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72_IV_107

BGE 72 IV 107

Bundesgericht (BGE) · 1946-07-07 · Français CH
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Strafgesetzbuch. No 32;

le delai absolu de trois· ans (art. 118 al. 2, 72 oh. 2 al. 2

CP) etant expire le 7 juillet 1946; Peu importe que l'arret

attague soit anterieur a cette date .. Le Tribunal fäderal

a juge que la prescription continue a courir apres le depöt

d'un recours dote d'effet suspensif (arret Bieri RO 69

IV 103). Or, par ordonnance dü 29 juin 1946, M. le Presi-

dent de la Cour de cassation . penale federale a suspendu

les effets de l'arret oantonal du 20 mai 1946. L'affaire

doit donc etre purement et simplement classoo.

La Cour de cassation a rejete ce moyen.

Moti/s:

C'est a tort que le recourant Michaud soutient que

l'action penale est actuellement prescrite en ce qui le

concerne, les faits retenus a sa · charge retnoiltant aux 1 er

et 7 juillet 1943. Le jugement du Tribunal de police est

du 18 mars 1946 et celui de la Cour de cassation cantonale

du 20 mai 1946. A aucune de ces deux dates, la prescription

absolue n'etait donc acquise. Or cela seul importe. Le

depöt d'un pouivoi en nullit6 au Tribunal federal demeure

en soi sans influence sur la prescription de l'action penale,

ainsi que l'a deja juge la Cour de cassation dans l'arret

Ra'l.Uih c. Ministere public. du. canton de Zurich du 5 juillet

1946. L'exeroice du recours. empeche sa~ doute que le

jugement attaque ne passe en force, mais il n'empeche

pas qu'il ne soit executoire. En · effet; l'art. 272· dem.. al.

:PPF dispose que le pourvoi ne suspend l'execution de la

decision que si la Cour de cassation ou son president

l'ordonne. Le jugement etant aussitöt executoire, la

prescription de la peine (art. 73 CP) doit oourir des le

prononce de Ia juridiction cantonale de derniere instance,

encore qu'a ce moment-Ia le jugement ne soit pas passe

en force. II est vrai que l'art. 74 CP fait courir le delai

du jour ou precisement la force de chose jugee est acquise.

Cette disposition legale part de l'idee qu'un jugement n'est

pas executoire avant d'etre passe en force. Telle est en

eftet la regle, mais l'art. 272 dem. al. fait exception. Or

Strafgesetzbuch. No 33.

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si, nonobstant le depöt d'un pourvoi en nullite au Tribunal

federal,' la prescription de la peine comm.ence a courir

des le prononoe de la juridiction oantonale de derniere

instance, la prescription de 1' action pl:nale doit necessaire-

ment prendre fin a ce moment-Ia. 11 ne saurait y avoir

une periode ou · les · deux prescriptions chevauoheraient

l'une sur l'autre. Lorsque, comme en l'espece, 1a suspension

de l'execution ~st ordonnee, la prescription de la peine,

qui a deja · commence, est suspendu~ du jour ou l'ordon-

nance est prise au jour ou eile cesse ses effets, generalement

avec l'ai'ret du Tribunal federal. Mais cette suspension

ne fait pas courir a ·. nouveau le delai de prescription de

l'action penale, lequel a pris fin le jour du prononce attaque.

Ce delai ne reprend son cours que dans un seul cas, a

sav0ir· loräque la Cour de oassation · annule le jugement

et que la juridiction cantonale doit statuer a nouveau,

c'est-a-dire continuer la poursuite penale: dans ce oas,

le nouveau jugement doit etre rendu dans le delai de

prescription de l'action. Le preOOdent auquel fait allusion

le recourant est sans applicatiöri en l'espece; il conceme

les eftets qu'exerce sur · 1a prescription de l'action penale

un moyen de recours -

l'appel de la procedure penale

bemoise -

qui suspend de plein droit l'execution du

jugement.

. ·

33, Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 20. Sep"'

tem.her 1946 i. S. Staatsanwaltsehaft des Kantons Schaffhausen

gegen Landert.

Arl. 119 Ziff, 3 StGB, g6W6f'b~e Abtreibung.

Gewerbsmässigkeit erfordert nicht, dass die Absicht, sich . durch

das Verbrechen Einnahmen zu verschaffen, der einzige oder

vorherrschende Beweggrund sei.

Arl. 119 Ch; 3 OP. Faire metier de l'avortement;

Faire metier d'une infraction ne suppose pas que l'intention de

se. procurer par 18. des ressources soit pour l'auteur le mobile

· exclusif ou preponderant.

·

·

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Strafgesetzbuch. No 33.

Art. 119; cijra 8 OP. JJ'are·mutiere deJle pmti,che abomve.

Fa.re mestiere d'un rea.to non presuppone ehe l'intenzione di

prooura.rsi in tale modo degli introiti sia per l'autore il motivo

0sclusivo o preponderaitte.

