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TPF 2007 121

Bundesstrafgericht · 2007-01-01 · Deutsch CH

Falsches Gutachten; Begehungsort.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

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3. En présence d’une telle situation, il revient à la Cour des plaintes d’opérer un choix en s’inspirant des autres critères admis en jurisprudence, notamment dans la mise en œuvre de la faculté dérogatoire prévue à l’art. 263 al. 3 PPF. Cette faculté, qui doit demeurer l’exception et reposer sur des critères déterminants, est en effet, par une interprétation extensive, applicable à toutes les règles de for (PIQUEREZ, Procédure pénale suisse, Zurich 2006, no 265 p. 170; SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichts- standsbestimmung in Strafsachen, Berne 2004, n. 422 ss p. 146 ss; GUIDON/ BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundestrafgerichts zum inter- kantonalen Gerichtsstand in Strafsachen, in Jusletter du 21 mai 2007, chap. III n. 9, ainsi que les arrêts cités par ces auteurs). C’est ainsi que peu- vent intervenir des motifs d’opportunité tirés par exemple du domicile de l’auteur ou de sa langue, ou encore des facilités dans l’apport des preuves. L'existence d'affaires complexes portant sur de multiples délits et compre- nant de nombreux auteurs ayant agi dans divers cantons, dont il n’est pas possible de fixer la prépondérance de l’un par rapport aux autres, permet également de déroger à la règle et, par économie de procédure et dans un souci d’efficacité, d’attribuer la compétence pour poursuivre et juger les auteurs à chaque canton dans lequel un centre de gravité peut être établi au sens de l’art. 344 CP (ATF 129 IV 202 consid. 2 p. 203 et 204 et arrêts cités). L’application de ces critères subsidiaires conduit en l’espèce à faire droit à la requête des autorités de poursuite pénale du canton de Vaud et à désigner celles du canton de Zurich pour assumer la poursuite et le juge- ment des infractions reprochées à D. et consorts, pour les raisons exposées supra (consid. 2.3).

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26. Auszug aus dem Entscheid der I. Beschwerdekammer in Sachen Kanton Zürich gegen Kanton Zug vom 15. Oktober 2007 (BG.2007.22)

Falsches Gutachten; Begehungsort.

Art. 307 Abs. 1, 340 Abs. 1 Satz 1 StGB

Der Begehungsort bei der Abgabe eines falschen Gutachtens in einem gerichtli- chen Verfahren gemäss Art. 307 Abs. 1 StGB befindet sich auch dann am Sitze des Gerichts, wenn das Gutachten von anderswo aus zu Handen des Gerichts der Post aufgegeben wird.

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122 Faux rapport; lieu de commission de l’acte.

Art. 307 al. 1, 340 al. 1 phrase 1 CP

En cas de remise d’un faux rapport dans une procédure judiciaire au sens de l’art. 307 al. 1 CP, le lieu de commission se trouve au siège du Tribunal même lorsque le rapport a été posté d’un autre lieu.

Falsa perizia; luogo del reato.

Art. 307 cpv. 1, 340 cpv. 1 prima frase CP

Il luogo del reato in caso di fornitura di una falsa perizia in un procedimento giudiziario secondo l’art. 307 cpv. 1 CP si trova presso la sede del tribunale anche quando la perizia è spedita per posta al tribunale da altrove.

Zusammenfassung des Sachverhalts:

C. und D. erstellten im Rahmen eines Zivilprozesses für das Kantonsgericht des Kantons Zug ein medizinisches Gutachten. Dieses wurde von den bei- den im Kanton Zürich verfasst und offenbar auch dort zu Handen des Kan- tonsgerichts des Kantons Zug der Post übergeben. Der Kläger im Zivilver- fahren reichte daraufhin bei der Staatsanwaltschaft Zürich – Limmat gegen C. und D. eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf falsches Gutachten gemäss Art. 307 Abs. 1 StGB ein. Mit Gesuch vom 20. August 2007 bean- tragte die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich der I. Beschwerde- kammer, es sei der Kanton Zug zur Verfolgung und Beurteilung von C. und D. für berechtigt und verpflichtet zu erklären.

Die I. Beschwerdekammer erklärte die Strafverfolgungsbehörden des Kan- tons Zug für berechtigt und verpflichtet, die C. und D. zur Last gelegten strafbaren Handlungen zu verfolgen und zu beurteilen.

Aus den Erwägungen:

2. 2.1 Gemäss Art. 340 Abs. 1 Satz 1 StGB sind für die Verfolgung und Beur- teilung einer strafbaren Handlung die Behörden des Ortes zuständig, wo die strafbare Handlung ausgeführt wurde. (…)

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123 2.2 Beim vorliegend interessierenden Straftatbestand handelt es sich um die Abgabe eines falschen Gutachtens im Sinne von Art. 307 Abs. 1 StGB. (…) Die Tathandlung des Art. 307 Abs. 1 StGB umschreibt das Gesetz mit dem Verb "abgeben" (deutsche Fassung des Gesetzestextes), "fournir" (französi- sche Fassung) bzw. "fornire" (italienische Fassung). Zudem ist erforderlich, dass der Täter "in einem gerichtlichen Verfahren" handelt. Umstritten ist vorliegend, wo die Tathandlung des "Abgebens" ausgeführt wurde. Wäh- renddem der Gesuchsteller zum Schluss kommt, dass im vorliegenden Fall der schriftlichen Zusendung eines Gutachtens an ein Gericht die Handlung des Abgebens erst bei Eintreffen des Gutachtens beim Gericht erfüllt sein kann, hält der Gesuchsgegner dafür, dass bereits die Übergabe des Gutach- tens an die Post für die Erfüllung des Straftatbestandes genügt.

