Sachverhalt
Im Konkurs über die A.-G. Ob recht & Oe
meldete der Schweizerische Bankverein in Biel eine
Forderung von 242,391 Fr. an mit Grundpfandsicherung
bis zum Betrage von 200,000 Fr. durch in Como
befindliche Liegenschaften laut Verschreibung vom
9. Juni 1921. Im Kollokationsplan verwies die Kon-
kursverwaltung die Forderung in· die fünfte Klasse
« in folge Drittpfandverhältnis ». Hiegegen führte die
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Schuldbetreibung&- und Konklll'Sl'eeht. N° 34.
Rekurrentin, die
als Konkursgläubigerin . zugelassen
ist, Beschwerde mit dem Antrag~ der Kollokationsplau
sei aufzuheben, soweit darin « der Grundpfandtitel I) des
Schweizerischen Bankvereins Biel...... von der Kon-
kursverwaltung und dem Gläubigerausschuss als Dritt-
p~and erklärt wird. Die Rekurrentin machte geltend,
dass die verpfändeten Liegenschaften der Gemeinschuld-
nerin selbst gehören.
B. -
Durch Entscheid vom 20. Februar 1925 ist die
Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs
des Kantons Solothurn auf die Beschwerde nicht ein-
getreten, mit der Begründung, der Streit darüber, ob,
wie die Beschwerdeführerin verlange, die vom Schweize-
rischen Bankverein angemeldete Forderung unter den
pfandversicherten
Forderungen
zu
kollozieren sei,
weil die verpfändeten Liegenschaften Eigentum der
Gemeinschuldnerin seien, bilde Gegenstand der Kollo-
kationsklage.
C. -
Diesen Entscheid hat die Reknrrentin an das
Bundesgericht weitergezogen, dabei den Beschwerde-
antrag erneuert und weiter ausgeführt: Es sei unabge-
klärt und bestehe Streit darüber, ob die Firma Obrecht
& Oe in Corno, deren Liegenschaften verpfändet wurden,
eine selbständige, von der Gemeinschuldnerin losge-
löste Gesellschaft (Kommanditgesellschaft?) oder aber
eine Filiale der Gemeinschuldnerin sei.· Werde im Kollo-
kationsplan verfügt, dass die verpfändeten Liegenschaf-
ten als Drittpfand, d. h. im Eigentum eines Dritten
stehend anzusehen seien, so komme dies einer Ver-
fügung über einen Aussonderungsanspruch gleich, zu
der die Konkursverwaltung und der Gläubigerausschuss
nicht ohne vorherige Begrüssung der Gläubiger kom-
petent seien und die daher müsse durch Beschwerde
angefochten werden können, weil andernfalls die be-
treffenden Grundstücke für die Gesamtheit der Gläubiger
sowohl wie für die einzelnen,Gläubiger (als Zessionare
der Konkursmasse) unwiderbringlich verloren wären.
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 34.
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Ebensowenig dürfe den einzelnen Gläubigern das Recht
auf Abtretung unter dem Gesichtspunkte abgeschnitten
werden, dass die Grundstücke (auch unter der Voraus-
setzung, dass sie der Gemeinschuldnerin gehören) doch
nicht zur Masse gezogen werden können, weil sie im
Ausland liegen.
Die Schuldbelreibungs- und Konkurskammer zieht
Erwägungen (1 Absätze)
E. 11 134 Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 35. werden müssen, unge'wiss sei, ob die Kollokation in fünfter Klasse gemäss Art. 61 KV für den vollen Betrag oder gemäss Art. 62 KV nur für den (allfällig eintre- tenden) Pfandausfall stattzufinden habe. Denn auch im letzteren Falle ist gleich wie im ersteren die Pfand- forderung in ihrem vollen (anerkannten) Betrage un~r die unversicherten Forderungen aufzunehmen, und eme Abweichung besteht nur insofern, als diese Kollokation nicht ohne weiteres zum Bezuge der entsprechenden Dividende berechtigt, sondern die Dividende bis nach Durchführung der Pfandverwertung zurückzubehalten und dann überhaupt nur für den Betrag des Pfandaus- falles auszurichten ist; die für den Rekursgegner derart sich ergebende Dividendensumme wird in der Ver- teilungsliste bezw. in einem Nachtrag zu derselben zu bestimmen sein ..... . Demnach erkennt die Schuldbetr. und Konkurskammer : Der Rekurs wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
34. Entscheid vom 14. JuU 1925
i. S. S~weizerische Bankgesellschaft.
