Sachverhalt
Mit Beschluss vom 11. Februar 1915 untersagte
der Regierungsrat des Kantons Zürich in Anwendung
von Art. 45 Abs. 3 BV und Art. 14 zürch. KV dem in der
Stadt Zürich niedergelassenen Rekurrenten Alois Abbt
von Hermetschwil (Kanton Aargau) die Niederlassung
im Kanton Zürich und das Wiederbetreten desselben
ohne Erlaubnis der Polizeidirektion unter Androhung
gerichtlicher Bestrafung gemäss § 80 StGB im Nichtbeachtungsfalle, weil Abbt während seiner damaligen
Niederlassung wegen Hehlerei zu Gefängnis und Geld-
buse verurteilt worden war und ferner noch wegen einer
Wucherangelegenheit in Strafuntersuc1).ung stand, nachdem er bereits sechs Vorstrafen für Vermögensdelikte
(insbesondere Hehlerei und Betrug) erlitten hatte.
In der Folge trug jedoch der Regierungsrat einem Wiedererwägungsgesuche Abbts in der Weise Rechnung. dass
er « aus Billigkeitsgründen &, um Abbt mit Rücksicht auf
seine kürzliche Wiederverheiratung «noch eine letzte
Staatsrecht.
Gelegenheit zu bieten, sich moralisch zu rehabilitieren .,
am 1. April 1915 beschloss:
(I Die Ausweisung des Alois Abbt wird auf Zusehen hin
» aufgehoben unter der Androhung, dass, wenn er neuer-
)} dings mit den Gesetzen und Behörden in Konflikt ge-
l) raten sollte oder über seine Aufführung und sein Ge-
* schäftsgebahren irgendwelche berechtigten· Klagen ein-
\) gehen sollten, die Ausweisung sofort beschlossen und
» vollzogen würde. »
Am 11. Mai 1916 sodann fasste der Regierungsrat wiederum den Beschluss :
« Dem Alois Abbt von Hermetschwil (Kanton Aargau),
» Uhrenmacher und Juwelenhändler, geboren am 25. Juni
» 1874, wird die Niederlassung im Kanton Zürich entzo-
» gen und das Wiederb~treten desselben ohne die Er-
» laubnis der Polizeidirektion untersagt, mit der Andro-
I) hung, dass er wegen Ungehorsams gegen eine amtliche
» Verfügung dem Gerichte zur Bestrafung gemäss § 80
»des Strafgesetzbuches überwiesen würde. })
Die Begründung geht dahin, dass die Voraussetzungen,
unter denen von der Ausweisung Abbts bis auf weiteres
Umgang genommen worden sei, nicht in Erfüllung gegangen seien. Abbt sei nämlich·im Herbst 1915 neuerdings wegen Wuchers in Strafuntersuchung gezogen und
obergerichtlich zwar freigesprochen, immerhin aber wegen
der abstossenden und verwerflichen Art seines Geschäftsbetriebes mit den gesamten Rosten des Verfahrens belastet worden. Nebenbei möge noch erwähnt werden, dass
Abbt, der mit seiner Verehelichung auch eine moralische
Besserung in Aussicht gestellt habe, laut Bericht des Polizeikommandos im April 1916 unter falschem Namen mit
notorischen Dirnen im Hotel z. Bayrischen Hof in Zürich
abgestiegen sei. Obschon Abbt -
offenbar, um der Ausweisung zu entgehen -
nach seinen letzten Mitteilungen
das Kantonsgebiet verlassen habe, sei es angezeigt, ihm
die Niederlassung im Kanton und dessen Betreten Hoch
ausdrücklich zu untersagen, damit er nicht wieder zurück-
Niederlassungsfrciheit. N° 40.
297
kehren und sein verwerfliches Treiben vQn neuem beginnen könne.
B. -
Gegen diesen letzten, ihm am 26. Mai im Dispositiv zugestellten Beschluss des Regierungsrates hat Abbt
mit Eingabe seines Vertreters vom 22. Juni 1916 den
staatsrechtlichen Rekurs an das Bundesgericht ergriffen
und beantragt, der Beschluss sei in dem Sinne aufzuheben, dass dem Rekurrenten gestattet werde, sich jede
'Voche einen Nachmittag in Zürich aufzuhalten oder im
Kanton Zürich frei zu zirkulieren und daselbst vorübergehende einzelne Geschäfte zu besorgen, und dass die
Androhung seiner Ueberweisung an die Gerichte zur Bestrafung wegen Ungehorsams auf alle Fälle gestrichen
werde.
Es wird vorgebracht:
a) Der angefochtene Beschluss sei schon aus formellen
Gründen aufzuheben. Er enthalte, soweit er dem Rekurrenten mitgeteilt worden sei, keine Begründung und verstosse deshalb gegen Art. 4 BV. Auch sei der darin verfügte Niederlassullgsentzug ein 'Viderspruch in sich, da
der Rekurrent laut vorgelegten amtlichen Bescheinigungen seine Niederlassung in Zürich am 31. :März 1916 freiwillig aufgegeben und sich in Genf lliedergelasseu habe.
so dass ihm logischerweise die Niederlassung in Zürich
am 11. Mai 1916 nicht mehr durch einen Verwaltungsakt
habe entzogen werden können.
b) Materiell liege darin, dass dem Rekurrenten auch
das blosse Betreten des zürcherischen Kantonsgebietes
untersagt werde, ein Verstoss gegen Art. 44 BV, wonach
kein Kanton einen Kantonsbürger aus seinem Gebiete
verweisen dürfe. Dieser Verfassungsgrulldsatz beziehe
sich gemäss Art. 60 BV auch auf kantons f rem d e
Schweizerbürger und auf die polizeiliche wie die strafgerichtliehe Ausweisung. Es sei also den Kantonen nicht
gestattet, einen Schweizerbürger aus ihrem Gebiet in dem
Sinne auszuweisen, dass ihm auch der vorübergehende
Aufenthalt im betreffenden Gebiete verwehrt und bei
AS 4111 -
1916
10
Staatsrecht.
Strafe verboten werde (zu vergI. BGE vom 21. September
1910 i. S. Bertoni : 36 I N0 67 und vom 25. Januar 1911
i. S. Staub: 37 I N0 5, sowie AFFoLTER, Individuelle
Rechte, 2. Aun., S. 128 und Note 1; BERTHAU, Bunoesrechtliche Praxis betr. Niederlassungsfreiheit, S. 27;
KUNZ, Strafe der Landesverweisung. S. 110). Uebrigens
habe der zürcherische Regierungsrat selbst im Rekurs-
faUe Friedinger vom Jahre 1906 die Auffassung vertreten,
dass die zürcherischen Gemeinden wohl das Recht zum
Entzug oder zur Verweigerung der Niederlassung, nicht
aber zu dem -
der früheren Verbannung gleichkommenden -
Verbot des Betretens des Gemeindegebiets hätten.
