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MKGE 6 Nr. 88

MKGE 6 Nr. 88

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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

Nr. 88 222 C' est à tort, s ur la base des f aits retenus comme constants, que le Tribunal de division a considéré que V. avait commis le délit consommé de service militaire étranger. Il résulte de ces faits qu'apres avoir signé certains documents et séjourné en caserne, le recourant a été soumis à une visite médicale à la suite de laquelle il fut licencié. Or il est cons- tant que l'homme qui veut s'engager à la Légion étrangere est invité à signer tout d'abord un « acte d'engagement provisoire », le contrat d'en- gagement ne devenant définitif notamment que si, apres la visite d'in- corporation, l'homme est reconnu satisfaire aux conditions d'aptitudes physiques exigées. Il apparait des lors que V. n'avait signé précisément que cet acte d'engagement provisoire et que son engagement n'est jamais devenu définitif. Des lors, même si V. a revêtu !'uniforme et a même été quelques jours sous l'autorité militaire, les éléments d'une obligation définitive de servir p o ur un e durée déterminée f ont déf aut e t le délit de service militaire étranger ne peut être considéré comme consommé. En revanche., V. a poursuivi jusqu'au hout son entreprise coupable dont il ne dépendait plus de sa volonté de pouvoir se désister ou non. Il a ainsi - comme l'a déjà jugé le TMC dans son arrêt Hunkeler du 8 mars 1955 - con1mis le délit manqué de service militaire étranger au sens des articles 19 bis e t 94 CPM, e t e' est en violation de la lo i que le Tribunal de division a retenu le délit consommé. (13 septembre 1955, V. e. T. D. 2 A) 88. Das l(assationsgerieht hat frei zu prüfen, ob ein Fali « leieht » ist (Art. 188, Abs. l, Ziff. l MStGO) {Erw. 2).- Das Verschulden, wie es bei der Abgrenzung des leiehten vom nieht leiehten Fali he- rücksichtigt werden muss, ist umso grõsser, je sehwerer der Erfolg ist, den der Tater vorausgesehen hat oder hatte voraussehen sollen {Erw. 3). - Leichte Falle der Versehleuderung von Material und der Storung des offentliehen Verkehrs ? (Art. 73, 169 his MStG) (Erw. 4). Le TMC peut examiner librement s'il s'agit d'un cas de peu de gravité (art. 188, al. I, eh. l OJPPM) {cons. 2). - Le degré de eulpabilité, qui doit être pris en eonsidération pour appréeier si le eas est de peu de gravité ou non, est d'autant plus grand que le résul- tat, tel que l'auteur l'a prévu ou devait le prévoir, est grave { cons. 3). - Abus et dilapidation de matériel et entrave par négligenee à la eirculation puhlique; cas de peu de gravité {art. 73 eh. 2, 169 bis, eh. 2 CPM) {eons. 4).

223 Nr. 88 11 TMC puõ esaminare liheramente se si tratta di un caso poco grave (art. 188, al. l, cif. l OGPPM) (cons. 2). -. 11 grado di co1pevo1ezza, che deve essere preso in considerazione per giudicare se un caso e poco grave o no, e tanto piu grande quanto piu grave e i1 risultat~ che 1'autore aveva previsto o doveva prevedere ( cons. 3). - Sperpero di materiali e perturhamento de1la circolazione puh- blica; casi poco gravi ? ( art. 7 3, cif. 2, 169 his, cif. 2 CPM ( cons. 4) . J(pl. M. hatte am Nachmittag des 3. August 1954 einen unbeladenen rechtsgesteuerten und 2,5 m breiten schweren Geliindelastwagen Typ 4 CM von Schlosswil nach Grosshochstetten zu führen. Gleichzeitig führte f(pl. T. einen rechtsgesteuerten l ,94 m breiten leichten Geliindelastwa- gen Typ Mowag, auf dem neun Mann mitfuhren, von Grosshochstetten gegen Schlosswil. Die beiden W agen begegneten sich im T hali, wo die gerade verlaufende 4,35 bis 4,4 m breite und von W ehrsteinen begrenzte Strasse auf einem Damm liegt. Beide Führer glaubten, unbehindert kreuzen zu konnen. Daher setzte [(pl. M. die Geschwindigkeit seines Fahrzeuges von 30-35 km/h n~ur unwesentlich, nach seiner Darstellung auf 25-28 km/h, herab und fuhr [(pl. T. mit unverminderter Geschwin- digkeit von etwa 35 km/h weiter. Die Wagen streiften sich und wurden daher von ihren Führern nicht mehr beherrscht. D er W agen des J(pl. M. wurde nach links abgetrieben und fuhr dort, sich überschlagend, die Boschung hinunter. Der Fiihrer eines von Grosshochstetten her mit ettva 60 km/h heranfahrenden zivilen Personenwagens konnte einen Zusam- menstoss mit dem W agen M. nur durch sofortiges kriiftiges Bremsen und Anhalten vermeiden. Der Wagen des l(pl. T. beschiidigte zu seiner Rech- ten zwei W ehrsteine und wurde durch einen daselbst stehenden Baum aufgehalten und am Sturz über die Boschung gehindert. Niemand wurde verletzt. Dagegen entstand ein Sachschaden von etwa Fr. 13 500.-, im wesentlichen an den beiden Fahrzeugen. Das Divisionsgericht sprach die beiden l(orporale von den Anklagen der fahrliissigen V erschleuderung von Material und der fahrliissigen Storung des offentlichen V erkehrs frei, belegte sie dagegen tvegen leichter F iille i m Sin ne der A r t. 7 3, Ziff. 2 und Art. 169 bis, Ziff. 2 MStG disziplinarisch mit scharfem Arrest.

