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I. FAMILIENRECHT DROIT DE LA FAMILLE
18. Urteil der II. Zi'rilabtei11111g vom 30. Kirz loao
i. S. Jes gegen IOausner. Art. 308 ZGB. Begriff der Klageanhebung i. S. dieses Artikels. Weitergehende Vorschriften des kantonalen Prozessrecht~s. Die Nichtbeachtung derselben führt nicht zur Verwirkung des Anspruchs. A. - Die Klägerin Anna Josefa Jans gebar am 8. März 1918 im Kantonsspital in Luzern ein aussereheliches Kin<4 die heutige Klägerin Nr. 2 Anna Martha Jans. Unterm 7. März 1919 reichte Fürsprech Muff in Hitz- kireh als Anwalt der Klägerinnen beim Bezirksgericht Muri gegen den Beklagten Johann Klausner in Benzen- schwil die vorliegende Vaterschaftsklage ein. Die Klage ist. wie in der aargauischen Zivilprozessordnung für appel- lable Streitsachen vorgesehen (§ 127 ZPO). in Schrift verfasst und von Dr. Muff {(ns. Kläger» unterzeichnet; dagegen wurde ihr eine diesen zur Prozess führung ermäch- tigende Vollmacht der Klägerinnen nicht beigelegt. Der Beklagte erhob in seiner Klageantwort die Einrede der Verwirkung des Klagerechts mit der Begründung, .dass zur Wahrung der Frist von Art. 308 ZGB die Eil1- reichung der Klage «mit allen nötigen Vollmachten)\ inner! einem Jahre seit der Geburt des Kindes erfor- derlich sei. B. - Durch Urteil vom 22. Dezember 1919 hat das Obergericht des Kantons Aargau (I. Abteilung) die Klage abgewiesen, in Erwägung, dass die Klägerinnen das Kla- gerecht verwirkt hätten, weil die Vollmacht für Dr. Muff AS 46 11 - 19fO 7
88 Familienrec:ht. NG 18. erst nach Ablauf der Frist von Art. 308 ZGB eingelegt worden sei; denn das für die Fonn der Klage massge- bende aargauische Zivilprozessrecht stehe auf dem Stand-
• punkte, dass die zur Einlegung von Rechtsmitteln ~esetz ten Notfristen nur dann als gewahrt gelten, wenn mnert der Frist seitens eines allfälligen Parteivertreters auch der VollmachtSausweis geleistet werde. C. - Gegen dieses Urteil richtet sich die vorliegende Berufung der Klägerinnen mit dem Antrag,. die ~age sei gutzuheissen, eventuell sei die Sache zu. mateneller Entscheidung an die Vorinstanz zurückZUWeIsen. Das Bundesgericht zieht in Erwägung: Streitig ist allein die Frage, ob die vorliegende Vater- schaftsklage innert der in Art. 30~ ZGB ~ufges~llt~n Frist angehoben worden -ist. Da es SIch dabeI -: Wie dIe Vorinstanz mit Recht angenommen hat - um eme bun- desrechtliche Verwirkungsfrist handelt und der Begriff der diese Frist unterbrechenden Klageanhebung eben- falls dem Bundesrechte angehört, so ist die Zuständig- keit des Bundesgerichtes gegeben. Entgegen der Auffas- sung der beiden Vorinstanzen muss nun im vorliegenden Falle die Frist als gewahrt angese~en werden. Der Begriff der Klageanhebung im Sinne von Art. 308 ZGB wird von der Praxis des Bundesgerichtes in Anlehnung an den analogen Begriff der Klageanhebung im Sinne von Art. 35 ZEG und Art. 250 SchKG als diejenige prozessein- leitende oder vorbereitende Handlung des Klägers defi- niert, mit der er zum ersten Male in bestimmter Fonn den Schutz des Richters anruft. (AS 42 II S.I02 f.332 f.). Danach hat die Vaterschaftsklägerin, die diese Handlung vor Ablauf eines Jahres seit der Geburt des Kindes v:o~ nimmt, Anspruch darauf, dass die Klage als rechtzeItig angehoben anerkannt wird, auch wenn jene Handlung dem Begriffe der Klageanhebung des kantonalen Pro- zessrechtes nicht in allen Teilen entsprechen sollte. Art. 308 ZGB steHt sich als eine der in Art. 310 Abs. 1 Familienrecht. N0 18. 89 ZGB dem eidgenössischen Recht vorbehaltenen Bestim- mungen dar, indem er die den Kantonen mit Bezug auf die Ordnung des Vaterschaftsprozesses zugewiesene Auf- gabe in dem Sinne beschränkt, dass die Kantone wohl die Prozesseinleitung und das weitere Verfahren zu regeln haben, an die Missachtung dieser Vorschriften jedoch nicht selbständig die Verwirkung des Klagerechtes knü- pfen. dürfen. Vielmehr tritt diese nur dann ein, wenn die Klägerin innert der bundesrechtlichen Frist nicht die- jenige Prozesshandlung vorgenommen hat, die dem vor- erwähnten bundesrechtlichen Begriff der Klageanhebung entspricltt. Allerdings steht es den Kantonen frei. für die pro z e s S u ale Rechtsgültigkeit der Klage noch weitere Voranssetzungen aufzustellen. doch kann die Nichterfüllung derselben nur pro z e s s u ale Rechts- wirkungen nach sich ziehen, d. h. es darf die Beachtung dieser, über den bundesrechtlichen Begriff der Klagean- hebung hinausgehenden Vorschriften nicht durch die Androhung der Verwirkung des Anspruchs, sondern nur durch die