Ferner habe er schon im Jahre 1903 erklärt, dass es sich
]1icht mit den heutigen Verkehrsverhältnissen vertragen
würde, auch die Durchfahrt mit der Eisenbahn und den
Aufenthalt in den Halien und 'Wartsälell des Bahnhofes
zu verbieten (Prot.Ko 1660 von 1903 und WETTSTEIN,
Gemeindegesetzgebung des Kantons Zürich, S. 146
N° 413). Der Rekurrent wolle sich auf dem Gebiet des
Kantons Zürich weder niederlassen, noch aufhalten im
engern Sinne. Sein Beruf als Juwelenhändler und der
Umstand, dass er jahrelang in Zürich gewohnt und
daselbst ein Geschäft betrieben, habe, brächten es aber
mit sich, dass er vorübergehend, zur Abwicklung eh'-
zelner Geschäfte, in Zürich verweilen und bei Ausführung
von Reisen in die Ostschweiz, namentlich nach St. Gallen,
wo er geschäftliche BeziehUligen habe; Zürich passieren
müsse. Er verlange nur, dass ihm dies gestattet sei.
e) Die Androhung der Ueberweisung an den Strafrichter wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung stehe im Widerspruch mit dem Grundsatz nulla
poena sine lege (Art. 7 zürch. KV; Art. 4 BV), dem
Grundsatz der Gewaltentrennung und dem Vorbehalt des
.. Gesetzes im Sinne der Garantie, dass alle polizeilichen
Eingriffe in Freiheit und Eigentum der Bürger der ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage bedürften. Allerdings
habe das Bundesgericht in den beiden Urteilen vom
I
i
Njt'derla!lSlUlgslreih~lt. No 40.
299
27. Januar 1916 i. S. Wagner und vom 23. März 1916 i. S.
DiIlges und Konsorten den Standpunkt eingenommen, die
Bestrafung wegen Ungehorsams sei sachlich eine Form
der verwaltungsrechtlichen Zwangsvollstreckung und
es lasse sich das Recht der Verwaltungsbehörden, sie
anzudrohen, auch ohne besondere gesetzliche Ermächtigung aus der allgemeinen Befugnis dieser Behör?en,
für die VoHziehung ihrer Befehle zu sorgen, herleIten.
AHein es sei im gemeinen deutschen Verwaltullgsrecht
unbestritten, dass ein Vollzugsmittel, das Freiheitsheschränkungen über den bIossen Vollzug hinaus mit
sich bringe und insoweit nicht mehr die « gera~e
Fortsetzung des Befehles) sei, wie vor allem die
Ungehorsamsstrafe, der gesetzlichen Grundlage bedürfe,
und zwar einer eigenen Grundlage, einer besonderen ge ..
~et.1Jichen Ermächtigung. Ur~d dieser Satz folge für die
Schweiz aus der Garantie der Freiheit als einem schweizerischen Verfassungsgrundsatz (AFFOI TER, Individuelle
Hechte, 2. Aufl., S. 20 und ~ote 3). Der § 80 StGB werde
deshalb überhaupt als verfassungs"vidrig angefochten, und
dasselbe gelte auch für die Androhung seiner Folgen. Zur
Vollstreckung des Befehls genüge hier bei Zuwiderhandlung das zunächst und auf der Hand liegende Mittel der
\Vegführung durch die Polizei; nur dieses Mittel stehe. der
VerwaHungsbehörde unmittelbar und ohne gesetzlIche
Ermächtigung zu.
.
.
.
C. -
In einer weiteren Eingabe an dIe DIrektIon der
.Justiz und Polizei des Kantons Zürich zuhanden des Bundesgerichts, vom 5. Juli 1916, hat d~r Vertre:er.des Re~
kurrenten, nachdem ihm GelegenheIt zur ElllSl~ht der
Akten und speziell der Begründung des RegIerungsratsbeschlusses yom 11. Mai 1916 gegeben worden
war, noch folgenden Einwand erhoben : ~it seinem B~
schluss vom 1. April 1915 habe der RegIerungsrat dIe
Trühere Ausweisungsverfügung tatsächlich aufgehoben.
Dass dies nur (auf Zusehen hin '11 geschehen sei, sei ohne
Bedeutung; denn weder die Bundesverfassung. noch die
300
Staatsrecht.
zürcherische Gesetzgebung kenne eine bloss ({ auf Zusehen
hin » gewährte Niederlassung. Der Regierungsrat sei an
diesen Beschluss so lange gebunden, als keine Veränderung
der ihm zu Grunde liegenden massgebenden Verhältnisse
eintrete. Er hätte somit dem Rekurrenten die Niederlassung von neuem nur entziehen können, wenn dieser seit
dem 1. April 1915 neuerdings wegen eines schweren Vergehens gerichtlich bestraft worden wäre, was jedoch nicht
der Fall sei.
D. -
Der Regierungsrat des Kantons Zürich trägt in
seiner Vernehmlassung vom 15. Juli 1916, der er die vorstehend erwähnte Eingabe des Rekurrenten beigelegt hat,
auf Abweisung des Rekurses an. Er bemerkt zunächst,
die Einrede der mangelnden Begründung des angefochtenen Beschlusses sei h\nfällig, da der Rekurrent nachträglich auch von dieser Begründung Kenntnis erhalten
habe, und wiederholt bezüglich der beiden Einreden.
wonach er auf seinen Beschluss vom 1. April 1915 nicht
hätte zurückkommen und den neuen Niederlassungsentzug auch deswegen nicht hätte verfügen dürfen, weil
der Rekurrent seine Niederlassung in Zürich zuvor freiwillig aufgegeben habe, die Argumentation des angefochtenen Beschlusses. Sodann verteidigt er eingehend, wesentlich mit dem in der nachstehenden Erwägung 3 erwähnten Zweckmässigkeitsargument, die Auffassung.
dass einem Verbrecher, bei dem die Voraussetzungen des
Niederlassungsentzugs nach Art. 45 Abs. 3 BV gegeben
seien, auch der blosse Aufenthalt im Kantonsgebiet untersagt werden dürfe, und rechtfertigt endlich im Sinne
der vom Rekurrenten angeführten bundesgerichtlichen
Urteile auch die der Ausweisung beigefügte Strafandrohung.
Erwägungen (5 Absätze)
E. 1 Die Beschwerde des Rekurrenten darüber, dass der Ausweisullgsbeschluss des Regierungsrates vom I I Nlederlassullgsfreiheit. N° 40. 301
11. Mai 1916, den er anficht, ihm ohne Begründung mitgeteilt worden sei, ist heute gegenstandslos, da der Rekurrent nachträglich auch von der Begründung dieses Beschlusses Kenntnis erhalten und hiezu in der als Rekursnachtrag aufzufassenden Eingabe vom 5. Juli 1916 (oben, Fakt. C), die dem Bundesgericht noch innert der 60 tägigen Beschwerdefrist zugekommen und deshalb mit zu berücksichtigen ist, Stellung genommen hat. Ferner kann ein formeller Einwand gegen den angefochtenen Ausweisungsbeschluss aus der Tatsache, dass der Rekurrent seine Niederlassung in Zürich vor dessen Erlass aufgegeben hat, jedenfalls insofern nicht abgeleitet werden, als der Beschluss nicht nur den Niederlassungsentzug ausspricht, sondern dem Rekurrenten zugleich das Wiederbetreten des zürcherischen Kantonsgebiets untersagt.
E. 2 In materieller Hinsicht verkennt das auf den RegierU11gsratsbeschluss vom 1. April 1915 gestützte Argument des Rekursnachtrages, wonach die streitige Ausweisungsverfügung überhaupt nicht yerfassungsmässig
begründet wäre, den Sinll und Zweck jenesBeschlu~ses.
Die darin ausgesprochene Aufhebung der noch mcht
yollzogenen früheren Ausweisung kommt nicht der Bewilligung einer n.e u e n Niederlassung gleich, sondern
bedeutet als Zurücknachme des Entzugs der noch bestehenden Niederlassung die Gestattung der Fortdauer
dieser bis her i g e 11 Niederlassung. Der Regierungsrat
,,'oIlte mit dem Beschluss vom 1. April 1915 auf die, wie
heute unbestritten ist, nach dem damaligen Tatbestand
zulässige Ausweisung des Rekurrenten nicht schl~chthin
·yerzichten. Die Meinung des Beschlusses geht VIelmehr
unverkennbar nur dahin, es solle VOll dieser Ausweisungsmöglichkeit vorläu~g und für so lange nicht
Gebrauch gemacht werden, als sich der Rekurrent von
nun an im näher bezeichellten Sinne klaglos aufführe.
