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73_II_123

BGE 73 II 123

Bundesgericht (BGE) · 1947-01-01 · Deutsch CH
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Obligationenrecht. N0 19.

streitbares, rechtlich schutzwürdiges Interesse bestand

bei der Um.wapdlung einer Einzelfirma oder Kollektiv-

oder Kom.manditgesellschaft in eine A.-G. das Nachfolge-

, verhältnis in Erscheinung treten zu lassen und so den der

früheren Firma innewohnenden Goodwill vor dem Unter-

gang zu bewahren. Die rev. Verordnung II von 1918 über

das Handelsregister erklärte daher bei solchen· Umwand-

lungen die 'Übernahme der früheren Firmabezeichnung in

die Firma der neuen A.-G grundsätzlich als zulässig. Das

rev. OR ging in Art. 950 Aha. 2 noch einen Schritt weiter,

indem es vom Erfordernis eines rechtlichen Nachfolgever-

hältnisses absah und die Aufnahme von Personennamen

ganz allgemein gestattet, sofern die Bezeichnung «Aktien-

gesellschaft I) beigefügt und die aJ1gemeinen Grundsätze

der Firmenbildung (Wahrheit, Aussc:bluss von Täuschungs-

gefahr) beobachtet werden. Es genügt daher schon jede

irgendwie geartete rechtliche oder auöh bloss tatsächliche

Beziehung zwischen der Init Namen genannten Person und

dem Unternehmen. Es wäre nun aber gewiss paradox,

wenn man im Hauptfall, um dessentwillen man die Auf-

nahme von Personennamen in die Firma einer A.-G. über-

haupt gestattete, nämlich im Falle des Bestehens eines

'Nachfolgeverhältnisses, der A.~G. die Berufung auf ein

solches verwehren wollte, sofern es.nicht noch durch einen

besonderen Zusatz, wie « vormals 1), «Nachfolger von I)

oder dergl., ausdrücklich hervor.gehoben ist. Eine solch

strenge Auslegung von Art. 953 Abs. 2 OR hätte überhaupt

zur Folge, dass eine Firmenbildung von der Art der hier

in Frage stehenden (Hunziker & Co. A.-G.) als unzulässig

angesehen werden müsste. Denn Art. 950 Abs. 2 gestattet

wohl die Aufuahme eines Personennamens in die Firma

derA.-G., so dass zwar die Firm,abildung « G. Hunziker

A.-G.» statthaft wäre; er erlaubt aber nicht die Aufnahme

der Firma einer Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft;

denn hiebei . wird ni~ht nur ein Personenname, sondern.in

Verbindung daInit auch noch der Zusatz «(& Co.» mit

übernommen. Die Übernahme einer Firmabezeichnung als

Prozessreoht. N° 20.

123

ganzes wird vielmehr eben durch Art. 953 Aha. 2 OR

geregelt.

Auf Grund dieser Erwägungen ist soInit die Beklagte

befugt, sich für die Bildung Un'er Firma auf Art. 953 Abs. 2

OR zu berufen.

IV. PROZESSRECHT

PROC:EDURE

20. Urteil der ll. ZivIlabteilunu vom 3 • .JnIl 1947

i. S. Lipper gegen Boeseh & Cle. In Liq.

RooiBion Art. 1371it. b OG.Tatsachen, die erst seit dem frühem

Pro~ eingetreten sind. faUen nicht in Betracht.

Revision. Art. 137 lettre b OJ. Las faits survenus apres le proces

·ne sont pas pm en consideration.

RooiBione. Art. 137, lett. b OGF. I fatti avvenuti dopo iI processo

non. sono presi in (lOnsidera.zione.

Aus demPatbutaM:

Lipper belangte die Firma Boosch & Oie. auf Heraus-

gabe von Schuldbriefen mangels gutgläU:bigen Pfander-

werbes von einem Gültenhändler, der sie veruntreut hatte.

Das Bundesgericht billigte der' Beklagten Init Urteil vom

5. April 1944 guten Glauben beim Pfanderwerbe zu und

wies die Klage ab (BGE 70 II 103). Mit dem vorliegenden

Gesuch beantragt Lipper die Revision dieses Urteils und

die;Verurteilung der Firma Boosch & Oie. (nunmehr in

Liquidation) zur unbeschwerten Herausgabe der Schu:ld-

briefe. Als Revisionsgrund ruft er Art. 137 lit. bOG an.

Es sei als neue Tatsache zu berücksichtigen, dass die

Gesuchsgegnerin in einem gegenwärtig hängigen Prozesse

gegen ihn zugegeben habe, dass ihre· Pfandsicherheiten

124

Prozessrecht. No 20.

~inerzeit entgegen der Annahme des Bundesgerichtes

rocht zur Deckung ihrer Forderungen ausgereicht hätten.