2. Wie das l(assationsgericht an1 8. Juni 1955 i. S. S. (MI(GE 6 Nr. 83) in Ãnderung seiner früheren Rechtsprechung mit eingehender Begxündung entschieden hat, ist der Begriff des « leichten Falles » ein Rechtsbegriff und hat es daher auf l(assationsheschwerde hin frei zu prüfen, ob die erste Instanz ihn richtig ausgelegt und angewendet hat. Immerhin ist den nach Landesgegend und Truppe wechselnden Auffas- sungen ein gewisser Spielraum zu lassen, innerhalh dessen die Bejahung oder Verneinung des leichten Falles das Gesetz nicht verletzt.

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3. Das Divisionsgericht erachtet den Fali wegen des eingetretenen betrachtlichen Schadens und d er ho h en Gef ahr für Leib und Leben von Menschen als objektiv schwer, das Verschulden der Angeklagten jedoch als verhaltnismassig gering und daher den Fali für heide Angeklagten als leicht. Es nimmt an, es widersprache den Grundsatzen des Sçhuldstraf- rechts, einen Fali nur deshalb nicht als leicht zu würdigen., weil ein ge- ringes V erschulden z u einem schweren Erf olge geführt l1ahe. D ami t verkennt es., dass das V erschulden., wie es hei der Strafzumes- sung (Art. 44 MStG) und bei der Abgrenzung des leichten vom nicht leichten Falle herücksichtigt werden muss, in der Regel umso grosser ist., je schwerer der Erfolg der Tat wiegt. Das versteht sich von selbst, wenn der Tater vorsatzlich handelt; denn gerade weil das Verschulden mit der Schwere des bewusst und gewollt herbeigeführten Erfolges wachst, stuft das Gesetz die Strafandrohungen nach der Bedeutung des geschütz- ten Rechtsgutes ab (v gl. BGE 75 IV 105). Aher au eh bei f ahrlassiger T at kann üher den Erfolg nicht schlechthin hinweggesehen werden. Das Gesetz selbst herücksichtigt ihn, indem es disziplinarische Bestrafung zwar z. B. für fahrHissige l(orperverletzung (Art. 124 MStG), nicht aher für fahrlassige Totung (Art. 120 MStG) zuHisst. W er einen schweren Erfolg, z. B. den Tod eines Menschen., als mogliche Auswirkung seines Verhaltens hatte voraussehen sollen, handelt schuldhafter., als wer nur mit leichteren Folgen, z. B. nur mit geringem Sachschaden, zu rechnen hatte. Der Erfolg gehort zu den « Umstanden »., von denen der Grad der vom Tater zu beohachtenden Vorsicht abhangt (Art. 15., Abs. 3 MStG). Das ist so wahr, dass Unvoraussehbarkeit des Erfolges die Fahr .. lassigkeit ausschliessen, Voraussehharkeit sie dagegen begründen kann.