Durch den fraglichen Beschluss ist also in Wirklichkeit
bloss die Vollziehung der bereits verfügten Ausweisung
302
Staatareckt.
unter der angegebenen Bedingung aufgeschoben worden,
und es bedurfte deshalb zur Rechtfertigung der angefochtenen nenen A.usweisungsverfügung keiner weitern Bestrafung des Rekurrenten im Sinne von Art. 45 Abs. 3 BV,
sondern nur der Nichterfüllung jener Bedingung des Ausweisullgsaufschubs. Eine derart bedingte Ausweisung ist
bUlldesrechtlich nicht zu beanstanden. Denn da Art. 45
BV den Niederlassungsentzug unter den in Abs. 2 und
3 erwähnten Voraussetzungen ohne zeitliche Beschränkung seiner Anordnung und Durchführung gestattet, so
muss es den Kantonen freistehen, mit einer nach jenen
Voraussetzungen zulässigen Ausweisung nicht nur überhaupt zuzuwarten, oh'1e dass hieraus ohne weiteres
ein Verzicht auf das Ausweisungsrecht abgeleitet werden
könnte, sondern auch. bloss ihre Vollziehullg unter
bestimmtell Bedingungen aufzuschieben (vergl. hiezu
schon BGE 20 N° 4 Erw. 2 S. 18, sowie auch 33 I
N° 45 S.288 ff.). Anfechtbar wäre ein solches Vorgehen
nur aus dem allgemeinen Gesichtspunkte der Willkür,
gegen die Art. 4 BV Schutz gewährt. VOll Willkür
könnte jedoch speziell beim bedingten Aufschub des
Ausweisungsvollzugs nur dann die Rede sein, wenn die
ihn gewährende Behörde nachträglich unter offenbarer
Missachtung der gestellten Bedingung hierauf zurückkäme. Ein solcher Fall liegt aber hier nicht vor; vielmehr lässt sich jedenfalls das G e s c h ä f t s gebahren des
Rekurrenten seit dem 1. April 1915, das ihm in der
neuen Ausweisungsverfügung zur Last gelegt ist, zwanglos als ein der Bedingung des Ausweisungsaufschubs
nicht entsprechendes VerhalteIl auffassen.
E. 3 Erscheint demnach die hier streitige Ausweisung
als grundsätzlich berechtigt, so ist femer der Einwand
des Rekun-entell zu prüfen, welcher dahin geht, die Ausweisungsverfügung vom 11. Mai 1916 sei wenigstens insofern unhaltbar, als ihm dadurch nicht nur die Niederlassung itn Kanton Zürich ent2ogen, sondern auch das Wicderbetretell des zürcherischen Kantollsgebietes zu bloss
Niederlassungsfreiheit. N' 40.
303
vorübergehendem Aufenthalt verboten werde. Nun hat
allerdings das Bundesgericht in dell vom Rekurrenten an ..
gerufenen ZWei Urteiletl· i. S. Bettöni (AS" I Nil 67 Erw.2
f. S. 371 H.) und 1. S. Staub (AS 31 1 N0 5 Etw.3 t. S. 25
ff.) entgegen der früheren bundesrätlichen Pmxis (vergI.
SAUS, Bundesrecht, II N° 611 S. 397 Ziff. 4 und N° 614
S. 399) die Auffassung vertreten, dass die Niederlassungsverweigerung und der Niederlassungsentzug auf Grund
von Art. 45 Ahs. 2 und 3 BV das Verbot des bloss vorübergehenden Aufetlthalts nicht in sich schliessen könn~en.
Allein hieran kann bei erneuter Prüfung der Frage hlcht
festgehalten werden.
Die « Niederlassung &, von der Art. 45 BV handelt,
steht, wie der nachfolgende Art. 47 ohne weiteres erkennen lässt und das Bundesgericht auch in deli erwähnten
heiden Urteilen angenommen hat, im begrifflichen Gegensatz zum « Aufenthalt l). Und wenn auch das in
Art. 47 BV vorgesehene Bundesgesetz zur Bestimmung
des Unterschiedes dieser zwei Begriffe nicht erlassen worden ist, so führt doch schon der allgemeine Sprachgebrauch dazu, unter (l Niederlassung l) das den Umständen
nach von vornherein für eine gewisse Dauer geplante,
unter « Aufenthalt» dagegen das an sich bloss vorübergehende oder wenigstens nicht auf längere Zeit berechnete
Verweilen an einem Orte zu verstehen. Der Art. 45 BV
gibt somit einen Re c h t sanspruch a!lf den biossen Aufen t-
halt selbst nicht. Immerhin aber gewährleistet er zufolge
des Umstandes, dass die Niederlassung den Aufenthalt
begrifflich in sich schliesst, diesen letzteren im Umfange
der Niederlassung tat säe h li c h ebenfalls. Denn wer den
Voraussetzungen, Unter denen nach Art. 45 BV die Niederlassung gewährt werden muss, entspricht -
also
einen Heimatschein oder eine andere, gleichbedeutende
Ausweisschrift besitzt (Abs. 1) und nicht einen det tur
Niederlassungsverweigerung oder zum Niederlassungsentzug berechtigenden TatbestAnde (Abs. 2 und 3) geften
sich hat -, kann sich auf dieses Niederlassungsrecht auch
304
Staatsrecht.
zum Zwecke eines biossen Aufenthalts berufen und so
unter dem Schutze des Art. 45 BV sein Verweilen überhaupt frei bestimmen. Dagegen folgt aus der vorstehenden
Begriffsausscheidung umgekehrt, dass wer die Niederlas-
J
sungsfreiheit nicht beanspruchen kann, sie insbesondere
kraft eines der verfassungsmässigen Verweigerungs- oder
Entzugsgründe verwirkt hat, aus Art. 45 BVauch keinen
Anspruch auf einen biossen Aufenthalt ableiten kann.
Für diesen Fall steht vielmehr der Art. 45 BV kantonalen polizeilichen Beschränkungen der Bewegungsfreiheit
grundsätzlich nicht entgegen (vergl. auch BURcKHARDT,
Kommentar zur BV, S. 398).
Das gleiche gilt aber ferner auch von Art. 44 in Verbindung mit Art. 60 BV, auf die das Bundesgericht i. S. Bertoni und Staub zur Bechtfertigung des gegenteiligen
Standpunktes hauptsächlich verwiesen hat. Das absolute
Verbot der Verbannung (Verweisung) aus dem Kantonsgebiet ist in Art. 44 nur mit Bezug auf die Kantonsbürger
aufgestellt. Es erscheint nach dem Zusammenhang um-er-kennbar 3Is Ausfluss des Bürgerrechts, aus dessen verfassullgsmässig garantierter Dnverlierbarkeit sich natürlicherweise der Anspruch des Bürgers ergibt, unter allen
rmständen an seinem Bürgerorte Aufnahme zu finden.
