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57_III_139

BGE 57 III 139

Bundesgericht (BGE) ·III · 1931-10-12 · Deutsch CH
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Erwägungen (1 Absätze)

E. 11 Konkur8kammer: Der Rekurs wird 'begründet erklärt und die Pfändung der Nummern 6, 7 und 8 aufgehoben.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

38. Entscheid vom 12. Oktober 1931 i. S. Häusler.

Bestätigung der Rechtsprechung, dass auch das blosse V e r-

mi e t en m ö hli e rt er Z i m m e r

(im kleinon) einen

B er u f im Sinne des Art. 92 Ziff. 3 SchKG darstellen kann

und daher deren Einrichtungsgegenstände unp f ä n d bar

sind, vorausgesetzt, dass der Vermieter den Mietzins unum-

gänglich notwendig hat.

Confirmation de la jurisprudence d'apres la quelle la simple location

d6 ehambres meublees, lorsqu'elle reste dans des limites modestes,

peut egalement oonstituer une profession au sens de l'art. 92

eh. 3 LP., de sorte que les objets servant a leur amenagement

sont insaiBissables si le loyer est absolument indispensable

a l'entretien du lou~ur.

Conferma dena giurisprudenza secondo cui il il solo affitto di

eamere mobigliate pUG, quando rests. entro limiti modesti,

eostituire una professione asensi dell'art. 92 cp. 3 LEF, di

modo ehe gli oggetti che servono all'arredamento delle eamere

non sono pignorabili se il canone di locazione e assolutamente

indispensabile all'affittuario.

Beim 67jährigen verheirateten Rekurrenten, der eine

Pension von 100 Fr. für jedes Vierteljahr bezieht, wurden

u. a. « im dritten Zimmer)) gepfändet: No. 6 ein Bett,

No. 7 eine ChiHoniere, No. 8 ein Tisch, im Schätzungswert

140

S<,huldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 3S.

von insgesamt 119 Fr. Mit der vorliegenden Beschwerde

macht der Rekurrent die Unpfändbarkeit dieser Gegen-

stände geltend, wofür er vor der Vorinstanz zur Begrün-

dung anführte, dieses Zimmer müsse ihm und seiner

Familie zum Unterhalte dienen, wegen seiner kärglichen

Existenzverhältnisse benötige er es sehr.

Die kantonale Aufsichtsbehörde hat am 17. September

1931 die Beschwerde abgewiesen aus den Gründen :

« Kompetenzqualität legt das Gesetz (Art. 92 Ziff. 1 und 2

SchKG) nur solchen Hausratsgegenständen bei, welche

der Schuldner und seine Familie zum persönlichen Ge-

brauch benötigen. Nach der eigenen Darstellung des

Rekurrenten fehlt diese Voraussetzung, denn er erklärt,

die Gegenstände würden benötigt, um die Ausmietung

des betreffenden Zimmers an Drittpersonen zu ermöglichen.

Der Umstand, dass die so erzielten Mietzinseinnahmen

einen für den Lebensunterhalt des Schuldners unentbehr-

lichen Zuschuss darstellen, verleiht den zur Einrichtung

des Mietraumes gehörenden Gegenständen nicht die Eigen-

schaft von Kompetenzstücken. Die Logisvermietung gilt

eben, wenn damit nicht Pensionshaltung verbunden ist,

nicht als Beruf oder Nebenberuf, so dass die Unpfänd-

barkeit auch unter diesem Titel nicht in Anspruch genom-

men werden kann. »

Diesen Entscheid hat der Rekurrent an das Bundes-

gericht weitergezogen, unter Anrufung der Ziffern 2 und 3

des Art. 92 SchKG.

Die Schuldbetreibungs- und Konkur8kammer

zieht in Erwägung:

« Handelt es sich bloss um das Vermieten von möblierten

Zimmern» -

im Gegensatz zUm Halten einer eigentlichen

PenRion, nämlich dem Vermieten möblierter Zimmer in

Verbindung mit dem Verabreichen von Mahlzeiten -,

« so tritt allerdings die Tätigkeit des Vermieters weniger

hervor; sie scheint sich im wesentlichen in der Über-

lassung eines Raumes mit Möbeln zu erschöpfen, bei der

Schuldbetreibungs- und Konkursre<>ht. ~o 38.

1-11

die Instandhaltung des Zimmers und die Reinigung der

Kleider u. dergl. nur ganz als Nebensache erscheint.

Trotzdem wird man auch hier von einer Bernfstätigkeit

reden können, sofern das in den Zimmern steckende

Betriebskapital unbedeutend ist und nicht fremde Arbeits-

kräfte verwendet werden, sofern eine Frauensperson sich

mit dem Vermieten abgibt und auf den Ertrag diesel'

Tätigkeit für ihren Lebensunterhalt angewiesen ist...

Hat man es somit beim Zimmervermieten unter Umständen

mit einer Berufsausübung im Sinne des Art. 92 Ziff. a

SchKG zu tun, so ist klar, dass dann auch die Möbel, ohne

welche diese Berufsausübung nicht möglich ist, als un-

pfändbar zu behandeln sind. J) Diese dem Präjudiz in

BGE 38 I S. 189 Erw. 3 = Sep.-Ausg. 15 S. 3 Erw. 3

zugrunde liegenden Entscheidungsgründe erscheinen auch

auf den vorliegenden Fall zutreffend und führen ohne wei-

teres zur Gutheissung der Beschwerde. Nach dem Ergebnis

der Erhebungen des Betreibungsamtes über die Fami-

lien-

und Erwerbsverhältnisse des Rekurrenten darf

ohne Rückweisung an die Vorinstanz zu weiteren Fest-

stellungen angenommen werden, dass der Rekurrent und

dessen Ehefrau für ihren Lebensunterhalt angewiesen

sind auf den Ertrag, den letztere aus ihrer mit dem Ver-

mieten eines Zimmers verbundenen Tätigkeit gewinnen

kann.

Demnach erkennt die Schuldbetr. -

11. Konkur8kammer:

Der Rekurs wird 'begründet erklärt und die Pfändung

der Nummern 6, 7 und 8 aufgehoben.