A. -

Emma Landart nahm von 1934 bis zu ihrer

am 8. August 1944 erfolgten Verhaftung in 45 Fällen

an schwangeren oder vermeintlich schwangeren Personen

Eingriffe vor, die auf Abtreibung der Leibesfrucht gerich-

tet waren und in einem Teil der Fälle Erfolg hatten.

Sie liess sich vorwiegend vom Wunsch bewegen, den

Frauen, die bei ihr Hilfe suchten, aus der Not zu helfen.

Sie . griff stets ein, ohne vorher über eine Entschädigung

zu sprechen .. In dreizehn Fällen erhielt sie keine solche.

Einige Male wies sie das Geld ganz oder teilweise zurück,

als man sie nach Begehung der Tat entschädigen wollte.

Sechsmal nahm sie Fr .. 5.-, fünfmal Fr. 10.-, zweimal

Fr .. 15.-, sechsmal Fr. 20.-, zweimal Fr. 25. -, sechsmal

Fr. 30.-, zweimal Fr. 40.-, einmal Fr. 45. -

und zweimal

Fr. 50.-an.

B. -

Am 28; Januar 1946 erklärte das Kantonsgericht

von Schafihausen Emma Landert in einundzwanzig Fällen

der vollendeten und in sieben Fällen der versuchten

Abtreibung schuldig und verurteilte sie in Anwendung

von Art. ll9 Zifi 3 StGB zu drei Jahren Zuchthaus und

fünfjähriger Einstellung in der bürgerlichen Ehrenfähig-

keit. In Gutheissung der Berufung der Verurteilten ver-

neinte das Obergericht durch Urteil vom 31. Mai 1946

die Gewerbsmässigkeit der begangenen Verbrechen, weil

bei der Angeklagten das Hilfsmoment als· Beweggrund

im Vordergrund gestanden habe, die Entgegennahme

einer Entschädigung nach der Tat noch nicht den Schluss

zulasse, der Täter habe nur in Erwartung einer Entschä~

digung gehandelt, und die. Angeklagte angesichts der

bescheidenen Einnahmen, des Zeitaufwandes, der Aus-

lagen für Reisen nach auswärts sowie für Anschaffung

der Abtreibungsinstrumente auf die Dauer praktisch

wohl überhaupt keinen Gewinn habe erzielen können.

Strafgesetzbuch. No 33.

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Das Obergericht setzte die Zuchthausstrafe auf zweieinhalb

Jahre herab.

0. -

Der Staatsanwalt des Kantons Schaffhausen

führt Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das Urteil

des Obergerichts sei aufzuheben und die Sache zur neuen

Beurteilung unter Annahme von Gewerbsmässigkeit im

Sinne des Art. II9 Zifi. 3 StGB an die Vorinstanz zurück-

zuweisen.

Der Kassatiomho/ zieht in Erwiigung :

1. --- ....••

2. -

Gewerbsmässig handelt nach der Rechtspreehung

des Kassationshofes, wer die Tat in der Absichtf Zu einem

Erwerbseinkommen zu gelangen, wiederholt begeht (BGE

70 IV 17, 135; 71 IV II5). In der vorliegenden Sache

ist nicht die Vielheit der Begehung, sondern bloss die

Erwerbsabsicht streitig. Das Obergericht hält sie für

nicht gegeben, weil der Wille, den Schwangeren zu·helfen,

als Beweggrund im Vordergrund gestanden habe. Allein

dieses soziale Empfinden schliesst den Willen der Täte-

rin, die Abtreibungen gleichzeitig zur Erwerbsquelle · zu

machen, nicht aus, wie denn auch die.· Vorinstanz in ihm

bloss die hauptsächliche, nicht . die· ausschliessliche Trieb-

feder erblickt. Tatsächlich hat die Nächstenliebe die

Beschwerdegegnerin nicht gehindert, sich in der Mehrzahl

der Fälle bezahlen zu lassen. Dass hin und wieder ein

Honorar ausblieb oder von der Beschwerdegegnerin ganz

oder teilweise zurückgewiesen wurde, ist unerheblich,

denn die übrigen Fälle bilden eine . genügende Vielheit

von Abtreibungen und ·Abtreibungsversuchen, um das

gesamte Verhalten als ein von den Merkmalen der Ge-

werbsmässigkeit gekennzeichnetes Kollektivverbrechen er-

scheinen zu lassen, ·in deni auch die wenigen unentgelt-

lichen Fälle aufgehen (BGE 71 IV 237). Wohl hat die

Beschwerdegegnerin die Eingriffe nie von der Zusicherung

einer··Entschädigung abhängig gemacht. Allein tatsächlich

hat sie ihre Taten durch die nachherige ~ahme der

110

Strafgesetzbuch. N• 34.

Honorare doch zur Erwerbsquelle werden lassen und

damit gezeigt, dass es ihr recht war, wenn nicht jedesmal,

so,doch in einem Teil der Fälle entschädigt zu werden.