Diesem Sinn und Zweck entspräche die Ausdehnung des
Verbots zugunsten auch der kantonsfremdel1 Schweizerbürger überhaupt nicht. Und jedenfalls kann sie aus
Art. 60 BV nicht gefolgert werden, denn dieser schreibt
die rechtliche Gleichstellung der kantonsfremden Schweizerbürger mit den Kantonsbürgern ausdrücklich nur den
Kantonen für Gesetzgebung und gerichtliches Verfahren
,'01'. Er berührt also das Bundesrecht im allgemeinen und
speziell eine ihm als besonderer Bestandteil derselben
Rechtsquelle direkt koordinierte Bestimmullg, wie Art 44
BV, nicht (ähnlich BURcKHARDT, a. a. 0., S. 397).
Zu den bisherigen, rein rechtlichen Betrachtungen
kommt noch die vom Regierungsrat in der Rekursantwort mit v. CLERIC (Stadt- und Kantonsverweisung
~iederlassungsfreiheit. N° 40.
305
gegenüber Schweizerbürgern, in der Schweiz. Juristellzeitung vom 1. Januar 1912, Bd. 8 S. 202 ff. spez. S. 205)
'hervorgehobene ebenfalls beachtenswerte Zweckmässigkeitserwägung, dass die auf die Bekämpfung des Verbrechertums abzielenden Ausweisungen im Sinne des Art. 45
BV vielfach wirkungslos wären, wenn den ausgewiesenen
Verbrechern jeder blosse Aufenthalt im Kantonsgebiet
ohne weiteres gestattet bliebe, ja bei dieser Auslegung sogar, wie der Regierungsrat beifügt, die sicherheitspolizei-
lieh unerwünschte Folge hätten, dass die Verbrecher lediglich die mit der Schriften abgabe verbundene Niederlassung
vermeiden und dafür als Aufenthalter in Wirtschaften
und Herbergen ein unstetes, ihre Deberwachung und Kontrolle erschwerendes Wanderleben führen würden.
E. 4 Aus der vorstehenden Erwägung folgt, dass die Regelung des örtlichen Verweilens der kantonsfremden Schweizerbürger, soweit diese der bundesverfassungsmässigen Niederlassungsfreiheit nicht teilhaftig sind, an sich völlig den Kantonen zusteht. Dagegen finden deren Verfügungen und Erlasse eine Schranke an dem durch die Praxis aus Art. 4 BV abgeleiteten allgemeinen Individualrecht auf Schutz vor Willkür und Schikane, und es sind demnach kantonalbehördliche Beschränkungen der Aufenthalts- oder, sonstigen Bewegungsfreiheit auf dem Kantonsgebiet nur soweit zulässig, als sie einen vernünftigen, sachlich irgendwie zu rechtfertigenden Grund haben. Diesem Erfordernis wird aber die vorliegende Ausweisungsverfügung dadurch gerecht, dass sie dem Rekurrenten das Wiederbetreten des Kantons Zürich nicht schlechthin, sondern nur «ohne die Erlaubnis der Polizeidirektion » untersagt. Denn es ist klar, dass die damit gestellte Bedingung einer besonderen polizeilichen Beaufsichtigung seines zukünftigen Verweilens auf dem Kantonsgebiet gegenüber einem Verbrecher von der Art des Rekurrenten grundsätzlich durchaus gerechtfertigt ist.
E. 5 Soweit der Rekurrent endlich noch die in der Ausweisungsverfügung enthaltene Androhung der Bestrafung
30&
Staatitkkt.
vonZu.'Widethandlungell gemäSS § 80 StOB beanstandet,
Wird Seine Atgutftentation bereits durch die VOll ihm
selbst angeftihrten '- in der AS nicht abgedruckten -
VorentScheide VOtt127. Januar 1916 i. S. Wagner und wm
23. März 1916 i. S. Dinges tlud Mitbeteiligte widerlegt.
Danach steht fest, dass iri § 80 zürch. StGB (der den Ungeltol'8am gegen a.mtliche, von kompetenter Stelle erlassene Vetfügungen als in näher bezeichnetem Sinne strafbar erklärt, «wenn in der Verfügu.ng für den Fall des
Ungehorsams die Ueberweisung an die Gerichte angedroht war .) eine gesettliche Ermächtigung zur Androhung der darin vorgesehenen Strafe auf den Ungehonwn
gegen diejenigen kompetenterweise getroffenen behördlichen Verfügungen erblickt werden darf. deren Uebertretung nicht unmittelba~ Unter eine anderweitige gesetzliche Strafandrohung fällt. Warum eine solche Ennächtigung nicht als genügettde gesetzliche Grundlage der
betreffenden Strafandrohung anzusehen sein sollte, hat
der Rekurrent nicht dargetan. Ist aber demnach der
§. 80 StGB selbst. in seiner angegebenen Auslegung.
mcht anfechtbar. so muss ohne weiteres auch dessen vorliegende, nicht besonders angefochtene Anwendwlg geschützt werden.
.
Demnach hat das -Bundesgericht
erkaIlllt:
Der Rekurs Wird abgewiesen.
Niederlassunpfreiileit. Nu 41.
41. Arr6t du a novemhN 1916
dans Ia cause Al1bert contre GtneY8.
.307
L iberte d'etablissement. Le droit garanti a rart. 45 const.
fed. etant imprescriptible, lecitoyen peut formuJer une
nonvelle demande d'etablissement aupres de l'autorite can·
tonale qui l'a expulse. La deeision de cette autorite fait
courir un nouveau delai de recours.
A. -
Charles-Fran~ois Aubert. citoyen vaudoit'>. domicilie a Geneve, a ete condamne le 12 juin 1915 a 14 mois
d'emprisonnement pour attentat a la pudeur par la Cour
correctionnelle de Geneve. Aubert n'a subi aUCUlle autre
condamnation. Apres avoir ete gracie et etre rentre a
Geneve. il a He expulse du territoire de ce canton par
arrete du 18 mars 1916 du Departement dejusticeet police.
Le 28 mai, Aubert a recouru contre cette decisioll au
Conseil d'Etat du canton de Geneve. Le 10 juin 1916,
cette autorite, considerant que le recourant a e!e COlldamne le 12 juin 1915 pour attentat a la pudeur, a maintenu et confirme l'arrc~te d'expulsion. Aubert a adresse
deux nouvelles requetes. le 28 juill et le 18 aout 1916, au
Conseil d'Etat, Iequel, par arrete, des 30 juin et 25 aout,
s'est refUl,e a revenir sur sa decisioll du 10 juin.
B. -
Cest contre ce~ arretes du Conseil d'Etat et du
Departement de justice et police qu'Aubert a forme le
11 septembre 1916 Ull recours de droit public aupres du
Tribunal federal. Le recourallt expose qu'il n'a jamais
subi d'autre condamnation que celle du 12 juin 1915 el
que Ia Cour correctionnelle n'a pas prononce contre Iui
Ia peine de Ia privation des droits civiques. Il est an benefice d'ulle carte de sejour provisoire, renouveiable chaque
mois. Il gagne sa vie comme gar~on laitier a Geneve oil il
a toute sa familIe. Eu consequence, il conclut a l'anllulation de rarrete d'expulsion pris contre lui par le Departement de justice et police et maintellu par le Conseil
d'Etat en \'iolation de rart. 45 Constitution federale~ "
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
40. Orteil vom ao. Oktober 1916 i. S. Abbt gegen Zürich.
Zulässigkeit der Aufschiebung des Vollzugs einer nach Art. 45
BV begründeten Ausweisungsverfügung unter bestimmten
Bedingungen. -
Personen, denen die Nie der] ass u n g
gemb. Art. 45 A b s. 2 0 der 3 BV verweigert oder entzogen werden kann, gewährt die Garantie des Ab s. 1 grundsätzlich auch keinen Anspruch auf bIo s s vor übe r -
geh end e n Auf e n t halt. Verhältnis des Art. 45 BV
zu Art. 44 in Verbindung mit Art. 60 BV. Vorbehalt der
Garantie des Art. 4 BV gegenüber behördlichen Beschränkungen der Aufenthalts- oder sonstigen Bewegungsfreiheit.
