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78_IV_246

BGE 78 IV 246

Bundesgericht (BGE) · 1949-12-27 · Deutsch CH
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246

Verfahren. N° .54.

tion cantonale, par la Cour penale fäderale, a une ordon-

nance de jonction du Conseil fooeral (art. 344 eh. l CP).

L'une et l'autre font defaut. En dooidant, le 27 decembre

1949, de defärer a la Cour penale fäderale la cause Schenk

et consorts cc dans son ensemble >1, le Conseil föderal n'a pu

viser la concurrence deloyale, puisqu'elle ne faisait l'objet

d'aucune plainte (art. 101 al. 2 PPF).

Lorsque les actes imputes aux accuses ont ete commis,

l'Union n'existait pas encore. Aussi n'ont-ils pu entamer

aucun de ses droits. Elle n'est donc pas Iesee dans le sens

de l'art. 34 PPF. Peu importe que le discredit dont souffri-

raient ses membres rejaillisse sur eile. Une association ne

saurait se prevaloir, en vue de se porter partie civile, d'une

situation qui regnait deja lors de sa fondation et dans

laquelle elJ.e s'est mise deliherement.

54. Entscheid der Anklagekammer vom 21. November 1952

i. S. Compagnie Ferbrik S.A. gegen Staatsanwaltseha:i't des

Kantons Zürich.

l. ~lten sie~ di~ ·Strafbehörden eines Kantons zur Verfolgung

emes Offizialdeliktes für örtlich unzuständig, so haben sie mit

d~m Behörden des für zuständig erachteten Kantons in Ver-

bmdung zu treten. Kann, wenn dies unterblieben ist, die

Anklagekammer des Bundesgerichtes nach Art. 264 BStP von

Amtes wegen (allenfalls auf Gesuch des Anzeigers) einschreiten ?

Erw. l.

2. Bei Antragsdelikten steht dem Verletzten gegenüber einem

negativen Gerichtsstandsentscheide die Anrufung der Anklage-

kammer des Bundesgerichtes zu (Art. 264 in Verbindung mit

Art. 270 BStP). Erw. 2.

3. Begehungsort (Art. 7 und 346 StGB) bei mittelbarer Täter-

schaft : In den Handlungen des mittelbaren Täters, durch die

er auf die als Werkzeug benutzte Person einwirkt, liegt bereits

ein Teil der Tatausführung. Erw. 3.

l. Lorsque, s'agissant d'un delit qui se poursuit d'office, les auto-

rites penales d'un canton s'estiment incompetentes a raison du

lieu, elles doivent se mettre en rapport avec !es autorites du

canton qu'elles estiment competent. Lorsque cette demarche

n'a pas eu lieu, la Chambre d'accusation du Tribunal föderal

peut-elle intervenir d'office en vertu de l'art. 264 PPF (au

besoin sur requete du denonciateur) ? Consid. l.

Verfahren. No .54.

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2. Dans le cas de delits qui ne se poursuivent que sur plainte, le

lese peut recourir a la Chambre d'accusation du Tribunal federal

contre une decision d'incompetence (art. 264 combine avec

l'art. 270 PPF). Consid. 2.

3. Lieu de commission (art. 7 et 346 CP) dans le cas ou l'auteur

a agi par intermediaire. L'activite par laquelle l'auteur indirect

infl.uence la personne qui lui sert d'iristrument constitue deja

un acte d'execution. Consid. 3.

1. Quando le autorita penali d'un cantone si considerano terri-

torialmente incompetenti a procedere per un reato perseguibile

d'ufficio, debbono mettersi in rapporto con le autorita del

cantone ehe ritengono competente. Se ciO non e avvenuto, la

Camera di accusa del Tribunale federale puo intervenire d'ufficio

in virtu dell'art. 264 PPF (eventuahnente a richiesta del denun-

ciante) 't Consid. 1.

2. Quando si tratta di reati perseguibili soltanto a querela di parte,

il leso puo ricorrere alla Camera di accusa del Tribunale federale

contro una decisione d'incompetenza (art. 264 comhinato eon

l'art. 270 PPF). Consid. 2.