2.3 Die I. Beschwerdekammer hatte erst kürzlich Gelegenheit, sich der hier umstrittenen Frage zu widmen, und dabei entschieden, dass die in Art. 307 Abs. 1 StGB verwendete Umschreibung der Tathandlung ("abgeben") be- grifflich notwendigerweise die Kenntnisnahme bzw. zumindest die Entge- gennahme des Gutachtens durch das Gericht beinhalte, womit die Tathand- lung nur am Sitz des entsprechenden Gerichts erfolgen könne (TPF BG.2007.17 vom 31. Juli 2007 E. 2.3). Auch nach erneuter Erwägung der Frage unter Berücksichtigung der von beiden Parteien vorgebrachten Ar- gumente besteht kein Grund von dieser Rechtsprechung abzuweichen. An dieser Stelle nochmals zu bestätigen ist, dass die blosse Erstellung eines falschen Gutachtens vor dem Hintergrund des Art. 307 Abs. 1 StGB alleine noch nicht strafbar ist, handelt es sich hierbei doch nur um eine Vorberei- tungshandlung, welche für die Bestimmung des Gerichtsstandes nicht massgeblich ist (vgl. hierzu SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichts- standsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2005, N. 64). Der Tatbe- stand des Art. 307 Abs. 1 StGB unterscheidet sich insofern beispielsweise von der Urkundenfälschung nach Art. 251 StGB, welche nur deshalb als an dem Ort ausgeführt gilt, an welchem die Urkunde gefälscht wird, und nicht an jenem Ort, an den die Urkunde geschickt wird (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 124), weil bereits die Erstellung einer gefälschten Urkunde von Gesetzes wegen mit Strafe bedroht ist und es keiner weiteren Handlung wie der Abgabe der Urkunde an Dritte bedarf. Die vom Gesuchsgegner unter Hinweis auf SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 75 und 77 angerufenen Grund- sätze, wonach beim abstrakten Gefährdungsdelikt der Ausführungsort dort liegt, wo der Täter jene Handlung beging oder unterliess, welche geeignet war, das geschützte Rechtsgut zu verletzen, bzw. wonach bei Ehrverlet- zungsdelikten mittels schriftlicher oder telefonischer Tatbegehung die Tat in

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124 der Abfassung und Versendung des Schriftstücks bzw. im Telefongespräch bestehe, können nicht unbesehen auf den vorliegenden Fall übertragen wer- den. Art. 307 Abs. 1 StGB erfordert im Gegensatz zu den bei SCHWERI/ BÄNZIGER, a.a.O., N. 77 erwähnten Ehrverletzungsdelikten die Abgabe der Äusserung (des Gutachtens) an einem bestimmten Ort, eben am Sitze des entsprechenden Gerichts. Zur Illustrierung können diesbezüglich die Aus- führungen des Gesuchsgegners herangezogen werden, wonach der Täter im vorliegenden Fall die Tathandlungen in zwei Schritten, welche an verschie- denen Orten ausgeführt werden können, ausführt: Im ersten Schritt übergibt er das schriftliche Gutachten der Post, welche es zum Gericht transportieren und diesem übergeben soll. Im zweiten Schritt benützt er die Post als mit- telbare Täterin (recte: Tatmittlerin) zur Aushändigung des Gutachtens an das Gericht. Im Falle von Art. 307 Abs. 1 StGB bedarf es begrifflich zur Erfüllung der Tathandlung des "Abgebens" und zur Begründung der Straf- barkeit eben gerade und nur dieses zweiten Schrittes. Es versteht sich hier- bei von selbst, dass die Handlung der Post als Tatmittlerin dem mittelbaren Täter, wie seine eigene anzurechnen ist (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 87). Dass die Abgabe des Gutachtens beim Gericht rein logisch auch die Entgegennahme durch das Gericht erfordert, bedeutet nicht, dass es sich bei Art. 307 Abs. 1 StGB um ein Erfolgsdelikt handelt bzw. die hierfür mass- gebenden Regeln zur Bestimmung des Gerichtsstandes auf den Fall eines abstrakten Gefährdungsdelikts übertragen werden. (…)

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27. Extrait de l’arrêt de la IIe Cour des plaintes du Tribunal pénal fédéral dans la cause Patricia Paulina Castañon Rios de Salinas et la société A. contre Office fédéral de la justice du 29 octobre 2007 (RR.2007.77)

Refus de levée de saisie: caractère final ou incident de la décision attaquée; prin- cipe de connexité; principe de proportionnalité; durée de la saisie.

Art. 26 al. 1, 29 al. 1 et 2, 30 Cst., art. 17 al. 4, 18, 28, 78, 79, 80b, 80e EIMP, art. 4, 14, 33a OEIMP, art. 34 ss LTF, art. 10, 26, 27 PA, art. 99 PPF

La décision par laquelle l’autorité d’exécution en matière d’entraide rejette une demande de levée de saisie est de nature incidente car elle ne met pas un terme à la procédure de saisie. Faute pour les recourantes d’alléguer un préjudice immédiat et irréparable, le recours devrait en principe être déclaré irrecevable.