Sie hat mit der.Entschädigung zum vornherein gerechnet.

Dass··die Absicht, sich durch das .Verbrechen· Einnahmen

zu verschaffen, der einzige oder zum mindesten vorherr-

schende Beweggrund sei, ist nicht nötig. Gewerbsmässig

handelt der Täter schon dann, wenn er sich von ihr bloss

teilweise bestimmen lässt, denn damit zeigt er das, was

das Gesetz als Grund zur schärferen Bestrafung betrachtet:

die dem Gewerbebetrieb eigene Bereitschaft, um des

Verdienstes willen gegenüber unbestimmt vielen zu han-

deln (BGE 71 IV 115). Hat auch die Beschwerdegegnerin

ihre- Hemmungen vorwiegend ·aus sozialen Erwägungen

ein für allemal aufgegeben; so hat sie sich doch auch

durch die Aussicht auf Verdienst leiten lassen. Dass

dieser gering war, spielt.für die. Frage der Gewerbsmässig-

keit keine Rolle.

Demnach erken1fit der Kassationikof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird gutgeheissen,; das

Urteil des Obergerichts des Kantons Schaffhausen vom

31. Mai 1946 aufgehoben und die Sache zur Verurteilung

der Emma· Landert wegen vollendeter und versuchter

gewerbsmässiger Abtreibung an die Vorinstanz zurück-

gewiesen.

34: •. Auszug aus·dem Urteil des Kassationshofes vom 4. Oktober

1846 i. S. Steurer gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Thur-

gau.

I. Bedeutung der Anerkennung der Anklage durch den Ange-

klagten (Erw. 1).

2. Art. 137 Zifi. 2 Abs. 2 StGB trifft auch zu; wenn die fortgesetzte

Verübung von Raub oder Diebstahl nicht der einzige oder

ursprüngliche Zweck der Bande ist {Erw. 2).

3. ·Strafzumessung, wenn die · Tat . sowohl uriter Art. 137 · Zifi. 2

Abs. 2 als auch unter Art. 137 Ziff. 2 Abs. 4 StGB fällt (Erw. ~).

Strafgesetzbuch. N° 34.

111

1. Portee du fa.it que l'accuse se soumet a J'accusa.tion (consid. 1).

2. L'art. 137 eh. 2 al. 2 CP s'a~lique aussi Iorsq,ue la co~si?n

de vols ou de brigandages n est pas le but umque ou or1gma:ire

de la. bande (consid. 2).

.

.

.

3. Mesure de Ja peine lorsque l'mfraction tombe a, la fms SOUS le

coup de l'art. 137 eh. 2. a.l. 2 et sous celui de 1 art. 137 eh. 2

a.l. 4 CP (consid. 3).

·

1. Por~ta. del riconoscimento dell'acetisa. ..da parte dell'accusato

. (consid. 1).

2. L'art. 137, eifra. 2, cp. 2 CP si applica. a.nche qua:ndo lo scopo

·

u,nico od origina.rio · della. banda non e quello di commettere

furti o ra.pine (consid. 2).

.

. .

.

3. Commisura.zione delJa pena nel CS.SO m CUl il, reato e ~umto

ta.nto da.ll'a.rt. 137, eifra. 2, cp. 2 CP, quanto da.II a.rt. 137, cifra 2,

cp. 4, CP (consid. 3).

Aus den Erwägungen:

1. ...-... Die Staatsanwaltschaft macht geltend, der Be-

schwerdefÜhrer habe die Anklage und damit auch das

Merkmal der Bandenmässigkeit des Diebstahls anerkannt

und sei deswegen statt vom Geschworenengericht von der

Kriminalkammer beurteilt worden. Ein Rückzug des

erwähnten Geständnisses sei in diesem Verfahren nicht

mehr möglich. Auch sei die Frage· der tätigen Reue nicht

mehr zu beurteilen, weil dieser Strafmilderungsgrund in

der Anklageschrift nicht vermerkt worden sei und daher

von der Kriminalkammer nicht habe beurteilt werden

dürfen. Wenn der Beschwerdeführer tätige Reue hätte

geltend machen wollen, hätte er die Anklage in diesem

Punkte bestreiten müssen, worauf er dem Geschworenen-

gericht überwiesen worden wäre.

Soweit mit diesen Ausführungen das Recht des Kassa-

tionshofes zur freien rechtlichen Würdigung der festge-

stellten Tatsachen bestritten werden will, weil nach

kantonalem Prozessrecht das Geschworenengericht hätte

urteilen müssen, wenn der. Besch.werdeführer sich der

Rechtsauffassung des Anklägers im kantonalen Verfahren

nicht unterzogen hätte, sind sie unbegründet. Für den

Kassationshof verbindlich können als Ergebnis des kan-

tonalen Verfahrens, sei es gestützt auf ein Geständnis,

sei es· gestützt auf andere Beweismittel, nur Tatsachen