Erlass der Verfahrenskosten durch die Beschwerdeinstanz; Zuständigkeit des Einzelgerichts
Erwägungen (3 Absätze)
E. 35 que le cas ne relève pas des infractions de participation et/ou soutien à une organisation criminelle et délit à la loi fédérale interdisant les groupes «Al- Qaïda» et «Etat islamique» et les organisations apparentées. Bien plus, les éléments produits par les autorités vaudoises viennent appuyer les soupçons d’une potentielle radicalisation. Que celle-ci ne soit au final pas avérée et que le MPC ne puisse, selon ses termes, lier tout particulièrement A. à «l’islamisme radical violent» ni constater qu’il remplit les conditions des dispositions pénales dont il est question, n’est pas de nature à inverser la compétence matérielle des autorités fédérales. Il convient de se conformer aux principes développés supra, selon lesquels il y a lieu de se baser sur les soupçons et l’état actuel du dossier, et non sur ce qui pourra finalement être imputé à l’accusé (cf. supra, consid. 2.2).
TPF 2019 35
9. Auszug aus der Verfügung der Beschwerdekammer in Sachen A. vom
15. Februar 2019 (BB.2018.133)
Erlass der Verfahrenskosten durch die Beschwerdeinstanz; Zuständigkeit des Einzelgerichts
Art. 395 lit. b, 425 StPO
Sofern der Schwellenwert von 5’000 Franken gemäss Art. 395 lit. b StPO nicht überschritten wird, entscheidet die Beschwerdeinstanz als Einzelgericht über Gesuche um Erlass der Verfahrenskosten (E. 1).
Remise des frais de procédure par l’autorité de recours; compétence du juge unique
Art. 395 let. b, 425 CPP
Dans la mesure où la limite de 5’000 francs au sens de l’art. 395 let. b CPP n’est pas dépassée, l’autorité de recours statue sur les requêtes de remise des frais de procédure dans une composition à juge unique (consid. 1).
Condono delle spese procedurali da parte della giurisdizione di reclamo; competenza del giudice unico
Art. 395 lett. b, 425 CPP
Se non viene superata la soglia di 5’000 franchi giusta l’art. 395 lett. b CPP, la giurisdizione di reclamo decide in composizione monocratica sulle istanze di condono delle spese procedurali (consid. 1).
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E. 36 Zusammenfassung des Sachverhalts:
Mit drei verschiedenen Beschlüssen auferlegte die Beschwerdekammer A. Gerichtskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 2’200.–. In der Folge korrespondierte A. nach Erhalt verschiedener Mahnungen mit dem Finanzdienst des Bundesstrafgerichts. Letzterer erklärte sich vorerst bereit, mit der Einleitung weiterer Inkassoschritte zuzuwarten. Mit Eingabe vom
31. Mai 2018 ersuchte A. schliesslich um Erlass der gesamten geschuldeten Verfahrenskosten und um Weiterleitung der Angelegenheit an die Beschwerdekammer.
Der Präsident der Beschwerdekammer wies das Gesuch ab.
Aus den Erwägungen:
1. 1.1 Forderungen aus Verfahrenskosten können von der Strafbehörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden (Art. 425 StPO). Die Beschwerdekammer ist zuständig zur Behandlung des vorliegenden Gesuchs um Erlass von Verfahrenskosten, welche rechtskräftig abgeschlossene Beschwerdeverfahren betreffen (siehe die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2015.99 vom 22. März 2016; BB.2015.52 vom 11. Juni 2015; BP.2013.10 vom 2. Mai 2013 E. 1.1).
1.2 1.2.1 Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, so beurteilt deren Verfahrensleitung die Beschwerde allein, wenn diese die wirtschaftlichen Nebenfolgen eines Entscheides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr als 5’000 Franken zum Gegenstand hat (Art. 395 lit. b StPO). Die Bestimmung dient der Vereinfachung von Beschwerdeverfahren von geringfügiger Bedeutung (siehe hierzu die Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085, 1312; vgl. auch GUIDON, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 395 StPO N. 1 und 4; KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 395 StPO N. 2; RÉMY, Commentaire romand, 2011, Art. 395 StPO N. 2). Zu den wirtschaftlichen Nebenfolgen im Sinne dieser Bestimmung zählen insbesondere die Verfahrenskosten nach Art. 422 ff. StPO (Urteil des Bundesgerichts 6B_477/2018 vom 2. November 2018 E. 1.1). Über den Erlass der durch sie selber auferlegten Verfahrenskosten entscheidet die
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E. 37 Beschwerdekammer jedoch nicht auf eine entsprechende Beschwerde hin, sondern nur auf entsprechendes Gesuch der betroffenen Verfahrenspartei. Damit stellt sich die Frage, ob Art. 395 lit. b StPO (zumindest sinngemäss) auf den vorliegenden Fall angewendet werden kann oder nicht. Aufgrund der erwähnten ratio legis macht es keinen Sinn, die Beschwerdeinstanz im Falle einer Beschwerde betreffend Verfahrenskosten mit einem strittigen Betrag von nicht mehr als 5’000 Franken als Einzelgericht, für den Fall eines Gesuchs um Stundung oder Erlass von Verfahrenskosten im entsprechenden Betrag jedoch als Kollegialbehörde entscheiden zu lassen.
