

Zug, dieses durch Urteil vom 12. September 1940, haben

die Klage abgewiesen. Sie kamen beide auf Grund der

Zeugenaussagen, der Eintragungen Gabriels in sein Han-

delsbüchlein und verschiedener Indizien zum Schlusse,

der Kläger habe seine Schweine an Theiler verkauft und

dieser habe sie als Zwischenhändler an den Beklagten

weiterveräussert.

G. -

Mit der vorliegenden, rechtzeitig und formrichtig

eingereichten Berufung beantragt der Kläger Aufhebung

des vorinstanzlichen Urteils und Gutheissung der Klage.

In der Berufungsschrift werden verschiedene Akten-

widrigkeitsrugen erhoben.

Der Beklagte schliesst auf Abweisung der Berufung.

Dispositiv
  1. Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 12. September 1940 bestätigt. Vgl. auch Nr. 56. - Voir aussi n° 56.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

54. Urteil der I. ZivUabteilung vom 10. Dezember 1940

i. S. Stofer gegen Iren.

Der Entscheid des kantonalen Richters darüber, ob auf Grund

von Zeugenaussagen und Indizien das Zustandekommen eines

Vertrages anzunehmen sei, entzieht sich der Nachprüfung des

Bundesgerichts.

Dans la mesure Oll le juge cantonal, vu les Mmoignages et les

indices, tranche sur la formation d'un contrat, son jugement

est soustrait au contröle du Tribunal federal.

266

Prozessrecht. N0 54.

In quanto il giudice cantonale, basandosi sulle testimonianze e

sngli indizi, si pronuncia <'lulla questione di sapere se un contratto

e stato concluso, il suo giudizio e sottratto al sindacato deI

Tribunale fedt;'rale.

A. -

Der Beklagte !ten wollte im August 1938 Schweine

kaufen und wandte sich deshalb an den Schweinehändler

Theiler in Kriens. Dessen Vertreter Gabriel führte den

Beklagten zweimal zum Kläger Stofer. Dort besichtigte der

Beklagte jeweils Schweine und es kam beidemal ein Kauf

zustande, worauf Theiler die Tiere dem Beklagten zu-

führte. Nach dem zweiten Kaufe stellte Theiler dem

Beklagten Rechnung und wurde durch Verrechnung

bezahlt, während der Kläger von Theiler Anweisungen

auf die Schweizerische Volksbank in Höhe des Kauf-

preises erhielt. Diese wurden indessen nicht eingelöst, da

Theiler in Konkurs geriet.

B. -

In der Folge belangte der Kläger den Beklagten

auf Bezahlung von Fr. 7650.- als Kaufpreis für die

Schweine.

Der Beklagte stellte sich auf den Standpunkt, er habe

die Tiere von Theiler gekauft und nicht vom Kläger.

Das Kantonsgericht und das Obergericht des Kantons

Zug, dieses durch Urteil vom 12. September 1940, haben

die Klage abgewiesen. Sie kamen beide auf Grund der

Zeugenaussagen, der Eintragungen Gabriels in sein Han-

delsbüchlein und verschiedener Indizien zum Schlusse,

der Kläger habe seine Schweine an Theiler verkauft und

dieser habe sie als Zwischenhändler an den Beklagten

weiterveräussert.

G. -

Mit der vorliegenden, rechtzeitig und formrichtig

eingereichten Berufung beantragt der Kläger Aufhebung

des vorinstanzlichen Urteils und Gutheissung der Klage.

In der Berufungsschrift werden verschiedene Akten-

widrigkeitsrugen erhoben.

Der Beklagte schliesst auf Abweisung der Berufung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

Die Vorinstanz hat auf Grund von Zeugenaussagen

und Indizien festgestellt, dass zwischen den heutigen

Prozessfficht. N° 54.

26i

Parteien kein Vertrag abgeschlossen worden sei. Im

Gegensatz zur Auslegung feststehender (z. B. schriftlicher)

Parteierklärungen bildet die Feststellung des Parteiwillens

auf Grund von Indizien nicht eine Rechtsfrage, sondern

eine reine Tatfrage, die der bundesgerichtlichen Ueber-

prüfung im Berufungsverfahren entzogen ist. Das Bundes-

gericht hat das schon wiederholt ausgeprochen (vgl. statt

vieler BGE 54 II 478, 61 II 40). Die Berufung des Klägers

erweist sich unter diesem Gesichtspunkt als unbegründet.

Denn der Kläger macht in der Berufungsbegründung

nicht die Verletzung von Bundesrecht, den einzig zulässigen

Berufungsgrund (Art. 57 OG), geltend, sondern legt

lediglich dar, inwiefern das Ergebnis der Zeugenbefragung

und die weiteren Umstände für die Annahme eines Ver-

trages zwischen den Parteien sprechen. Die Berufung ist

also nichts anderes als eine unzulässige Kritik an der

vorinstanzlichen Beweiswürdigung. Und zwar gilt dies

auch für die Aktenwidrigkeitsrngen, mit denen der Kläger

auf Widerspruche in den Zeugenaussagen hinweist. Die

Beurteilung widerspruchsvoller Zeugenaussagen auf ihre

Glaubwürdigkeit hin bildet einen Teil der Beweiswürdigung

und kann nicht mit der Aktenwidrigkeitsrüge angefochten

werden. Selbst eine willkürliche Beweiswürdigung ist

nicht etwa aktenwidrig (vgl. BGE 62 I 61 f.) und kann

deshalb nicht Gegenstand der Berufung bilden, sondern

hätte gegebenenfalls mit der staatsrechtlichen Beschwerde

wegen Verletzung von Art. 4 BV geltend gemacht werden

müssen.

Demnach erkennt das Bundesgericht :

Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des

Obergerichts des Kantons Zug vom 12. September 1940

bestätigt.

Vgl. auch Nr. 56. -

Voir aussi n° 56.