3. Luogo del reato (art. 7 e 346 CP) nel caso in cui l'autore ha.

agito per mezzo di terza persona. L'attivita eon la quale l'au-

tore mediato infl.uenza la persona ehe gli serve di strumento

materiale costituisce gia un atto di esecuzione. Consid. 3.

A. -

Dr. Pierre Uldry in Zürich ist Verwaltungsrat

der Bank Prokredit A. G. in Freiburg und war Vize-

präsident des Verwaltungsrates der Compagnie Ferbrik

S. A. mit Sitz in Genf. Diese reichte gegen ihn am 5. Juni

1952 bei der Bezirksanwaltschaft Zürich Strafanzeige wegen

Betrugs, eventuell Betrugsversuches ein. Zugleich stellte

sie Strafantrag wegen Kreditschädigung und eventuell

wegen boshafter Vermögensschädigung. Sie bezichtigte

Uldry dieser Handlungen wegen eines l Briefes des Genfer Anwaltes H. Dutoit an

ihre französische Lizenznehmerin « S.A.P.I. >l in Paris,

geschrieben im Auftrage der Bank Prokredit A. G. am

26. März 1952.

B. -

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich wies

die Angelegenheit am 14. Juni 1952 von der Hand, indem

sie die örtliche Zuständigkeit der zürcherischen Strafbe-

hörden verneinte. Denn es sei jedenfalls nicht in Zürich,

sondern in Genf und Paris gehandelt worden. Auch wäre

der behauptete Erfolg des Briefes (Verweigerung der

Zahlung weiterer Lizenzgebühren an die Anzeigerin und

248

Verfahren. No 54.

Strafantragstellerin) in Paris eingetreten oder hätte nach

Absicht der handelnden Personen dort eintreten sollen.

Im übrigen hielt die Staatsanwaltschaft eine Strafunter-

suchung überhaupt nicht für gerechtfertigt, da einfach

eine zivilrechtliche Streitigkeit in Frage stehe.

0. -

Der Rekurs der Sei daher der

zürcherische Gerichtsstand abzulehnen, so brauche nicht

geprüft zu werden, ob überhaupt ein Deliktstatbestand

fa Frage komme.

D. -

Mit Eingabe vom 31. Oktober 1952 stellt die

« Ferbrik >> bei der Anklagekammer des Bundesgerichtes

das Gesuch, der Kanton Zürich sei als zur Anhandnahme

der Untersuchung berechtigt und verpflichtet zu be-

zeichnen.

E. -

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hält

das Gesuch der gegen

den angefochtenen Gerichtsstandsentscheid die Nichtig-

keitsbeschwerde an den Kassationshof zu. Das Rechts-

mittelsystem ist jedoch im Einverständnis mit dem Kas-

sationshof durch den Entscheid der Anklagekammer in

Sachen Pedler (BGE 73 IV 54) dahin richtiggestellt wor-

den, dass Art. 264 BStP als Spezialnorm die ausschliess-

liche Zuständigkeit der Anklagekammer in interkantonalen

Gerichtsstandsfragen bei eidgenössischen Strafsachen, so-

lange keine Sachurteil ergangen ist, begründe (vgl. auch

BGE 74 IV 190, 76 IV 114). Diese Erweiterung des sach-

lichen Anwendungsbereiches des Art. 264 BStP ruft einer

dem Art. 270 BStP entsprechenden Ausdehnung der Legi-

timation zur Anrufung der Anklagekammer. Es wäre

zweifellos nicht dem Willen des Gesetzes gemäss, dem

Antragsteller, nachdem ihm die Nichtigkeitsbeschwerde

nicht mehr zur Verfügung steht, die Anrufung des Bundes-

gerichtes in interkantonalen Gerichtsstandfragen nun

überhaupt zu versagen. Die auch in anderer Hinsicht

lückenhafte Bestimmung des Art. 264 BStP, die das

Verfahren vor der Anklagekammer nicht näher ordnet,

ist in jenem Sinne zu ergänzen (so denn auch CoucHEPIN,

a.a.O. 115; WAIBLINGER, Zeitschrift des bernischen Ju-

ristenvereins 85 S. 489). Ungeprüft kann die von den beiden

erwähnten Autoren gleichfalls besprochene Frage bleiben,

252

Vorfahren. No 54.

wie es sich mit der Gesuchsberechtigung eines Privatklä-

gers oder blassen Anzeigers bei Offizialdelikten verhält.