4. Im vorliegenden Falle konnten die Angeklagten bei pflichtgemas- ser überlegung sowohl den betrachtlichen Sachschaden als auch die hohe Gefahr für Leib und Lehen von Menschen voraussehen. Sie wussten, dass sie üher einen n ur durch W ehrsteine begrenzten Damm fuhren. Sie hat .. ten sich daher sagen sollen, ein auch nur geringfügiger Zusammenstoss konnte durch Absturz eines oder beider W agen grossen Sachschaden ver- ursachen und jemanden toten oder schwer verletzen. Besondere Erfah .. rung in der Fül1rung jener Art von W agen, die den Angeklagten anver- traut waren, bedurfte es zu dieser Einsicht nicht. Das Divisionsgericht spricht denn auch geradezu von einem Wunder., dass das Unglück weder Tote noch Schwerverletzte zur Folge hatte. Inshesondere T . ., der wusste., dass er neun Mann auf dem Lastwagen mitführte., hatte sich sagen sollen., dass er schwerstes Unheil anrichten konnte. Aber auch M. hatte zu he- denken., dass er zum mindesten die Führer der ihm entgegenfahrenden bei d en W agen., wenn ni eh t sogar weitere Personen., die rnitgeführt wer- den konnten., schwer gefahrdete. Der Erfolg ist in keiner Hinsicht auf Zufall zurückzuführen; im Gegenteil hat Zufall einen noch schwereren

225 Nr. 88 Ausgang verhütet. Das Schuldstrafrecht verhietet daher nicht, sondem verlangt geradezu, dass im vorliegenden Falle der hetrachtliche Sach- schaden und die schwere Gefahrdung von Menschenleben mit in die W aagschale geworfen werden. Beide Angeklagten konnten sich bei pflichtgemasser überlegung auch von der Dringlichkeit der Gefahr eines Zusammenstosses voll Re- chenschaft geben. Dass sie, wie das Divisionsgericht nicht für ausge- schlossen halt, optisch getauscht worden seien, weil die W ehrsteine nach aussen fliehen und die Strasse angehlich hreiter erscheinen liessen, als sie ist, hahen sie selber nicht hehauptet und vennochte ihr Verschulden nicht zu mindern, weil der Führer eines Motorfahrzeuges die Breite der Strasse jedenf alls hei Ta g ni eh t an irgendwelchen nehen der Strasse stehenden Gegenstanden, sondern an der vor ihm liegenden Fahrbahn zu ern1essen hat. Gerade die W ehrsteine mahnten übrigens zu besonderer Vorsicht, weil sie deutlich sagten, dass jegliches Ausweichen üher den Rand der Strasse hinaus unmoglich und gefahrlich sei. Nichts hinderte die Angeklagten, die Breite der Strasse richtig zu schatzen, und auch über die Breite der beiden Fahrzeuge waren sie unterrichtet oder konn- ten sie hei gehoriger Aufn1erksamkeit im Bilde sein. Mangelhafte Schu- lung in der Führung der ihnen anvertrauten W agen entschuldigt sie in keiner Weise. I;hre geringe Erfahrung auf dieser l(ategorie vou Fahr- zeugen macht es umso unverstandlicher, dass sie mit so hoher Geschwin- digkeit kreuzten, statt anzuhalten, die Lage genau zu prüfen uud her- nach das Manover vorsichtig tastend einzuleiten, wie mau es taglich heohachten kann, wenn Motorwagen einander an enger Stelle begegnen. Da auch unter der Voraussetzung, dass heide Fahrzeuge vollstandig rechts gefahren waren, nur ein Zwischenraum von 16-21 em frei gehlie- ben w ar e, drangte si eh hochste V orsicht gehieterisch auf. Di e bei d en Führer hatten sich sagen sollen, dass sie mit Geschwindigkeiten zwischen 25 und 35 km/h unmoglich so knapp dem Rande der Fahrbahn entlang fahren konnten, dass der theoretisch mogliche Raum zwischen den hei- den W agen eingehalten werde uud diese auch nicl1t Gefahr liefen, an die W ehrsteine zu prallen oder so ga r den Damm hinunter zu stürzen. Auch die auf die Strenge des Dienstes zurückzuführende Ermüdung mindert das V erschulden der Angeklagten nicht, ganz ahgesehen davon, dass je- denf alls di e siebenstündige Ruhe, di e l( p l. T; in d er N a eh t vor d em Unfall genossen hatte, nicht ungewohnlich kurz gewesen war. Die Ange- klagten sind nicht am Steuer eingeschlafen oder durch übermüdung in der Meisterung einer unvermutet auftauchenden Gefahr hehindert ge- wesen, sondern der Zusammenstoss ist darauf zurückzuführen, dass sie eine Vorsichtsmassnahme, die auch einem ühermüdeten ohne weiteres moglich gewesen ware, in zu grossem Vertrauen auf ihre Geschicklichkeit leichtfertig unterlassen hahen. Ihr Versagen ist auch nicht die Folge