Erwägungen (3 Absätze)
E. 1 ..... .
E. 2 Die kantonalen Instanzen erblicken die Falsch- beurkundung, zu welcher der Beschwerdeführer angestiftet haben soll, darin, dass Meier in der schriftlichen Schadens- meldung an die Velo-Wache A.G. den Zeitpunkt des behaupteten Di~bstahls unrichtig angab. Wie indes das Bundesgericht im Urteil i. S. Kupper vom 16. April 1946 (BGE 72 IV) ausgeführt hat, ist nicht jede schriftliche Lüge auch eine Falschbeurkundung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. Sie ist es nur dann, wenn die Schrift dazu bestimmt oder geeignet ist, gerade die erlogene Tatsache zu beweisen. Diese Eignung fehlt im vorliegenden Falle, wo die Angabe in der Schadensmeldung, der behauptete Diebstahl sei Ende April 1943 vorgekommen, lediglich den Sinn einer gegenüber dem Versicherer aufgestellten Be- hauptung hatte und zum vornherein nicht bestimmt oder geeignet war, deren Richtigkeit zu beweisen. Urkunde ist die Schadensmeldung nur insofern, als sie die Erklärungen, welche Meier gegenüber dem Versicherer abgegeben hat, ein für allemal festhält, also Beweis schafft dafür, dass und mit welcher Begründung Meier am 29. April 1943 den behaupteten Schadensfall angemeldet hat, nicht auch insofern, als sie für die Wahrheit seiner Erklärungen 140 Strafgesetzbuch. No 40. Beweis bilden würde. Durch die Aufforderung an Meier, in der Schadensmeldung den Zeitpunkt des Diebstahls falsc~ anzugeben, hat sich der Beschwerdeführer daher nicht der Anstiftung zu Falschbeurkundung schuldig ge- macht; das Obergericht hat ihn in diesem Punkte freizu- sprechen.
E. 3 Die Verurteilung wegen Anstiftung zu Irreführung
der Rechtspflege (Art. 304 StGB) erweist sich schon des-
halb als unbegründet, weil der Beschwerdeführer mit Meier
über die Anzeige an die Polizei nicht gesprochen, ihn viel-
mehr bloss zur Meldung an den Versicherer aufgefordert
hat. Das Obergericht ieitet die Schuld des Beschwerde-
führers daraus ab, dass er gewusst habe, dass ohne unver-
zügliche Anzeige des Diebstahls an die Polizei der Versi-
cherungsanspruch verloren gehe; er habe also durch die
Aufforderung an Meier, dem Versicherer das Datum des
Diebstahls falsch zu melden, die Irreführung der Polizei
in Kauf genommen. Allein damit ist nicht festgestellt, dass
der Beschwerdeführer tatsächlich daran gedacht hat, seine
Aufforderung werde Meier auch zu einer falschen Anzeige
an die Polizei veranlassen, und dass er ihn auch zu dieser
Anzeige hat bestimmen wollen. Der Beschwerdeführer ist
daher mangels Vorsatzes freizusprechen.
Übrigens könnte er wegen Anstiftung zu Irreführung
der Rechtspflege selbst dann nicht verurteilt werden, wenn
er Meier bewusst und gewollt dazu .bestimmt hätte, in
einer Anzeige an die Polizei den Tag des vermeintlichen
Diebstahls falsch anzugeben. Das Vergehen der Irreführung
der Rechtspflege besteht darin, dass jemand ~i einer
Behörde wider besseres Wissen anzeigt, es sei eine straf-
bare Handlung begangen worden (Art. 304 Ziff. l Abs. l
StGB). Wer einer Behörde über eine wirklich begangene
strafbare Handlung oder über eine solche, die er für
begangen hält, bewusst falsche Angaben ma"Cht, indem er
z.B. ·den Zeitpunkt oder andere Umstände der Tat falsch
schildert, macht sich des erwähnten Vergehens nicht
schuldig. Der Beschwerdeführer aber hat geglaubt, das
Handelsreisende. No 41.
