Volltext (verifizierbarer Originaltext)
1'10
Sachenrecht. N0 28.
dass die in diesem Schreiben enthaltene Mitteilung gemäss
der 'Überschrift « An die Erbengemeinschaft Glanzmann »
an sämtliche BeJ4agte gerichtet, für sie' alle b~t
gewesen sei. Die Ausübungserklärung der Klägerin muss
aber als sämtlichen Bekla.gten zugegangen gelten, auch
wenn die Empfänger der erwähnten Schreiben den übrigen
Beklagten davon keine Kenntnis gaben. ~r streitige
Miteigentumsanteilgehört den Beklagten als Gliedern
einer Erbengemeinschaft. Wer einer Erbengemeinschaft
eine Erklärung abzugeben hat, kann das mit Wirkung
für alle gegenüber einem einzelnen Miterben tun, solange
ihm wenigstens nicht bekannt ist, dass eine bestimmte
Person mit der Vertretung der Erben oder der Verwaltung
der Erbschaft betraut ist (vgl. Art. 65 Abs. 3 SchKG).
Auf jeden Fall gilt dies für Erklärungen. die der Regel
nach nicht· ohne Gefahr aufgeschoben werden können,
bis die Namen und Adressen aller· Er:OOn bekannt Sind,
wie umgekehrt der einzelne Miterbe befugt ist, als Ver-
treter der Erbengemeinschaft zu handeln und namentlich
auoh in ihrem Namen zu klagen, wo es darum geht, eine
ihr laufende kurze Frist zu wahren oder sonstwie drohenden
Schaden durch rasches Handeln von ihr abzuwenden
(BGE 58 II 195 ff.). Eine solohe. Erklärung steht hier in
Frage. Die Mitteilung an die Erst-, Dritt- und Viert-
beklagte wirkte also auch für den Zweitbekla.gten. Die
Vorinstanz findet im übrigen IQit Recht, dass es den
Beklagten, die die Klägerin pflichtwidrig nioht vom
Verkaufe in Kenntnis gesetzt hatten, schlecht anstehe,
sich darüber zu beschweren, dass die Klägerin ihnen die
Ausübungserklärung nicht gehörig mitgeteilt habe.
Das :Vorkauf8l'OOhtist demnach fristgemäss und in
:richtiger Weise ausgeübt worden.
6. -
Wie schon in BGE 42 II 35 E. 5 ausgesprochen,
macht die nachträgliche Aufhebung des Kaufvertrages mit
dem Dritten die Erklärung des Vorkaufsbereohtigten, dass
er sein Recht ausübe, nicht unwirksam. Dieser Grundsatz
gilt,auch dann, wenn jener Vertrag gemäss BMB der
Obligationenrecht. N° 29.
1'71
behördlichen Genehmigung bedurfte. Die Erwägungen,
aUf denen er beruht, treffen auch in diesem F8lIe zu. Der
Aufhebungsvertrag vom 21. September 1946 ist also für
den vorliegenden Rechtsstreit bedeutungslos.
7. -
Die Beklagten sind nach alledem verpflichtet,
ihren Viteigentumsanteil gemäss den Bestimmungen· des
Kaufvertrages mit Tanner auf die Klägerin zu übertragen,
sofern die zuständige Behörde diese 'Übertragung geneh-
migt. Diese Genehmigung hat schon die Vorinstanz vor-
behalten, indem sie erklärte, der mit Tauner vereinbarte
VOl"behalt der regierungsrätliohen Genehmigung wirke
auch gegenüber der Klägerin.
Demnach erkennt das BurulesgerWht :
Die Berufung wird abgewiesen und das -Urteil des
Obergerichtes des Kantons Luzem vom 23. April 1947
bestätigt.
IV. OBLIGATIONENRECHT
DROIT DES OBLIGATIONS
2t. urteß der J. Zivilabteilunu vom 4. November 1947 i. S.
Witwe Aldo Bertozzl gegen Karrer &: CIe. A.-G.
pritJateB K~geackäft im Verkekr 11", Italien. Tat- t.md
Recht8frage bei der Ermittlung des Vertra.gswillens (Erw. 2).
Die von den zuständigen schweizerischep Behörden erlassenen
öfJenIl~ Vor8C1l4iften gelteli zwingendaJs still-
schweigend vereinbarter VmragsinhaU (Erw. 3).
AUf Grund dieser Vorschriften besteht zwischen dem schweize-
rischen Importeur und dem schweizerischen Exporteur ein als
Erj6Jlung81J(W8pf'eCMn zu qualifizierendes Vertragsverhältnis. in
dessen Rahmen Einreden aus dem Verhältnis zwischen dem
italienischen und dem schweizerischen ExpOrteur nicht zulässig
sind. (Erw. 4).
~
de compemation privee dans Ze commerce av6C l'Italie.
Patt et Moit da.ns la. recherche de 1a volonte eontra.ctuelle (consid. 2).
Les~tWn8 de Moit public emctees par les autorites suisses
Obligationenrecht. N0 29.
·~mpeten~ doivent ~tre' considerOOs comme faisant;·pa4'Iie.
intBgrante . du ~
e~ v~rt.u ~l'un~ clause.tacite (consi~.>3).
