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72_I_292

BGE 72 I 292

Bundesgericht (BGE) · 1948-11-28 · Deutsch CH
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Staatsrecht.

51. Urteil vom 28. November 1948 i. S. Sutter' gegen Hunold

undKantoml~rlcht des Kantons Sehwyz.

Legitimation zur 8taatsrechtlichen Beschwerde (Art. 88 OG).

Wer. wegen Ehrverletzung' Klage auf Bestrafung des Täters

erhoben hat, ist zur staatsrechtlichen Beschwerd~ gegen ejn

freisprechendes Urteil selbst dann nicht legitimiert, wenn' die

Klage .nach dem massgebendenkantonalen,&echt. i~Zivilpro­

zessverfahren durchzuführen ist.

QualiU powr agir par la voie dtu recour8 de dro.it public (art. 880J).

Celui qui porte plainte penale pour delit contre l'honneur n'a

pas qualiM pour former un recoursde droit public' contre urr

Jugement. d'acquittement, mame lorsqut;l, d'apres le droit.

cahtonal applicable, l'affa.ire doit atre im!truite selon les regles

de la procedure civile.

. .

Veste per interporre ricorso di diritto pubblico (art. 88 OGF); Chi

sporge querela penale p~r un reato contro l'on()re non,lla veste

per inoltrare un ricorso di diritto pubblico contro una sentenza

di assoluzione, anche se, giusta'il diritto cantoilale applica.bile;

la causa. dev'essereistruita secondo le norme delJ:a procedura

civile.

A. -

Der Beschwerdeführer Johann Sutter-Leu reichte

gegenEmil HunoldcKlage wegen Ehrverletzungein .. Das

Bezirksgericht March erklärte den Beklagten der üblen

Nachrede im Sinne von Art, 173 StGB schuldig, nahm aber

von. einer Bestrafung Umgang" auferlegte die Gerichts-

kosten beiden Parteien je zur Hälfte und schlug die ausser-

rechtlichen Kosten wett. Sutter legte· gegen diesen Ent-

scheid Berufung ein mit dem Antrag, der Beklagte sei zu

bestrafen und zur;Bezahlung sämtlicher Gerichtskosten

sowie einer Parteientschädigtmg an den Kläger zu verur-

teilen.Das Kantonsgericht von Schwyz wies die Berufung

ab und sprach den Beklagten, der nicht appelliert hatte,

von Amteswegen von Schuld und Strafe frei unter Auf~

erlegung der zweitinstanzlichen Kosten an den Kläger.

B. -

Mit rechtzeitiger staatsrechtlicher Beschwerde

beantragt Sutter; dieses Urteil des Kantonsgeriohts sei

aufzuheben mit der Massgabe, dass der Beklagte der üblen

Nachrede scbuldig zu erklären und zu bestrafen sei. Nach

schwyzerischer Rechtsauftassung habe der Staat an der

Verfolgung von Ehrverletzungen kein eigenes Interesse.

Verfahren. N!' 51.

293

Das komme darin zum Ausdruck, d.ass :Ehrverletzungs-

klagen ohne Vorbehalt imZivilprozessverfahren(§·2ZPO)

und daher gemäss der Verhandlungsmaxime (§§ 15~ ff.

ZPO) durchzuführen seien.' Das' Kantonsgericht habe

durch die.' Freisprechung gegen die klare Vorschrift des

§ 157 ZPOverstossenund dem Bekla~n in willkürlicher

Weise mehr zugesprochen, als er selbst verlangtihabe.

Zudem habe es den Tatbestand willkürlich gewürdigt.

Das . Bundeagericht zieht in Erwägung :

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 69

I 17ff.; 70 I 78 ff.) ist der durch eine strafbare Handlung

Geschädigte nicht legitimiert, gegen einen Einstellungs,.

beschluss oder ein .freisprechendes Urteil staatsrechtliche

Beschwerde zu erheben; selbst wenn er im kantonalen Ver:-

fahren als,Privatstrafkläger allein an· Stelle des' nicht·in

Funktion tretenden öffentliohen Anklägers aufgetreten ist;;

Im Urteil BGE 69 189 H. wurde entschieden,: dass zu sol:-

cher Beschwerde auch derjenige grundsätzlich nicht legi-

timiert sei, der wegen Ehrverletzung geklagt habe, doch

wurde dabei offen gelassen, ob dies auch gelte, wenn die

Ehrverletzung im Zivilprozessverfahren zu' verfolgen ist.

Da das nach § 2 Abs.l schwyz. ZPO für die vom Beschwer-

deführer eingeklagte Ehrverletzung zutrifft, muss die Frage

heute entschieden werden. Sie ist zu bejahen. Der Staat

hat allerdings· an der' Verfolgung von Ehrverletzungen irl

der Regel nur' ein geringes Interesse. Das älldert jedoch

nichts daran, dass die auf Bestrafung des Täters gerichtete

Klage des Verletzten, selbst wenn sie nach dem mass':

gebenden kantonalen Recht . im Zivilprozessverfahren

durchzuführen ist, eine Strafklage darstellt' (weshalb z. B.

dem Beklagten von jeher die Berufung auf Art. 59 BVver-

sagt wurde.; BGE 14 S. 28, BURCK.1IARDT, Koniin. zux 1}V

R549).Der mit dieser Klage geltend gemachte sog~ Straf-

anspruch ist nach dem StGB.· öffentlich-rechtlicher Natur

und stebt, a.ls Befugirls und Pflicbt zur·Verh@gung eiJ;tel'

Strafe,ausscbliesslich dem Staate zu,unabhängig vom

18'

Staatareoill;.