-
Verfassungsmässigkeit des § 80 zfuch. StGB.
A. -
Mit Beschluss vom 11. Februar 1915 untersagte
der Regierungsrat des Kantons Zürich in Anwendung
von Art. 45 Abs. 3 BV und Art. 14 zürch. KV dem in der
Stadt Zürich niedergelassenen Rekurrenten Alois Abbt
von Hermetschwil (Kanton Aargau) die Niederlassung
im Kanton Zürich und das Wiederbetreten desselben
ohne Erlaubnis der Polizeidirektion unter Androhung
gerichtlicher Bestrafung gemäss § 80 StGB im Nichtbeachtungsfalle, weil Abbt während seiner damaligen
Niederlassung wegen Hehlerei zu Gefängnis und Geld-
buse verurteilt worden war und ferner noch wegen einer
Wucherangelegenheit in Strafuntersuc1).ung stand, nachdem er bereits sechs Vorstrafen für Vermögensdelikte
(insbesondere Hehlerei und Betrug) erlitten hatte.
In der Folge trug jedoch der Regierungsrat einem Wiedererwägungsgesuche Abbts in der Weise Rechnung. dass
er « aus Billigkeitsgründen &, um Abbt mit Rücksicht auf
seine kürzliche Wiederverheiratung «noch eine letzte
Staatsrecht.
Gelegenheit zu bieten, sich moralisch zu rehabilitieren .,
am 1. April 1915 beschloss:
(I Die Ausweisung des Alois Abbt wird auf Zusehen hin
» aufgehoben unter der Androhung, dass, wenn er neuer-
)} dings mit den Gesetzen und Behörden in Konflikt ge-
l) raten sollte oder über seine Aufführung und sein Ge-
* schäftsgebahren irgendwelche berechtigten· Klagen ein-
\) gehen sollten, die Ausweisung sofort beschlossen und
» vollzogen würde. »
Am 11. Mai 1916 sodann fasste der Regierungsrat wiederum den Beschluss :
« Dem Alois Abbt von Hermetschwil (Kanton Aargau),
» Uhrenmacher und Juwelenhändler, geboren am 25. Juni
» 1874, wird die Niederlassung im Kanton Zürich entzo-
» gen und das Wiederb~treten desselben ohne die Er-
» laubnis der Polizeidirektion untersagt, mit der Andro-
I) hung, dass er wegen Ungehorsams gegen eine amtliche
» Verfügung dem Gerichte zur Bestrafung gemäss § 80
»des Strafgesetzbuches überwiesen würde. })
Die Begründung geht dahin, dass die Voraussetzungen,
unter denen von der Ausweisung Abbts bis auf weiteres
Umgang genommen worden sei, nicht in Erfüllung gegangen seien. Abbt sei nämlich·im Herbst 1915 neuerdings wegen Wuchers in Strafuntersuchung gezogen und
obergerichtlich zwar freigesprochen, immerhin aber wegen
der abstossenden und verwerflichen Art seines Geschäftsbetriebes mit den gesamten Rosten des Verfahrens belastet worden. Nebenbei möge noch erwähnt werden, dass
Abbt, der mit seiner Verehelichung auch eine moralische
Besserung in Aussicht gestellt habe, laut Bericht des Polizeikommandos im April 1916 unter falschem Namen mit
notorischen Dirnen im Hotel z. Bayrischen Hof in Zürich
abgestiegen sei. Obschon Abbt -
offenbar, um der Ausweisung zu entgehen -
nach seinen letzten Mitteilungen
das Kantonsgebiet verlassen habe, sei es angezeigt, ihm
die Niederlassung im Kanton und dessen Betreten Hoch
ausdrücklich zu untersagen, damit er nicht wieder zurück-
Niederlassungsfrciheit. N° 40.
297
kehren und sein verwerfliches Treiben vQn neuem beginnen könne.
B. -
Gegen diesen letzten, ihm am 26. Mai im Dispositiv zugestellten Beschluss des Regierungsrates hat Abbt
mit Eingabe seines Vertreters vom 22. Juni 1916 den
staatsrechtlichen Rekurs an das Bundesgericht ergriffen
und beantragt, der Beschluss sei in dem Sinne aufzuheben, dass dem Rekurrenten gestattet werde, sich jede
'Voche einen Nachmittag in Zürich aufzuhalten oder im
Kanton Zürich frei zu zirkulieren und daselbst vorübergehende einzelne Geschäfte zu besorgen, und dass die
Androhung seiner Ueberweisung an die Gerichte zur Bestrafung wegen Ungehorsams auf alle Fälle gestrichen
werde.
Es wird vorgebracht:
a) Der angefochtene Beschluss sei schon aus formellen
Gründen aufzuheben. Er enthalte, soweit er dem Rekurrenten mitgeteilt worden sei, keine Begründung und verstosse deshalb gegen Art. 4 BV. Auch sei der darin verfügte Niederlassullgsentzug ein 'Viderspruch in sich, da
der Rekurrent laut vorgelegten amtlichen Bescheinigungen seine Niederlassung in Zürich am 31. :März 1916 freiwillig aufgegeben und sich in Genf lliedergelasseu habe.
so dass ihm logischerweise die Niederlassung in Zürich
am 11. Mai 1916 nicht mehr durch einen Verwaltungsakt
habe entzogen werden können.
b) Materiell liege darin, dass dem Rekurrenten auch
das blosse Betreten des zürcherischen Kantonsgebietes
untersagt werde, ein Verstoss gegen Art. 44 BV, wonach
kein Kanton einen Kantonsbürger aus seinem Gebiete
verweisen dürfe. Dieser Verfassungsgrulldsatz beziehe
sich gemäss Art. 60 BV auch auf kantons f rem d e
Schweizerbürger und auf die polizeiliche wie die strafgerichtliehe Ausweisung. Es sei also den Kantonen nicht
gestattet, einen Schweizerbürger aus ihrem Gebiet in dem
Sinne auszuweisen, dass ihm auch der vorübergehende
Aufenthalt im betreffenden Gebiete verwehrt und bei
AS 4111 -
1916
10
Staatsrecht.
Strafe verboten werde (zu vergI. BGE vom 21. September
1910 i. S. Bertoni : 36 I N0 67 und vom 25. Januar 1911
i. S. Staub: 37 I N0 5, sowie AFFoLTER, Individuelle
Rechte, 2. Aun., S. 128 und Note 1; BERTHAU, Bunoesrechtliche Praxis betr. Niederlassungsfreiheit, S. 27;
KUNZ, Strafe der Landesverweisung. S. 110). Uebrigens
habe der zürcherische Regierungsrat selbst im Rekurs-
faUe Friedinger vom Jahre 1906 die Auffassung vertreten,
dass die zürcherischen Gemeinden wohl das Recht zum
Entzug oder zur Verweigerung der Niederlassung, nicht
aber zu dem -
der früheren Verbannung gleichkommenden -
Verbot des Betretens des Gemeindegebiets hätten.
