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71_IV_219

BGE 71 IV 219

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1945-09-28 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

50. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 28. Sep-

tember 1945 i. S. Langjahr gegen Staatsanwaltschaft des

Kantons Ziirlch.

.Art. 291 .Abs. 1 StGB.

Der Strafrichter hat nicht zu prüfen, ob die Ausweisungsverfügung,

so wie sie lautet, sachlich gerechtfertigt und zweckrnässig ist.

Zulässiger Inhalt einer gestützt auf Art. 45 BV aus sicherheits-

polizeilichen Gründen ausgesprochenen Kantonsverweisung.

.Art. 291 aZ. 1 CP.

Le juge penal n'a pas & examiner si la decision d'expulsion, teile

qu'elle est con9ue, est materiellement justifiee et opportune.

Contenu que peut avoir une decision d'expulsion prise pour des

motifs de police en vertu de l'art. 45 CF.

.Art. 291 cp. 1 OP.

.

n giudice penale non deve esamina.re se il decreto d'espulsione,

cosi com' e concepito, sia. giustificato nel merito ed opportuno.

Contenuto ehe puo a.vere un decreto d'espulsione pronuncia.to

per motivi di polizia in virtu dell'art. 45 CF.

Aus den Erwägungen :

Die Rüge des Beschwerdeführers, der Kanton, welcher

dem Ausgewiesenen zwar die Durchreise mit der Eisenbahn

gestattet, ihm aber das Verlassen des ~ahnsteiges verbietet,

verletze Art. 291 StGB, richtet sich nicht an den Straf-

richter, sondern an die Behörde, welche die Ka.ntonsver-

weisung ausgesprochen hat. Wenn die Ausweisung von

der ~uständigen Behörde verfügt und rechtskräftig gewor-

den ist, wie es hier zutrifft, geniesst sie strafrechtlichen

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Strafgesetzbuch. N° 50.

Schutz, gleichgültig, ob sie sachlich gerechtfertigt und

zweckmässig ist. Der Strafrichter kann ihr nicht einen

anderen Inhalt geben' als die kantonale Verwaltungs-

inst~z, die sie erlassen hat. Ein Verweisungsbruch als

strafbare Handlung gegen die öffentliche Gewalt liegt vor,

sobald sich der Ausgewiesene gegen den Ausweisungsent-

scheid, so wie er lautet, verfehlt hat. Dass das im vorlie-

genden Falle objektiv geschehen ist, bestreitet der Be-

schwerdeführer mit Recht nicht.

Seine Kritik ist aber auch sachlich unbegründet. Wenn

die Ausweisungsbehörde insofern einen Einbruch in die

Kantonsverweisung gestattet, als sie die Durchreise mit

der Eisenbahn und sogar das Umsteigen und das damit

verbundene Warten auf dem Bahnsteig allgemein als

erlaubt erklärt, so kann der Ausgewiesene aus diesem Ent-

gegenkommen nicht das Recht ableiten, noch weiter zu

gehen, beispielsweise am Bahnhofkiosk einzukaufen oder

sich ins Bahnhofbuffet zu begeben, Er muss· die Beschrän-

kungen, die ihm im Rahmen des allgemeinen Entgegen-

kommens auferlegt werden, in Kauf nehmen. Nach der

Rechtsprechung des Bundesgerichts darf der Kanton dem

Ausgewiesenen, Fälle blasser Schikane ausgenommen,

sogar die Durchreise verbiete:Q (vgl. BGE 42 · I 305). Das

grundsätzliche Verbot, anlässlich der gestatteten Durch-

reise den Bahnsteig zu verlassen, ist nicht schikanös. Wo

ein schützenswertes Interesse im einzelnen Falle eine Aus-

nahme erheischt, kann der Ausgewiesene den Kanton um

eine besondere Bewilligung angehen, wie ja auch im vor-

liegenden Falle der Ausweisungsbeschluss sie vorbehält.

Verfahren. N•;; 1.

II. VERFAHREN

PROOEDURE

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