1.2.2 In den bisherigen Fällen, in welchen die Beschwerdekammer auf entsprechendes Gesuch hin allein über Erlass bzw. Stundung von Verfahrenskosten zu entscheiden hatte, tat sie dies immer in Dreierbesetzung, ohne jedoch dabei auf die Frage nach der Möglichkeit einer Entscheidung durch die Verfahrensleitung alleine einzugehen (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2015.99 vom 22. März 2016; BB.2015.52 vom 11. Juni 2015; BP.2013.10 vom 2. Mai 2013).
1.2.3 In der bundesgerichtlichen Rechtsprechung finden sich demgegenüber verschiedene Beispiele, in welchen die Verfahrensleitung einer kantonalen Beschwerdeinstanz entsprechende Gesuche allein beurteilt hat. Beim Urteil des Bundesgerichts 6B_878/2017 vom 21. September 2017 bildete ein Entscheid des Präsidiums des Kantonsgerichts Luzern betreffend einen Streitwert von Fr. 500.– das Anfechtungsobjekt. Bei den Urteilen 6B_820/2017 vom 28. August 2017 (Streitwert Fr. 1’000.–) und 6B_522/2017 vom 22. Mai 2017 (Streitwert Fr. 800.–) richtete sich die Beschwerde jeweils gegen eine Verfügung der kantonalen Beschwerdeinstanz und damit gegen einen von einer Einzelperson gefällten Entscheid (siehe Art. 80 Abs. 1 StPO). Wären die hierbei angefochtenen Entscheide anstelle der jeweiligen Einzelperson durch das zuständige Kollegialgericht zu entscheiden gewesen, so hätte dies wohl zu einer Aufhebung des angefochtenen Entscheides von Amtes wegen führen müssen (vgl. hierzu das Urteil des Bundesgerichts 1B_80/2016 vom 26. August 2016 E. 3.3, 3.4).
1.2.4 Vorliegend beantragt der Gesuchsteller den Erlass von Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 2’200.–. Dieser Betrag liegt unter dem Schwellenwert von Art. 395 lit. b StPO. Auf Grund des vorstehend Ausgeführten liegt der vorliegende Entscheid damit in der Zuständigkeit der Verfahrensleitung der Beschwerdekammer.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
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que le cas ne relève pas des infractions de participation et/ou soutien à une organisation criminelle et délit à la loi fédérale interdisant les groupes «Al- Qaïda» et «Etat islamique» et les organisations apparentées. Bien plus, les éléments produits par les autorités vaudoises viennent appuyer les soupçons d’une potentielle radicalisation. Que celle-ci ne soit au final pas avérée et que le MPC ne puisse, selon ses termes, lier tout particulièrement A. à «l’islamisme radical violent» ni constater qu’il remplit les conditions des dispositions pénales dont il est question, n’est pas de nature à inverser la compétence matérielle des autorités fédérales. Il convient de se conformer aux principes développés supra, selon lesquels il y a lieu de se baser sur les soupçons et l’état actuel du dossier, et non sur ce qui pourra finalement être imputé à l’accusé (cf. supra, consid. 2.2).
TPF 2019 35
9. Auszug aus der Verfügung der Beschwerdekammer in Sachen A. vom
15. Februar 2019 (BB.2018.133)
Erlass der Verfahrenskosten durch die Beschwerdeinstanz; Zuständigkeit des Einzelgerichts
Art. 395 lit. b, 425 StPO
Sofern der Schwellenwert von 5’000 Franken gemäss Art. 395 lit. b StPO nicht überschritten wird, entscheidet die Beschwerdeinstanz als Einzelgericht über Gesuche um Erlass der Verfahrenskosten (E. 1).
Remise des frais de procédure par l’autorité de recours; compétence du juge unique
Art. 395 let. b, 425 CPP
Dans la mesure où la limite de 5’000 francs au sens de l’art. 395 let. b CPP n’est pas dépassée, l’autorité de recours statue sur les requêtes de remise des frais de procédure dans une composition à juge unique (consid. 1).
Condono delle spese procedurali da parte della giurisdizione di reclamo; competenza del giudice unico
Art. 395 lett. b, 425 CPP
Se non viene superata la soglia di 5’000 franchi giusta l’art. 395 lett. b CPP, la giurisdizione di reclamo decide in composizione monocratica sulle istanze di condono delle spese procedurali (consid. 1).