141
Fahrrad sei Meier wirklich gestohlen worden. Folglich
konnte er ihn nicht anstiften wollen, eine nicht begangene
strafbare Handlung anzuzeigen.
II. HANDELSREISENDE
VOYAGEURS DE COMMERCE
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
40. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 13. Sep-
tember 1948 i. S. Dressler gegen Staatsanwaltschaft des Kantons
Aargau.
1. Art. 251 Zijf. i Aba. 2 StGB. Eine schriftliche Lüge ist Falsch-
beurkundung nur dann, wenn die Schrift da.zu bestimmt oder
geeignet ist, gerade die erlogene Tatsache zu beweisen.
2. Art. 304 Ziff. 1 Aba. 1 StGB trifft nicht zu wenn jemand einer
Behörde über eine wirklich begangene strafbare Handlung oder
über eine solche, die er für begangen hält, beWUBBt falsche
Angaben macht.
I. Art. 251 eh. 1 al. 2 OP. Un mensonge consigne pa.r OOrit n'est
une fa.usse constata.tion da.ns un titre que si l'ecnt est destine
ou propre 8. prouver precisement le fa.it mensonger.
2. L'art. 304 eh. 1al.1 OP ne s'applique pa.s lorsqu'une personne
~ournit. 8. une autorite des indica.tions qu'il sa.it fa.usses sur une
infractIOn roollement commise OU Bur· une infraction qu 'il croit
avoir ete commise.
1. A~. 251, cifra 1, cp. 2 OP. Una menzogna eonsegnata in uno
scr1tto e una fa.lsa eosta.tazione in un titolo solta.nto se lo scritto
e destinato od e idoneo a provare preciaamente il fa.tto men-
zognero.
2. An. 304, cifra 1, cp. 1 OP non e applicabile a chi fornisce ad
un'autorita delle indicazioni, ehe sa ess6re false, au un reato
realmente commesso o su un reato ehe crede sia sta.to eom-
messo.
Im April 1943 gab Meier dem Fahrradhändler Dressler
an, sein, Meiers, Fahrrad, das er bei der Velo-Wache A.G.
gegen Diebstahl versichert und iin Sommer 1942 weiter-
verkauft hatte, sei ihm im Sommer 1942 gestohlen worden.
Dressler fragte ihn, ob er dem Versicherer den Diebstahl
gemeldet habe. Als Meier dies verneinte, riet ihm Dressler,
die Schadensmeldung nachzuholen und Ende April 1943
als Zeitpunkt des Diebstahls anzugeben. Meier zeigte
daher am 29. April 1943 der Polizei von Baden und -
auf
Strafgesetzbuch. No 40.
139
einem Formular « Velodiebstahls-Anzeige »
der Velo-
Wache A.G. an, dass ihm am 28. April 1943 das erwähnte
Fahrrad entwendet worden sei. Die Velo-Wache A.G. liess
sich täuschen und entschädigte Meier.
Das Obergericht des Kantons Aargau würdigte die Tat
Dresslers als Anstiftung zum Betrug, zur Falschbeurkun-
dung und zur Irreführung der Rechtspflege und bestrafte
den Angeklagten. Der Kassationshof des Bundesgerichts
hiess die Nichtigkeitsbeschwerde Dresslers insoweit gut,
als sie auf Freisprechung von der Anklage der Anstiftung
zur Falschbeurkundung und zur Irreführung det Rechts-
pfiege abzielte.
Aus den Erwägungen :
1. -
..... .