Wie ist im Kollokationsplan zu behandeln eine Forderung am
Gemeinschuldner mit Pfandsicherung, wenn das Pfand im
Ausland liegt und fraglich ist, ob es dem Gemeinschuldner
gehört? Konkursverordnung Art. 47 n., 53, 61, 62.
Beschwerde oder Klage gegen eine Kollokationsverfügung ?
A. -
Im Konkurs über die A.-G. Ob recht & Oe
meldete der Schweizerische Bankverein in Biel eine
Forderung von 242,391 Fr. an mit Grundpfandsicherung
bis zum Betrage von 200,000 Fr. durch in Como
befindliche Liegenschaften laut Verschreibung vom
9. Juni 1921. Im Kollokationsplan verwies die Kon-
kursverwaltung die Forderung in· die fünfte Klasse
« in folge Drittpfandverhältnis ». Hiegegen führte die
130
Schuldbetreibung&- und Konklll'Sl'eeht. N° 34.
Rekurrentin, die
als Konkursgläubigerin . zugelassen
ist, Beschwerde mit dem Antrag~ der Kollokationsplau
sei aufzuheben, soweit darin « der Grundpfandtitel I) des
Schweizerischen Bankvereins Biel...... von der Kon-
kursverwaltung und dem Gläubigerausschuss als Dritt-
p~and erklärt wird. Die Rekurrentin machte geltend,
dass die verpfändeten Liegenschaften der Gemeinschuld-
nerin selbst gehören.
B. -
Durch Entscheid vom 20. Februar 1925 ist die
Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs
des Kantons Solothurn auf die Beschwerde nicht ein-
getreten, mit der Begründung, der Streit darüber, ob,
wie die Beschwerdeführerin verlange, die vom Schweize-
rischen Bankverein angemeldete Forderung unter den
pfandversicherten
Forderungen
zu
kollozieren sei,
weil die verpfändeten Liegenschaften Eigentum der
Gemeinschuldnerin seien, bilde Gegenstand der Kollo-
kationsklage.
C. -
Diesen Entscheid hat die Reknrrentin an das
Bundesgericht weitergezogen, dabei den Beschwerde-
antrag erneuert und weiter ausgeführt: Es sei unabge-
klärt und bestehe Streit darüber, ob die Firma Obrecht
& Oe in Corno, deren Liegenschaften verpfändet wurden,
eine selbständige, von der Gemeinschuldnerin losge-
löste Gesellschaft (Kommanditgesellschaft?) oder aber
eine Filiale der Gemeinschuldnerin sei.· Werde im Kollo-
kationsplan verfügt, dass die verpfändeten Liegenschaf-
ten als Drittpfand, d. h. im Eigentum eines Dritten
stehend anzusehen seien, so komme dies einer Ver-
fügung über einen Aussonderungsanspruch gleich, zu
der die Konkursverwaltung und der Gläubigerausschuss
nicht ohne vorherige Begrüssung der Gläubiger kom-
petent seien und die daher müsse durch Beschwerde
angefochten werden können, weil andernfalls die be-
treffenden Grundstücke für die Gesamtheit der Gläubiger
sowohl wie für die einzelnen,Gläubiger (als Zessionare
der Konkursmasse) unwiderbringlich verloren wären.
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 34.
131
Ebensowenig dürfe den einzelnen Gläubigern das Recht
auf Abtretung unter dem Gesichtspunkte abgeschnitten
werden, dass die Grundstücke (auch unter der Voraus-
setzung, dass sie der Gemeinschuldnerin gehören) doch
nicht zur Masse gezogen werden können, weil sie im
Ausland liegen.
