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63_II_395

BGE 63 II 395

Bundesgericht (BGE) ·II · 1937-01-01 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Die Beschwerdeführerin ist ein Verein zu wirt- schaftlichen Zwecken, der seit dem Jahre 1927 unter der Firma «" Schweizerische Gesellschaft für Aufführungs- rechte (GEFA) » im Handelsregi. ter des Kantons Zürich eingetragen ist. Er bezweckt den Schutz, die Vertretung und die Verwertung der Aufführungsrechte der ihm ange- schlossenen Autoren von musikalischen und literarischen Werken. Die Beschwerdegegnerin ist eine Genossenschaft zum Zwecke der Bekämpfung der Wirtschaftskrise durch Arbeitsbeschaffung. Sie ist seit dem Jahre 1936 im Han- delsregister eingetragen unter der Firma « Genossenschaft für Arbeitsbeschaffung Grenchen ». Für ihre Reklame bedient sie sich der im Handelsregister nicht eingetragenen Kurzbezeichnung « Gefa ». Um die Mittel für die Errei- chung ihres Zweckes zu beschaffen, organisierte sie 2 Lot- terien, die erste unter dem Kennwort « Gefa», deren Ziehung im Dezember 1936 stattfand, die zweite unter der Bezeichnung « Gefa 2» B. - Die Beschwerdeführerin erhob gestützt auf Art. 876 aOR Klage auf Unterlassung der weiteren Führung der Bezeichnung « Gefa» durch die Gegenpartei, sowie auf Bezahlung einer Genugtuungssumme von Fr. 1.-.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

74. Auszug aus dem Urteil der II. Zivi1a.bteilung

vom a. Dezember 1937 i. S. Keyer und SetteIe

gegen Lussy und Xonsorten.

OR Art. 242, Ahs. 1 : Die Schenkung von Hand zu Hand kann

wirksam durch Besitzeskonstitut erfolgen (Änderung der

Rechtsprechung).

Die Vorinstanz hat die nicht versteuerten Wertschriften

nicht zur Erbschaft des Goar Anton Meyer gerechnet und

diese daher nur auf Fr. 53,878.75 gewertet, indem sie davon

ausgegangen ist, er habe jene Wertschriften noch zu Leb-

zeiten seiner Ehefrau rechtswirksam geschenkt, ungeachtet

der Eigentums- bezw. Besitzübertragung durch biosses

constitutum possessorium, im Gegensatz zu BGE 47 II 115,

im Anschluss an die Kritiken dieser Entscheidung von

H. REICHEL, Juristenzeitung 18, 87; J. ROSSEL, Zeit-

schrift des bernischen Juristenvereins 1922, 345; BEOKER,

Note 2 zu OR 242; OSER-SOHÖNENBERGER, Note 38 zu

OR 239. Demgegenüber hatte seinerzeit das Bundesgericht

das Besitzkonstitut nicht für eine Schenkung von Hand zu

Ha.nd als genügend gelten lassen, weil Art. 242 OR die

« Übergabe der Sache » vom Schenker an den Beschenkten

fordert. Indessen drückt sich Art. 184 OR nicht anders

aus bezüglich der Lieferung des Kaufgegenstandes, die

nichtsdestoweniger anerkanntermassen auch durch jeden

möglichen Ersatz der «Übergabe», insbesondere durch

Besitzkonstitut, stattfinden kann, und hat sich eine derart

enge Auslegung des Art. 242 Abs. 1 OR auch gar nicht

durchführen lassen bei der Besitzanweisung (BGE 52 II

368), die .doch im gleichen Artikel wie das Besitzkonstitut,

Art. 924 ZGB, als Besitzübertragung «ohne Übergabe»

396

Obligationelll'echt. Xo i4.

geordnet ist, wjihrend bei der VerpIandung, um das Besitz-

konstitut auszUschliessen, ausdrücklich bestimmt worden

ist (in Art. 884 Abs. 3 ZGB) : « Das Pfandrecht ist nicht

begründet, solange der Verpfander die ausschliessliche

Gewalt über die Sache behält ».