Sm Ja base de c~ prescnptlOns, il eXlSte entre l'importate1ir' et:
J'exportateur suisses u,n. lien contractnel ayant 1e . caraO~
, d'~e prome88t; d'~
et qui, connne telle, ne pennet~'
s.1 unportateur suisse d'elever des exceptions tirees deS teIatioIiS'
entre l'exportateur italienet l'exportateur suisse (consid. 4).
Oper~~'rJi comp6fl8az~ pri,vata nel commeroW con Ntalia.
Questioni d~ tatto e que8tiOni di di,ri,tto neUo stabilire qua.Je e Ja
volonts. d.ell~ parti con~ra.enti (consid; 2).
.... .
Le . 'n.0'I'm6 di' diritto pubblwo ema.na.te daUe competenti auOOrit8.
SVlZze~ de.bbono considerarsi come parte integra.nte deI con-
tratoo m Ylrtu d'una. c1a.~Jatacita.(consid. 3).
Sulla.. ~
di qu~te norme, eslSte tra. l'unportatore e l'esporta,tOre
SVlZzerl .~: .VlDC?lo contrattua.Je ehe ha il camttere, .d'una.
promeaaa !l tl8tlOUZf..one e ehe,' come .tal~, non c~nsente all'iniJildr-
taOOre sVlZzero dl soUeva.re eccezlOUl a motlvo delle relazlOni
tra l'esportatore italiano e quello svizzero (consid. 4).
A. -
In zahlreichen Staaten ist aus devi~enpolitischen
Gründen durch öfIentlichrechtliche Vorschriften·die Frei-
heit zum Abschluss von Handelsgeschäften mit dem:
Ausland aufgehoben oder doch erheblich eingeschrähkt
worden. Insbesondere darf in vielen Staaten nur beim
Vorhandensein genügender Devisen Ware aus dem Aus-
land importiert werden. Damit die Möglichkeit der Durch-
führung eines Importgeschä:ftes nicht vom mehr oder
weniger zufalligen. Vorhandensein genügender Devisen
abhängig ist, hat sich im zwischenstaatlichen Wirtschafts-
verkehr der Abschluss sogenannter privater Kompensa-
tionsgeschäfte herausgebildet. Diese spielen auch dort
eine grosse Rolle, wo eine Ordnung des Zahlungsverkehrs
zwar zwischenstaatlich vereinbart wurde, aber wegen
Kursschwierigkeiten . oder aus andem Gründen nicht fuIik~
tloniert, so ·zuständigen schweizerischen Stelle festgesetzten PreJSen,
fmnkQ Schweizergrenze unverzollt, muss vollmitentsprechen,qne lad6fenderesse«Au Prip.-
tempslJS. A. avait a,pportee a sa raison de commerce et
Obligationenrecht •. N° 30.
181:
fait inscrire le 7 septembre 1945', L'art. 944 al. 1 CO
exige notamment que la raison de commerce ({ soit conJ
forme a. la verite» et ({ ne puisse indnire enerreur».
D'apresTart. 44 aLl OBC, « la raison ne ddit pas contenir
de designation· setvant nniquement de reclame »
Il appartient'enpremiere ligne·a l'autorite administra-
tive preposee an registre du commerce d'assurer, lors de
l'inscription d'nne raison· nonvelle, le respect de pres-
criptions qui sont inspirees par le sonci de l'interet pnblic
(BO 56 I 360). Mais, independamment du contröle admi-
nistratif, le titulaire d'nne raison de commerce reguliere-
ment inscrite (BO 66 II 265) ale droit d'attaquer devant
le jnge une inscription qui contrevient a la loi ou a ror~
donnance, a condition qn'il soit dans le cas d'etre lests
par cette inscription. L'art~ 956 al. 2 CO dispose en effet
qne « celui qui snbit nn prejudice du fait de l'usage indu
d'une raison de commerce peut demander au juga d'y
mettreoo». L'«usage indu» vise non seulement l'USU:r~
pation d'nne raison da commerce existante ort l'emploi
d'nne raison qui ne se distingne pas suffisamment d'nne
raison anterienrement inscrite, mais tonte violation des
regles sur la, formation .. des raisons de comm~rce, et par
exemple l'emploi de designations inexactes (BO 40 II
130/131 cons. 3).
Par ailleurs, l'nsage d'une raison de commerce, meme
legitime d'apree les regles sm le registre du commerce,
pent constitner un acte de concurrence deloyab1e, au
sens de la loi federMe du30>septe1nbre 1943 qui reprime
«(tout abua de la concurrence economique result.ant d'une
tromperie ou d'un autre procede contraire aux regles de
la bonne foi:» (art. l er a1. 1 LCD). Le concurrent qui, de
ce fait, est atteint OU menace dans sesinterets materiels
peut exercer les actions prevues par l'art. 2 LCD, notam-
ment l'action en cessation de l'acte de concurrence deloyale
et l'action en suppression de l'etat de fait qui en resuIte.
('Je8 actions appartiennent au concurren1i en sus de celle
dont il dispose en vertu de l'a~. 956 a1. 2 CO, (}()mme