Die Schuldbelreibungs- und Konkurskammer zieht
in Erwägung:
Was die Rekurrentin mit ihrer Beschwerde bezweckt.
ist erst aus der Rekursschrift an das Bundesgericht
ersichtlich, nämlich die Aufhebung der angefochtenen
Kollokationsverfügung wegen Verletzung von Vor-
schriften des formellen Konkursrechts. Die Beschwerde-
schrift an die Vorinstanz war nach dieser Richtung
so wenig explizit, dass es verständlich ist, wenn die
Vorinstanz glaubte, es sei der Rekurrentin um die
Anfechtung der Kollokationsverfügung als materiell
unrichtig zu tun. Nachdem sich nun aber herausgestellt
hat, dass die Rekurrentin das zur Rüge der Verletzung
von Verfahrensvorschriften bestimmte Rechtsmittel der
Beschwerde ergriffen hat, um eine derartige Rüge anzu-
bringen, und nicht lediglich deshalb, weil sie die ange-
fochtene Verfügung als materiell ungerechtfertigt er-
achtet, erweist sich die Entscheidung der Vorinstanz als
gesetzwidrig. Liegt nun auch eine sachliche Entschei-
dung derselben über die Beschwerde nicht vor, so bedarf
es doch nicht der Rückweisung, weil die Sache spruch-
reif erscheint. Indessen hann der Beschwerde nicht
Folge gegeben werden.
Zu Unrecht glaubt die Rekurrentin, die angefochtene
Kollokationsverfügung schliesse aus, dass später die
Gläubigerversammlung beschliesse, die verpfändeten
Liegenschaften seien zur Konkursmasse zu ziehen, v.on
der Auffassung ausgehend, sie gehören der Gemem-
schuldnerin, oder dass im Falle des Verzichts der Gläu-
bigerschaft auf die Geltendmachung eines solchen An-
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Schuldbetreibungs- und Konkursl'trebt. N° 34.
spruches derselbe gemäss Art. 260 SchKG an diejenigen
einzelnen Gläubiger abgetreten werde, welche es ver-
langen. Gleichwie die Entscheidung über die Aussonde-
rung von in der Verfügungsgewalt der Masse befindlichen
Vermögensstücken nach Art. 47 ff. KV in letzter Linie
der Gläubigerversammlung zusteht, so befindet die
Gläubigerversammlung auch darüber. ob nicht in der
Verfügungsgewalt der Masse befindliche Vermögens-
stücke zu admassieren, d. h. die zu ihrer Einbeziehung
in die Konkursmasse erforderlichen Rechtsvorkehren
zu treffen seien. Mit dieser Regelung stünde es im Wider-
spruch, wenn Kollokationsverfügungen, die von der
Konkursverwaltung oder allfällig vom Gläubigeraus-
schuss ausgehen, den Beschlüssen der Gläubigerver-
sammlung über Aussonderung bezw. Admassierung oder
der Geltendmachung solcher Ansprüche seitens einzelner
Gläubiger vorgreifen könnten. Danach ist der Erwäh-
nung eines « Drittpfandverhältnisses » in der angefoch-
tenen Kollokationsverfügung nur die Bedeutung einer
Begründung dafür beizumessen, dass die von dem
Rekursgegner angemeldete pfandversicherte Forderung
unter die unversicherten Forderungen aufgenommen
und dort zugelassen wurde, nicht diejenige einer selb-
ständigen Verfügung, dass die· verpfändeten Liegen-
schaften nicht zur Masse gezogen werden. Irgend ein
Vorteil würde der Rekurrentin.aus der Streichung jener
Angabe nicht erwachsen; denn da sich das Pfandobjekt
gegenwärtig nicht in der Verfügungsgewalt der Masse
befindet, lässt sich gegen die Zulassung der Forderung
des Rekursgegners in der fünften Klasse nichts ein-
wenden, und es scheint denn ja auch die Rekurrentin gar
nicht darauf abzuzielen, dass der Rekursgegner in der
fünften Klasse nicht zugelassen werde.
