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79_IV_143

BGE 79 IV 143

Bundesgericht (BGE) · 1953-01-01 · Deutsch CH
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Ausverkaufsordnung. N° 34.

durchführt, der immer eine Veranstaltung des Detailver-

kaufs ist, ansonst er gar nicht nach Ausverkaufsordnung

bewilligungspßichtig wäre (vgl. Art. 1 Abs. 1 AO), steigt

er für die Dauer des Ausverkaufs auf die Stufe des Klein-

händlers herab. Damit übernimmt er nicht nur den Vorteil,

seine \Varen durch unmittelbaren Verkauf an die Verbrau-

cher absetzen zu können, sondern wird er auch den Pflich-

ten unterworfen, welche die Kleinhändler mit der Durch-

führung eines Totalausverkaufes auf sich nehmen. Es

entstände sonst die stossende Ungleichheit, dass von zwei

Geschäftsleuten, die beide einen Totalausverkauf im Sinne

der Ausverkaufsordnung durchgeführt haben, der eine

sofort ein Kleinhandelsgeschäft. mit Waren gleicher Art

eröffnen dürfte, weil er vor dem Ausverkauf Grosshändler

war, während der andere das erst nach Ablauf einer Sperr-

frist tun dürfte. Dem Grosshändler wäre damit ermög-

licht, zum Schaden der Kleinhändler durch einen Total-

ausverkauf Kunden für ein sofort zu eröffnendes Klein-

handelsgeschäft. zu werben, während die Ausverkaufsord-

nung das dem Kleinhändler verbietet. Was für den Klein-

händler missbräuchlich ist, nämlich durch Totalausverkauf

für ein neu zu eröffnendes Kleinhandelsgeschäft Kunden zu

werben, muss auch für den Grosshändler missbräuchlich

sein. Der Totalausverkauf ist beim Übergang vom Gross-

handel zum Kleinhandel nicht etwa wegen des Wechsels

der Handelsstufe grundsätzlich berechtigt. Der Gross-

händler kann Kleinhändler werden, ohne einen Totalaus-

verkauf durchzuführen. Er kann sein Warenlager entweder

vor der Änderung der Geschäft.sform durch Grossverkäufe

liquidieren oder es in das Kleinhandelsgeschäft. hinüber-

nehmen und es dort durch Detailverkäufe absetzen. Ist

ausnahmsweise wegen besonderer Verhältnisse weder das

eine noch das andere tunlich, so kann ihm die Behörde

einen Totalausverkauf gestatten und gemäss Art. 17 AO

von der Auferlegung einer Sperrfrist für die Eröffnung des

Kleinhandelsgeschäftes absehen.

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Verfahren. No 35.

V. VERFAHREN

PROCEDURE

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35. Urteil des Kassationshofes vom 9. Oktober 1953 i. S. Wolfi

gegen Strafvollzugskommission des Kantons Basel-Stadt.

Art. 268 Bf!.tP_. Gegen Verfügungen, welche die Vollstreckung einer

rechtskraftig erkannten Strafe oder l\fassnahme betreffen ist

die Nichtigkeitsbeschwerde nicht zulässig.

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Art. 268 PPF. Le pourvoi en nullite est irrecevable contre des

decisions qui concernent l'execution d'une peine ou mesure

entree en force.

Art. 268 PPF. Il ricorso per cassazione non e ammissibile contro

d~cisioni ehe concernono l'esecuzione della pena o un provve-

dimento quale la revoca della liberazione condizionale.

Durch den mit der Nichtigkeitsbeschwerde angefoch-

tenen Entscheid hat die Strafvollzugskommission des

Kantons Basel-Stadt die dem Beschwerdeführer am 10. Ok-

tober 1951 bewilligte bedingte Entlassung aus der gegen

ihn am 12. Mai 1949 ausgesprochenen Verwahrung wider-

rufen, weil er während der ihm bei der Entlassung bestimm-

ten Probezeit Verbrechen (Diebstahl und Hehlerei) began-

gen hatte (Art. 42 Ziff. 6 Abs. 1 StGB).