3. -

Dem Gesuch der > ist in dem Sinne zu

entsprechen, dass der angefochtene Unzuständigkeitsent-

scheid aufzuheben und die Sache zu näherer Prüfung an

die kantonale Justizdirektion zurückzuweisen ist. Zu

solcher Aufhebung ist die Anklagekammer befugt (BGE

74 IV 185), und sie ist im vorliegenden Falle geboten, da

der Sachverhält nicht soweit abgeklärt ist, dass sich mit

Sicherheit die Zuständigkeit der zürcherischen Behörden

ausschliessen liesse. Entgegen der Ansicht des angefoch-

tenen Entscheides ist es nämlich nicht belanglos, ob

Anwalt H. Dutoit von Zürich aus beauftragt worden sei,

wie dies die Gesuchstellerin vermutet und behauptet. Die

kantonale Behörde scheint anzunehmen, als Täter komme

nur eben der Anwalt H. Dutoit in Betracht, Dr. ffidry

dagegen nur als Anstifter. Indessen steht dahin, ob nicht

Dr. ffidry als Mittäter neben dem Anwalt oder auch als

mittelbarer Täter (bei Verneinung der Täterschaft des

Anwaltes insbesondere mangels subjektiven Tatbestandes,

vgl. BGE 77 IV 88) zu gelten habe. Im ersten Falle hätte

man es mit einer Mehrheit von Tätern zu tun, die allen-

falls in verschiedenen Kantonen gehandelt haben. Bei

mittelbarer Täterschaft des Dr. Uldry liesse sich allerdings

die Ansicht vertreten, die Tat sei nur dort >

worden (Art. 7 und 346 StGB), wo der als Werkzeug

benutzte Anwalt gehandelt hat (so anscheinend HAFTER,

Allgemeiner Teil, 2. Auflage, § 42 III mit Fussnote 7 auf

Seite 222). Es sprechen aber zureichende Gründe dafür,

als Ort der Tatausführung bei mittelbarer Täterschaft

zugleich den Ort zu betrachten, von wo aus die > statt-

gefunden hat (so LISZT-ScHMIDT, Lehrbuch des deutschen

Strafrechts, 25. Auflage, S. 171 Ziff. 3; ferner MEZGER,

Strafrecht S. 160: >). In der Tat entspricht

es dem Wesen der mittelbaren Täterschaft, in den Hand-

lungen des mittelbaren Täters, durch die er auf die als

Werkzeug benutzte Person einwirkt, bereits einen Teil

der Deliktsausführung zu sehen. Ist dem aber so, so

lässt sich im vo:diegenden Fall der zürcherische Gerichts-

stand nicht ohne weiteres ablehnen. Die Tatumstände

sind, vorerst soweit es für die Entscheidung der Gerichts-

standsfrage erforderlich ist, an Hand der Angaben der

Antragstellerin abzuklären.

Vorbehalten bleibt die Einstellung der Untersuchung

als ungerechtfertigt. Gegen den Einstellungsbeschluss der

letzten kantonalen Instanz wäre die Nichtigkeitsbe-

schwerde nach Art. 268 BStP gegeben.

Demnach erkennt die Anklagekammer:

Dem Gesuch wird in dem Sinne entsprechen, dass die

Verfügung der Direktion der Justiz des Kantons Zürich

vom 21. Oktober 1952 aufgehoben und die Sache im

Sinne der Erwägungen an die zürcherischen Strafbehörden

zurückgewiesen wird.

Vgl. auch Nr. 47 (Überprüfungsbefugnis des Kassations-

hofes). -

Voir aussi n° 47.

BERICHTIGUNGEN -

ERRATA

Seite 10 Datum des Entscheides Nr. 4: 29. Februar

1952.

Seite 139 Zeile 13 von oben: Beschwerdeschrift statt

Beschwerdefrist.