. Femer folge aus dem Beweisergebnis . im Strafverfahren

gegen Vogel, dass die Gesuchsgegnerin beim Pfanderwerb

nicht habe gutgläubig sein können.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

1. -

Laut Ziff. 2 der Erwägungen des Urteils vom

5. April 1944 hat das Bundesgericht gutgläubigen Pfand-

e~werb der Gesuchsgegnerin auf Grund eingehender Wür-

di~g der V~rhältnisse angenommen. Das Argument, es

seI rocht beWIesen, dass diese Pfandgläubigerin damals

ungedeckte Forderungen gegen den Verpfänder besass

hatte dabei nur untergeordnete Bedeutung. Gleich ver~

hält es sich mit der Angabe, die Forderung dieser Pfand-

gläubigerin gegen Vogel· sei in dessen Konkurs als faust-

pfandversichert kolloziert worden; damit war nichts über

den Wert der Pfänder gesagt. Wenn nachträglich die Ver-

wertung der Pfänder weniger ergeben hat als der seinerzei-

tigen Schätzung durch die Firma Brosch & Oie. entspro-

chen hätte -

dies ist der wesentliche Inhalt der vom

Ge~uc~steller angerufenen· Vorbringen der Gesuchsgeg-

nenn 1m gegenwärtig hängigen Prozesse -

so ist dies

keineswegs eine neue Tatsache, die nach Art. i37lit. b OG

als Revisionsgrund geltend gemacht werden könnte (ganz

abgesehen davon, dass nicht ersichtlich ist, was aus diesen

V~rbringen gegen den guten Gla.u~~mder Gesuchsgegnerin

beun Pfanderwerb folgen sollte). Zum Revisionsgrund der

neu aufgefundenen Beweismitt.el, wie er schon dem frü-

hem OG in Verbindung mit Art. 192 Ziff. 2 BZP bekannt

war, hat. das ne~e OG vom 16. Dezember 1943 neu in Er-

f~hrung~ebrachte Tatsachen . als weitem Revisionsgrund

hinzugefugt. Es folgt darinneuem kantonalen Prozess-

ordnungen. Wie diese, hat es aber dabei nur Tatsa.chen im

Auge, die zur Zeit des frühem Proze~ses bereits bestanden

hatten und nur deshalb nicht vorgebracht worden waren

weil sie der daran inte1'essierten Partei damals noch nich~

Prozessrecht. N° 20.

126

bekannt waren. Tatsachen dagegen, die erst ~seit dem

frühem Prozess (d. h. erst seit dessen Beendigung oder

wenigstens seit dem Zeitpunkt, in dem im damaligen Ver-

fahren Tatsachen noch vorgebracht werden konnten) ein-

getreten sind, können nicht als Revisionsgrund in Betracht

fallen. Die Revision soll nicht dazu führen, das :rechts-

kräftige Urteil einer seitherigen Änderung der Verhält""

nisse anzupassen. Vielmehr kommt die Revision nach

Art. 137 OG nur zu dem Zweck in Frage, eine Urteils-

grundlage zu berichtigen, die sich als fehlerhaft erwiesen

hat (Botschaft des Bundesrates, Bundesblatt 1943 S. 147).

Gemeint ist: Fehlerhaft nach dem damaligen Sachstand,

wie er erst seither der durch das Urteil beschwerten Partei

bekam;tt geworden ist. Aus diesem Gesichtspunkt hat das

Bundesgericht bereits unter der Herrschaft des alten OG

entschieden, dass als neu aufgefundene Beweismittel nicht

solche gelten können, die nach dem Stande der Naturwis-

senschaften zur Zeit des frühem Prozesses noch nicht als

taugliche existierten (Blutgruppenbeweis zum Ausschluss

der Vaterschaft, BGE 61 II 361). Die Revision soll eben

dem Gesuchsteller nicht zu einem Urteil verhelfen, wie es

allenfalls zu erreichen wäre, wenn der Prozess erst jetzt,

auf Grund des gegenwärtigen Sachstandes, zu beurteilen

ware .. Sie soll ihm nur ermöglichen, unter bestimmten

Voraussetzungen den wahren seinerzeitigen Saohstand

nachträglich noch zur Geltung zu bringen.

2. -

Auoh die Berufung auf das Beweisergebnis im

Strafverfahren gegen Vogel geht fehl. Das Urteil des

Kriminalgerichts Luzem ist laut Besoheinigung der Kanz-

lei vom 26. Februar 1947 nooh nicht ausgefertigt. Das

Beweisergebnis läSst sich also noch nicht in gehöriger

Weise dartun. Ausserdem hat Vogel, wie dieselbe Kanzlei

bescheinigt, gegeIi das Urteil an das Obergericht appel-

llEfi't.

3. -=- Erweist sich damit das Revisionsgesuoh als unbe-

grfuidet, so erübrigt sich die Prüfung der von der Gesuchs-

gegnerin aufgeworfenen Legitimationsfrage.

126

Markenschutz. N0 21.

