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56_III_196

BGE 56 III 196

Bundesgericht (BGE) · 1930-11-01 · Deutsch CH
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IH6 Sühuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 49.

49. Entscheid vom 1. November 1930 i. S. Xissling. Kom pet e n z ans p r u c h, Art. 92 Ziff. 2 SchKG.

1. Eine W a n d uhr ist auch dann unpfändbar, wenn der Schuldner zwar daneben noch eine Taschenuhr besitzt, für die Familie in seiner Abwesenheit aber keine andere als die Wanduhr zur Verfügung steht (Erw. 1).

2. Die Beschaffung eines E r s atz s t ü c k e s durch den Gläubiger ist nur dann zuzul~ssen, wenn der Wert des Gegen- standes zum \Verte einfacher Gegenstände derselben Art in einem offensichtlichen Missverhältnis st,eht, was bei einer auf 40 Fr. geschätzten Wanduhr nicht gesagt werden kaun (Erw. 2). Biens insaisissables. Art. 92 ch. 2 LP.

1. Le fait que le debiteur possede lme montre n'exclut pas l'insai- sis8abiliti d~ 8a pendule s'il est constant qu'en son absence, Ba famille n'a pas d'autre montre a sa disposition (consid. 1).

2. L'offre du creancier de remplacer la chose a saisir par une autre ayant 130 meme destination ne peut etre admise que lorsqu'il y a une disproportion evidente entre 180 valeur de cette chose et celle d'une 30utre de meme genre, mais plus simple. Tel ne saurait etre le cas lorsque l'objet a saisir est une pendule d'une valeur de 40 francs (consid. 2). Beni non pignorabili, art. 92 cif. 2 LEF.

1. 11 fatto ehe il debitore possiede un orologio tascabile non esclude ehe il suo orologio 80 pendolo non sia pignorabile se consti che in sua assenza la famiglia non dispone d'altri orologi (consid. I).

2. L'offerta deI creditore di sostituire l'oggetto da pignorare con altro di minor valore puo essere ammessa solo quando esiste una sproporzione evidente tra il valore dell' oggetto da pignora.re e quello di lm altro, semplice, dello stesso genere. Ciö non e il caso quando l'oggetto da pignorare e un orologio a pendolo stimato 40 fr. (consid. 2). A. - Auf Begehren von Frau M. Kissling, Belp, wurde bei Hans Stähli, Velohandlung, Belp, über eine Anzahl Gegenstände, worunter einen Regulator, ein Retentions- verzeichnis aufgenommen. Der Schuldner erhob Beschwerde, indem er den Regu- lator und zwei andere Gegenstände als Kompetenzstücke ansprach. In seiner Vemehmlassung berief sich das Be- Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 49. 197 treibungsamt bezüglich des Regulators darauf, dass der Schuldner eine Taschenuhr besitze. B. - Durch Entscheid vom 6. Oktober 1930 schied die kantonale Aufsichtsbehörde den Regulator aus dem Reten- tionsverzeichnis aus mit der Begründung, der Schuldner habe Anspruch darauf, dass ihm neben einer Taschenuhr auch eine Hausuhr überlassen werde. O. - Gegen diesen Entscheid rekurrierte die Gläubigerin rechtzeitig an das Bundesgericht. Sie beantragt, der Regulator sei im Retentionsverzeichnis zu belassen und verweist wie das Betreibungsamt auf die Taschenuhr des Schuldners, an der sich auch dessen Ehefrau orientieren könne, da er sein Atelier zu Hause eingerichtet habe; jedenfalls genüge es, wenn ihm statt des Regulators, der auf 40 Fr. geschätzt sei und vielleicht das Doppelte ge- kostet habe, eine einfache Weckeruhr überlassen werde. Die Schuldbetreibungs- und KonkuTskammer zieht in Erwägung :

1. - Das Bundesgericht hat in einem frühem Entscheide erklärt, dass dem Schuldner seine Wanduhr zum mindesten immer dann belassen werden müsse, wenn er keine Ta- schenuhr besitze (BGE 40 III 373 Erw. 3). Nicht aus- gesprochen wurde dabei, wie es sich verhalte, wenn er tatsächlich über eine Taschenuhr verfüge. Letzterer Fall liegt hier vor. Er wäre ohne weiteres im Sinne der Abwei- sung des am Regulator geltend gemachten Kompetenz- anspruches zu entscheiden, wenn es sich um einen allein- stehenden Schuldner handelte. Das trifft jedoch nicht zu. Der Schuldner hat nach dem Bericht des Betreibungs- amtes eine Ehefrau und drei Kinder, von welchen das älteste neUn und das zweite acht Jahre alt ist. Weder die Rekurrentin noch das Betreibungsamt behaupten, es stehe der Familie ausser der Taschenuhr des Schuldners und dem Regulator noch eine dritte Uhr zur Verfügung. Dass aber auch eine Hausfrau und schulpflichtige Kinder täglich in die Lage kommen, die Zeit feststellen zu müssen, 198 Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 50. ist klar. Sie sind deshalb in der Abwesenheit des Schuld- ners notwendig auf die Wanduhr angewiesen. Damit steht

• deren Kompetenzqualität fest.