2. -
Die kantonalen Instanzen erblicken die Falsch-
beurkundung, zu welcher der Beschwerdeführer angestiftet
haben soll, darin, dass Meier in der schriftlichen Schadens-
meldung an die Velo-Wache A.G. den Zeitpunkt des
behaupteten Di~bstahls unrichtig angab. Wie indes das
Bundesgericht im Urteil i. S. Kupper vom 16. April 1946
(BGE 72 IV) ausgeführt hat, ist nicht jede schriftliche Lüge
auch eine Falschbeurkundung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
Abs. 2 StGB. Sie ist es nur dann, wenn die Schrift dazu
bestimmt oder geeignet ist, gerade die erlogene Tatsache
zu beweisen. Diese Eignung fehlt im vorliegenden Falle,
wo die Angabe in der Schadensmeldung, der behauptete
Diebstahl sei Ende April 1943 vorgekommen, lediglich den
Sinn einer gegenüber dem Versicherer aufgestellten Be-
hauptung hatte und zum vornherein nicht bestimmt oder
geeignet war, deren Richtigkeit zu beweisen. Urkunde ist
die Schadensmeldung nur insofern, als sie die Erklärungen,
welche Meier gegenüber dem Versicherer abgegeben hat,
ein für allemal festhält, also Beweis schafft dafür, dass und
mit welcher Begründung Meier am 29. April 1943 den
behaupteten Schadensfall angemeldet hat, nicht auch
insofern, als sie für die Wahrheit seiner Erklärungen
140
Strafgesetzbuch. No 40.
Beweis bilden würde. Durch die Aufforderung an Meier,
in der Schadensmeldung den Zeitpunkt des Diebstahls
falsc~ anzugeben, hat sich der Beschwerdeführer daher
nicht der Anstiftung zu Falschbeurkundung schuldig ge-
macht; das Obergericht hat ihn in diesem Punkte freizu-
sprechen.
3. -
Die Verurteilung wegen Anstiftung zu Irreführung
der Rechtspflege (Art. 304 StGB) erweist sich schon des-
halb als unbegründet, weil der Beschwerdeführer mit Meier
über die Anzeige an die Polizei nicht gesprochen, ihn viel-
mehr bloss zur Meldung an den Versicherer aufgefordert
hat. Das Obergericht ieitet die Schuld des Beschwerde-
führers daraus ab, dass er gewusst habe, dass ohne unver-
zügliche Anzeige des Diebstahls an die Polizei der Versi-
cherungsanspruch verloren gehe; er habe also durch die
Aufforderung an Meier, dem Versicherer das Datum des
Diebstahls falsch zu melden, die Irreführung der Polizei
in Kauf genommen. Allein damit ist nicht festgestellt, dass
der Beschwerdeführer tatsächlich daran gedacht hat, seine
Aufforderung werde Meier auch zu einer falschen Anzeige
an die Polizei veranlassen, und dass er ihn auch zu dieser
Anzeige hat bestimmen wollen. Der Beschwerdeführer ist
daher mangels Vorsatzes freizusprechen.
Übrigens könnte er wegen Anstiftung zu Irreführung
der Rechtspflege selbst dann nicht verurteilt werden, wenn
er Meier bewusst und gewollt dazu .bestimmt hätte, in
einer Anzeige an die Polizei den Tag des vermeintlichen
Diebstahls falsch anzugeben. Das Vergehen der Irreführung
der Rechtspflege besteht darin, dass jemand ~i einer
Behörde wider besseres Wissen anzeigt, es sei eine straf-
bare Handlung begangen worden (Art. 304 Ziff. l Abs. l
StGB). Wer einer Behörde über eine wirklich begangene
strafbare Handlung oder über eine solche, die er für
begangen hält, bewusst falsche Angaben ma"Cht, indem er
z.B. ·den Zeitpunkt oder andere Umstände der Tat falsch
schildert, macht sich des erwähnten Vergehens nicht
schuldig. Der Beschwerdeführer aber hat geglaubt, das
Handelsreisende. No 41.
141
Fahrrad sei Meier wirklich gestohlen worden. Folglich
konnte er ihn nicht anstiften wollen, eine nicht begangene
strafbare Handlung anzuzeigen.
II. HANDELSREISENDE
VOYAGEURS DE COMMERCE