Ferner habe er schon im Jahre 1903 erklärt, dass es sich
]1icht mit den heutigen Verkehrsverhältnissen vertragen
würde, auch die Durchfahrt mit der Eisenbahn und den
Aufenthalt in den Halien und 'Wartsälell des Bahnhofes
zu verbieten (Prot.Ko 1660 von 1903 und WETTSTEIN,
Gemeindegesetzgebung des Kantons Zürich, S. 146
N° 413). Der Rekurrent wolle sich auf dem Gebiet des
Kantons Zürich weder niederlassen, noch aufhalten im
engern Sinne. Sein Beruf als Juwelenhändler und der
Umstand, dass er jahrelang in Zürich gewohnt und
daselbst ein Geschäft betrieben, habe, brächten es aber
mit sich, dass er vorübergehend, zur Abwicklung eh'-
zelner Geschäfte, in Zürich verweilen und bei Ausführung
von Reisen in die Ostschweiz, namentlich nach St. Gallen,
wo er geschäftliche BeziehUligen habe; Zürich passieren
müsse. Er verlange nur, dass ihm dies gestattet sei.
e) Die Androhung der Ueberweisung an den Strafrichter wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung stehe im Widerspruch mit dem Grundsatz nulla
poena sine lege (Art. 7 zürch. KV; Art. 4 BV), dem
Grundsatz der Gewaltentrennung und dem Vorbehalt des
.. Gesetzes im Sinne der Garantie, dass alle polizeilichen
Eingriffe in Freiheit und Eigentum der Bürger der ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage bedürften. Allerdings
habe das Bundesgericht in den beiden Urteilen vom
I
i
Njt'derla!lSlUlgslreih~lt. No 40.
299
27. Januar 1916 i. S. Wagner und vom 23. März 1916 i. S.
DiIlges und Konsorten den Standpunkt eingenommen, die
Bestrafung wegen Ungehorsams sei sachlich eine Form
der verwaltungsrechtlichen Zwangsvollstreckung und
es lasse sich das Recht der Verwaltungsbehörden, sie
anzudrohen, auch ohne besondere gesetzliche Ermächtigung aus der allgemeinen Befugnis dieser Behör?en,
für die VoHziehung ihrer Befehle zu sorgen, herleIten.
AHein es sei im gemeinen deutschen Verwaltullgsrecht
unbestritten, dass ein Vollzugsmittel, das Freiheitsheschränkungen über den bIossen Vollzug hinaus mit
sich bringe und insoweit nicht mehr die « gera~e
Fortsetzung des Befehles) sei, wie vor allem die
Ungehorsamsstrafe, der gesetzlichen Grundlage bedürfe,
und zwar einer eigenen Grundlage, einer besonderen ge ..
~et.1Jichen Ermächtigung. Ur~d dieser Satz folge für die
Schweiz aus der Garantie der Freiheit als einem schweizerischen Verfassungsgrundsatz (AFFOI TER, Individuelle
Hechte, 2. Aufl., S. 20 und ~ote 3). Der § 80 StGB werde
deshalb überhaupt als verfassungs"vidrig angefochten, und
dasselbe gelte auch für die Androhung seiner Folgen. Zur
Vollstreckung des Befehls genüge hier bei Zuwiderhandlung das zunächst und auf der Hand liegende Mittel der
\Vegführung durch die Polizei; nur dieses Mittel stehe. der
VerwaHungsbehörde unmittelbar und ohne gesetzlIche
Ermächtigung zu.
.
.
.
C. -
In einer weiteren Eingabe an dIe DIrektIon der
.Justiz und Polizei des Kantons Zürich zuhanden des Bundesgerichts, vom 5. Juli 1916, hat d~r Vertre:er.des Re~
kurrenten, nachdem ihm GelegenheIt zur ElllSl~ht der
Akten und speziell der Begründung des RegIerungsratsbeschlusses yom 11. Mai 1916 gegeben worden
war, noch folgenden Einwand erhoben : ~it seinem B~
schluss vom 1. April 1915 habe der RegIerungsrat dIe
Trühere Ausweisungsverfügung tatsächlich aufgehoben.
Dass dies nur (auf Zusehen hin '11 geschehen sei, sei ohne
Bedeutung; denn weder die Bundesverfassung. noch die
300
Staatsrecht.
zürcherische Gesetzgebung kenne eine bloss ({ auf Zusehen
hin » gewährte Niederlassung. Der Regierungsrat sei an
diesen Beschluss so lange gebunden, als keine Veränderung
der ihm zu Grunde liegenden massgebenden Verhältnisse
eintrete. Er hätte somit dem Rekurrenten die Niederlassung von neuem nur entziehen können, wenn dieser seit
dem 1. April 1915 neuerdings wegen eines schweren Vergehens gerichtlich bestraft worden wäre, was jedoch nicht
der Fall sei.
D. -
Der Regierungsrat des Kantons Zürich trägt in
seiner Vernehmlassung vom 15. Juli 1916, der er die vorstehend erwähnte Eingabe des Rekurrenten beigelegt hat,
auf Abweisung des Rekurses an. Er bemerkt zunächst,
die Einrede der mangelnden Begründung des angefochtenen Beschlusses sei h\nfällig, da der Rekurrent nachträglich auch von dieser Begründung Kenntnis erhalten
habe, und wiederholt bezüglich der beiden Einreden.
wonach er auf seinen Beschluss vom 1. April 1915 nicht
hätte zurückkommen und den neuen Niederlassungsentzug auch deswegen nicht hätte verfügen dürfen, weil
der Rekurrent seine Niederlassung in Zürich zuvor freiwillig aufgegeben habe, die Argumentation des angefochtenen Beschlusses. Sodann verteidigt er eingehend, wesentlich mit dem in der nachstehenden Erwägung 3 erwähnten Zweckmässigkeitsargument, die Auffassung.
dass einem Verbrecher, bei dem die Voraussetzungen des
Niederlassungsentzugs nach Art. 45 Abs. 3 BV gegeben
seien, auch der blosse Aufenthalt im Kantonsgebiet untersagt werden dürfe, und rechtfertigt endlich im Sinne
der vom Rekurrenten angeführten bundesgerichtlichen
Urteile auch die der Ausweisung beigefügte Strafandrohung.
Das Bundesgericht zieht
in Erwägung:
1.
Die Beschwerde des Rekurrenten darüber, dass
der Ausweisullgsbeschluss des Regierungsrates vom
I I
Nlederlassullgsfreiheit. N° 40.
301
11. Mai 1916, den er anficht, ihm ohne Begründung mitgeteilt worden sei, ist heute gegenstandslos, da der Rekurrent nachträglich auch von der Begründung dieses Beschlusses Kenntnis erhalten und hiezu in der als Rekursnachtrag aufzufassenden Eingabe vom 5. Juli 1916 (oben,
Fakt. C), die dem Bundesgericht noch innert der 60 tägigen Beschwerdefrist zugekommen und deshalb mit zu
berücksichtigen ist, Stellung genommen hat.
Ferner kann ein formeller Einwand gegen den angefochtenen Ausweisungsbeschluss aus der Tatsache, dass
der Rekurrent seine Niederlassung in Zürich vor dessen
Erlass aufgegeben hat, jedenfalls insofern nicht abgeleitet werden, als der Beschluss nicht nur den Niederlassungsentzug ausspricht, sondern dem Rekurrenten zugleich das Wiederbetreten des zürcherischen Kantonsgebiets untersagt.
2. -
In materieller Hinsicht verkennt das auf den RegierU11gsratsbeschluss vom 1. April 1915 gestützte Argument des Rekursnachtrages, wonach die streitige Ausweisungsverfügung überhaupt nicht yerfassungsmässig
begründet wäre, den Sinll und Zweck jenesBeschlu~ses.
