Sachverhalt
Auf Grund des von der zugerischen A:rrestbehörde
für die 'Firma Suter & Portier, Meilen, erlassenen Arrest-
befehles Nr. 26/1930 hatte das Betreibungsamt Zug am
20. August 1930 eine Forderung von Otto Bader sen.,
Muralto-LocaTIlO, gegen die Bauunternehmung Landis &
Hauser, Freudenberg-Risch, im Betrage von 6000 Fr. mit
Arrest b~legt. Diesen Betrag bezahlte die Bauunterneh-
mung Landis & Hauser in der Folge an das Betreibungs-
amt Zug.
Hierauf erwirkte die Firma Suter & Portier unter Ver-
zicht auf den ersten Arrest einen Arrestbefehl Nr: 28/1930
auf das «Depot der Firma. Landis & Hauser, Freu-
denberg-Risch, im Betrage von 6000 Fr. beim Betreibungs-
amt in Zug». Der Arrest wurde vom beauftragten Betrei-
bun gsamt Zug am 29. August 1930 vollzogen.
B. -
Diesen Arrestvollzug focht der A:rrestschuldner
200
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 50_
durch Beschwerde an mit der Begründung, der Arrest-
befehl sei nicht von der· zuständigen Behörde erlassen
worden. Durch die Deposition des Forderungsbetrages
• beim Betreibungsamt Zug habe die Firma Landis &
Hauser ihre Schuldpflicht nicht erfüllt, sodass die Forde-
rung weiterbestehe, und nur diese, nicht das Depot, habe
arrestiert werden können und zwar ausschliesslich am
Wohnort des Gläubigers, in Locarno; sodann wäre auf
jeden Fall auch in Zug nicht der Gerichtsschreiber zu-
ständig gewesen, der den Arrestbefehl allein unterzeichnet
habe, sondern der Kantonsgerichtspräsident.
Die kantonale Aufsichtsbehörde wies die Beschwerde
durch Entscheid vom 15. Oktober ab. Sie geht davon aus,
dass das Depot beim Betreibungsamt Zug eine körperliche
Sache darstelle und deshalb richtigerweise in Zug arrestiert
worden sei; dass die vom Kantonsgerichtspräsidenten erlas-
senen Arrestbefehle nur vom Gerichtsschreiber oder Sekre-
tär unterzeichnet werden, beruhe auf langjähriger Praxis.
O. -
Diesen Entscheid zog der Beschwerdeführer unter
Wiederholung des Antrages, der Arrestvollzug sei aufzu-
heben, an das Bundesgericht weiter.
.
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Die Erklärung der Vorinstanz, es sei nach der zugerischen Praxis' zulässig, dass der Kantonsgerichts- präsident die von ihm erlassenen' Arrestbefehle nicht selbst unterzeichne, sondern sie vom Gerichtsschreiber oder Sekretär unterzeichnen lasse, betrifft eine Frage des kan- tonalen Verfahrensrechtes und ist daher für das Bundes- gericht verbindlich. Dann kann aber aus dem Umstand, dass auch der vorliegende Arrestbefehl nur vom Gerichts- schreiber « per Arrestbehörde) unterzeichnet worden ist, nicht gefolgert werden, er sei tatsächlich nicht von der zuständigen Behörde, dem Kantonsgerichtspräsidenten, ausgegangen. Darin liegt also kein Grund, den Arrestvoll- zug aufzuheben. Sohuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 50. 201
E. 2 ,.-'- Zu Unrecht nimmt der Rekurrent auch an, die
Firma Landis & Hauser habe die durch das Betreibungs-
amt Zug an'estierte Forderung nicht durch Zahlung bei
diesem Amte, sondern nur bei demjenigen in Locarno,
gültig erfüllen können. Richtig ist, dass die Forderung
nicht in Zug, sondern in Locarno als dem Wohnorte des
Gläubigers hätte arrestiert werden sollen (vgl. BGE 47 III
S. 75). Solange der Arrest nicht aufgehoben war -
was
weder vorher noch nachher geschehen ist -
bestand' er
aber zu Recht und der Drittschuldner konnte und musste
an das Betreibungsamt zahlen, welches ihn vollzogen
hatte. Bei der Annahme des Rekurrenten, die Zahlung
sei eine Deposition gewesen, wäre diese Frage übrigens
bedeutungslos; denn daraus, dass die Deposition an
einem andern Orte hätte erfolgen sollen, ergäbe sich
keineswegs, dass das « Depot» nicht arrestiert werden
könne und zwar an dem Orte, wo es sich tatsächlich
befindet.
Massgebend ist vielmehr, dass man es bei der Zahlung
der Finna Lahdis & Hauser an das Betreibungsamt Zug
gerade nicht mit einer Deposition zu tun hat. Durch diese
auf den ersten Arrest gestützte Zahlung ist die Schuld
der genannten Firma gegenüber dem Rekurrenten erlo-
schen. An ihre Stelle trat eine Forderung des Rekurrenten
gegen das Betreibungsamt.