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Zusammenfassung des Sachverhalts:
Mit drei verschiedenen Beschlüssen auferlegte die Beschwerdekammer A. Gerichtskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 2’200.–. In der Folge korrespondierte A. nach Erhalt verschiedener Mahnungen mit dem Finanzdienst des Bundesstrafgerichts. Letzterer erklärte sich vorerst bereit, mit der Einleitung weiterer Inkassoschritte zuzuwarten. Mit Eingabe vom
31. Mai 2018 ersuchte A. schliesslich um Erlass der gesamten geschuldeten Verfahrenskosten und um Weiterleitung der Angelegenheit an die Beschwerdekammer.
Der Präsident der Beschwerdekammer wies das Gesuch ab.
Aus den Erwägungen:
1. 1.1 Forderungen aus Verfahrenskosten können von der Strafbehörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden (Art. 425 StPO). Die Beschwerdekammer ist zuständig zur Behandlung des vorliegenden Gesuchs um Erlass von Verfahrenskosten, welche rechtskräftig abgeschlossene Beschwerdeverfahren betreffen (siehe die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2015.99 vom 22. März 2016; BB.2015.52 vom 11. Juni 2015; BP.2013.10 vom 2. Mai 2013 E. 1.1).
1.2 1.2.1 Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, so beurteilt deren Verfahrensleitung die Beschwerde allein, wenn diese die wirtschaftlichen Nebenfolgen eines Entscheides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr als 5’000 Franken zum Gegenstand hat (Art. 395 lit. b StPO). Die Bestimmung dient der Vereinfachung von Beschwerdeverfahren von geringfügiger Bedeutung (siehe hierzu die Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085, 1312; vgl. auch GUIDON, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 395 StPO N. 1 und 4; KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 395 StPO N. 2; RÉMY, Commentaire romand, 2011, Art. 395 StPO N. 2). Zu den wirtschaftlichen Nebenfolgen im Sinne dieser Bestimmung zählen insbesondere die Verfahrenskosten nach Art. 422 ff. StPO (Urteil des Bundesgerichts 6B_477/2018 vom 2. November 2018 E. 1.1). Über den Erlass der durch sie selber auferlegten Verfahrenskosten entscheidet die
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Beschwerdekammer jedoch nicht auf eine entsprechende Beschwerde hin, sondern nur auf entsprechendes Gesuch der betroffenen Verfahrenspartei. Damit stellt sich die Frage, ob Art. 395 lit. b StPO (zumindest sinngemäss) auf den vorliegenden Fall angewendet werden kann oder nicht. Aufgrund der erwähnten ratio legis macht es keinen Sinn, die Beschwerdeinstanz im Falle einer Beschwerde betreffend Verfahrenskosten mit einem strittigen Betrag von nicht mehr als 5’000 Franken als Einzelgericht, für den Fall eines Gesuchs um Stundung oder Erlass von Verfahrenskosten im entsprechenden Betrag jedoch als Kollegialbehörde entscheiden zu lassen.
1.2.2 In den bisherigen Fällen, in welchen die Beschwerdekammer auf entsprechendes Gesuch hin allein über Erlass bzw. Stundung von Verfahrenskosten zu entscheiden hatte, tat sie dies immer in Dreierbesetzung, ohne jedoch dabei auf die Frage nach der Möglichkeit einer Entscheidung durch die Verfahrensleitung alleine einzugehen (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2015.99 vom 22. März 2016; BB.2015.52 vom 11. Juni 2015; BP.2013.10 vom 2. Mai 2013).
1.2.3 In der bundesgerichtlichen Rechtsprechung finden sich demgegenüber verschiedene Beispiele, in welchen die Verfahrensleitung einer kantonalen Beschwerdeinstanz entsprechende Gesuche allein beurteilt hat. Beim Urteil des Bundesgerichts 6B_878/2017 vom 21. September 2017 bildete ein Entscheid des Präsidiums des Kantonsgerichts Luzern betreffend einen Streitwert von Fr. 500.– das Anfechtungsobjekt. Bei den Urteilen 6B_820/2017 vom 28. August 2017 (Streitwert Fr. 1’000.–) und 6B_522/2017 vom 22. Mai 2017 (Streitwert Fr. 800.–) richtete sich die Beschwerde jeweils gegen eine Verfügung der kantonalen Beschwerdeinstanz und damit gegen einen von einer Einzelperson gefällten Entscheid (siehe Art. 80 Abs. 1 StPO). Wären die hierbei angefochtenen Entscheide anstelle der jeweiligen Einzelperson durch das zuständige Kollegialgericht zu entscheiden gewesen, so hätte dies wohl zu einer Aufhebung des angefochtenen Entscheides von Amtes wegen führen müssen (vgl. hierzu das Urteil des Bundesgerichts 1B_80/2016 vom 26. August 2016 E. 3.3, 3.4).
1.2.4 Vorliegend beantragt der Gesuchsteller den Erlass von Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 2’200.–. Dieser Betrag liegt unter dem Schwellenwert von Art. 395 lit. b StPO. Auf Grund des vorstehend Ausgeführten liegt der vorliegende Entscheid damit in der Zuständigkeit der Verfahrensleitung der Beschwerdekammer.