Die darin ausgesprochene Aufhebung der noch mcht
yollzogenen früheren Ausweisung kommt nicht der Bewilligung einer n.e u e n Niederlassung gleich, sondern
bedeutet als Zurücknachme des Entzugs der noch bestehenden Niederlassung die Gestattung der Fortdauer
dieser bis her i g e 11 Niederlassung. Der Regierungsrat
,,'oIlte mit dem Beschluss vom 1. April 1915 auf die, wie
heute unbestritten ist, nach dem damaligen Tatbestand
zulässige Ausweisung des Rekurrenten nicht schl~chthin
·yerzichten. Die Meinung des Beschlusses geht VIelmehr
unverkennbar nur dahin, es solle VOll dieser Ausweisungsmöglichkeit vorläu~g und für so lange nicht
Gebrauch gemacht werden, als sich der Rekurrent von
nun an im näher bezeichellten Sinne klaglos aufführe.
Durch den fraglichen Beschluss ist also in Wirklichkeit
bloss die Vollziehung der bereits verfügten Ausweisung
302
Staatareckt.
unter der angegebenen Bedingung aufgeschoben worden,
und es bedurfte deshalb zur Rechtfertigung der angefochtenen nenen A.usweisungsverfügung keiner weitern Bestrafung des Rekurrenten im Sinne von Art. 45 Abs. 3 BV,
sondern nur der Nichterfüllung jener Bedingung des Ausweisullgsaufschubs. Eine derart bedingte Ausweisung ist
bUlldesrechtlich nicht zu beanstanden. Denn da Art. 45
BV den Niederlassungsentzug unter den in Abs. 2 und
3 erwähnten Voraussetzungen ohne zeitliche Beschränkung seiner Anordnung und Durchführung gestattet, so
muss es den Kantonen freistehen, mit einer nach jenen
Voraussetzungen zulässigen Ausweisung nicht nur überhaupt zuzuwarten, oh'1e dass hieraus ohne weiteres
ein Verzicht auf das Ausweisungsrecht abgeleitet werden
könnte, sondern auch. bloss ihre Vollziehullg unter
bestimmtell Bedingungen aufzuschieben (vergl. hiezu
schon BGE 20 N° 4 Erw. 2 S. 18, sowie auch 33 I
N° 45 S.288 ff.). Anfechtbar wäre ein solches Vorgehen
nur aus dem allgemeinen Gesichtspunkte der Willkür,
gegen die Art. 4 BV Schutz gewährt. VOll Willkür
könnte jedoch speziell beim bedingten Aufschub des
Ausweisungsvollzugs nur dann die Rede sein, wenn die
ihn gewährende Behörde nachträglich unter offenbarer
Missachtung der gestellten Bedingung hierauf zurückkäme. Ein solcher Fall liegt aber hier nicht vor; vielmehr lässt sich jedenfalls das G e s c h ä f t s gebahren des
Rekurrenten seit dem 1. April 1915, das ihm in der
neuen Ausweisungsverfügung zur Last gelegt ist, zwanglos als ein der Bedingung des Ausweisungsaufschubs
nicht entsprechendes VerhalteIl auffassen.
3. -
Erscheint demnach die hier streitige Ausweisung
als grundsätzlich berechtigt, so ist femer der Einwand
des Rekun-entell zu prüfen, welcher dahin geht, die Ausweisungsverfügung vom 11. Mai 1916 sei wenigstens insofern unhaltbar, als ihm dadurch nicht nur die Niederlassung itn Kanton Zürich ent2ogen, sondern auch das Wicderbetretell des zürcherischen Kantollsgebietes zu bloss
Niederlassungsfreiheit. N' 40.
303
vorübergehendem Aufenthalt verboten werde. Nun hat
allerdings das Bundesgericht in dell vom Rekurrenten an ..
gerufenen ZWei Urteiletl· i. S. Bettöni (AS" I Nil 67 Erw.2
f. S. 371 H.) und 1. S. Staub (AS 31 1 N0 5 Etw.3 t. S. 25
ff.) entgegen der früheren bundesrätlichen Pmxis (vergI.
SAUS, Bundesrecht, II N° 611 S. 397 Ziff. 4 und N° 614
S. 399) die Auffassung vertreten, dass die Niederlassungsverweigerung und der Niederlassungsentzug auf Grund
von Art. 45 Ahs. 2 und 3 BV das Verbot des bloss vorübergehenden Aufetlthalts nicht in sich schliessen könn~en.
Allein hieran kann bei erneuter Prüfung der Frage hlcht
festgehalten werden.
Die « Niederlassung &, von der Art. 45 BV handelt,
steht, wie der nachfolgende Art. 47 ohne weiteres erkennen lässt und das Bundesgericht auch in deli erwähnten
heiden Urteilen angenommen hat, im begrifflichen Gegensatz zum « Aufenthalt l). Und wenn auch das in
Art. 47 BV vorgesehene Bundesgesetz zur Bestimmung
des Unterschiedes dieser zwei Begriffe nicht erlassen worden ist, so führt doch schon der allgemeine Sprachgebrauch dazu, unter (l Niederlassung l) das den Umständen
nach von vornherein für eine gewisse Dauer geplante,
unter « Aufenthalt» dagegen das an sich bloss vorübergehende oder wenigstens nicht auf längere Zeit berechnete
Verweilen an einem Orte zu verstehen. Der Art. 45 BV
gibt somit einen Re c h t sanspruch a!lf den biossen Aufen t-
halt selbst nicht. Immerhin aber gewährleistet er zufolge
des Umstandes, dass die Niederlassung den Aufenthalt
begrifflich in sich schliesst, diesen letzteren im Umfange
der Niederlassung tat säe h li c h ebenfalls. Denn wer den
Voraussetzungen, Unter denen nach Art. 45 BV die Niederlassung gewährt werden muss, entspricht -
also
einen Heimatschein oder eine andere, gleichbedeutende
Ausweisschrift besitzt (Abs. 1) und nicht einen det tur
Niederlassungsverweigerung oder zum Niederlassungsentzug berechtigenden TatbestAnde (Abs. 2 und 3) geften
sich hat -, kann sich auf dieses Niederlassungsrecht auch
304
Staatsrecht.
zum Zwecke eines biossen Aufenthalts berufen und so
unter dem Schutze des Art. 45 BV sein Verweilen überhaupt frei bestimmen. Dagegen folgt aus der vorstehenden
Begriffsausscheidung umgekehrt, dass wer die Niederlas-
J
sungsfreiheit nicht beanspruchen kann, sie insbesondere
kraft eines der verfassungsmässigen Verweigerungs- oder
Entzugsgründe verwirkt hat, aus Art. 45 BVauch keinen
Anspruch auf einen biossen Aufenthalt ableiten kann.
Für diesen Fall steht vielmehr der Art. 45 BV kantonalen polizeilichen Beschränkungen der Bewegungsfreiheit
grundsätzlich nicht entgegen (vergl. auch BURcKHARDT,
Kommentar zur BV, S. 398).
Das gleiche gilt aber ferner auch von Art. 44 in Verbindung mit Art. 60 BV, auf die das Bundesgericht i. S. Bertoni und Staub zur Bechtfertigung des gegenteiligen
Standpunktes hauptsächlich verwiesen hat. Das absolute
Verbot der Verbannung (Verweisung) aus dem Kantonsgebiet ist in Art. 44 nur mit Bezug auf die Kantonsbürger
aufgestellt. Es erscheint nach dem Zusammenhang um-er-kennbar 3Is Ausfluss des Bürgerrechts, aus dessen verfassullgsmässig garantierter Dnverlierbarkeit sich natürlicherweise der Anspruch des Bürgers ergibt, unter allen
rmständen an seinem Bürgerorte Aufnahme zu finden.