Die angefochtene Kollokationsverfügung könnte auch
nicht etwa mit der Begründung aufgehoben werden, dass
Konkursverwaltung und Gläubigerausschuss mit jeg-
licher Kollokation der Forderung des Rekursgegners
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 34.
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hätten zuwarten sollen. bis endgültig darüber entschieden
sei. ob die verpfändeten Liegenschaften zur Konkurs-
masse gehören oder nicht. Beansprucht ein Konkurs-
gläubiger das Pfandrecht an einem nicht in der Ver-
fügungsgewalt der Konkursmasse befindlichen Ver-
mögensobjekt, so
darf die KonkursverWaltung eine
Kollokationsverfügung übe r das P fan d r e c h t
freilich nicht treffen, bevor sie jenes Vermögensobjekt,
nötigenfalls auf dem Prozesswege, zur Masse gezogen
hat. umsoweniger als sie über das von einem Konkurs-
gläubiger beanspruchte Pfandrecht an einem Vermögens-
objekt, welches sich zwar in der Verfügungsgewalt der
Masse befindet, dessen Aussonderung jedoch von einem
Dritten verlangt wird, gemäss Art. 53 KV erst nach
Erledigung des Aussonderungsanspruches durch un-
benützten Ablauf der gemäss Art. 242 SchKG anzu-
setzenden Klagefrist oder rechtskräftige Abweisung der
Aussonderungsklage durch einen Nachtrag zum Kollo-
kationsplan verfügen soll. Dagegen muss die Konkurs-
verwaltung sofort, d. h. ohne die Erledigung des Eigen-
tumsstreites abwarten zu dürfen, eine Verfügung über
die Zulassung der Forderung als solcher, in fünfter
Klasse, treffen, weil es nicht angeht, einem Konkurs-
gläubiger einzig aus dem Grunde, dass über das von
ihm beanspruchte Pfandrecht nicht sofort eine Ver-
fügung getroffen werden kann, die sich aus der Zulas-
sung im Kollokationsplan ergebende Rechtsstellung im
Konkursverfahren vorzuenthalten.
Endlich könnte gegen die angefochtene Kollokations-
verfügung auch nicht etwa unter dem Gesichtspunkt
etwas eingewendet werden, dass im Falle, wo wie hier
die Admassierung eines im Ausland befindlichen Pfand-
gegenstandes nicht nur von der Entscheidung über die
Frage des Eigentums an demselben, sondtrn (wenn diese
zu Gunsten der Masse ausgefallen ist) ausserdem noch
vom Ergebnis von Verhandlungen abhängt, welche mit
den Behörden am Orte der gelegenen Sache' geführt
AS 51 III -
1925
11
134
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 35.
werden müssen, unge'wiss sei, ob die Kollokation in
fünfter Klasse gemäss Art. 61 KV für den vollen Betrag
oder gemäss Art. 62 KV nur für den (allfällig eintre-
tenden) Pfandausfall stattzufinden habe. Denn auch
im letzteren Falle ist gleich wie im ersteren die Pfand-
forderung in ihrem vollen (anerkannten) Betrage un~r
die unversicherten Forderungen aufzunehmen, und eme
Abweichung besteht nur insofern, als diese Kollokation
nicht ohne weiteres zum Bezuge der entsprechenden
Dividende berechtigt, sondern die Dividende bis nach
Durchführung der Pfandverwertung zurückzubehalten
und dann überhaupt nur für den Betrag des Pfandaus-
falles auszurichten ist; die für den Rekursgegner derart
sich ergebende Dividendensumme wird in der Ver-
teilungsliste bezw. in einem Nachtrag zu derselben zu
bestimmen sein ..... .
Demnach erkennt die Schuldbetr. und Konkurskammer :
Der Rekurs wird abgewiesen.