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60_II_325

BGE 60 II 325

Bundesgericht (BGE) · 1934-01-01 · Deutsch CH
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Obligationenrooht. N° 47.

Da die Vorinstanz schweizerisches Recht angewendet;

hat, so müsste an sich gemäss Art. 79 Abs. 2 OG -

diese.

Bestimmung gilt auch im Verhältnis zum ausländischen,

nicht nur zum kantonalen Recht; vgl. WEISS, Berufung,

S. 290 -

das angefochtene Urteil aufgehoben und die

Sache zu neuer Entscheidung, nach französischem Recht,

zurückgewiesen werden. Tatsächlich besteht jedoch dazu

kein Anlass. Nach § 100 Abs. 2 der zürcherischen Zivil-

prozessordnung darf nämlich der Richter, der vom Inhalt

des anwendbaren fremden Rechtes keine sichere Kenntnis

hat, die Übereinstimmung mit dem einheimischen Rechte

annehmen, sofern nicht von einer Partei Abweichungen

behauptet und nachgewiesen worden sind. Es unterliegt

nun keinem Zweifel, dass die Vorinstanz nicht ohne

weiteres eine derart einlässliche Kenntnis des französi-

schen Reohtes für sich in Anspruch nehmen würde, wie

sie für die Entscheidung des vorliegenden Falles erfor-

derlich wäre.

Anderseits hat keine der Parteien eine

Abweichung vom schweizerischen Recht auch nur behaup-

tet, geschweige denn nachgewiesen. Es ist deshalb mit

Bestimmheit vorauszusehen, dass die Vorinstanz im

Falle der Rückweisung Übereinstimmung des französi-

schen mit dem schweizerischen Rechte annehmen und

infolgedessen bei der neuen Entscheidung zum gleichen

Ergebnis kommen würde wie bei der ersten. Unter diesen·

Umständen wäre die Rückweisung zwecklos, und die

Sache ist so zu behandeln, wie wenn die Vorinstanz

schon im vorliegenden Urteil den Inhalt des schweizeri-

schen als französisches Recht, also richtigerweise ausläIi.-

disches Recht angewendet hätte, dessen Handhabung

vom Bundesgericht gemäss Art. 57 OG nicht zu über-

prüfen ist (vgl. BGE 58 II, 436 ff).

Das bedeutet, dass

auf die Berufung nicht eingetreten werden kann.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Auf die Berufung wird nicht eingetreten.

Obligationenrecht. No 48.

325

48. Extrait de l'Arret da la Ire seetion civile du 26 sep-

tembre 1934 dans la cause Btondey contre Pellanda.

Reparation du tort rrwral. Mori d'homme. Art. 47 ao.

Le 19 avril 1932, vers les 23 heures, Raoul Pellanda

revenait en automobile de Martigny a Sierre. A l'entree

de la ville de Sion, il heurta avec sa voiture Dame Emma

B10ndey, nee Rielle, qui, marchant sur 1e bord droit de

la route, regagnait son domicile. Mortellement atteinte,

Dame Blondey expirait quelques instants apres son

transport a l'höpital.

L'enquete a reveIe que l'auto de Pellanda, roulant a Ja

rencontre de Dame Blondey, a quitte la droite de la route

et, coupant le tournant que celle-ci fait a l'endroit on

l'accident s'est produit, est arrivee sur la gauche, on elle

arenverse Dame Blondey; Ja voiture est ensuite sortie de

la route, a franchi un petit fosse puis, eraflant un arbre, est

entree dans une haie, sans avoir ete freinee. L'auto n'avait

qu'un phare allume et circulait a une vitesse de 40 km. h.

Le Tribunal pena1 a condamne Pellanda a 200 francs

d'amende pour homicide involontaire.

Dame Blondey a laisse un veuf et denx fils mineurs,

qui ont reclame a Pellanda 1a reparation des dommages

subis.

Extrait des moti/s.

Les demandeurs trouvent insuffisantes 1es indemnit6s

allouees pour tort moral. On doit leur donner raison. Las

chifires fixes par 1a Tribunal cantonal sont manifestement

trop bas (2000 fr. pour 1e veuf et 1000 fr. pour chacun des

deux amants). On est indiscutablement en presence

des circonstances particulieres prevues par l'art. 47 CO.

Les premiers juges ont reconnu eux-memes que l'accident

fut « terrible». Dame Blondey est morte d'une mort

tragique; elle a ete tuee brutalement et inopinement,

dans la nuit, sur Ja route, loin des siens, alors qu'elle rentrait

AB 60 n -

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paisiblement chez elle, en se tenant a sa place au bord de

la chaussee. On ne peut lui adresser le moindre reproche.