Diesem Sinn und Zweck entspräche die Ausdehnung des
Verbots zugunsten auch der kantonsfremdel1 Schweizerbürger überhaupt nicht. Und jedenfalls kann sie aus
Art. 60 BV nicht gefolgert werden, denn dieser schreibt
die rechtliche Gleichstellung der kantonsfremden Schweizerbürger mit den Kantonsbürgern ausdrücklich nur den
Kantonen für Gesetzgebung und gerichtliches Verfahren
,'01'. Er berührt also das Bundesrecht im allgemeinen und
speziell eine ihm als besonderer Bestandteil derselben
Rechtsquelle direkt koordinierte Bestimmullg, wie Art 44
BV, nicht (ähnlich BURcKHARDT, a. a. 0., S. 397).
Zu den bisherigen, rein rechtlichen Betrachtungen
kommt noch die vom Regierungsrat in der Rekursantwort mit v. CLERIC (Stadt- und Kantonsverweisung
~iederlassungsfreiheit. N° 40.
305
gegenüber Schweizerbürgern, in der Schweiz. Juristellzeitung vom 1. Januar 1912, Bd. 8 S. 202 ff. spez. S. 205)
'hervorgehobene ebenfalls beachtenswerte Zweckmässigkeitserwägung, dass die auf die Bekämpfung des Verbrechertums abzielenden Ausweisungen im Sinne des Art. 45
BV vielfach wirkungslos wären, wenn den ausgewiesenen
Verbrechern jeder blosse Aufenthalt im Kantonsgebiet
ohne weiteres gestattet bliebe, ja bei dieser Auslegung sogar, wie der Regierungsrat beifügt, die sicherheitspolizei-
lieh unerwünschte Folge hätten, dass die Verbrecher lediglich die mit der Schriften abgabe verbundene Niederlassung
vermeiden und dafür als Aufenthalter in Wirtschaften
und Herbergen ein unstetes, ihre Deberwachung und Kontrolle erschwerendes Wanderleben führen würden.
4. -
Aus der vorstehenden Erwägung folgt, dass die
Regelung des örtlichen Verweilens der kantonsfremden
Schweizerbürger, soweit diese der bundesverfassungsmässigen Niederlassungsfreiheit nicht teilhaftig sind, an
sich völlig den Kantonen zusteht. Dagegen finden deren
Verfügungen und Erlasse eine Schranke an dem durch
die Praxis aus Art. 4 BV abgeleiteten allgemeinen Individualrecht auf Schutz vor Willkür und Schikane, und es
sind demnach kantonalbehördliche Beschränkungen der
Aufenthalts- oder, sonstigen Bewegungsfreiheit auf dem
Kantonsgebiet nur soweit zulässig, als sie einen vernünftigen, sachlich irgendwie zu rechtfertigenden Grund haben. Diesem Erfordernis wird aber die vorliegende Ausweisungsverfügung dadurch gerecht, dass sie dem Rekurrenten das Wiederbetreten des Kantons Zürich nicht
schlechthin, sondern nur «ohne die Erlaubnis der Polizeidirektion » untersagt. Denn es ist klar, dass die damit
gestellte Bedingung einer besonderen polizeilichen Beaufsichtigung seines zukünftigen Verweilens auf dem Kantonsgebiet gegenüber einem Verbrecher von der Art des
Rekurrenten grundsätzlich durchaus gerechtfertigt ist.
5. -
Soweit der Rekurrent endlich noch die in der Ausweisungsverfügung enthaltene Androhung der Bestrafung
30&
Staatitkkt.
vonZu.'Widethandlungell gemäSS § 80 StOB beanstandet,
Wird Seine Atgutftentation bereits durch die VOll ihm
selbst angeftihrten '- in der AS nicht abgedruckten -
VorentScheide VOtt127. Januar 1916 i. S. Wagner und wm
23. März 1916 i. S. Dinges tlud Mitbeteiligte widerlegt.
Danach steht fest, dass iri § 80 zürch. StGB (der den Ungeltol'8am gegen a.mtliche, von kompetenter Stelle erlassene Vetfügungen als in näher bezeichnetem Sinne strafbar erklärt, «wenn in der Verfügu.ng für den Fall des
Ungehorsams die Ueberweisung an die Gerichte angedroht war .) eine gesettliche Ermächtigung zur Androhung der darin vorgesehenen Strafe auf den Ungehonwn
gegen diejenigen kompetenterweise getroffenen behördlichen Verfügungen erblickt werden darf. deren Uebertretung nicht unmittelba~ Unter eine anderweitige gesetzliche Strafandrohung fällt. Warum eine solche Ennächtigung nicht als genügettde gesetzliche Grundlage der
betreffenden Strafandrohung anzusehen sein sollte, hat
der Rekurrent nicht dargetan. Ist aber demnach der
§. 80 StGB selbst. in seiner angegebenen Auslegung.
mcht anfechtbar. so muss ohne weiteres auch dessen vorliegende, nicht besonders angefochtene Anwendwlg geschützt werden.
.
Demnach hat das -Bundesgericht
erkaIlllt:
Der Rekurs Wird abgewiesen.
Niederlassunpfreiileit. Nu 41.
41. Arr6t du a novemhN 1916
dans Ia cause Al1bert contre GtneY8.
.307
L iberte d'etablissement. Le droit garanti a rart. 45 const.
fed. etant imprescriptible, lecitoyen peut formuJer une
nonvelle demande d'etablissement aupres de l'autorite can·
tonale qui l'a expulse. La deeision de cette autorite fait
courir un nouveau delai de recours.
A. -
Charles-Fran~ois Aubert. citoyen vaudoit'>. domicilie a Geneve, a ete condamne le 12 juin 1915 a 14 mois
d'emprisonnement pour attentat a la pudeur par la Cour
correctionnelle de Geneve. Aubert n'a subi aUCUlle autre
condamnation. Apres avoir ete gracie et etre rentre a
Geneve. il a He expulse du territoire de ce canton par
arrete du 18 mars 1916 du Departement dejusticeet police.
Le 28 mai, Aubert a recouru contre cette decisioll au
Conseil d'Etat du canton de Geneve. Le 10 juin 1916,
cette autorite, considerant que le recourant a e!e COlldamne le 12 juin 1915 pour attentat a la pudeur, a maintenu et confirme l'arrc~te d'expulsion. Aubert a adresse
deux nouvelles requetes. le 28 juill et le 18 aout 1916, au
Conseil d'Etat, Iequel, par arrete, des 30 juin et 25 aout,
s'est refUl,e a revenir sur sa decisioll du 10 juin.
B. -
Cest contre ce~ arretes du Conseil d'Etat et du
Departement de justice et police qu'Aubert a forme le
11 septembre 1916 Ull recours de droit public aupres du
Tribunal federal. Le recourallt expose qu'il n'a jamais
subi d'autre condamnation que celle du 12 juin 1915 el
que Ia Cour correctionnelle n'a pas prononce contre Iui
Ia peine de Ia privation des droits civiques. Il est an benefice d'ulle carte de sejour provisoire, renouveiable chaque
mois. Il gagne sa vie comme gar~on laitier a Geneve oil il
a toute sa familIe. Eu consequence, il conclut a l'anllulation de rarrete d'expulsion pris contre lui par le Departement de justice et police et maintellu par le Conseil
d'Etat en \'iolation de rart. 45 Constitution federale~ "