Verfahren, das die Kantone. zu seiner Geltendmachung zur

Verfügung stellen. Daher kann der in seiner Ehre Verletzte,

wenn er im Wege des Zivilprozesses vorzugehen hat, wohl

dur~h Rückzug der Klage (worin zugleich ein Rückzug

des Strafantrags liegt,Art. 31 StGB) von der Verfolgung

des Täters absehen, ist aber, wenn der Täter einmal

rechtskräftig verurteilt wurde, nicht befugt, auf die Voll-

streckung des Urteils zu verzichten. Geht es somit auch

bei der im Zivilprozessverfahren durchgeführten Ehrver-

letzungsklage ausschliesslich uni den staatlichen Straf-

anspruch, so kann ein Urteil, das diesen verneint, aus den

in BGE 69 I 17 ff. und 89 ff. näher ausgeführten Gründen

vom Kläger nicht durch staatsrechtliche Beschwerde ange-

fochten·werden. Dass ihm kantonale Rechtsmittel und die

Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des Bundes-

gerichts zur Verfügung stehen, ist be1anglos, denn die Legi-

timation zur staatsrechtlichen Beschwerde ist davon unab-

hängig; sie beurteilt sich selbständig nach den dafür auf-

gestellten Vorschriften des OG (BGE 69 119 E. 1 am Ende,

59 I 80).

Demnach erkennt das B'Undesgeri~kt :

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

62. Arr~t du 5 deoombre UMS dans la cause Nleoletcontre Cour

de eassadon penaIe du canton de Frlbourg.

Recowr8 de droit public; delai.

.

Que faut,il entendre par notification d'office au sens de l'art. 89

a1.20J t

L'envoi, prescrit par l'art.272 aI. 1 PPF, d'une expedition dem

.d6cision ne Iui est pas assimilabie.

Prist zur Btaat8rechtlichenBeschwerde.

.

Nachträgliche. Zustellung der ~tscheidungsgr?nd~ ~on Amtes

,wegen (Art. 89 Aha. 2 OG). NIcht als solche gilt dIe m Art. 272

Aha. 1 BStrP vorgeschriebene . Zustellung einer schriftlichen

Ausfertigung des Entscheids;

Termine per l'inoltro ~ ricor8o di diritto pubblieo.

ehe ·cosa devesi intendere per notificazione d'ufficio a' sensi

dell'art.89cp. 2 OGF? .

L'invio (prescritto dall'art. 272 cp. 1 PPF) deI testo scritto della

dooisione non e una notifica.zione a' sensi dell'art. 89 cp. 2 OOF.

Verfahren. N0 52.

Le Tribunal criminel de Ja GIAne a condamne Meinrad

Nicolet, le 3 mai 1946, 8,14 mois d'emprisonnement en

vertu de l'art. 122CP. Par arret du 16 juin 1946, la Cour

de cassation panale du canton de Fribourg a rejete le

reooui's forme par le prevenu.

Nicolet s'est pourvu. en nullite, le 4 juillet 1946, 8, ItL

Cour de' cassation . du. Tribunal federal. Invoquant l'art.

4 CF, il adepose, en outre.le 11 septembre 1946, un reoours

de droit public. Ilreleve notamment qu'une expedition

oomplete de l'arret attaque ne lui' a et6 oommuniquee

que le 12 aoilt.

Le ProC1Irelir general du canton de Fribourg' a conclu

8, l'irrecevabiliteet, 'subsidiairement, au rejet du reoours.

OO'MüUranten droit:

1. -

Statuant que l'acte de recours doit, etre depose

dans les trente jours des la communication, « selon .le

droit can~nal », de l'arrete ou de la decision attaques,

l'art. 89 a1. 1 de la loi federale d'organisation judiciaire

du 16.decembre 1943 a oonsacre la jurisprudence fondee

'sur Pancien art. 178 eh. 3 OJ (RO 63 I 21, 39 I 55). 01,',

le Tribunal federal avait juge que, s'agissant de prononces

penaux, la lecture du dispositif en audience· publique

equivalait, selon la proeedure fribourgeoise, 8, la eom.mu-

nication prevue par cedernier article et constituait,des

lors, le point de d6part du delai da reoours (arret Vieceli

et Burgi du 9 juin 1933). Il en est done de meme sous

l'empire de l'art.89 a1. 1 OJ nouv.

Presents 8, l'audience du 26 juin 1946, Nicolet et son

mandataire ont assiste 8, la lecture du dispositif de l'artet

rendu. Le delai de reeours institue par l'art .. 89 a1. 1 OJ

a oommence de oourir ce jour-la. Interrompu pa],' les

feries judiciaires (art. 34 a1. 1 OJ), il expirait le 27 &out

1946, alors que le recours a ettS remis a la poste le 11

septembre.

2. -

Nicolet conteste neanmoins avoir agi tardive-

ment. Ayant re9u, le 12 aout, une expedition complete

de l'arrete defer6, il invoque le 2e a1. de l'art. 89 OJ.