Le defendeur eil revanche a commis des fautes IOUl'des et

multiples; il a roule trop vite, il n'a pas garde sa place, il

n'avait qu'un phare allurne, il a perdu completement la

maitrise de sa machine, et il eut certes merit6 une punition

plus severe que la simple amende, au reste derisoire, de

200 francs. Des lors, comme le Tribunal federal l'a fait

dans l'arret DE PREUX contre BORLoz, du 21 mars 1934

(Journal des Tribunaux 1934, p. 309 consid. 5), il paralt

equitable de fixer la reparation a 4000 francs pour le pere

et a 2000 francs pour chacun des deux fils.

49. Urteil der I. Zivilabteilung vom a. Oktober 1934

i. S. Magazine zum Globus A.-G. gegen Xlelnert.

Art. 4 9 OR. Ver let z u n g

der Ge s c h ä f t s ehr e.

Bezeichnung einer Reklame als « Schwindel ll.

A. -

Der Beklagte ist kantonal-bernischer Gewerbe-

sekretär sowie kantonaler Bundesführer und Mitglied der

Landesleitung des « Bundes Neue Schweiz JJ. Am 18. Mai

1933 hielt er an einer grossen öffentlichen Kundgebung

der Ortsgruppe Zürich des « Bundes Neue Schweiz» in

der Zürcher Stadthalle vor zirka 2000 Personen einen

Vortrag über die Ziele des genannten Bundes. Er trat

darin für die mittelständischen Betriebe ein und nahm

Stellung gegen Mammutunternehmungen, Konzerne und

Trusts. In diesem Zusammenhang kam er auch auf die

Warenhäuser zu sprechen und fügte bei : « Als ich heute

nach Zürich kam und den Bahnhof verliess, da sah ich

beim « Globus» die grossen Reklameplakate am Haus,

und als ich dann las : « Hausfrauen, kommt zum Fest der

Schweizerarbeit etc. », da sagte ich mir, das ist ein Schwin-

del ».

Die vom Beklagten erwähnte Reklame der Klägerin

hatte folgenden Wortlaut :

Obligationenrecht. N0 411.

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« 1000 Schweizer Qualitäts-Artikel werben um ihre

Gunst! Globus}) und « Hausfrauen: kommt zum Fest

der Schweizer-Arbeit ».

B. -

In einem offenen, in der Tagespresse publizierten

Brief vom 23. Mai 1933 warf die Klägerin dem Eeklagten

vor, er habe mit seiner Äusserung das Ansehen ihres

Geschäftes in leichtfertiger Weise besudelt, weshalb sie

ihm Gelegenheit geben werde, den auf Kosten der Wahrheit

errungenen Erfolg als Volksredner vor dem Richter zu

verantworten.

Am 21./28. Juli 1933 hat sie vorliegende Klage einge-

reicht mit den Anträgen :

1. Der Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin wegen

öffentlicher Kreditschädigung und Verletzung in den per-

sönlichen Verhältnissen eine angemessene, gerichtlich fest-

zusetzende Genugtuungssumme zu bezahlen, eventuell

eine andere, der Form nach vom C:.erichte zu bestimmende

Genugtuung zu leisten.

2. Das vom Richter zu erlassende Urteil sei auf Kosten

des Eeklagten in einer angemessenen, vom Gerichte zu

. bestimmenden Weise in der zürcherischen und ostschwei-

zerischen Presse zu veröffentlichen.

Die Klage wurde damit begründet, dass in der Äusserung

des Beklagten der Vorwurf des schwindelhaften Reklame-

gebarens oder des schwindelhaften Geschäftsgebarens

überhaupt liege und die Klägerin dadurch in ihren per-

sönlichen Verhältnissen schwer verletzt worden sei.

Der Eeklagte hat Abweisung der Klage beantrltgt. Er

machte geltend, dass sich seine Kritik nur auf die kläge-

rische Reklame bezogen habe, die aus dem dreifachen

Grunde als «. Schwindel » habe angesehen werden müssen,

weil ein Warenhaus seiner Natur nach Erwerbszwecke

verfolge und nicht zum Festefeiern da sei, weil es keines-

falls nur Schweizerwaren vertreiben, könne und weil es

schliesslich seine wirtschaftliche Macht doch nur zu oft

zu Preisdrückerei missbrauche.

Im Parteiverhör hat der Generaldirektor der klägerischen