Insofern das· Besitz-

konstitut als untauglich für die (im übrigen formlose)

Handschenkung bezeichnet wurde, weil es nicht geeignet

sei, dem Schenker die Entäusserung genügend zum Be-

wusstsein zu bringen, um ihn vor unbedachten Schen-

kungen zu schützen, ist kein zureichender Unterschied

gegenüber der Besitzanweisung zu erkennen, ebenso nicht

gegenüber einer rein formalen « Übergabe» im engeren

Sinne und unmittelbar darauf folgenden Rückgabe auf

Grund des besonderen Rechtsverhältnisses, kraft dessen

der Schenker im Besitz. der verschenkten Sache verbleiben

soll. Es ist nicht einzusehen, wieso der Schenker eines

weitergehenden als des in Art. 249 OR vorgesehenen

Schutzes bedürfen sollte, ausser dass sein animus donandi

klar und eindeutig zum Ausdruck zu kommen hat, womit

gleichzeitig auch dessen Erben genügend geschützt werden,

und ebenso, in Verbindung mit der paulianischen Anfech-

tungsklage, dessen Gläubiger, denen das Gesetz offenbar

keinen weitergehenden Schutz gewähren wollte (auch nicht

denjenigen aus Art. 188 ZGB; BGE 61 II 314). Das hier

in Frage stehende Erfordernis würde insbesondere die

Schenkungen unter den ja weitestgehend Mitbesitz aus-

übenden Ehegatten in einer allzusehr an das römisch-

rechtliche Verbot erinnernden und mit dessen Unter-

drückung kaum zu vereinbarenden Weise erschweren.

Aus allen diesen Gründen kann an der bisherigen Recht-

sprechung nicht festgehalten werden.

Obligationenreeht. N° 75.

397

75. Auszug aus dem trrteil der I. Zirilabt.i1ung

vom 7. Dezember 1937 i. S. Schweiz. Gesellschaft für

Aufführungsrechte (GEi'.6.) gegen « Gefa»

Genossenschaft

für Arbeitsbeschaffung.

F i r m e n r e c h t, Schutz der Firma, Art. 876 aOR, 956 rev. OR.

Z i v i Ire c h t I ich e B es c h wer d e, Art. 87 Ziff. lOG,

zulässig auch wegen Verletzung eidgenössischen Zivilrechts

durch kantonales öffentliches Recht. Ob das eidgenössische

Recht, wenn es angewendet worden ist, richtig oder unrichtig

ausgelegt worden sei, ist nicht zu prüfen.

Vorsorglicher Rechtsschutz im Firmenrecht ist

im rev. OR im Gegensatz zum aOR nicht vorgesehen; das

kantonale Prozessrecht bestimmt, ob ein solcher bestehe.

A. -

Die Beschwerdeführerin ist ein Verein zu wirt-

schaftlichen Zwecken, der seit dem Jahre 1927 unter der

Firma

«" Schweizerische Gesellschaft für Aufführungs-

rechte (GEFA) » im Handelsregi. ter des Kantons Zürich

eingetragen ist. Er bezweckt den Schutz, die Vertretung

und die Verwertung der Aufführungsrechte der ihm ange-

schlossenen Autoren von musikalischen und literarischen

Werken.

Die Beschwerdegegnerin ist eine Genossenschaft zum

Zwecke der Bekämpfung der Wirtschaftskrise durch

Arbeitsbeschaffung. Sie ist seit dem Jahre 1936 im Han-

delsregister eingetragen unter der Firma « Genossenschaft

für Arbeitsbeschaffung Grenchen ».

Für ihre Reklame

bedient sie sich der im Handelsregister nicht eingetragenen

Kurzbezeichnung « Gefa ». Um die Mittel für die Errei-

chung ihres Zweckes zu beschaffen, organisierte sie 2 Lot-

terien, die erste unter dem Kennwort « Gefa», deren

Ziehung im Dezember 1936 stattfand, die zweite unter der

Bezeichnung « Gefa 2»

B. -

Die Beschwerdeführerin erhob gestützt auf Art. 876

aOR Klage auf Unterlassung der weiteren Führung der

Bezeichnung « Gefa» durch die Gegenpartei, sowie auf

Bezahlung einer Genugtuungssumme von Fr. 1.-.