Das Betreibungsamt war
nicht verpflichtet, die gleichen Geldstücke oder Bank-
noten, sondern lediglich den gleichen Betrag herauszu-
zahlen. Es kann somit entgegen der Auffassung, welche
das Bundesgericht in dem von der Vorinstanz zitierten
Entscheide (BGE 32 1263 Erw. 2), sowie auch im analogen
Falle einer Zahlung des betriebenen Schuldners an das
Betreibungsamt (BGE 36 I 325) ausgesprochen hat, nur
von einer uneigentlichen Deposition (analog der zivil-
rechtlichen nach Art. 481 Abs. 1 OR) die Rede sein.
Die so entstandene Forderung des Rekurrenten gegen
das Betreibungsamt ist durch den zweiten Arrest mit
Beschlag belegt worden. Handelte es sich aber darum,
AB ö6 m -
1930
15
202
Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 61.
nicht eine deponierte Sache, sondern eine Forderung zu
arrestieren, so konnte das nur am Wohnorte des Gläubi-
gers, in Locarno, geschehen (vgL das oben zitirte Urteil
• BGE 47 TII 75), weshalb der in Zug gelegte Arrest
aufzuheben ist.
Demnach erkennt die Schuldbetr. und Konkur8kammer :
Der Rekurs wird gutgeheissen und der vom Betreibungs-
amt Zug in Vollziehung des Arrestbefehles Nr. 28/1930
gelegte Arrest aufgehoben.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
50. Entscheid vom 3. November 1&30 i. S. Bader.
1. Art. 274 SehKG :
Wenn es nach kantona.lem Rechte zulässig ist, da.ss die
A rr e s t be feh 1 e
nur vom Pro t 0 k oll f ü h r e r
der Arrestbehörde u n t erz e ich n e t
werden. so lmnn.
ein auf Grund eines solchen Arrestbefehles v·ollzogener Arrest
nicht als ungiiltig angefochten werden (Erw. 1).
2. Art. 272 SchKG :
Z a hIt der Drittschuldner die a r res t i e r t e
F 0 r -
der u n g
an das Betreibungsamt, so erhält der Arrest-
schuldner damit eine Forderung gegen das Amt. Soll diese
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 50.
199
Forderung ihrerseits mit einem neuen Arreste belegt werden,
so hat das a m W 0 h n 0 r ted e s
G I ä u b i ger s
(=Arrestschuldners) zu geschehen (Erw. 2).
1. Art. 274 LP:
Lorsque, d'apres le droit cantonal, le greflier ou sooretaire est
autorise a signer seIllIes ordonnances de sequestre, on ne saurait
annuler le sequestre 6Xecute sur la base d'une semblable
ordonnance (consid. 1).
2. Art. 272 LP:
Si le tiers debiteur paye en mains de l'office des poursuites
le montant d'une creance sequestree, le debiteur sequestre
devient creancier de l'office pour ce montant. Cette nouvelle
creance ne peut ~tre sequestree a son tour qu'au domicile du
titulaire (debiteur sequestre) (consid. 2).
1. Art. 274 LEF.
Se in forza. deI diritto cantonale un decreto di sequestro
pub essere firmato soltanto dsl segreta.rio dell'autorita di
sequestro, 180 va.lidita di un sequestro eseguito in base ad
un decreto siffatto non pub essere impugnata (consid. 1).
2. Art. 272 LEF.
Se il tarzo debitore paga all'ufficio un credito sequestrato,
il debitore sequestrato diventa creditore dell'import.o verso
l'ufficio.
11 nuovo credito non potra a sua volta [essere
sequestra.to ehe ~ al domicilio deI titolare (debitore sequestra.to)
(consid. 2).
A. -
Auf Grund des von der zugerischen A:rrestbehörde
für die 'Firma Suter & Portier, Meilen, erlassenen Arrest-
befehles Nr. 26/1930 hatte das Betreibungsamt Zug am
20. August 1930 eine Forderung von Otto Bader sen.,
Muralto-LocaTIlO, gegen die Bauunternehmung Landis &
Hauser, Freudenberg-Risch, im Betrage von 6000 Fr. mit
Arrest b~legt. Diesen Betrag bezahlte die Bauunterneh-
mung Landis & Hauser in der Folge an das Betreibungs-
amt Zug.
Hierauf erwirkte die Firma Suter & Portier unter Ver-
zicht auf den ersten Arrest einen Arrestbefehl Nr: 28/1930
auf das «Depot der Firma. Landis & Hauser, Freu-
denberg-Risch, im Betrage von 6000 Fr. beim Betreibungs-
amt in Zug». Der Arrest wurde vom beauftragten Betrei-
bun gsamt Zug am 29. August 1930 vollzogen.