Nach Art. 268 BStP unterliegen jedoch nur Urteile der

Gerichte, Straferkenntnisse der Verwaltungsbehörden und

Einstellungsbeschlüsse der Nichtigkeitbeschwerde an den

Kassationshof des Bundesgerichtes. Sie ist demnach aus-

geschlossen gegen Verfügungen, die lediglich die Voll-

streckung einer rechtskräftig erkannten Strafe oder Mass-

nahme betreffen, wie die bedingte Entlassung nach Art. 38

Ziff. I oder 42 Ziff. 5, die Unterbrechung des Strafvollzuges

nach Art. 40 oder die Rückversetzung in das Zuchthaus,

Gefängnis (Art. 38 Ziff. 4) oder -

worum es im vorliegen-

den Falle geht -

in die Verwahrung nach Art. 42 Ziff. 6

StGB (Urteile des Kassationshofes vom 4. Januar I 945

i. S. Müggler, vom 2. Juni 1947 i. S. Dütsch und vom

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Verfahren. N° 35.

14. Mai 1948 i. S. Breiler). Das ist selbst dann der Fall,

wenn die angefochtene Anordnung -

wie das in verschie-

denen Kantonen zutrifft -

dem Richter übertragen ist,

da dieser insoweit als Vollstreckungsbehörde handelt

(Urteil des Kassationshofes vom 31. Dezember 1947 i. S.

von Burg).

Demnach erkennt der Kassationshof :

Auf die Nichtigkeitsbeschwerde wird nicht eingetreten.

IMPRIMERIBS REUNIES S. A., LAUSANNE

')

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I. STRAFGESETZBUCH

CODE PENAL

36. Extrait de l'arret de la Cour de eassation penale du 18 deeembre

1953 dans la cause Veillon et eonsorts contre Cornu.

Art. 25 OP. Comme toute infraction commise par omission, la

complicite par omission improprement dite suppose que l'au-

teur ait eu l'obligation juridique d'agir; un devoir moral ne

suffit pas.

Art. 25 StGB. Wie jede durch Unterlassung begangene strafbare

Handlung, setzt auch die Gehülfenschaft durch unechte Unter-

lassung eine Rechtspflicht zum Handeln voraus; eine bloss

sittliche Pflicht genügt nicht.

Art. 25 OP. Come ogni reato commesso per omissione, la complicita

per omissione impropriamente detta presuppone l'esistenza

d'un obbligo giuridico di agire; un semplice dovere morale

non basta.

A. -

Les epoux Jean et Ida Veillon acheterent en 1946

la propriete « La Pelouse)J, sise a Bex. Ils la constituerent

en societe anonyme et nommerent administrateur Henri

Cornu, agent de la Banque cantonale vaudoise a Bex.

Des le printemps 1951,. ils habiterent la Pelouse avec

leurs fils Adrien, ne en 1930, et Frarn;iois. Ils Mbergeaient

egalement un etudiant lithuanien, nomme Narakas. En

outre, ils recevaient frequemment la visite de Franz Meli.

En ete 1951, Jean Veillon quitta sa famille a la suite

de difficultes avec son epouse. Cornu prit parti pour lui

et entra ainsi en conflit avec Ida Veillon, qui lui reprochait

notamment de leser les interets qu'elle avait dans le

domaine. En revanche, Adrien Veillon, Meli et Narakas

prirent fait et cause pour dame Veillon.

En septembre, l'animosite des occupants de la Pelouse

contre Cornu devint si grande qu'ils envisagerent de l'obli-

ger a donner sa demission d'agent de la Banque cantonale

vaudoise, voire a quitter Bex. Le 29 septembre, Adrien

Veillon et Meli corn;iurent l'idee de repandre un tract

10

AS 79 IV -

1953