Demnach. erkennt das B'lI/rule8gericht :

Das Revisionsgesuch wird abgewiesen.

Vgl. auch Nr. 14. -

Voir aussi n° 14.

V. MARKENSCHUTZ

PROTEOTION DES MARQUES

DE FABRIQUE

21. Arr~t de Ja Ire Cour clvile du 17 juin 1947 dans Ia cause

Davldoff & oe contre Calsse autonome de gestion des bons

de Ia defense nationale, d'exploitation industrielle des tabaes

et d'amortissement de Ja dette publlque.

Portee de l'enregistrement international d'une marque opere sur

la base d'un depöt fait 8. l'etranger. Art. 7 LMF, 5 de I'Arran.

gement de Madrid, 6 de 1a Convention d'Union de Paris (con.

aid. 1).

Casdans lesque]s une indicationde provenance peut etre utilisee

~on;une. marque. Validite d'll!le marque constituee par une

mdicatlOn de ·provenance (<< clgarettes fran~aises») lorsque Ia

fabr,ication et la vente du produit auqueI elle se rapporte font

l'obJet d'un monopole au profit du titulaire de la marque

(consid. 2).

.

.

F~~te pour Ie ~emandeur d'invoquer" concurremment les dispo-

. SltlOns de Ja 101 sur 1es marques de fabrique et celles de la loi

sur la concurrence deloyaJe (consid. 8).

Tragweite der Eintragung einer ausländischen Marke im inter.

nationalen Mal'kenregister. Art. 7 MSchG, Art. 5 des Madrider

~b~o~ens, Art. 6 der Pariser,verbandsübereinkunft (Erw. 1).

Zulas!'llgkelt der Verwendung emer Herkunftsbezeichnung als

Marke, Gültigkeit einer durch eine Herkunftsbezeichnung

(<< cigarettes fran~es ») gebildeten Marke, wenn Fabrikation

und Verkauf der damit bezeichneten Ware Gegenstand eines

Monopolrechtes zu Gunsten des Markeninhabers sind (Erw. 2).

Befugnis des Klägers, die Vorschriften des MSchG und des UWG

kumulativ anzurufen (Erw~ 8).

Porta~ dell'iscrizione d'nna marca estera nel registro inter-

DaZlonale dene marche. Art. 7 LMF, art. 5 delI'Accordodi

Markenschutz. N0 21.

127

Madrid, art. 6 dalla Convenzione d'Unione di Parigi (consid. 1).

Casi in cui e anunissibile come marca l'uso d'un'indicazione di

provenienza. Validita d'nna marca costituita da un'indic~one

di provenienza (e cigarettes fran~e!'l »), quando 1& fabbrica-

zione e la vendita deI prodotto cui essa si riferlsee sono l'oggetto

d'un monopolio a favore deI titolare deUa marca (consid.2).

Facolta dell'attore d'invocare cumuJativamente le dispoaizioni

della legge sulle marche di fabbrica e quelle della Jegge sulla

concorrenza slaale (consid. 8).

A. -

Le monopole des tabacs existe en France depuis

le decret-loi du 29 decembre 1810. TI s'applique a. l'achat,

a. 1a fabrication et a. 10. vente. L'exploitation du monopole

a. eM confiee par une loi du 7 aout 1926 a. 1a « Caisse auto-

nome de gestion des bons de la. defense nationale, d'exploi-

tation industrielle des tabacs et d'amo'rtissement de la

dette· publique», etablissement public jouissant de 10. per-

sonnalije civile et de l'autonomie

financh~re (designe

ci-dessous en abrege: 10. Caisse).

Le 9 juillet 1930, le « Service d'exploitation industrielle

des tabacs » ayant son siege au Ministere des Finances a.

Paris (designe ci-dessous en abrege: le SEITA) 0. fait

enregistrer en France sous le n° 167.117 une marque

representant un emballage avec les inscriptions : «20 Ciga-

rettes fran~ises n° 50, douces et aromatiques », et, ~ur les

cötes: {(Manufacture de l'Etat, France, serie D. n° 3,

Contributions indirectes, Cigarettes».

Cette marque 0. eM enregistree au Bureau international

pour 10. protection de 10. proprieM industrielle le 17 octobre

1930 sous le n° 71.920, en faveur du SEITA .

Le 9· juillet 1930 le SEITA 0. fait en outre enregistrer

en France 8autres marques (nOS 167.108, 167.109, 167.111,

167.113, 167.114, 167.115, 167.119, 167.124), les sept pre-

mieres pour des cigarettes, Ja derniere pour du tabac.

Elles comportent toutes le mot {(caporaJ» (caporal ordi-

naire, caporal superieur ou caporal doux). Lesmarquas

167.114 et 167.115 renferment entre autres 10. mention

« vente en Suisse».

Toutes ces marques ont eM enregistr6es au Bureau

internationalle 17 octobre 1930 en faveur du SEITA sous