B. -
Diesen Arrestvollzug focht der A:rrestschuldner
200
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 50_
durch Beschwerde an mit der Begründung, der Arrest-
befehl sei nicht von der· zuständigen Behörde erlassen
worden. Durch die Deposition des Forderungsbetrages
• beim Betreibungsamt Zug habe die Firma Landis &
Hauser ihre Schuldpflicht nicht erfüllt, sodass die Forde-
rung weiterbestehe, und nur diese, nicht das Depot, habe
arrestiert werden können und zwar ausschliesslich am
Wohnort des Gläubigers, in Locarno; sodann wäre auf
jeden Fall auch in Zug nicht der Gerichtsschreiber zu-
ständig gewesen, der den Arrestbefehl allein unterzeichnet
habe, sondern der Kantonsgerichtspräsident.
Die kantonale Aufsichtsbehörde wies die Beschwerde
durch Entscheid vom 15. Oktober ab. Sie geht davon aus,
dass das Depot beim Betreibungsamt Zug eine körperliche
Sache darstelle und deshalb richtigerweise in Zug arrestiert
worden sei; dass die vom Kantonsgerichtspräsidenten erlas-
senen Arrestbefehle nur vom Gerichtsschreiber oder Sekre-
tär unterzeichnet werden, beruhe auf langjähriger Praxis.
O. -
Diesen Entscheid zog der Beschwerdeführer unter
Wiederholung des Antrages, der Arrestvollzug sei aufzu-
heben, an das Bundesgericht weiter.
.
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
in Erwägung :
1. -
Die Erklärung der Vorinstanz, es sei nach der
zugerischen Praxis' zulässig, dass der Kantonsgerichts-
präsident die von ihm erlassenen' Arrestbefehle nicht selbst
unterzeichne, sondern sie vom Gerichtsschreiber oder
Sekretär unterzeichnen lasse, betrifft eine Frage des kan-
tonalen Verfahrensrechtes und ist daher für das Bundes-
gericht verbindlich. Dann kann aber aus dem Umstand,
dass auch der vorliegende Arrestbefehl nur vom Gerichts-
schreiber « per Arrestbehörde) unterzeichnet worden ist,
nicht gefolgert werden, er sei tatsächlich nicht von der
zuständigen Behörde, dem Kantonsgerichtspräsidenten,
ausgegangen. Darin liegt also kein Grund, den Arrestvoll-
zug aufzuheben.
Sohuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 50.
201
2.,.-'- Zu Unrecht nimmt der Rekurrent auch an, die
Firma Landis & Hauser habe die durch das Betreibungs-
amt Zug an'estierte Forderung nicht durch Zahlung bei
diesem Amte, sondern nur bei demjenigen in Locarno,
gültig erfüllen können. Richtig ist, dass die Forderung
nicht in Zug, sondern in Locarno als dem Wohnorte des
Gläubigers hätte arrestiert werden sollen (vgl. BGE 47 III
S. 75). Solange der Arrest nicht aufgehoben war -
was
weder vorher noch nachher geschehen ist -
bestand' er
aber zu Recht und der Drittschuldner konnte und musste
an das Betreibungsamt zahlen, welches ihn vollzogen
hatte. Bei der Annahme des Rekurrenten, die Zahlung
sei eine Deposition gewesen, wäre diese Frage übrigens
bedeutungslos; denn daraus, dass die Deposition an
einem andern Orte hätte erfolgen sollen, ergäbe sich
keineswegs, dass das « Depot» nicht arrestiert werden
könne und zwar an dem Orte, wo es sich tatsächlich
befindet.
Massgebend ist vielmehr, dass man es bei der Zahlung
der Finna Lahdis & Hauser an das Betreibungsamt Zug
gerade nicht mit einer Deposition zu tun hat. Durch diese
auf den ersten Arrest gestützte Zahlung ist die Schuld
der genannten Firma gegenüber dem Rekurrenten erlo-
schen. An ihre Stelle trat eine Forderung des Rekurrenten
gegen das Betreibungsamt.
Das Betreibungsamt war
nicht verpflichtet, die gleichen Geldstücke oder Bank-
noten, sondern lediglich den gleichen Betrag herauszu-
zahlen. Es kann somit entgegen der Auffassung, welche
das Bundesgericht in dem von der Vorinstanz zitierten
Entscheide (BGE 32 1263 Erw. 2), sowie auch im analogen
Falle einer Zahlung des betriebenen Schuldners an das
Betreibungsamt (BGE 36 I 325) ausgesprochen hat, nur
von einer uneigentlichen Deposition (analog der zivil-
rechtlichen nach Art. 481 Abs. 1 OR) die Rede sein.
Die so entstandene Forderung des Rekurrenten gegen
das Betreibungsamt ist durch den zweiten Arrest mit
Beschlag belegt worden. Handelte es sich aber darum,
AB ö6 m -
1930
15
202
Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 61.
nicht eine deponierte Sache, sondern eine Forderung zu
arrestieren, so konnte das nur am Wohnorte des Gläubi-
gers, in Locarno, geschehen (vgL das oben zitirte Urteil
• BGE 47 TII 75), weshalb der in Zug gelegte Arrest
aufzuheben ist.
Demnach erkennt die Schuldbetr. und Konkur8kammer :
Der Rekurs wird gutgeheissen und der vom Betreibungs-
amt Zug in Vollziehung des Arrestbefehles Nr. 28/1930
gelegte Arrest aufgehoben.