2. - Es frägt sich nur noch, ob nicht die Retention des Regulators unter der Bedingung aufrechtzuerhalten ist, dass die Rekurrentin dem Schuldner innert bestimmter Frist eine billigere Hausuhr zur Verfügung stelle. Aber auch das kommt nicht in Betracht. Die Beschaffung von Ersatzstücken durch den Gläubiger ist. nicht zu dem Zwecke zugelassen, dass die Einrichtung des Schuldners in jeder Hinsicht auf das Primitivste reduziert werden könne. Die Massnahme hat vielmehr Ausnahmecharakter und soll lediglich den Zugriff auch auf solche Gegenstände ermöglichen, deren Wert infolge kostbarer Ausstattung oder aus irgend einem andern Grunde in einem offentliehen Missverhältnis steht zum Wert einfacher, dem Kompe- tenzanspruch des Schuldners und seiner Familie ebenfalls genügender Gegenstände derselben Art. Von einem solchen Missverhältnis kann bei einer auf 40 Fr. geschätzten Wand- uhr nicht die Rede sein. Trotzdem eine Weckeruhr ohne Zweifel um einen niedrigern Preis erhältlich wäre, ist demnach die Auswechslung abzulehnen. Demgemäss erkennt die Schitldbetreibungs-. und Konkurskammer : Der Rekurs wird abgewiesen.

50. Entscheid vom 3. November lG30 i. S. Bader.

1. Art. 274 SchKG : Wenn es nach kau tonalem Rechte zulässig ist, dass die A r res t b e feh I e nur vom Pro t 0 k 0 11 f ü h r e r der Arrestbehörde u n t erz eie h n e t werden, so kann ein auf Grund eines solchen Arrestbefehles vollzogener Arrest nicht als ungiiltig angefochten werden (Erw. 1).

2. Art. 272 SchKG : Z a hIt der Drittschuldner die a r res t i e r t e F 0 r - der u n g an das Betreibungsamt, so erhält der Arrest- schuldner damit eine Forderung gegen das Amt. Soll diese Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 50. 199 Forderung ihrerseits mit einem neuen Arreste belegt werden, so hat das a m W 0 h n 0 r ted e s G 1 ä u b i ger s (=Arrestschuldners) zu geschehen (Erw. 2) •

1. Art. 274 LP: Lorsque, d'apres le droit cantona.l, le gre/lier ou secretaire est autorise a signer senIles ordorvnances de sequestre, on ne saurait annuler le sequestre execute sur la base d'une semblable ordonnance (consid. 1).

2. Art. 272 LP: Si le tiers debiteur paye en mains de l'office des poursuites le montant d'une creance se.questree, 1e debiteur sequestre devient creancier de l'office pour ce montant. Cette nouvelle creance ne peut etre sequestree a son tour qu'au domicile du flitulaire (debiteur sequestre) (consid. 2).

1. Art. 274 LEF. Se in forza. deI diritto cantonale un decreto di sequestro puo esoore firmato soltanto da! segreta.rio dell'autoritil. di ooquestro, 11.10 validita di un sequestro eseguito in base a.d un decret,o sifIatto non puo essere impugnata (consid. 1).

2. Art. 272 LEF. Se il terzo debitore paga all'ufficio un credito sequestrato, il debitore sequestrato diventa creditore dell'importo verso l'ufficio. Il nuovo credito non potra 1.10 sua. volta [essere sequestrato che~al domicilio deI titolare (debitore sequestrato) (consid. 2). A. - Auf Grund des von der zugerischen Arrestbehörde für die"Firma Suter & Portier, Meilen, erlassenen Arrest- befehles Nr. 26/1930 hatte das Betreibungsamt Zug am

20. August 1930 eine Forderung von Otto Bader sen., Muralto-Locarno, gegen die Bauunternehmung Landis & Hauser, Freudenberg-Risch, im Betrage von 6000 Fr. mit Arrest b~legt. Diesen Betrag bezahlte die Bauunterneh- mung Landis & Hauser in der Folge an das Betreibungs- amt Zug. Hierauf erwirkte die Firma Suter & Portier unter Ver- zicht auf den ersten Arrest einen Arrestbefehl Nr; 28/1930 auf das «Depot der Firma Landis & Hauser, Freu- denberg-Risch, im Betrage von 6000 Fr. beim Betreibungs- amt in Zug ». Der Arrest wurde vom beauftragten Betrei- bun gsamt Zug am 29. August 1930 vollzogen. B. - Diesen Arrestvollzug focht der Arrestschuldner