Androhung von Säumnisfolgen und Prozess- strafen erzwungen werden. Da nun die Vorinstanz selbst nicht in Abrede stellt, dass nach aargauischem Zivilprozess- recht die Vaterschaftsklage durch Einlegung einer Klage- schrift eingeleitet wird, sodass also in dieser Vorkehr diejenige Handlung zu erblicken ist, mit der zum ersten Male der Schutz des Richters angerufen wird, so bedeutet es eine Verletzung des eidgenössischen Rechtes, wenn die Vorinstanz den Anspruch als verwirkt erklärt, weil der Anwalt der Klägerinnen es unterlassen hat, gleichzeitig mit der Klageschrift auch die Vollmacht seiner Klient- schaft ins Recht zu legen. Denn § 44 aarg. ZPO, sofern er so ausgelegt wird, wie es die Vorinstanz in für das Bundesgericht als Berufungsinstanz verbindlicher Weise getan hat - wobei allerdings äusserst zweifelhaft ist, ob diese Auslegung vor Art. 4 BV standhält - stellt sich als eine solche über den bundesrechtlichen Begriff der Klageanhebung hinausgehende Bestimmung dar, deren
90 Familienrecht. N° 19. Nichtbeachtung kraft eidgenössischen Rechtes keine Ver- wirkung des Anspruches zur Folge haben kann. Wollte man anders entscheiden, so wäre es den Kantonen unbe- nommen, zu verlangen, dass innerhalb der einjährigen Frist auch noch andere Beweismittel beigebracht werden müssen, und zu bestimmen, dass das Klagerecht ver- wirkt ist, sofern dies nicht geschieht, was sich aber offen- bar mit dem bundes rechtlichen Begriffe der Klagean- hebung nicht vereinbaren liesse. Demnach erkennt das Bundesgericht: Die Berufung wird gutgeheissen, das Urteil des Ober- gerichts des Käntons Aargau vom 22. Dezember 1919 aufgehoben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewi~en.
19. Sentenza 12 maggio 1920 della IIa semone civile nella causa Patocchi contro de Bouchi. La domanda di assistenza giudiziaria non e atto iniziatore d'istanza ed interruttivo deI termine di preserizione pre- visto dall'art. 308 CC. - Non pud opporre l'eceezione di tardivita il eonvenuto ehe abbia, eon atto proprio, indotto)' attriee a lasciar traseorrere- infruttuosamente il termine dell'art. 308 CC. A. - Il16 agosto 1917 Elisa Sartini vedova De Rocchi in Viganello dava alla luce un figlio illegittimo cui fu dato il norne di Silvio. Piero Patocchi, controllore di dogana in Lugano, ehe la puerpera aveva indicato come pad:re deI neonato, era allora unito in matrimonio eon Giu- seppina Sorio, da cui aveva chiesto i1 divorzio, ehe fu pronunciato dal Tribunale di Appello deI Cantone Ticino eon sentenza deI 21 maggio 1917. Questa sentenza fu con- fermata dal Tribunale federale e divenne definitiva in Familienrecht. N° 19. data dei 15 novembre 1917. n 6 giugn01918 Piero Pa- toechi ammetteva a verbale dayanti la Delegazione tutoria del Comune di Lugano di aver avuto relazioni amorose colla de Roeehi, ma contestava di essere il padre del nato. Cid nondimeno, in ima lettera del 14 luglio, affermava alla De Rocehi di non aver mai avuto l'intenzione di ingannarla e di sottrarsi alla responsibilita delle sue azioni, di voler riconoscere prossimamente il figlio come suo, anzi di volerlo prendere ed allevare in casa propria, ma le raeeomandava vivamente di serbare il silenzio. Il riconoscimento davanti 10 Stato civile di Viganello avvenne infatti poeo tempo dopo, il 25 luglio 1918. Nel frattempo, e precisamente l' 11 luglio 1918 la De Rocchi aveva inoltrato domanda;di assistenza giudi- ziaria per l'inizianda causa di paternita contro Piero Patocehi. Nella domanda si legg~: « Si prega solleeito disbrigo, perehe il 16 agosto scade l'anno per l'azione di paternitit. » La domanda venne tuttavia ritirata e, pel momento, De Rocchi non diede corso alla causa, alla quale, dato il riconoscimento dell'infante, non credeva aver piil alcun interesse. B. - Essendosi in seguito Patocchi rifiutato a contri- buire all'allevarnento deI figlio, Elisa de Rocchi, con petizione deI 17 febbraio 1919, domandava al Pretore di Lugano-Citta ehe pronunciasse : 10 La patria potesta sul figlio Silvio e concessa alla madre attrice. 20 Il convenuto e condamnato a pagare al figlio e per esso alla madre un sussidio di mensili 90 fr. 3° Il convenuto e inoltre condannato a pagare alla madre un' indennita di 400 fr. per spese di parto ece., a mente dell'art. 318 ces. Il convenuto eonchiuse domandando il rigetto della seeonda e terza domanda e chiedendo, riconvenzional- mente, l'annullamento dei riconoscimento deI 25 luglio 1918 per difetto di forma e in virtil dell'art. 304 CCS. Di fronte all'azione di paternita, esso solleva l'eccezione